Woher bekommen Buchhandlungen ihre Bücher?

Buchhandel: So kommt Ihr Buch ins Regal

25/04/2017

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Haben Sie sich je gefragt, wie es ein Buch von der Idee des Autors bis in die Hände des Lesers schafft, insbesondere in die Regale Ihrer lokalen Buchhandlung? Dieser Weg ist komplex und wird von einer fein abgestimmten Kette aus Unternehmen und Dienstleistern gestaltet. Es ist ein Prozess, der durch spezifische Branchenstandards und wirtschaftliche Gegebenheiten geprägt ist, die den Buchmarkt von vielen anderen Handelsbereichen unterscheiden.

Wie finanziert sich eine Buchhandlung?
BUCHHANDLUNG – 7,85 Euro Beiträge für den Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Software, Dienstleistungsgebühren, Schulungen oder Messeteilnahmen, Veranstaltungshonorare, evtl. ein Auto oder Lastenfahrrad usw. finanzieren. Für viele Buchhandlungen bleibt daher von den Einnahmen am Buchverkauf nicht viel übrig.
Übersicht

Die Wertschöpfungskette des Buchhandels verstehen

Der Weg eines Buches beginnt beim Schöpfer: dem Autor. Doch bis aus einem Manuskript ein gedrucktes oder digitales Buch wird, das überall gekauft werden kann, sind zahlreiche Schritte und Akteure beteiligt. Diese Abfolge von Etappen und Aktivitäten wird als Wertschöpfungskette des Buchhandels bezeichnet. Sie umfasst alle Unternehmen, die buchhändlerisch tätig sind, vom herstellenden über den zwischengeschalteten bis hin zum verbreitenden Buchhandel.

Der Autor als Ursprung

Ohne kreative Ideen, faszinierende Geschichten oder fundiertes Fachwissen gäbe es keine Bücher. Der Autor steht am Anfang der Kette. Seine umfangreiche Schreibarbeit ist die Grundlage für alles Weitere. Doch ein fertiges Manuskript allein erreicht noch nicht die breite Leserschaft. Hier kommt der Buchhandel ins Spiel.

Verlag oder Self-Publishing: Der erste Schritt zur Veröffentlichung

Nachdem ein Manuskript fertiggestellt ist, steht der Autor vor der Entscheidung: Traditioneller Verlag oder Self-Publishing? Ein Buchverlag stellt per Definition Druckerzeugnisse und E-Books her und erwirbt dafür die entsprechenden Verwertungsrechte. Der Verlag übernimmt in der Regel sämtliche Leistungen von Lektorat und Layout über Herstellung, Marketing und Vertrieb. Für unbekannte Autoren ist es oft schwierig, bei einem traditionellen Verlag unterzukommen.

Als Alternative hat sich in den letzten Jahren das Self-Publishing etabliert. Hierbei nimmt der Autor die Dienstleistungen eines Self-Publishing-Dienstleisters in Anspruch. Diese bieten eine schnellere und unkompliziertere Veröffentlichung. Allerdings muss der Self-Publishing-Autor, je nach Anbieter und Budget, viele Aufgaben wie Lektorat, Korrektorat oder Coverdesign selbst übernehmen oder extern beauftragen. Self-Publishing ist ein stark wachsendes Segment im deutschen Buchmarkt.

Die Rolle der Druckerei

Sobald das Buch gestaltet und gesetzt ist, muss es physisch hergestellt werden. Hier kommen Druckereien ins Spiel. Im heutigen Buchdruck werden hauptsächlich zwei Verfahren eingesetzt:

VerfahrenBeschreibungVorteile/NachteileTypische Anwendung
OffsetdruckÜbertragung von Farbe über Druckplatte und Gummituch auf Papier.Wirtschaftlich bei sehr hohen Auflagen.Hohe Auflagen, Bildbände, Kunstbücher.
DigitaldruckÜbertragung des Druckbildes direkt aus einer Computerdatei.Keine statische Druckform nötig, wirtschaftlicher bei kleinen Auflagen, ermöglicht Print-on-Demand.Kleine Auflagen, Self-Publishing, Backlist-Titel, Print-on-Demand.

