09/03/2026
Überlingen, eine charmante Stadt am nördlichen Ufer des Bodensees, ist ein Ort von bemerkenswerter Geschichte und natürlicher Schönheit. Gelegen in Baden-Württemberg, zieht diese Große Kreisstadt jährlich zahlreiche Besucher an, die von ihrer historischen Altstadt, den kulturellen Schätzen und der entspannten Atmosphäre am Seeufer begeistert sind. Überlingen ist mehr als nur ein malerischer Flecken am Wasser; es ist ein Ort, der tief in die Vergangenheit blickt und gleichzeitig ein lebendiges modernes Leben bietet.

Eine Reise durch die Geschichte Überlingens
Die Wurzeln Überlingens reichen weit zurück. Die erste gesicherte urkundliche Erwähnung datiert auf das Jahr 773, als die Siedlung unter dem Namen "Iburinga" als fränkischer Verwaltungssitz im Zusammenhang mit einer Schenkung an das Kloster St. Gallen genannt wurde. Es wird vermutet, dass die Region bereits im 7. Jahrhundert von Bedeutung war, möglicherweise als Residenz eines alemannischen Herzogs namens Gunzo.
Die entscheidende Entwicklung zur Stadt begann in der Stauferzeit. Vermutlich unter Kaiser Friedrich I. Barbarossa erhielt Überlingen um 1180 das wichtige Marktrecht. Die strategisch hervorragende Lage – am nur etwa drei Kilometer breiten Überlinger See gelegen und an mehrere Straßen angebunden – begünstigte den Handel und ließ den Ort schnell wachsen. Die Erhebung zur Stadt erfolgte schließlich um 1210/20 unter König Friedrich II.
Ein Höhepunkt in der Stadtgeschichte war die Erlangung des Status einer Reichsstadt im Jahr 1268, nach dem Aussterben der Staufer. Diese Reichsunmittelbarkeit verlieh Überlingen eine besondere Stellung und prägte seine Entwicklung über Jahrhunderte.
Wirtschaft und Gesellschaft im Mittelalter
Das mittelalterliche Überlingen florierte wirtschaftlich. Eine seit 1426 in sieben Zünften organisierte Handwerkerschaft bildete zusammen mit dem Stadtpatriziat die städtische Gesellschaft, deren Zusammenleben durch eine Zunftverfassung geregelt war, die wahrscheinlich bereits um 1300 geschaffen wurde.
Die Stadt profitierte von zwei Haupterwerbszweigen: dem Weinbau und dem Getreidehandel. An den sonnigen Südhängen der Gemarkung wurde auf etwa 268 Hektar intensiv Wein angebaut. Noch bedeutender für den Fernhandel war jedoch der Markt mit Getreide. Aus dem oberschwäbischen Hinterland wurde Getreide zum Überlinger Gredhaus transportiert und von dort aus, insbesondere in die Schweiz, verschifft. Überlingen entwickelte sich zu einem der größten Kornmärkte in Süddeutschland und behielt diese Rolle bis ins 19. Jahrhundert bei.
Der wirtschaftliche Erfolg ermöglichte es der Stadt und ihrem wohlhabenden Spital, immer mehr Land in ihren Besitz zu bringen. Am Ausgang des Mittelalters verfügte Überlingen dadurch über ein größeres Territorium als viele andere Reichsstädte.
Kunst und Architektur als Ausdruck städtischen Selbstbewusstseins
Der Reichtum und das Selbstverständnis der Überlinger Bürger spiegeln sich in ihren beeindruckenden Bauwerken wider. Das St. Nikolaus-Münster ist hierfür ein herausragendes Beispiel. Errichtet in den Jahren 1350 bis 1562/63, ist es der größte spätgotische Kirchenbau im gesamten Bodensee-Gebiet. Im Inneren beherbergt das Münster einen Kapellenkranz mit von Bürgern gestifteten Altären aus verschiedenen Epochen, von der Gotik bis zum Barock. Der Hochaltar im Chor, geschaffen von Jörg Zürn und seiner Werkstatt zwischen 1613 und 1616, ist eines der bedeutendsten plastischen Kunstwerke seiner Zeit am Bodensee.
