Warum heißt ein Münster Münster?

Der Prinzipalmarkt in Münster: Herz der Stadt

05/04/2022

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Der Prinzipalmarkt in Münster ist weit mehr als nur eine Straße. Er ist das pulsierende Herz der Stadt, ein Ort von großer historischer Bedeutung und unvergleichlichem architektonischem Reiz. Jeder, der durch Münster schlendert, wird unweigerlich von der einzigartigen Atmosphäre dieser berühmten Häuserzeile mit ihren charakteristischen Bogengängen und den prächtigen Giebelhäusern in den Bann gezogen. Doch haben Sie sich jemals gefragt, warum dieser ikonische Ort eigentlich "Prinzipalmarkt" heißt?

Die Antwort liegt in der Geschichte und der Funktion, die dieser Straßenzug im Laufe der Jahrhunderte innehatte. Der Name ist eine direkte Ableitung aus dem Lateinischen und bedeutet schlichtweg "Hauptmarkt". Er diente dazu, diesen zentralen und wichtigsten Handelsplatz der Stadt von anderen, spezialisierten Märkten abzugrenzen, die sich ebenfalls in Münster befanden und teilweise im weiteren Verlauf der Straße folgten. Dazu gehörten beispielsweise der Roggenmarkt und der Fischmarkt. Der Prinzipalmarkt war von Beginn an der primäre Ort für Handel und Versammlungen, das wirtschaftliche und politische Zentrum der Stadt.

Warum heißt ein Münster Münster?
Der Begriff "Münster" kommt ursprünglich vom griechisch-lateinischen Wort monasterium, womit seit frühchristlicher Zeit ein Kloster bezeichnet wurde. Umfasste der Begriff monasterium anfänglich den gesamten Gebäudekomplex eines Klosters, so wurde er später für die Klosterkirche reserviert.
Übersicht

Die Bedeutung des Namens: Warum "Prinzipalmarkt"?

Wie bereits erwähnt, ist der Name "Prinzipalmarkt" eine Bezeichnung, die seine herausragende Stellung innerhalb des städtischen Gefüges unterstreicht. Er etablierte sich vermutlich erst Anfang des 17. Jahrhunderts, lange nachdem der Ort bereits seine Funktion als zentraler Markt eingenommen hatte. Zuvor mag er einfach als "der Markt" oder ähnlich bezeichnet worden sein. Die explizite Nennung als "Prinzipalmarkt" hebt seine Rolle als Haupt- und zentraler Markt hervor, im Gegensatz zu anderen spezifischeren Handelsplätzen für bestimmte Waren. Dieser Name ist somit ein historisches Zeugnis für die Hierarchie und Organisation des mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Handels in Münster.

Ein Blick in die Geschichte: Von den Anfängen bis heute

Die Entwicklung des Prinzipalmarktes als bürgerliche Marktstraße begann bereits im 12. Jahrhundert. Er lag strategisch günstig am Rande der damaligen Domfreiheit und an der östlichen Grenze der Domburg. Diese Lage ermöglichte eine frühe Besiedlung und Etablierung als Handelsplatz. Eine geschlossene Bebauung, die den heutigen Grundriss erahnen lässt, gab es vermutlich bereits um das Jahr 1280. Dies war ein wichtiger Schritt in der Verfestigung seiner Rolle als städtisches Zentrum.

Ein architektonisches Element, das den Prinzipalmarkt bis heute prägt, entstand an der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert: der charakteristische Bogengang. Diese offene Arkadenreihe im Erdgeschoss der Häuser bot Schutz vor Witterung und schuf einen idealen Raum für Händler, ihre Waren anzubieten. Die Parzellenstruktur, also die Aufteilung des Landes entlang der Straße, und die Anzahl der Gebäude blieben – mit nur wenigen Ausnahmen – seit etwa 1500 im Wesentlichen erhalten. Diese Kontinuität ist bemerkenswert und trägt zur historischen Authentizität des Ortes bei.

Über die Jahrhunderte hinweg war der Prinzipalmarkt Schauplatz zahlreicher historischer Ereignisse, von Markttreiben und öffentlichen Versammlungen bis hin zu tragischen Momenten. Ein bekanntes historisches Ereignis, das mit dem Ort verbunden ist, auch wenn es nicht direkt auf dem Markt stattfand, ist die Hinrichtung der Anführer der Wiedertäuferbewegung im 16. Jahrhundert, ein dunkles Kapitel der Stadtgeschichte, das in historischen Stichen oft im Kontext des Prinzipalmarktes dargestellt wird.

Architektonische Meisterwerke: Giebel, Bogengänge und Sandstein

Das Erscheinungsbild des Prinzipalmarktes wird maßgeblich durch die beidseitig gereihten Giebelhäuser geprägt. Eine Besonderheit, die dem Prinzipalmarkt seinen unverwechselbaren Charakter verleiht, ist die Tatsache, dass kein Giebel dem anderen gleicht. Obwohl sich die Architekten der damaligen Zeit teilweise voneinander inspirieren ließen, setzte jeder seine eigene Vorstellung um, was zu einer faszinierenden Vielfalt an Formen und Verzierungen führte. Diese Individualität innerhalb der Einheit macht den besonderen Reiz aus.