Der Digitaldruck gewinnt zunehmend an Bedeutung, insbesondere für Self-Publishing-Titel, die oft im Print-on-Demand-Verfahren produziert werden. Dies bedeutet, das Buch wird erst gedruckt, wenn es bestellt wird. Die Druckindustrie steht allerdings vor Herausforderungen wie steigenden Papierpreisen.

Ist eine Buchhandlung ein Unternehmen?
Tatsächlich aber umfasst der Buchhandel als Fachbegriff sämtliche Unternehmen, die buchhändlerisch tätig sind, wie es aus der Satzung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels hervorgeht: Herstellender Buchhandel: Verlage und Self-Publishing-Dienstleister.

Zwischenbuchhandel: Verlagsauslieferungen und Barsortimente

Nach der Produktion müssen die Bücher vom Verlag oder Dienstleister zum Einzelhandel gelangen. Dies geschieht über den Zwischenbuchhandel, der sich in zwei Hauptbereiche gliedert:

AkteurRolleBeziehung zum VerlagBeziehung zum Einzelhandel
VerlagsauslieferungDienstleister für Verlage. Lagert, bestellt und versendet Bücher. Übernimmt Rechnungsstellung.Arbeitet im Auftrag des Verlags (ausgelagerter Vertrieb). Verlag behält Vertriebshoheit.Beliefert den Einzelhandel.
Barsortiment (Buchgroßhandel)Kauft Bücher von Verlagen zu Großhandelspreisen. Lagert ein sehr breites Sortiment.Kauft Bücher vom Verlag.Verkauft Bücher an den Einzelhandel, ermöglicht schnelle (oft über Nacht) Lieferung eines breiten Titelspektrums.

Barsortimente sind ein unverzichtbares Glied für die flächendeckende Versorgung des Buchhandels. Sie ermöglichen es Buchhandlungen, nahezu jeden lieferbaren Titel schnell zu bestellen. In Deutschland teilen sich den Markt im Wesentlichen drei große Barsortimente: Libri, Zeitfracht (ehemals KNV) und Umbreit.

Der verbreitende Buchhandel: Wo der Leser kauft

Der verbreitende Buchhandel ist der Teil der Kette, der den direkten Kontakt zum Endkunden hat. Er umfasst verschiedene Vertriebswege:

  • Sortimentsbuchhandel: Klassische Buchhandlungen mit Ladengeschäft, die ein breites Sortiment an Büchern führen. Sie bieten Beratung und bestellen nicht vorrätige Titel. Trotz sinkender Zahl kleiner Geschäfte ist dies immer noch der wichtigste Vertriebsweg in Deutschland. Große Filialisten wie Thalia, Hugendubel und Weltbild dominieren hier den Markt.
  • Internetbuchhandel: Online-Shops, die Bücher vertreiben. Der Pionier war Amazon, aber auch viele Sortimentsbuchhandlungen betreiben eigene Online-Shops. Der Internetbuchhandel gewinnt stetig an Bedeutung.
  • Versandbuchhandel: Traditionell basierend auf Katalogen (heute oft auch online).
  • Antiquariate: Handel mit gebrauchten, seltenen oder vergriffenen Büchern.
  • Sonstige Verkaufsstellen: Bahnhofsbuchhandlungen, Supermärkte, Warenhäuser, Schreibwarengeschäfte etc., oft mit einem fokussierten Sortiment (Schnelldreher).

Der E-Book-Markt

Parallel zur Wertschöpfungskette des gedruckten Buches existiert der Markt für E-Books. Digitale Inhalte haben andere Vertriebswege und Voraussetzungen. E-Books werden über Verlagswebsites, Internetbuchhändler und spezialisierte Plattformen (wie Google Play, iBookstore, eBook.de, kobo) vertrieben. Verlage und Self-Publishing-Dienstleister arbeiten oft mit spezialisierten E-Book-Dienstleistern zusammen.