Ein weiteres Meisterwerk ist der Rathaussaal. Seine aufwendigen Schnitzereien, die die Reichsstände darstellen, wurden zwischen 1490 und 1494 von Meister Jakob Russ geschaffen und sind ein eindrucksvolles Zeugnis der reichsstädtischen Identität.
Die Struktur der Altstadt um das Münster und das Rathaus herum sowie der gut erhaltene "innere Ring" der Stadtbefestigung, der heute unter anderem durch das gotische Franziskanertor markiert wird, zeugen von der mittelalterlichen Planung und gehen vermutlich auf die Zeit der Staufer zurück.

Vom Niedergang der Reichsstadt zum aufstrebenden Kurort
Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) traf Überlingen schwer. Obwohl die Stadt schwedische Belagerungen in den Jahren 1632 und 1634 erfolgreich abwehren konnte, fiel sie 1643 durch einen Überraschungsangriff. Mit dem Ende des Krieges begann eine Zeit des wirtschaftlichen Niedergangs.
Ein tiefgreifender Einschnitt war der Verlust der Reichsunmittelbarkeit infolge der napoleonischen Kriege. Im Jahr 1802/03 wurde Überlingen, wie viele andere ehemalige Reichsstädte, einem größeren Territorium zugeschlagen und fiel an das Großherzogtum Baden.
Als badische Landstadt orientierte sich Überlingen neu. Bereits im 19. Jahrhundert erkannte die Stadt das Potenzial des Fremdenverkehrs und begann, sich diesem Wirtschaftszweig zu öffnen. Die alte befestigte Seefront wurde umgestaltet und eine Uferpromenade angelegt. Diese Promenade wurde später, insbesondere in den Jahren 1971/76 im Zuge des Kanalisationsneubaus, repräsentativ verbreitert und ausgebaut.
Die berühmte Seepromenade und der Stadtgarten
Heute ist die Seepromenade eines der Markenzeichen Überlingens. Mit einer beeindruckenden Länge von 5 Kilometern ist sie eine der längsten Promenaden aller Orte am Bodensee und bietet Spaziergängern, Joggern und Radfahrern herrliche Ausblicke auf den See und die gegenüberliegende Uferlinie. Der Turm beim Kursaal am See ist ein letztes Zeugnis der einstigen befestigten Seefront.
Eine weitere touristische Attraktion, die Ende des 19. Jahrhunderts angelegt wurde, ist der Stadtgarten. Er erlangte rasch Bekanntheit und zählt heute mit seinem alten Baumbestand, den liebevoll gepflegten Blumenbeeten und den exotischen Kakteengruppen zu den bedeutendsten botanischen Sehenswürdigkeiten in der Bodenseeregion, vergleichbar mit der Insel Mainau.
Überlingen heute: Kurort, Wirtschaftsstandort und Kulturzentrum
Die Entwicklung des Fremdenverkehrs wurde Mitte des 19. Jahrhunderts zunächst durch die Dampfschifffahrt auf dem Bodensee gefördert. Die noch bedeutendere Anbindung erfolgte jedoch Ende des 19. Jahrhunderts (1895/1901) mit dem Anschluss an das Eisenbahnnetz, was auch die Industrialisierung vorantrieb.
Seither ruht die wirtschaftliche Basis Überlingens auf zwei Säulen: dem Tourismus und der Industrie. Die Stadt ist ein anerkannter Erholungs- und Kurort mit mehreren Gewerbegebieten im Osten und Nordosten. Im Jahr 1955 erhielt Überlingen als erste und bisher einzige Stadt in Baden-Württemberg das Prädikat eines staatlich anerkannten Kneipp-Heilbades, was seine Bedeutung im Gesundheitstourismus unterstreicht.
