Wer starb im Kleinen Wannsee?

Geschichtliches am Wannsee entdecken

07/05/2014

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Der Wannsee in Berlin ist nicht nur ein beliebtes Ausflugsziel für Wassersportler und Sonnenanbeter, sondern birgt auch eine reiche und oft bewegte Geschichte. Von tragischen Schicksalen bis hin zu den Schauplätzen weltgeschichtlicher Ereignisse – die Gegend um den Wannsee erzählt viele Geschichten. Dieser Artikel beleuchtet einige der historischen Aspekte, die durch die Gräber am Kleinen Wannsee und die berühmte Villa am Großen Wannsee geprägt sind.

Wie viel kostet Wannsee?
TageskartenTageskarteErwachsene£4.73Seniorenn.v.Jugendliche**£3.01Kinder***£3.01

Am Kleinen Wannsee, eingebettet in die idyllische Landschaft, befindet sich eine Gedenkstätte, die Besucher innehalten lässt. Hier liegt das Grab von Heinrich von Kleist und Henriette Vogel. Nach einer Neugestaltung im Herbst 2011 zeigt der Grabstein nun auf beiden Seiten Inschriften. Auf der Vorderseite sind wieder die Worte Max Rings zu lesen, und auch der Name von Henriette Vogel ist neu eingraviert worden. Dies ergänzt die historische Inschrift, die nun auf der Rückseite des Steins zu finden ist und die Darstellung vor der Restaurierung zeigt.

Besucher haben die Möglichkeit, auf neu angelegten Wegen um das Grab herumzugehen und die verschiedenen Inschriften zu vergleichen. Dabei fällt ein bemerkenswertes Detail auf: Das Geburtsdatum von Heinrich von Kleist ist auf den beiden Seiten des Steins nicht identisch. Auf der Rückseite ist der 18. Oktober 1777 eingraviert, während die Vorderseite den 10. Oktober angibt. Dieses spätere Datum ist das Datum, das Kleist selbst als seinen Geburtstag nannte. Diese kleine Diskrepanz lädt zur Reflexion über historische Aufzeichnungen und persönliche Angaben ein.

Übersicht

Die Villa am Großen Wannsee und ihr erster Besitzer

Ein weiteres historisch bedeutsames Gebäude in der Gegend ist die Villa am Großen Wannsee 58. Heute ist sie vor allem als Gedenkstätte bekannt, die an die Wannseekonferenz erinnert, aber ihre Geschichte begann lange davor mit ihrem ersten prominenten Besitzer: Ernst Marlier.

Ernst Marlier war der Sohn des kaiserlichen Oberpostkommissars Philipp Marlier und dessen zweiter Ehefrau Mathilde. Nach einer kaufmännischen Ausbildung und seinem Militärdienst in Kassel zog er 1899 nach Nürnberg. Dort wurde er Inhaber des Versandhandels Micado und war wohl auch an der Nürnberger Kohlengroßhandlung seines Halbbruders Julius Marlier beteiligt.

1903 zog Marlier nach Berlin. Er wohnte zunächst in Tiergarten und später in Lichterfelde. In Berlin gründete er im selben Jahr den Deutschen Reformverlag, der jedoch keinen Erfolg hatte. Erfolgreicher war er im Bereich der sogenannten Geheimmittel. 1907 erwarb er die Regenhardtsche Verlagsgesellschaft und baute ein Geschäftsimperium auf, das auf dem Vertrieb verschiedener pharmazeutischer und medizinischer Präparate basierte. Zu seinen Unternehmen gehörten Namen wie F.J. Wallbrecht & Co., Dr. med. Wagner & Marlier GmbH, Dr. Arthur Erhard GmbH, Dr. med. Karl Hartmann GmbH, Dr. med. Schröder GmbH und Prof. Dr. von Ganting GmbH.

Wem gehörte die Villa am Wannsee?
Ende 1914 ließ sich Marlier von dem Berliner Architekten Paul Baumgarten eine herrschaftliche Villa in der Colonie Alsen am Großen Wannsee bauen. Er verkaufte die Villa 1921 für inflationsbedingte 2,3 Millionen Mark an den Industriellen Friedrich Minoux, der sie 1940 an die SS-nahe Nordhav-Stiftung veräußern musste.

