Michendorf: Gemeinde zwischen Wald & Wasser

15/12/2024

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Wenn man sich fragt, ob Michendorf eine Stadt oder ein Dorf ist, liefert ein Blick auf die offizielle Bezeichnung und die Struktur der Ansiedlung die Antwort. Michendorf ist heute eine Gemeinde im Landkreis Potsdam-Mittelmark in Brandenburg. Sie setzt sich aus insgesamt sechs verschiedenen Ortsteilen zusammen, von denen jeder seine eigene Geschichte als ehemals eigenständiges Dorf oder eine andere Siedlungsform hat. Diese Struktur als größere Gebietskörperschaft, die mehrere Siedlungen vereint, unterscheidet sie sowohl von einer einzelnen kleinen Dorfsiedlung als auch von einer Stadt, die in Deutschland spezifische Stadtrechte besitzt.

Ist Michendorf eine Stadt oder ein Dorf?
Michendorf ist eine amtsfreie Gemeinde im Osten des Landkreises Potsdam-Mittelmark in Brandenburg südlich von Potsdam. Die heutige (Groß-)Gemeinde entstand 2003 durch den gesetzlich festgelegten Zusammenschluss der sechs amtsangehörigen Gemeinden des von 1992 bis 2003 existierenden Amtes Michendorf.

Die Gemeinde Michendorf liegt eingebettet in eine reizvolle Landschaft, die maßgeblich von ihrer geografischen Lage geprägt ist. Sie befindet sich etwa neun Kilometer südlich der Landeshauptstadt Potsdam und ist von ausgedehnten Waldgebieten umgeben. Teile der Gemeinde, speziell die Ortsteile Fresdorf, Stücken und Wildenbruch, liegen innerhalb des Naturparks Nuthe-Nieplitz, was die landschaftliche Bedeutung dieser Region unterstreicht. Im Süden grenzt die Gemeinde an den Großen Seddiner See, ein markantes Gewässer, das zur lokalen Erholung und Natur beiträgt. Im westlichen Gemeindegebiet finden sich zudem der Große und der Kleine Lienewitzsee. Auch im südlichen Bereich gehören Gewässer wie der Fresdorfer See, das Poschfenn und der Katzwinkel zum Gemeindegebiet.

Übersicht

Geografische Einordnung

Das Gemeindegebiet von Michendorf ist geologisch und geomorphologisch Teil des glaziären Aufschüttungsgebietes des nördlichen Mitteleuropas und gehört zur naturräumlichen Großeinheit Mittelbrandenburgische Platten und Niederungen. Diese Region ist charakterisiert durch eine Vielfalt von Landschaftsformen, darunter flache Grundmoränenplatten, hügelige Endmoränen, sanft geneigte Sander- und Talsandflächen sowie eingesenkte Niederungen und Täler. Innerhalb dieser Großeinheit wird das Gebiet Michendorfs den naturräumlichen Untereinheiten Beelitzer Heide und Nuthe-Notte-Niederung zugeordnet.

Die Gemarkungen der Ortsteile Wilhelmshorst, Michendorf selbst sowie die westlichen Teile von Langerwisch und Wildenbruch sind im nordöstlichen Teil der Beelitzer Heide verortet. Dieses Gebiet zeichnet sich durch flache Grundmoränenflächen, Talsandflächen (beispielsweise westlich des Großen Seddiner Sees) sowie Stauch- und Endmoränenflächen (wie westlich der Lienewitzseen) aus. Die Nuthe-Notte-Niederung hingegen umfasst die Gemarkungen der Ortsteile Fresdorf, Stücken sowie die östlichen Teile von Langerwisch und Wildenbruch. Hier dominieren stark verzweigte, feuchte Niederungslandschaften, aus denen sich meist flachwellige Grundmoränenflächen erheben. Eingestreut sind verschiedene Stauchmoränenkuppen und -rücken, darunter der Ziebchenberg bei Wildenbruch, die Grämitzberge, der Stertberg und der Kesselberg bei Fresdorf. Diese Erhebungen bilden einen Teil des Hügelzugs der Saarmunder Endmoräne, deren höchste Punkte, wie der Große Ravensberg bei Potsdam, bis zu 116 m über Normalhöhennull erreichen, während die Stauchmoränenhöhen sonst zwischen 45 und 60 m schwanken. Die Niederungen liegen im Durchschnitt bei 30 bis 40 m Höhe.