Überlingen ist nach wie vor ein äußerst beliebtes Ziel für Kurgäste und Ruheständler und wird auch gerne als Zweitwohnsitz genutzt. Im Fremdenverkehr nimmt die Stadt am Bodensee eine Spitzenposition ein. Die Ausrichtung der Landesgartenschau im Jahr 2021 trug zusätzlich zur Steigerung der Attraktivität bei.
Auch als kulturelles Zentrum im Linzgau behauptet sich Überlingen, nicht zuletzt dank zahlreicher weiterführender Schulen.

Verwaltungsgeschichte und internationale Verbindungen
Im Zuge der baden-württembergischen Verwaltungsreformen verlor Überlingen im Jahr 1973 den Status als Kreissitz. Gleichzeitig wurden jedoch mehrere bis dahin selbstständige Gemeinden – Bambergen, Bonndorf, Deisendorf, Hödingen, Lippertsreute, Nesselwangen und Nußdorf – eingegliedert, was das Stadtgebiet erheblich vergrößerte.
Seit 1975 bildet Überlingen zusammen mit den Gemeinden Sipplingen und Owingen eine Verwaltungsgemeinschaft. Im Jahr 1993 wurde Überlingen schließlich zur "Großen Kreisstadt" erhoben, was ihre Bedeutung als Mittelzentrum unterstreicht.
Überlingen pflegt auch internationale Beziehungen durch Städtepartnerschaften. Seit 1987 besteht eine Partnerschaft mit der französischen Stadt Chantilly, etwa 40 km nördlich von Paris. Seit 1990 ist Überlingen mit Bad Schandau verbunden, einer Stadt in Sachsen, etwa 40 km östlich von Dresden.
Einkaufen und Erleben: Märkte und Veranstaltungen
Die Altstadt von Überlingen lädt mit ihren Geschäften und Boutiquen zum Bummeln ein. Ergänzt wird das Angebot durch regelmäßige Märkte und besondere Veranstaltungen.
Der lebhafte Wochenmarkt
Im Herzen der Altstadt, vor der beeindruckenden Kulisse des Münsters St. Nikolaus und des Rathauses, findet zweimal wöchentlich der traditionelle Wochenmarkt statt. Das Markttreiben ist ein Erlebnis für alle Sinne. Mittwochs und samstags füllen von 07:00 bis 14:00 Uhr Düfte, Farben und lebhafte Gespräche den Platz. Regionale Anbieter präsentieren hier ihre frischen Produkte und Spezialitäten.
Der Überlinger Herbst mit verkaufsoffenem Sonntag
Ein besonderes Highlight im Veranstaltungskalender ist der "Überlinger Herbst". Dieses Event zieht zahlreiche Besucher an und bietet ein vielfältiges Programm. Im Rahmen des Überlinger Herbstes finden auch verkaufsoffene Sonntage statt, die eine beliebte Gelegenheit zum Einkaufen außerhalb der regulären Zeiten sind.
An diesen verkaufsoffenen Sonntagen, die in der Regel von 12:00 bis 17:00 Uhr dauern, öffnen viele Geschäfte in der Innenstadt, an der Promenade und auch in den Gewerbegebieten ihre Türen. Die genauen Termine variieren von Jahr zu Jahr (z.B. 20. Oktober 2024, 22. Oktober 2023, 9. Oktober 2022). Begleitet wird der Überlinger Herbst oft von einem Genießermarkt auf der Hofstatt, einem Streetfood Markt (oft am Mantelhafen), Live-Musik in den Einkaufsstraßen und auf den Plätzen sowie einem abwechslungsreichen Kinderprogramm, beispielsweise auf dem Münsterplatz.
Der Genießermarkt bietet regionale Köstlichkeiten zum Probieren und Kaufen. Verschiedene Musiker sorgen für Unterhaltung. Das Kinderprogramm, oft organisiert vom Kreativhaus APPLAUS und Tanzschulen, bietet Mitmachaktionen wie Kürbisse schnitzen, Malen und Basteln. Auch Ponyreiten wurde in der Vergangenheit angeboten.