Die Wirksamkeit von Marliers Produkten war jedoch äußerst fragwürdig. Bereits 1905 stellte das Pharmazeutische Institut der Universität Berlin fest, dass seine Heilmittel überwiegend aus einfachen Substanzen wie Weinsäure, Zitronensäure, Natriumchlorid (Kochsalz) und Eigelb bestanden. Trotz der wissenschaftlichen Erkenntnisse und Warnungen des Polizeipräsidiums Berlin im Jahr 1907, dass die Präparate nicht die beworbenen Eigenschaften besäßen, florierte Marliers Geschäft.

Zu den bekanntesten von Marlier vertriebenen Präparaten gehörten die Schlankheitsmittel Slankal, Antipositin, Levathin und Vitalito. Letzteres wurde auch in Österreich-Ungarn beworben. Hinzu kamen das „Nerventonicum“ Antineurasthin, die „Blutsalznahrung“ Renascin sowie das „Nerven-Nähr- und Kräftigungsmittel“ Visnervin.

Die Behörden reagierten auf die zweifelhaften Praktiken. Antipositin und Antineurasthin wurden 1907 auf die Geheimmittelliste des Bundesrates gesetzt, was ihre öffentliche Bewerbung im Deutschen Reich verbot. Lokale Gesundheits- und Polizeibehörden warnten ebenfalls eindringlich vor all diesen Mitteln. Ab 1914 durften die Präparate auch in Österreich-Ungarn nicht mehr öffentlich vertrieben werden. Marlier beendete daraufhin den Geheimmittelvertrieb im Deutschen Reich im Jahr 1913 und liquidierte seine dortigen Firmen. Die Präparate wurden jedoch international weiterhin vermarktet.

Ernst Marlier hatte trotz oder gerade wegen seiner Geschäftspraktiken erheblichen finanziellen Erfolg. Er erreichte in diesen Jahren ein beträchtliches Jahreseinkommen von rund 100.000 Mark. Sein Leben war jedoch auch von wiederholten Konflikten mit dem Gesetz gezeichnet. Er wurde mehrfach rechtskräftig verurteilt: 1904 wegen Hausfriedensbruchs und einfacher Körperverletzung, 1906 wegen unrechtmäßigen Handels mit Giften und Arzneien und 1912 sogar wegen groben Unfugs, tätlicher Belästigung, Beamtenbeleidigung und Widerstands gegen die Staatsgewalt.

Parallel zu seinen Geschäftsaktivitäten und juristischen Auseinandersetzungen bemühte sich Marlier intensiv um gesellschaftliche Anerkennung. Er strebte mehrfach die Verleihung von Orden und Titeln an. Zumindest den Titel eines königlich preußischen Kommerzienrats erhielt er tatsächlich.

Wer nahm sich am kleinen Wannsee das Leben ist?
November 1811 erschießt Kleist Henriette Vogel mit ihrem Einverständnis, dann sich selbst am gegenüber liegenden „Stolper Loch“, jetzt dem „Kleinen Wannsee“.

Ende 1914 ließ sich der wohlhabende Marlier eine herrschaftliche Villa in der Colonie Alsen am Großen Wannsee bauen. Der Architekt war der bekannte Berliner Paul Baumgarten. Diese prächtige Villa wurde jedoch nur wenige Jahre von Marlier bewohnt. 1921 verkaufte er sie für inflationsbedingte 2,3 Millionen Mark an den Industriellen Friedrich Minoux. Minoux wiederum musste die Villa 1940 an die SS-nahe Nordhav-Stiftung veräußern.

Die traurige Berühmtheit erlangte das Haus durch ein schreckliches Ereignis: Am 20. Januar 1942 fand in dieser Villa die Wannseekonferenz statt, bei der die Organisation der sogenannten „Endlösung der Judenfrage“ besprochen wurde.

Nach dem Verkauf der Wannsee-Villa wohnte Ernst Marlier zunächst in Berlin-Zehlendorf. Später zog er in die Schweiz, lebte von 1926 bis 1928 in Basel und anschließend in Lugano, wo er jedoch polizeilich nicht gemeldet war. Zuletzt lebte er mit seiner zweiten Frau Franziska, geborene Almer, in Zürich. Ernst Marlier starb 1950 in der Badischen Heil- und Pflegeanstalt in Reichenau am Bodensee. Über seinen Nachlass wurde die konkursamtliche Liquidation eingeleitet.