Besonderheiten des deutschen Buchmarktes

Der Buchhandel in Deutschland (und Österreich) weist spezifische Merkmale auf, die ihn von vielen anderen Branchen unterscheiden und die das Buch als Kulturgut schützen sollen:

Die Buchpreisbindung

Das Buchpreisbindungsgesetz (BuchPrG) verpflichtet Verlage, verbindliche Verkaufspreise für ihre Titel festzulegen. Dies gilt für gedruckte Bücher und E-Books. Ziel ist der Schutz des Kulturgutes Buch durch die Sicherung eines breiten Buchangebots und die Förderung einer großen Zahl von Verkaufsstellen. Unabhängig vom Kaufort (Ladengeschäft, Online-Shop, Warenhaus) kostet ein bestimmtes Buch immer dasselbe. Dies soll kleinen und großen Buchhandlungen gleiche Chancen einräumen und sicherstellen, dass auch Nischen- und weniger kommerzielle Titel eine Chance auf Verkauf haben.

Das Remissionsrecht

Eine weitere Besonderheit ist das Remissionsrecht. Buchhändler haben in der Regel das Recht, unverkaufte Bücher an Verlage oder Barsortimente zurückzuschicken und dafür eine Gutschrift zu erhalten. Diese zurückgeschickten Bücher nennt man Remittenden. Die Remissionsquote im deutschen Buchmarkt ist sehr hoch, was für Verlage und Dienstleister erhebliche Kosten verursacht. Für Self-Publishing-Autoren ist dies relevant, da viele Self-Publishing-Dienstleister kein Remissionsrecht gewähren, was die Listung im traditionellen Bucheinzelhandel erschwert.

Die Halbjahrespolitik der Verlage

Verlage geben ihr neues Programm traditionell nur zweimal im Jahr heraus: im Frühjahr und im Herbst. Zu diesen Zeitpunkten stellen sie den Buchhandlungen ihre Verlagsvorschauen vor. Diese Politik kann für Autoren lange Wartezeiten auf die Veröffentlichung bedeuten, was ein Grund ist, warum sich viele (insbesondere Sachbuchautoren) für die zeitlich flexiblere Veröffentlichung im Self-Publishing entscheiden.

Wirtschaftliche Situation und Ausblick

Der deutsche Buchhandel steht unter erheblichem Druck. Digitale Medien konkurrieren zunehmend um die Freizeit der Konsumenten. Die Zahl der verkauften Bücher stagniert seit Jahren, während die Zahl der Neuerscheinungen (insbesondere durch Self-Publishing) stetig wächst. Dies führt dazu, dass pro Buch immer weniger Umsatz erzielt wird.

Woher bekommen Buchhandlungen ihre Bücher?
Jede Buchhandlung wird von einem Barsortimenter beliefert. Ist Ihr Buch beim Barsortiment vorrätig, haben Sie gute Chancen, dass Ihr Buch auch in die Buchhandlung kommt. In der Regel bestellen die Barsortimente jedes neu gemeldete Buch in geringer Anzahl.

Verlage und Buchhandlungen sind gezwungen, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Große Verlage konzentrieren sich oft auf wenige Spitzentitel, um hohe Auflagen zu erzielen. Buchhandlungen erweitern ihr Sortiment oft um sogenannte Non-Books (Geschenkartikel, Schreibwaren etc.), um zusätzliche Einnahmen zu generieren.

Die Branche gilt aufgrund ihrer historisch gewachsenen Strukturen (Preisbindung, Remissionsrecht) als eher innovationsträge. Doch der wirtschaftliche Druck erfordert dringendes Umdenken. Zukünftige Modelle könnten stärker hybride Formen des Publizierens und neue Wege der Leserbindung umfassen.

Häufig gestellte Fragen zum Buchhandel

Woher bekommen Buchhandlungen ihre Bücher?
Buchhandlungen beziehen ihre Bücher hauptsächlich über den Zwischenbuchhandel, das sind Verlagsauslieferungen und vor allem Barsortimente (Buchgroßhändler). Barsortimente lagern ein sehr breites Sortiment verschiedener Verlage und beliefern die Buchhandlungen schnell, oft über Nacht. Für die Listung im Buchhandel ist eine ISBN (Internationale Standardbuchnummer) zwingend erforderlich.

Wie finanziert sich eine Buchhandlung?
Die Finanzierung basiert auf dem Verkauf von Büchern und zunehmend auch Non-Books. In Deutschland und Österreich gelten feste Ladenpreise (Buchpreisbindung), die vom Verlag festgelegt werden. Die Buchhandlung kauft die Bücher vom Verlag oder Barsortiment mit einem Rabatt auf diesen Ladenpreis. Die Differenz zwischen Einkaufspreis und festem Verkaufspreis bildet die Handelsspanne, aus der die Buchhandlung ihre Kosten decken und Gewinn erzielen muss. Für Bücher gilt in Deutschland ein reduzierter Umsatzsteuersatz von 7%.

