Warum ist Woolworth pleite gegangen?

Woolworth Deutschland: Comeback & Preis-Strategie

29/01/2013

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In einer Zeit, in der viele traditionelle Warenhäuser ums Überleben kämpfen oder ihre Türen schließen müssen, präsentiert sich ein Name überraschend robust und auf Expansionskurs: Woolworth Deutschland. Einst totgesagt nach einer Insolvenz, hat sich das Unternehmen neu erfunden und verfolgt nun das Ziel, zum größten Nahversorger Deutschlands aufzusteigen. Doch wie konnte dieser Wandel gelingen, und welche Rolle spielen dabei Sortimente wie Schreibwaren?

Übersicht

Die Wurzeln: Vom US-Pionier zur deutschen Eigenständigkeit

Die Geschichte von Woolworth begann weit jenseits des Atlantiks. Frank Winfield Woolworth legte 1879 in den USA den Grundstein für ein revolutionäres Einzelhandelskonzept: Waren offen auf Ladentischen präsentieren, mit festen, niedrigen Preisen (zunächst fünf, später zehn Cent). Dieses "five-and-dime"-Konzept war ein großer Erfolg und führte zur Gründung der F. W. Woolworth Company. Über Jahrzehnte wuchs das Unternehmen und expandierte auch international, unter anderem nach Deutschland.

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Avocados ... ein Favorit auf vielen Café-Speisekarten. Doch das ist falsch: Nicht Avocados sind der Verkaufsschlager, sagt Woolworths-CEO Brad Banducci, sondern Beeren.

Der amerikanische Mutterkonzern geriet jedoch später in Schieflage und schloss 1997 seine letzten Kaufhäuser in den USA. Die Nachfolgegesellschaft ist heute vor allem als Foot Locker bekannt. Die Woolworth-Warenhäuser außerhalb der USA agieren seither unabhängig von der ehemaligen US-Muttergesellschaft und gehören regionalen Unternehmen. Diese Trennung ist entscheidend, um die heutige Struktur und Strategie von Woolworth Deutschland zu verstehen, die eigenständig agiert.

Der tiefe Fall und die unerwartete Auferstehung

Auch Woolworth Deutschland stand Anfang der 2000er-Jahre vor großen Herausforderungen. Die wirtschaftliche Lage verschlechterte sich, und trotz der langen Tradition meldete die Kaufhauskette im Jahr 2009 Insolvenz an. Mehr als die Hälfte der Filialen musste geschlossen werden, und tausende Mitarbeiter waren betroffen. Handelsexperten sahen damals wenig Zukunft für das Konzept des klassischen Warenhauses im Niedrigpreissegment und sagten das Ende von Woolworth in Deutschland voraus.

Doch es kam anders. Im Jahr 2010 übernahm die H.H. Holding das insolvente Unternehmen und gründete die Woolworth GmbH neu. Unter neuer Führung begann ein strategischer Wandel, der das Ruder herumreißen sollte. Das Ziel war klar: Weg vom Image der "Resterampe" und hin zu einem modernen Discounter mit breitem Sortiment, der gezielt Lücken im Markt besetzt. Dieser Neuanfang markierte den Beginn einer beeindruckenden Wiederaufstiegsphase.

Die Erfolgsstrategie: Preis, Sortiment und Expansion

Der Kern der neuen Woolworth-Strategie ist der preisorientierte Einkauf. Das Unternehmen setzt konsequent auf günstige Preise bei einer Vielzahl von Produkten, um eine breite Kundenschicht anzusprechen. Dieses Konzept scheint aufzugehen und erweist sich als besonders attraktiv, insbesondere in Zeiten, in denen Verbraucher stärker auf ihr Budget achten und nach preiswerten Alternativen suchen.

Das Sortiment ist bewusst gemischt und vielfältig, um möglichst viele Bedürfnisse des täglichen Lebens abzudecken. Es reicht von Bekleidung für Damen, Herren und Kinder über Kosmetik, Dekoartikel und Haushaltswaren wie Töpfe und Nähgarn bis hin zu Spielwaren. Ein wichtiger Bestandteil dieses umfassenden Angebots sind auch die Schreibwaren, die neben anderen Artikeln des täglichen Bedarfs positioniert werden. Woolworth füllt damit oft eine Versorgungslücke, insbesondere in Mittelstädten mit weniger als 100.000 Einwohnern, in denen andere große Warenhäuser geschlossen haben und die Nahversorgung im Non-Food-Bereich eingeschränkt ist.

Die Expansion ist ein zentraler Pfeiler der Strategie. Mit bereits über 530 Filialen (Stand des Quelltextes) und dem langfristigen Ziel, 1000 Standorte in Deutschland zu erreichen, zeigt Woolworth großen Ehrgeiz und eine hohe Wachstumsdynamik. Das Unternehmen sucht gezielt nach 1A-Lagen in Innenstädten und Einkaufszentren, um eine hohe Kundenfrequenz zu gewährleisten. Diese aggressive Expansion erfordert hohe Investitionen in neue Ladenflächen, Umbauten und Logistik, was dazu führt, dass Woolworth trotz steigender Umsätze derzeit (Stand des Quelltextes mit einem Verlust von 7,7 Millionen Euro bei 463 Millionen Umsatz) noch keine Gewinne erzielt. Experten sehen dies jedoch als Teil einer Wachstumsstrategie, die darauf abzielt, Marktanteile zu erobern, bevor die Profitabilität im Vordergrund steht. Ähnliche Ansätze wurden bereits von erfolgreichen Discountern und Drogerieketten verfolgt.