Der Überlinger Herbst ist somit eine gelungene Mischung aus Einkaufen, Genuss, Unterhaltung und Familienprogramm und spiegelt die Lebendigkeit der Stadt wider.

Tipps für Ihren Besuch in Überlingen
Ob Sie nur wenig Zeit haben oder einen längeren Aufenthalt planen, Überlingen bietet vielfältige Möglichkeiten.
Kurzbesuch: Wenn Sie nur für kurze Zeit in Überlingen sind, konzentrieren Sie sich auf einen Spaziergang durch die historische Altstadt. Entdecken Sie dabei das Münster, das Rathaus und die Gassen des inneren Rings. Anschließend genießen Sie die Atmosphäre am Seeufer bei einer Pause in einem Café oder Eiscafé.
Anreise und Parken: Überlingen ist gut erreichbar. Für Veranstaltungen wie den verkaufsoffenen Sonntag wird oft ein Stadtbus-Pendelverkehr von P&R Parkplätzen ins Zentrum angeboten. Im Stadtzentrum und in der Nähe gibt es mehrere Parkhäuser (Therme, West, Mitte, Post) sowie weitere Parkmöglichkeiten. Eine attraktive Alternative ist die Anreise per Schiff, zum Beispiel mit dem Pendelschiff von Wallhausen, das direkt am Landungsplatz anlegt.
Fazit
Überlingen am Bodensee beeindruckt mit seiner über tausendjährigen Geschichte, seinen prächtigen mittelalterlichen Bauten wie dem Münster und dem Rathaussaal, seiner weitläufigen Promenade und dem idyllischen Stadtgarten. Als staatlich anerkanntes Kneipp-Heilbad und lebendiges Zentrum des Fremdenverkehrs zieht die ehemalige Reichsstadt Besucher aus nah und fern an. Die Mischung aus kulturellem Erbe, natürlicher Schönheit und einem vielfältigen Angebot an Einkaufsmöglichkeiten und Veranstaltungen, wie dem beliebten Überlinger Herbst und dem traditionellen Wochenmarkt, macht Überlingen zu einem attraktiven Ziel für jeden Geschmack.
Häufig gestellte Fragen zu Überlingen
Für was ist Überlingen bekannt?
Überlingen ist bekannt für seine reiche Geschichte als ehemalige Reichsstadt, sein beeindruckendes St. Nikolaus-Münster, den historischen Rathaussaal, seine lange Seepromenade, den berühmten Stadtgarten, den Status als Kneipp-Heilbad sowie als beliebtes Ziel für Tourismus und Erholung am Bodensee.
Wie lang ist die Seepromenade in Überlingen?
Die Seepromenade in Überlingen hat eine Länge von 5 Kilometern.
Wann ist in Überlingen Markt?
Der Wochenmarkt in Überlingen findet zweimal wöchentlich statt: mittwochs und samstags. Die Marktzeiten sind jeweils von 07:00 bis 14:00 Uhr auf dem Marktplatz in der Altstadt.
Wann ist der nächste verkaufsoffene Sonntag in Überlingen?
Verkaufsoffene Sonntage finden typischerweise im Rahmen der Veranstaltung "Überlinger Herbst" statt. Der genaue Termin variiert von Jahr zu Jahr, ist aber meist im Herbst. Als Beispiel wurde der 20. Oktober 2024 genannt. Es ist ratsam, sich vorab über den aktuellen Termin zu informieren.
Was kann man bei einem Kurzbesuch in Überlingen unternehmen?
Für einen Kurzbesuch empfiehlt sich ein Spaziergang durch die historische Altstadt, um die wichtigsten Sehenswürdigkeiten wie das Münster und das Rathaus zu sehen. Anschließend genießen Sie die Atmosphäre am Seeufer bei einer Pause in einem Café oder Eiscafé.
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