08/10/2021
Die Entscheidung, ob man ein Buch lieber gedruckt auf Papier oder digital auf einem E-Reader liest, ist für viele Menschen nicht nur eine Frage des persönlichen Lesevergnügens. Auch der Umweltgedanke spielt eine immer größere Rolle. Wie steht es um die ökologische Bilanz dieser beiden Leseformen? Dieser Frage gehen wir auf den Grund, basierend auf fundierten Vergleichen.

E-Book-Reader gibt es bereits seit vielen Jahren, doch erst in jüngster Zeit haben digitalisierte Bücher eine bedeutende Konkurrenz zum traditionellen gedruckten Buch aufgebaut. Gründe dafür sind technologische Fortschritte und ein stetig wachsendes Angebot an verfügbaren Titeln. Doch während die Bequemlichkeit und der Preis oft im Vordergrund stehen, lohnt sich ein Blick hinter die Kulissen der Produktion und Nutzung.
Die Herstellung von gedruckten Büchern: Eine Belastung für die Umwelt?
Es ist allgemein bekannt, dass für die Produktion von gedruckten Büchern Bäume gefällt werden müssen. Die Papierherstellung ist zudem ein sehr ressourcenintensiver Prozess, der enorme Mengen an Wasser und Chemikalien benötigt. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass in Deutschland ein Großteil der benötigten Fasern – etwa 80 Prozent – importiert wird und nicht aus recyceltem Papier stammt. Dies bedeutet, dass überwiegend Frischfasern verwendet werden, was die Umweltbelastung erhöht.
Das Umweltinstitut München schätzt, dass für eine Million Exemplare eines Buches mit durchschnittlich 250 Seiten über 12.000 Bäume fallen müssen. Berücksichtigt man den gesamten Prozess von der Papierherstellung über den Druck bis hin zum Vertrieb, entstehen für zehn Bücher mit jeweils etwa 200 DIN-A5-Seiten rund elf Kilogramm des Treibhausgases CO2. CO2 gilt als Hauptverursacher der globalen Klimaerwärmung.
Leider wird Papier für Bücher immer noch viel zu selten recycelt. Viele Verlage zögern, Recyclingpapier zu verwenden, oft unter dem Vorwand, es sei für den hochwertigen Buchdruck ungeeignet. Dabei gibt es bereits qualitativ sehr hochwertiges Umweltpapier, das erfolgreich für Zeitschriften und Bücher eingesetzt wird. Ein positives Beispiel lieferte der kanadische Verlag Raincoast Books, der eine Millionenauflage eines Harry-Potter-Bandes auf 100 Prozent Recyclingpapier druckte. Dadurch konnten 30.000 Bäume gerettet und über 47 Millionen Liter Wasser eingespart werden. Selbst bei der Verwendung von Recyclingpapier fallen für zehn Bücher allerdings immer noch etwa neun Kilogramm CO2 an, was zeigt, dass auch diese Methode nicht emissionsfrei ist.
Die Herstellung von E-Book-Readern: Ein hoher Preis zu Beginn
Die ökologische Bilanz eines E-Book-Readers beginnt lange vor der ersten gelesenen Seite – nämlich bei seiner Herstellung. Die meisten dieser Geräte werden in China produziert. Dies bedeutet, dass der lange Transportweg nach Europa, oft per Schiff oder sogar Flugzeug, ebenfalls in die Umweltbilanz einfließen muss.
In den E-Readern sind zahlreiche wertvolle und seltene Metalle verbaut, darunter Kupfer, Silber, Gold und Palladium. Hinzu kommen Kunststoffe und die Batterie bzw. der Akku, deren Herstellung ebenfalls ressourcenintensiv ist. Das Freiburger Ökoinstitut hat berechnet, dass die Herstellung eines E-Book-Readers mit einer Bildschirmgröße von sechs Zoll und einem eInk-Display etwa acht Kilogramm Kohlendioxid verursacht. Dies ist ein beträchtlicher Wert, insbesondere im Vergleich zur CO2-Bilanz eines einzelnen gedruckten Buches.
Tatsächlich entfallen laut der Studie des Freiburger Ökoinstituts etwa 99 Prozent des Energieverbrauchs und der Treibhausgasemissionen eines E-Readers auf seine Herstellung. Dies unterstreicht die immense Bedeutung der Lebensdauer des Geräts und eines möglichen Recyclings am Ende seiner Nutzung.
Die Nutzungsphase: Hier punktet der E-Reader
Während die Herstellung des E-Readers die Umwelt zunächst stark belastet, ist seine Nutzung im Vergleich zum gedruckten Buch sehr energieeffizient. Trotz des notwendigen Aufladens des Akkus ist der Stromverbrauch während des Lesens gering. Gute Lesegeräte, insbesondere solche mit eInk-Displays, müssen selbst bei intensiver Nutzung oft nur alle zwei Wochen aufgeladen werden. Dieser Wert verschlechtert sich natürlich bei Geräten mit LCD-Farbdisplays oder zusätzlichen Multimediafunktionen, da diese mehr Strom verbrauchen.