Waldflächen und Forstwirtschaft

Ein prägendes Element der Gemeinde Michendorf ist der Wald. Die Gesamtwaldfläche beträgt beachtliche 2.941 Hektar, was etwa 43 Prozent des gesamten Gemeindegebietes ausmacht. Der Waldbestand verteilt sich etwa zur Hälfte auf Privatwald und Landeswald. Für die Bewirtschaftung des Landeswaldes ist der Landesbetrieb Forst Brandenburg zuständig. Ein größerer Anteil des Waldes in der Gemeinde, nämlich 1.892 Hektar, wird von der Oberförsterei Potsdam betreut, während weitere 1.049 Hektar in der Zuständigkeit der Oberförsterei Ferch liegen. Die meisten Privatwaldbesitzer sind in Forstbetriebsgemeinschaften wie der „Fresdorfer Heide“ oder „Märkische Heide“ organisiert. Andere Eigentumsarten wie Treuhandwald, Kommunalwald, Bundeswald und Eigentum sonstiger Körperschaften machen nur einen kleineren Teil aus.

Gegenwärtig bestehen die Forstflächen überwiegend aus Nadelwaldbeständen, wobei die Kiefer dominiert. Ein wichtiges Ziel für zukünftige Aufforstungen und die Forstwirtschaft in der Region ist der Waldumbau. Dieser zielt darauf ab, die oft monotonen Kiefernbestände in widerstandsfähigere Mischbestände umzuwandeln, sofern die jeweiligen Standortbedingungen dies zulassen.

Struktur der Siedlungen

Die Siedlungsstruktur innerhalb der Gemeinde Michendorf ist nicht einheitlich, sondern zeigt deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ortsteilen. Der Teil der Gemeinde, der sich innerhalb des Berliner Autobahnrings befindet und die Ortsteile Wilhelmshorst, Michendorf und Langerwisch umfasst, weist trotz der umliegenden ausgedehnten Waldflächen einen eher suburbanen Charakter auf, der stark von der Nähe zu Potsdam geprägt ist. Im Gegensatz dazu haben die südlich gelegenen und kleineren Ortsteile Fresdorf und Stücken einen deutlich ländlicheren Charakter bewahrt. Diese unterschiedlichen Strukturen und die jeweilige Geschichte der Ortsteile können, wie der Text andeutet, Herausforderungen für das Zusammenwachsen der 2003 entstandenen Großgemeinde mit sich bringen, da individuelle Ortsteilsinteressen eine Rolle spielen können.

Ortsteile der Gemeinde Michendorf

Die Gemeinde Michendorf gliedert sich in sechs offizielle Ortsteile. Jeder dieser Ortsteile trägt zur Identität und Vielfalt der Gemeinde bei. Die Einwohnerzahlen vom 31. Dezember 2023 geben einen Einblick in die Größe der einzelnen Teile:

OrtsteilEinwohner (31.12.2023)
Fresdorf309
Langerwisch1.800
Michendorf5.632
Stücken492
Wildenbruch2.574
Wilhelmshorst3.199

Zum Ortsteil Wildenbruch gehören zudem bewohnte Gemeindeteile wie Wildenbruch-Bergheide, Wildenbruch-Lehnmarke und Wildenbruch-Six. Obwohl diese räumlich vom restlichen Wildenbruch getrennt sind, besitzen sie keinen eigenen Ortsteilstatus gemäß der Brandenburgischen Kommunalverfassung. Darüber hinaus gibt es in der Gemeinde historisch gewachsene Wohnplätze ohne eigenen Rechtsstatus, die zu den verschiedenen Ortsteilen gehören. Dazu zählen Alt Langerwisch, Neu Langerwisch, Galgenberg, Gut Breite, Lienewitz, Siedlung Michendorf West, Siedlung Willichslust, Tannenhof, Teufelshorn, Waldhaus und Weinberg.