Der bereits erwähnte Bogengang ist ein weiteres wesentliches Gestaltungselement. Er zieht sich entlang der Ost- und Westseite des Prinzipalmarktes und lädt zum Flanieren und Verweilen ein. Dieser geschützte Bereich ermöglichte nicht nur den Handel bei jedem Wetter, sondern schuf auch einen öffentlichen Raum, der den sozialen Austausch förderte.

Für die Fassadengestaltung wurde überwiegend der für Münster typische Baumberger Sandstein verwendet. Dieses Material verleiht den Gebäuden ihre charakteristische warme Farbe und robuste Anmutung und verbindet die Architektur visuell mit der regionalen Geologie.

Bekannte Gebäude am Prinzipalmarkt sind das historische Rathaus, ein Bau von immenser historischer Bedeutung (dazu später mehr), das sich daran anschließende Stadtweinhaus und das Geschäftshaus Prinzipalmarkt 5. Am nördlichen Ende wird der Blick vom Turm der Lambertikirche dominiert, während am südlichen Ende der Stadthausturm einen markanten Abschluss bildet. Nur der Michaelisplatz, der einen Durchbruch zum Domplatz schafft, unterbricht die geschlossene Häuserfront.

Die "Gute Stube" Münsters: Mehr als nur eine Straße

Der Prinzipalmarkt wird oft liebevoll als die "gute Stube" Münsters bezeichnet. Dieser Begriff verdeutlicht seine zentrale Rolle im Leben der Stadt und ihrer Bewohner. Ähnlich wie das Wohnzimmer das Herzstück eines Hauses ist, so ist der Prinzipalmarkt das Herzstück Münsters – ein Ort, an dem man sich trifft, einkauft, flaniert und das städtische Leben genießt. Er ist Schauplatz von Festen, Veranstaltungen und täglichem Treiben. Diese Bezeichnung unterstreicht die Verbundenheit der Münsteraner mit ihrem Prinzipalmarkt und dessen Bedeutung als Identifikationspunkt.

Zerstörung und Wiederaufbau: Ein starkes Symbol

Im Zweiten Weltkrieg wurde Münster schwer getroffen, und der Prinzipalmarkt bildete dabei keine Ausnahme. Die meisten Gebäude wurden völlig zerstört, einige wenige nur bis auf Keller und Erdgeschosslaube. Die Bilder des zerstörten Marktes mit den Besatzungstruppen Anfang April 1945 zeigen das Ausmaß der Verwüstung deutlich.

Doch die Stadt entschied sich für einen ambitionierten Wiederaufbau. Dieser erfolgte zwischen etwa 1947 und 1958 und war darauf ausgerichtet, den Charakter des Prinzipalmarktes als historisches Ensemble zu wahren. Obwohl viele Gebäude gegenüber dem Vorkriegszustand stark verändert wurden, erfolgte der Wiederaufbau auf den alten Parzellen und unter bewusster Verwendung der ursprünglichen Materialien und Gestaltelemente wie dem Baumberger Sandstein und den Bogengängen. Dieses Vorgehen war ein starkes Bekenntnis zur Geschichte und Identität der Stadt und machte den Prinzipalmarkt zu einem Symbol des Wiederaufstands und der Resilienz Münsters. Der Wiederaufbau nach historischen Vorbildern, auch wenn nicht immer detailgetreu, trug maßgeblich dazu bei, dass der Prinzipalmarkt heute wieder als authentisches historisches Stadtbild wahrgenommen wird.

Kulturelles Erbe und Auszeichnungen

Die historische Bedeutung und die gelungene Rekonstruktion des Prinzipalmarktes haben ihm auch internationale Anerkennung eingebracht. Als Denkmalbereich genießt er objektübergreifenden Ensembleschutz.

Besonders hervorzuheben ist die Auszeichnung des historischen Rathauses am Prinzipalmarkt mit dem Europäischen Kulturerbe-Siegel am 15. April 2015. Gemeinsam mit dem Rathaus von Osnabrück wurde es als eine der Stätten des Westfälischen Friedens gewürdigt. Der Westfälische Friede von 1648, der in Münster und Osnabrück verhandelt wurde, beendete den Dreißigjährigen Krieg und gilt als Meilenstein der europäischen Geschichte. Das Rathaus am Prinzipalmarkt war einer der zentralen Verhandlungsorte. Diese Auszeichnung unterstreicht die überregionale und europäische Bedeutung des Prinzipalmarktes und seines berühmtesten Gebäudes als Stätte des Friedens und der Diplomatie.