Fragen rund um den Wannsee

Viele Besucher und Interessierte haben spezifische Fragen zum Wannsee und seiner Geschichte. Hier beantworten wir einige davon basierend auf den uns vorliegenden Informationen:

Wer starb im Kleinen Wannsee?

Die Informationen beziehen sich auf Personen, die am Kleinen Wannsee begraben sind bzw. deren Grabstätte dort liegt. Die Grabstätte erinnert an Heinrich von Kleist und Henriette Vogel. Heinrich von Kleist und Henriette Vogel nahmen sich am 21. November 1811 gemeinsam das Leben am Kleinen Wannsee. Die Grabstätte wurde später auch zur letzten Ruhestätte für Max Ring. Die Inschriften auf dem Grabstein erinnern an diese Personen und ihr Schicksal.

Wem gehörte die Villa am Wannsee (Haus Nr. 58)?

Die Villa am Großen Wannsee 58 hatte mehrere bekannte Besitzer. Der erste Bauherr und Eigentümer war Ernst Marlier, der die Villa Ende 1914 von Paul Baumgarten erbauen ließ. Er verkaufte die Villa 1921 an Friedrich Minoux. Minoux verkaufte sie 1940 an die Nordhav-Stiftung. Dieses Haus wurde zum Schauplatz der Wannseekonferenz.

Wer starb im Kleinen Wannsee?
Unter hohen Bäumen, auf einem naturnahen Gelände zwischen der Bismarckstraße und dem Kleinen Wannsee im Südwesten Berlins liegt das Grab Heinrich von Kleists und Henriette Vogels. Der Dichter der Goethezeit und seine schwer kranke Freundin begingen dort am 21. November 1811 gemeinsam Selbstmord.

Wie viel kostet Wannsee?

Die vorliegenden Informationen geben keine Auskunft über allgemeine Kosten für den Besuch des Wannsees oder Eintrittspreise für bestimmte Bereiche. Es wird lediglich erwähnt, dass sich die angegebenen Öffnungszeiten auf das Strandbad Wannsee von Juli bis August beziehen. Konkrete Eintrittspreise für das Strandbad oder andere Einrichtungen sind aus den uns vorliegenden Texten nicht ersichtlich.

Wer nahm sich am Kleinen Wannsee das Leben?

Basierend auf dem Kontext der Grabstätte und historischen Informationen nahmen sich Heinrich von Kleist und Henriette Vogel am Kleinen Wannsee das Leben. Ihr gemeinsames Grab erinnert an diesen tragischen Pakt.

Historische Aktivitäten und Orte in Wannsee

Die Gegend um Wannsee ist reich an historischen Stätten und bietet Anknüpfungspunkte für geschichtlich Interessierte. Neben der Kleist-Vogel-Grabstätte und der Villa der Wannseekonferenz gibt es weitere Orte von Bedeutung, die im Rahmen von Veranstaltungen erkundet werden. Die vorliegenden Informationen erwähnen beispielsweise Veranstaltungen wie Tagesfahrten zu Orten wie Schloss und Park Branitz oder Neuruppin und Schloss Rheinsberg. Auch Vorträge über Persönlichkeiten wie Otto Stahn, Bruno Ahrends oder Alexander von Humboldt sowie Besichtigungen des Neuen Palais in Potsdam zeigen das breite historische Interesse in der Region.

Besonders hervorzuheben sind auch Aktivitäten, die sich direkt auf Wannsee beziehen, wie Vorträge über die Gräber bedeutender Persönlichkeiten in Wannsee, Neujahrswanderungen im Landschaftsschutzgebiet Buschgraben Bäketal oder Rundgänge zu Stolpersteinen. Diese Veranstaltungen unterstreichen die vielfältigen historischen Bezüge des Ortes und das Engagement lokaler Vereine bei der Bewahrung und Vermittlung dieser Geschichte.

Die Geschichte des Wannsees ist somit eine vielschichtige Erzählung, die von persönlichen Schicksalen, unternehmerischem Aufstieg und Fall sowie von den dunkelsten Kapiteln der deutschen Geschichte geprägt ist. Die besprochenen Orte – die Grabstätte am Kleinen Wannsee und die Villa am Großen Wannsee – sind zentrale Ankerpunkte, um sich mit dieser Geschichte auseinanderzusetzen.

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