Historische Entwicklung

Die Geschichte der heutigen Großgemeinde Michendorf ist im Wesentlichen die Geschichte ihrer einzelnen, ehemals selbstständigen Gemeinden bis zum Jahr 1992. Diese Orte, obgleich sie einige Gemeinsamkeiten teilen, weisen auch deutliche Unterschiede in ihrer historischen Entwicklung auf. Die mittelalterlichen Ursprünge der sechs Orte – Fresdorf, Alt Langerwisch, Neu Langerwisch, Michendorf, Stücken und Wildenbruch – reichen bis ins Mittelalter zurück. Im Jahr 1375 wurden sie der historischen Landschaft der Zauche zugerechnet.

Aus dieser Landschaft entstand der Zauchische Kreis, der 1816/17 mit dem zuvor kursächsischen Amt Belzig zum Zauch-Belzigschen Kreis, später Landkreis Zauch-Belzig genannt, vereinigt wurde. Im Zuge der Kreisreform von 1952 wurde dieser Kreis aufgelöst, und die damals schon sechs Gemeinden wurden dem Kreis Potsdam-Land zugeordnet. Mit der Kreisreform im Land Brandenburg im Jahr 1993 kamen sie schließlich zum Landkreis Potsdam-Mittelmark.

Ursprünglich waren alle sechs mittelalterlichen Dörfer – Fresdorf, Alt Langerwisch, Neu Langerwisch, Michendorf, Stücken und Wildenbruch – im Besitz des Markgrafen. Fresdorf verblieb immer in markgräflichem Besitz und gehörte zunächst zur Vogtei Beelitz, die früh mit der Vogtei Saarmund vereinigt wurde. Alt Langerwisch gehörte als markgräflicher Besitz stets zur Vogtei beziehungsweise zum Amt Saarmund. Neu Langerwisch war nur bis 1285 landesherrlich und ging dann an das Domkapitel in Brandenburg als Oberlehensherr über, mit verschiedenen Lehensinhabern im Laufe der Jahrhunderte. Michendorf als landesherrlicher Besitz wurde von der Vogtei beziehungsweise vom Amt Saarmund verwaltet. Stücken gehörte als markgräflicher Besitz bis 1524 zur Vogtei beziehungsweise zum Amt Saarmund und wurde 1482 pfandweise an die Familie von Thümen gegeben, deren Besitz 1524 erblich wurde. Eine Besonderheit stellt Wildenbruch dar, das bereits 1375 als markgräfliches Lehen im Besitz der Familie von Rochow war.

Spätere Entwicklungen umfassen die Bildung der Gemeinde Wilhelmshorst aus der Kolonie Wilhelmshorst im Jahr 1907 sowie den Zusammenschluss von Alt und Neu Langerwisch zur Gemeinde Langerwisch im Jahr 1938. Von 1952 bis 1993 gehörten Michendorf und seine heutigen Ortsteile zum Kreis Potsdam-Land. Seit 1993 sind sie Teil des Landkreises Potsdam-Mittelmark.

Im Jahr 1992 wurde das Amt Michendorf gegründet. In diesem Amt schlossen sich die späteren Ortsteile Fresdorf, Langerwisch, Michendorf, Stücken, Wildenbruch und Wilhelmshorst, die zu diesem Zeitpunkt noch eigenständige Gemeinden waren, zu einer Verwaltungsgemeinschaft zusammen. Trotz dieser Verwaltungsgemeinschaft behielt jede Gemeinde ihre Selbstständigkeit mit einem eigenen ehrenamtlichen Bürgermeister und Gemeinderat bei.