Schon zuvor hatte der Prinzipalmarkt im Jahr 2006 in der ZDF-Sendung "Unsere Besten – Die Lieblingsorte der Deutschen" den vierten Platz erreicht, was seine Beliebtheit und seinen Stellenwert in der deutschen Öffentlichkeit zeigt.

Wirtschaftliches Leben: Handel gestern und heute

Durchgängig seit dem 15. Jahrhundert lebten am Prinzipalmarkt hauptsächlich Krämer und Kaufleute. Er war der zentrale Ort des Handels und des Austauschs. Auch heute noch ist der Prinzipalmarkt eine wichtige Einkaufsstraße und beherbergt zahlreiche Geschäfte, oft in den historischen Kaufmannshäusern. Hier finden sich sowohl traditionelle Einzelhändler als auch moderne Boutiquen und Filialen.

Die Eröffnung des Einkaufszentrums Münster Arkaden in den Jahren 2004 bis 2006 in unmittelbarer Nähe des Prinzipalmarktes hatte zunächst Bedenken hervorgerufen, dass Kunden ausbleiben könnten. Die Stadt Münster verfolgte jedoch eine bewusste Strategie, um dies zu verhindern. Die Arkaden wurden vergleichsweise klein gehalten, und Ladenlokale wurden gezielt an Münsteraner Kaufleute vergeben. Ziel war es, die historische Altstadt und insbesondere den Prinzipalmarkt vor dem "Aussterben" zu bewahren, wie es anderen Städten durch große Einkaufszentren widerfahren ist. Diese Bemühungen scheinen erfolgreich gewesen zu sein.

Auch wenn die Fußgängerfrequenz am Prinzipalmarkt nach der Eröffnung weiterer Einkaufskomplexe wie an der Stubengasse (2010) im Vergleich zu früheren Jahren leicht gesunken ist (laut Daten von Mai 2011 um etwa ein Drittel im Vergleich zu 2008), bleibt er neben der Ludgeristraße eine der am stärksten frequentierten Einkaufsstraßen Münsters. Dies zeigt, dass der Prinzipalmarkt auch in der modernen Zeit seine Funktion als wichtiger Handelsplatz behaupten kann.

Der Prinzipalmarkt als offizieller Mittelpunkt

Die zentrale Bedeutung des Prinzipalmarktes wird auch durch geografische und verwaltungstechnische Festlegungen unterstrichen. Im Sinne der Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen (RWB) ist der Prinzipalmarkt als der offizielle Ortsmittelpunkt Münsters festgelegt. Mehr noch: Die Fahrbahnmitte des Prinzipalmarktes vor dem Rathaus dient als Nullpunkt bzw. Beginn der Kilometerzählung für alle Bundes- und Landstraßen, die über Münster verlaufen. Dies unterstreicht seine herausragende Stellung im Verkehrsnetz und in der städtischen Infrastrukturplanung. Die Höhe der Fahrbahnmitte vor dem Rathaus beträgt übrigens 60 m über NN.

Häufig gestellte Fragen zum Prinzipalmarkt

Hier beantworten wir einige häufig gestellte Fragen zu diesem besonderen Ort:

FrageAntwort
Was bedeutet der Name "Prinzipalmarkt"?Der Name bedeutet "Hauptmarkt" und bezeichnete den zentralen und wichtigsten Handelsplatz der Stadt, im Unterschied zu anderen Märkten wie dem Roggen- oder Fischmarkt.
Was ist das Besondere an den Giebelhäusern?Jeder Giebel am Prinzipalmarkt ist einzigartig gestaltet, obwohl sie ein harmonisches Gesamtbild ergeben.
Welche Funktion hat der Bogengang?Der Bogengang (Arkaden) bot Schutz vor Wetter und diente als Verkaufsfläche für Händler. Er entstand im 13./14. Jahrhundert.
Was passierte mit dem Prinzipalmarkt im Zweiten Weltkrieg?Der Markt wurde fast vollständig zerstört.
Wie wurde der Prinzipalmarkt nach dem Krieg wieder aufgebaut?Er wurde zwischen 1947 und 1958 auf den alten Parzellen und unter Verwendung historischer Materialien und Elemente wieder aufgebaut, um seinen Charakter zu erhalten.
Warum ist das Rathaus am Prinzipalmarkt so berühmt?Das Rathaus war einer der Verhandlungsorte des Westfälischen Friedens von 1648 und trägt dafür das Europäische Kulturerbe-Siegel.
Kann man am Prinzipalmarkt heute noch einkaufen?Ja, der Prinzipalmarkt ist weiterhin eine wichtige Einkaufsstraße mit zahlreichen Geschäften.

Der Prinzipalmarkt ist somit ein Ort, der Geschichte, Architektur, Kultur und Handel auf einzigartige Weise vereint. Er ist nicht nur das historische Herz Münsters, sondern auch ein lebendiges Zentrum der Gegenwart und ein beeindruckendes Zeugnis des städtischen Wiederaufbaus.

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