15/11/2022
Die Stadt Riesa an der Elbe ist bekannt für ihre industrielle Vergangenheit und Gegenwart, steht aber auch vor Veränderungen im Einzelhandel. Aktuelle Nachrichten rund um einen großen Supermarkt und die anhaltende Produktion in traditionsreichen Betrieben prägen das Bild der Stadt. Während eine Ära im Einzelhandel zu Ende geht, blickt die Industrie auf eine lange Geschichte zurück und gestaltet weiterhin die wirtschaftliche Landschaft.

Was wird mit dem "mein real" in Riesa?
Der "mein real" Markt im Riesapark steht vor seiner endgültigen Schließung. Wie die real GmbH bekannt gegeben hat, wird der Standort Ende März 2024 geschlossen. Diese Entscheidung fiel, nachdem für den Markt in Riesa, ebenso wie für 45 weitere "mein real"-Standorte in Deutschland, trotz intensiver Bemühungen kein neuer Betreiber gefunden werden konnte. Lediglich für 18 der ursprünglich betroffenen "mein real"-Märkte konnten neue Betreiber gesichert werden.
Die Schließung erfolgt vor dem Hintergrund des im September 2023 von der real GmbH eingeleiteten Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung. Aktuell konzentrieren sich die Bemühungen darauf, die Schließung für die betroffenen Mitarbeiter sozial verträglich zu gestalten. Gespräche mit dem Betriebsrat laufen, um einen Interessenausgleich zu erzielen und den notwendigen Sozialplan abzuschließen. Bis zur endgültigen Schließung im Frühjahr 2024 soll der Geschäftsbetrieb im "mein real" Markt Riesa jedoch weiterlaufen. Die Lohnzahlungen für alle weiterhin beschäftigten Mitarbeiter sollen in dieser Zeit sichergestellt werden.
Die Märkte, für die neue Betreiber gefunden wurden, werden an die Rewe Group, Kaufland und Edeka übertragen. Diese Übertragungen und auch die Schließungen sind direkte Folgen des Insolvenzverfahrens.
Die jüngste Geschichte von real war geprägt von Eigentümerwechseln. Im Mai 2023 hatte die SCP Group die 63 verbliebenen "mein real"-Märkte vom Family Office der Unternehmerfamilie Drs. Tischendorf zurückerworben. Zuvor waren diese Märkte erst im Juni 2022 im Rahmen eines Bieterverfahrens an das Family Office übergeben worden. Angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage von real hatte SCP umfassende operative Verbesserungen angestoßen. Trotz dieser Bemühungen war die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung letztlich unumgänglich, um eine geordnete Restrukturierung zu ermöglichen.

Die SCP Group hatte die real GmbH bereits im Jahr 2020 mitsamt 275 stationären Märkten von der Metro AG übernommen. Zwischen 2020 und Juni 2022 konnten bereits rund 160 Standorte an neue Betreiber übergeben und dadurch Tausende Arbeitsplätze gesichert werden. Die aktuelle Entwicklung in Riesa zeigt jedoch, dass nicht für alle Standorte eine Fortführung möglich war.
Die Nachricht von der bevorstehenden Schließung hat in Riesa und der umliegenden Region für Gesprächsstoff gesorgt. Es zeigt sich einmal mehr, wie schnell Gerüchte zu Tatsachen werden können. Die Unsicherheit über die Zukunft des Standorts und die Sorgen der Mitarbeiter waren lange präsent. Nun, da die Entscheidung gefallen ist, liegt der Fokus auf einer möglichst fairen Abwicklung für die Belegschaft. Viele hoffen, dass die erfahrenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in anderen Unternehmen in der Region eine neue berufliche Perspektive finden können, denn Fachkräfte werden überall gesucht.
Riesas industrielle Tradition
Riesa ist nicht nur durch die aktuellen Entwicklungen im Einzelhandel geprägt, sondern blickt auf eine lange und reiche Industriegeschichte zurück. Zu DDR-Zeiten arbeiteten mehr als 3.000 Menschen allein im Industriequartier Gröba. Dort wurden verschiedenste Güter des täglichen Bedarfs und darüber hinaus produziert, darunter Reifen, Zündhölzer, Seife und Nudeln.
Die industrielle Entwicklung des Standorts in Gröba wurde maßgeblich von der Großeinkaufs-Gesellschaft Deutscher Consumvereine (GEG) vorangetrieben. Die GEG gründete ab 1909 drei große Produktionswerke an der Döllnitz, die zu wichtigen Arbeitgebern und Lieferanten für die Region wurden.
Auch heute noch arbeiten Hunderte Menschen in Riesas Industriequartier und führen die Tradition fort, wenn auch unter veränderten Bedingungen und in modernisierten Betrieben. Drei der historisch bedeutenden Produktionszweige existieren in Riesa, wenn auch in unterschiedlicher Form, weiter.