Ein kleiner Tipp am Rande, der die Umweltbilanz weiter verbessern kann: Laden Sie Ihren E-Reader am besten über den Laptop auf, während dieser ohnehin in Betrieb ist. Das Laden an der Steckdose führt oft dazu, dass das Gerät länger am Netz hängt als nötig.
Die wirklichen ökologischen Vorteile eines E-Readers zeigen sich erst mit der Anzahl der gelesenen Bücher. Mit jedem digitalen Buch, das auf dem Reader gelesen wird, verbessert sich dessen Umweltbilanz im Vergleich zum Kauf und Lesen eines physischen Buches. Dies liegt daran, dass für jedes weitere digitale Buch keine zusätzlichen Ressourcen wie Papier, Wasser, Druckfarben oder Energie für den Druck und Transport eines physischen Exemplars benötigt werden.
Der entscheidende Vergleich: Wann wird der E-Reader grüner?
Das Freiburger Ökoinstitut hat 2011 in einer umfassenden Studie die Ökobilanzen von E-Book-Readern und gedruckten Büchern verglichen. Dabei wurden Herstellung, Nutzung und Entsorgung berücksichtigt. Die zentrale Erkenntnis der Studie ist, dass die Umweltfreundlichkeit eines E-Readers stark vom Leseverhalten abhängt.
Vergleichen wir die CO2-Emissionen:
- Herstellung eines gedruckten Buches (Frischfaserpapier): ca. 1,1 kg CO2
- Herstellung eines gedruckten Buches (Recyclingpapier): ca. 0,9 kg CO2
- Herstellung eines E-Book-Readers (eInk-Display): ca. 8 kg CO2
Ein einzelnes gedrucktes Buch verursacht also deutlich weniger CO2 bei der Herstellung als ein E-Reader. Die Bilanz verschiebt sich jedoch mit jedem Buch, das digital gelesen wird. Der E-Reader amortisiert seine anfängliche höhere Umweltbelastung erst über seine Nutzungsdauer und die Anzahl der darauf gelesenen Bücher.
Laut der Studie wird ein E-Book-Reader ökologisch vorteilhafter als gedruckte Bücher, wenn der Leser mehr als zehn Buchtitel pro Jahr liest und der Reader dabei mindestens drei Jahre in Betrieb ist. Unter diesen Bedingungen werden nachhaltig Ressourcen wie Papier gespart und weniger Bäume müssen gefällt werden. Es wird weniger Energie verbraucht (insgesamt über den gesamten Lebenszyklus beider Optionen) und es entstehen weniger Treibhausgase.

Diese Vergleichsdaten sind allerdings nicht statisch. Sie verschieben sich, wenn beispielsweise das Display des E-Readers beleuchtet ist (was den Energieverbrauch in der Nutzungsphase erhöht und die Batterielaufzeit verkürzt) oder wenn gedruckte Bücher zu hundert Prozent auf Recycling-Papier gedruckt werden (was die Umweltbilanz des gedruckten Buches verbessert). Bei intensivem Gebrauch eines E-Readers mit beleuchtetem Display kann sich der Punkt, an dem er umweltfreundlicher wird, nach hinten verschieben.
Das Ende der Lebensdauer: Richtig entsorgen ist entscheidend
Ein wichtiger Aspekt der Umweltbilanz ist die Entsorgung von Altgeräten. E-Book-Reader enthalten wertvolle Materialien, die recycelt werden können. Leider landen viele defekte oder alte Geräte immer noch im Hausmüll. Dies ist nicht nur schade um die enthaltenen Rohstoffe, sondern auch umweltschädlich aufgrund potenziell enthaltener Problemstoffe.
Hersteller sind gesetzlich verpflichtet, Altgeräte zurückzunehmen. Auch Wertstoffhöfe nehmen E-Reader an und sorgen für eine sinnvolle Entsorgung und das Recycling. Durch fachgerechtes Recycling können Metalle wie Kupfer und andere Edelmetalle fast vollständig zurückgewonnen werden. Eine korrekte Entsorgung am Ende der Lebensdauer ist daher entscheidend, um die ökologische Bilanz des E-Readers insgesamt zu verbessern.
Wissenswertes zum E-Book-Markt und Kopierschutz
Das Angebot an elektronischen Büchern wächst stetig. Laut einer Studie des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels aus dem Jahr 2012 hatten bereits über die Hälfte der Verlage E-Books im Programm, und mehr als die Hälfte aller Neuerscheinungen waren elektronisch verfügbar. Der Umsatzanteil von E-Books steigt ebenfalls kontinuierlich.