Die entscheidende Veränderung zur heutigen Struktur erfolgte im Rahmen der Gemeindereform 2003 in Brandenburg. Durch ein Gesetz wurden die sechs dem Amt angehörigen Gemeinden zur neuen Großgemeinde Michendorf zusammengeschlossen. Dieser Zusammenschluss wurde von der namensgebenden Gemeinde Michendorf gerichtlich angefochten. Eine kommunale Verfassungsbeschwerde vor dem Verfassungsgericht des Landes Brandenburg wurde jedoch im Jahr 2005 teils verworfen und im Übrigen zurückgewiesen, womit der Zusammenschluss rechtskräftig wurde.

Bevölkerungsentwicklung

Die Bevölkerungsentwicklung der Gemeinde Michendorf zeigt über die Zeit hinweg deutliche Veränderungen. Insbesondere nach der Gründung der Großgemeinde im Jahr 2003 ist ein signifikanter Anstieg der Einwohnerzahlen zu verzeichnen.

JahrEinwohner
1875277
1890483
19101.147
19251.408
19331.941
19392.526
19463.055
19503.070
19642.990
19712.884
19812.690
19852.620
19902.602
19952.569
20003.748
200511.163
201011.805
201512.178
202013.278
202113.618
202213.531
202313.635

Die drastische Zunahme der Einwohnerzahl im Jahr 2005 ist direkt auf den Zusammenschluss der sechs ehemals eigenständigen Gemeinden zur neuen Gemeinde Michendorf im Jahr 2003 zurückzuführen. Über diesen Zusammenschluss hinaus haben insbesondere die Ortsteile Michendorf und Wilhelmshorst seit der deutschen Wiedervereinigung einen stetigen Einwohnerzuwachs erfahren. Dies wird auf ihre unmittelbare Nähe zu Potsdam, die gute Bahnanbindung nach Berlin sowie die Anbindung an die Autobahnen A 10 und A 115 zurückgeführt, was die Region zu einem attraktiven Wohnort macht.

Häufig gestellte Fragen zu Michendorf

Basierend auf den verfügbaren Informationen können wir einige häufige Fragen beantworten:

Ist Michendorf eine Stadt?

Nein, laut den bereitgestellten Informationen ist Michendorf eine Gemeinde im Landkreis Potsdam-Mittelmark.

Aus welchen Teilen besteht die Gemeinde Michendorf?

Die Gemeinde Michendorf besteht aus sechs offiziellen Ortsteilen: Fresdorf, Langerwisch, Michendorf, Stücken, Wildenbruch und Wilhelmshorst.

Wann wurde die heutige Großgemeinde Michendorf gegründet?

Die heutige Großgemeinde Michendorf entstand im Rahmen der Gemeindereform in Brandenburg im Jahr 2003 durch den Zusammenschluss von sechs ehemals eigenständigen Gemeinden.

In welchem Landkreis liegt Michendorf?

Die Gemeinde Michendorf liegt im Landkreis Potsdam-Mittelmark in Brandenburg.

Welche Rolle spielten die einzelnen Ortsteile historisch?

Die Ortsteile waren ursprünglich mittelalterliche Dörfer, die historisch zur Landschaft der Zauche gehörten und oft in markgräflichem Besitz waren, verwaltet von Vogteien oder Ämtern wie Saarmund oder Beelitz, bevor sie Teil größerer Kreise und später der heutigen Gemeinde wurden.

Gibt es Seen in der Nähe von Michendorf?

Ja, das Gemeindegebiet grenzt unter anderem an den Großen Seddiner See und umfasst Teile des Großen und Kleinen Lienewitzsees sowie weitere Gewässer wie den Fresdorfer See, das Poschfenn und den Katzwinkel.

Wie groß ist die Waldfläche in der Gemeinde Michendorf?

Die Gesamtwaldfläche in der Gemeinde Michendorf beträgt 2.941 Hektar, was etwa 43 % des Gemeindegebietes ausmacht.

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