Wie machen Buchhandlungen Gewinn?
Buchhandlungen erzielen Gewinn, indem sie Bücher (und Non-Books) zu Preisen verkaufen, die über ihrem Einkaufspreis liegen. Die Handelsspanne zwischen dem festen Ladenpreis und dem rabattierten Einkaufspreis ist die Grundlage. Die Herausforderung liegt darin, genügend Bücher zu verkaufen und gleichzeitig die Betriebskosten (Miete, Personal, Lagerhaltung etc.) zu decken. Der Verkauf von Bestsellern und nachgefragten Titeln ist entscheidend, da diese höhere Umsätze generieren.

Ist eine Buchhandlung ein Unternehmen?
Ja, eine Buchhandlung ist ein Unternehmen, das Teil des sogenannten verbreitenden Buchhandels ist. Der Begriff Buchhandel umfasst jedoch als Fachbegriff die gesamte Wertschöpfungskette: den herstellenden Buchhandel (Verlage, Self-Publishing-Dienstleister), den Zwischenbuchhandel (Barsortimente, Verlagsauslieferungen) und den verbreitenden Buchhandel (Sortimentsbuchhandel, Online-Shops, etc.).

Wie machen Buchhandlungen Gewinn?
Ein Buchladen macht Gewinn, indem er Bücher und verwandte Produkte mit einem Aufschlag auf den Einkaufspreis verkauft. Dieser Gewinn ergibt sich aus der Differenz zwischen dem, was der Buchladen beim Großhandel oder Verlag für die Bücher bezahlt und dem Preis, zu dem sie an Kund:innen verkauft werden.

Was bedeutet Buchpreisbindung?
Buchpreisbindung bedeutet, dass der Verkaufspreis eines Buches in Deutschland (und Österreich) vom Verlag festgelegt wird und für alle Verkaufsstellen (Buchhandlungen, Online-Shops etc.) verbindlich ist. Ziel ist der Schutz des Buches als Kulturgut durch Sicherung von Angebotsvielfalt und flächendeckender Erhältlichkeit.

Was ist das Remissionsrecht?
Das Remissionsrecht erlaubt Buchhändlern, unverkaufte Bücher an den Verlag oder Barsortiment zurückzuschicken und dafür eine Gutschrift zu erhalten. Dies minimiert das wirtschaftliche Risiko für die Buchhandlung, führt aber zu hohen Kosten in der Kette.

Was ist ein Barsortiment?
Ein Barsortiment ist ein Buchgroßhändler, der Bücher von Verlagen kauft und diese an Buchhandlungen verkauft. Sie lagern ein breites Sortiment und ermöglichen die schnelle Belieferung (oft über Nacht) des Bucheinzelhandels mit nahezu jedem lieferbaren Titel.

Fazit

Die Reise eines Buches ins Regal ist ein komplexes Zusammenspiel vieler Akteure innerhalb einer etablierten Wertschöpfungskette. Von der kreativen Arbeit des Autors über die Entscheidungen von Verlagen oder Self-Publishing-Dienstleistern, die Produktion in Druckereien bis hin zur logistischen Meisterleistung des Zwischenbuchhandels und dem Verkauf im Einzelhandel – jeder Schritt ist wichtig. Besonderheiten wie Buchpreisbindung und Remissionsrecht prägen den deutschen Markt maßgeblich.

Der Buchhandel steht derzeit vor großen Herausforderungen durch verändertes Mediennutzungsverhalten und wirtschaftlichen Druck. Ein tiefes Verständnis dieser Strukturen und Dynamiken ist nicht nur für Brancheninsider, sondern auch für Autoren und Leser hilfreich, um die Bedeutung und die Funktionsweise dieses einzigartigen Marktes zu verstehen. Die Zukunft wird zeigen, wie sich die Branche anpassen und innovative Wege finden wird, um das Buch als Kulturgut weiterhin erfolgreich zu verbreiten.

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