E-Books sind in der Regel etwas günstiger als gedruckte Bücher, da Druck-, Papier- und Vertriebskosten entfallen. Die Ersparnis liegt oft zwischen zehn und 20 Prozent, was manchmal weniger ist, als Käufer erwarten, da auch für E-Books in Deutschland die Buchpreisbindung gilt. Es gibt jedoch auch kostenlose E-Books und zunehmend Möglichkeiten, E-Books auszuleihen, beispielsweise über Stadtbibliotheken oder spezielle Dienste wie Amazons Kindle-Leihbücherei.
Rechtlich erwirbt man beim Kauf eines E-Books in der Regel keine Eigentumsrechte wie bei einem gedruckten Buch, sondern lediglich eine persönliche Lizenz zum Lesen. Der sogenannte Kopierschutz (DRM - Digital Rights Management) soll eine unkontrollierte Weiterverbreitung verhindern. Dieser Kopierschutz kann dazu führen, dass E-Books nur auf einer begrenzten Anzahl von Geräten gelesen werden können und oft nicht auf Lesegeräte anderer Hersteller übertragbar sind. Dies schafft sogenannte 'geschlossene Systeme', wie sie beispielsweise bei Amazon (Kindle) oder Apple (iBooks) existieren.
Häufige Fragen zur Ökobilanz
Ist ein E-Reader immer umweltfreundlicher als ein Buch?
Nein, nicht grundsätzlich. Ein E-Reader wird erst dann umweltfreundlicher, wenn er über seine Lebensdauer eine ausreichende Anzahl gedruckter Bücher ersetzt. Die genaue Anzahl hängt von der Nutzung des Readers (z.B. mit oder ohne beleuchtetes Display) und der Art des Papiers der verglichenen Bücher (Frischfaser oder Recycling) ab. Eine Faustregel besagt, dass bei intensivem Gebrauch (mehr als 10 Bücher/Jahr) über mindestens 3 Jahre die Bilanz zugunsten des E-Readers kippt.
Warum ist die Herstellung eines E-Readers so umweltschädlich?
Die Produktion erfordert die Gewinnung und Verarbeitung seltener Metalle, Kunststoffe und anderer Materialien. Dieser Prozess ist sehr energieintensiv und verursacht hohe CO2-Emissionen. Zudem kommen oft lange Transportwege hinzu, da die Geräte meist in Asien gefertigt werden.
Spielt Recycling eine Rolle?
Ja, eine sehr große Rolle. Da die Herstellung die Hauptlast der Umweltbilanz trägt, ist es entscheidend, dass die im Gerät verbauten wertvollen Materialien am Ende der Lebensdauer recycelt werden. Eine fachgerechte Entsorgung über Hersteller-Rücknahme oder Wertstoffhöfe ermöglicht die Rückgewinnung von Metallen und reduziert so den Bedarf an Neuproduktion.
Verbraucht ein E-Reader viel Strom?
Die Nutzungsphase ist im Vergleich zur Herstellung sehr energieeffizient. Ein E-Reader mit eInk-Display muss bei normaler Nutzung nur selten aufgeladen werden. Der Stromverbrauch ist deutlich geringer als beispielsweise bei einem Tablet oder Smartphone, insbesondere wenn keine Hintergrundbeleuchtung genutzt wird.
Sind E-Books immer günstiger?
E-Books sind in der Regel 10-20% günstiger als gedruckte Bücher, da Druck- und Materialkosten entfallen. Aufgrund der Buchpreisbindung in Deutschland sind sie jedoch nicht beliebig viel billiger. Es gibt aber auch kostenlose E-Books und Leihangebote.
Fazit
Die Wahl zwischen gedrucktem Buch und E-Reader ist komplex, wenn man die Umweltauswirkungen betrachtet. Gedruckte Bücher haben eine sofortige, deutliche Umweltbelastung durch Papierverbrauch, Wasser, Chemikalien und CO2 bei der Herstellung und beim Transport. E-Reader verursachen eine sehr hohe Umweltbelastung bei der Produktion, sind aber in der Nutzung sehr energieeffizient. Die ökologische Überlegenheit des E-Readers stellt sich erst bei hohem Lesevolumen über mehrere Jahre ein. Wer nur wenige Bücher pro Jahr liest, fährt mit gedruckten Büchern, idealerweise auf Recyclingpapier, ökologisch besser. Wer jedoch ein Vielleser ist und seinen E-Reader lange nutzt und am Ende korrekt entsorgt, kann durch das Ersetzen vieler gedruckter Bücher einen positiven Beitrag zur Umwelt leisten. Letztlich hängt die umweltfreundlichste Wahl stark vom individuellen Leseverhalten und der Lebensdauer des Geräts ab.
Wenn du mehr spannende Artikel wie „Buch oder E-Reader: Die Öko-Frage“ entdecken möchtest, schau doch mal in der Kategorie Bürobedarf vorbei!