Schlüsselindustrien damals und heute im Vergleich
Ein Blick auf einzelne Betriebe zeigt die Entwicklung der Produktion in Riesa:
Teigwaren Riesa
Das Werk für Teigwaren wurde im Jahr 1914 gegründet. Es ist auch heute noch aktiv und ein wichtiger Teil der Riesaer Industrie.
| Aktuell | Zu DDR-Zeiten (ca. 1980) | |
|---|---|---|
| Gründungsjahr | 1914 | |
| Produktion pro Jahr | ca. 25.000 Tonnen | ca. 12.000 Tonnen |
| Mitarbeiter | ca. 150 | ca. 200 |
| Absatzmärkte | Neue Bundesländer, ca. 5% nach Skandinavien, Großbritannien, Frankreich, Polen | DDR |
Die Teigwarenproduktion hat ihre Jahresleistung im Vergleich zu DDR-Zeiten mehr als verdoppelt und beliefert heute auch internationale Märkte.
Kappus Seifenwerk
Das Seifenwerk von Kappus hat ebenfalls eine lange Tradition, die bis ins Jahr 1909/1910 zurückreicht. Seife wird nach wie vor in Riesa hergestellt.
| Aktuell | Zu DDR-Zeiten | |
|---|---|---|
| Gründungsjahr | 1909/1910 | |
| Produktion pro Jahr | ca. 10.000 Tonnen Festseife ca. 700 Tonnen Flüssigseife | ca. 25.000 Tonnen |
| Mitarbeiter | ca. 85 | ca. 480 |
| Absatzmärkte | Deutschland, Frankreich, Italien, Benelux-Staaten | DDR, UdSSR, BRD, Frankreich |
Die Seifenproduktion ist mengenmäßig zurückgegangen und konzentriert sich mit weniger Mitarbeitern auf den deutschen und westeuropäischen Markt.

Ehemaliges Zündwarenwerk
Das Zündwarenwerk wurde 1923 gegründet, stellte die Produktion in Riesa jedoch 1993 ein. Obwohl keine Zündhölzer mehr direkt in Riesa produziert werden, lebt die Marke "Riesa 38" weiter.
| Aktuell | Zu DDR-Zeiten | |
|---|---|---|
| Gründungsjahr / Schließung in Riesa | 1923 / 1993 | |
| Produktion pro Jahr (Marke "Riesa 38") | ca. 10 Millionen Schachteln (Herstellung in Polen) | ca. 360-380 Millionen Schachteln (Herstellung in Riesa) |
| Mitarbeiter | 3 (im Riesaer Vertriebsbüro) | ca. 600 |
| Absatzmärkte (Marke "Riesa 38") | Nur in Deutschland | DDR, BRD, Angola, Tunesien, Türkei |
Die Marke "Riesa 38" wird heute durch die Firma Ad-Access Riesa Zündholz deutschlandweit vertrieben, aber die eigentliche Produktion findet in Polen statt. Das Gelände des ehemaligen Zündwarenwerks wird seit über zehn Jahren von der Recyclingfirma NTT genutzt.
Das Reifenwerk
Das Reifenwerk in Gröba wurde später als die GEG-Werke gegründet und gehörte nicht zu dieser Gesellschaft. Heute ist es das größte der vier hier genannten Gröbaer Unternehmen, was seine fortwährende Bedeutung für den Industriestandort Riesa unterstreicht.
Fragen und Antworten zu den Entwicklungen in Riesa
- Was passiert mit dem "mein real" Markt in Riesa?
- Der Markt im Riesapark wird Ende März 2024 geschlossen, da trotz Suche kein neuer Betreiber gefunden wurde.
- Warum schließt der "mein real" in Riesa?
- Die Schließung ist eine Folge des Insolvenzverfahrens der real GmbH.
- Wann schließt der "mein real" in Riesa?
- Die Schließung ist für Ende März 2024 geplant.
- Welche Industrien hatten und haben in Riesa Bedeutung?
- Historisch und teilweise heute noch bedeutend sind die Produktion von Teigwaren, Seife, Zündhölzern (Marke) und Reifen.
- Werden Seife und Teigwaren noch in Riesa hergestellt?
- Ja, die Unternehmen Teigwaren Riesa und Kappus Seifenwerk produzieren weiterhin in Riesa.
- Werden Zündhölzer noch in Riesa hergestellt?
- Nein, die Produktion des ehemaligen Zündwarenwerks in Riesa wurde 1993 eingestellt. Die Marke "Riesa 38" existiert jedoch weiterhin, wird aber in Polen produziert und von Riesa aus vertrieben.
Riesa ist eine Stadt im Wandel, die sowohl mit Herausforderungen wie der Schließung eines wichtigen Einzelhandelsstandorts konfrontiert ist, als auch auf eine solide industrielle Basis bauen kann, die sich über Jahrzehnte hinweg entwickelt hat und auch heute noch das Rückgrat der lokalen Wirtschaft bildet. Die Geschichten des "mein real" und der traditionsreichen Industriebetriebe erzählen von den dynamischen Prozessen, denen Städte in Deutschland unterworfen sind.
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