Schreibwaren im Woolworth-Sortiment: Ein Teil des Ganzen

Für Kunden, die auf der Suche nach preisgünstigen Artikeln für Büro, Schule oder Zuhause sind, bietet Woolworth auch eine Auswahl an Schreibwaren, Papierprodukten und Zubehör für den Schreibtisch. Obwohl die bereitgestellten Informationen keine Details zu Bestsellern in dieser spezifischen Kategorie nennen – der meistverkaufte Artikel bei einem australischen Supermarkt (Woolworths) sind laut einer Quelle Beeren, was für das Sortiment des deutschen Woolworth-Warenhauses nicht relevant ist und nicht verallgemeinert werden kann – sind Schreibwaren wie Stifte, Kugelschreiber, Bleistifte, Blöcke, Notizbücher, Hefte, Ordner, Mappen, Klebstoffe, Scheren und andere Büroartikel ein fester Bestandteil des breiten Angebots.

Woolworth positioniert sich hier als Anbieter von Basiszubehör zu attraktiven Preisen. Dies spricht insbesondere Schüler, Studenten, Familien und preisbewusste Verbraucher an, die keine spezialisierten Fachgeschäfte aufsuchen möchten oder einfach nur schnell und günstig das Nötigste besorgen wollen. Das Sortiment im Bereich Büro und Schreiben mag variieren und ist auf die Bedürfnisse des preisorientierten Massenmarkts zugeschnitten, aber es erfüllt die Funktion, eine preiswerte Option für alltägliche Bedürfnisse anzubieten, eingebettet in das umfassendere Warenangebot des Discounters. Kunden finden hier eine Grundausstattung für den Schulranzen, das Home-Office oder kreative Projekte, oft in einfacher Ausführung oder als Aktionsware von No-Name-Marken, aber auch gelegentlich Markenartikel zu Sonderpreisen.

Wettbewerb und Zukunftsaussichten

Woolworth agiert in einem hart umkämpften Markt im Niedrigpreissegment. Neben traditionellen Discountern und Supermärkten, die ihr Non-Food-Angebot ausweiten, konkurriert das Unternehmen direkt mit ähnlichen Konzepten wie Tedi und Kodi, die ebenfalls auf ein breites, preisgünstiges Sortiment setzen. Die Konkurrenz ist intensiv, und die Preissensibilität der Kunden ist hoch. Seit Anfang 2022 wird das Unternehmen zudem von Roman Heini, einem ehemaligen Manager von Aldi und Lidl, als CEO geführt, was auf eine weitere Schärfung der Discounter-Strategie hindeutet.

Einige Handelsexperten sehen die Zukunft von Woolworth kritisch, insbesondere im Hinblick auf die aktuelle wirtschaftliche Lage und drohende Rezessionen. Sie argumentieren, dass Kunden bei Artikeln wie Mode oder Deko, die einen großen Teil des Woolworth-Sortiments ausmachen, zuerst sparen würden. Das Konzept des preisorientierten Einkaufs könnte jedoch gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ein Vorteil sein, da Verbraucher verstärkt auf ihr Geld achten und gezielt nach Schnäppchen suchen.

Trotz dieser Bedenken und der notwendigen Investitionen für die Expansion zeigen die aktuellen Entwicklungen (basierend auf dem Quelltext), dass Woolworth weiterhin stark expandiert und in vielen Städten als Frequenzbringer wahrgenommen wird. Die Attraktivität der günstigen Preise, insbesondere für Schnäppchenjäger und Kunden auf der Suche nach saisonaler Ware oder kleinen Geschenken (wie im Quelltext für die Weihnachtszeit erwähnt), scheint ungebrochen und treibt das Wachstum voran.

Häufig gestellte Fragen zu Woolworth Deutschland

Nachfolgend beantworten wir einige häufig gestellte Fragen zum Unternehmen Woolworth in Deutschland, basierend auf den bereitgestellten Informationen:

Warum ist Woolworth pleite gegangen und wie kam es zum Comeback?

Woolworth Deutschland meldete 2009 Insolvenz an, nachdem der Mutterkonzern in den USA bereits Schwierigkeiten hatte und sich aus dem Kaufhausgeschäft zurückzog. Wirtschaftliche Schieflage, eine hohe Schuldenlast und ein als nicht mehr zeitgemäß empfundenes Konzept im deutschen Markt führten zur Krise. Nach der Insolvenz wurde das Unternehmen 2010 von der H.H. Holding übernommen und strategisch neu ausgerichtet. Mit einem konsequenten Fokus auf niedrige Preise, ein breites und schnell wechselndes Sortiment sowie eine aggressive Expansion in attraktive Lagen gelang die unerwartete Wiederauferstehung und der Wandel zum erfolgreichen Discounter.

Ist Woolworth eine amerikanische Firma?

Die historischen Wurzeln von Woolworth liegen in den USA, wo Frank Winfield Woolworth 1879 das erste Geschäft eröffnete und das Konzept der "five-and-ten-cent-stores" etablierte. Die ursprüngliche F. W. Woolworth Company existiert in ihrer alten Form nicht mehr (die Nachfolgegesellschaft im Sportartikelbereich ist heute Foot Locker, Inc.). Die heutigen Woolworth-Warenhäuser außerhalb der USA, einschließlich Woolworth Deutschland, sind seit 1997 unabhängige regionale Unternehmen und keine Teile des ehemaligen US-Konzerns mehr. Woolworth Deutschland agiert somit als eigenständiges deutsches Unternehmen, auch wenn der Name auf die historische US-Marke zurückgeht.

Welcher Artikel ist bei Woolworth am meisten verkauft?

Die bereitgestellten Informationen geben keine Auskunft über den meistverkauften Artikel bei Woolworth Deutschland. Eine der Quellen nennt Beeren als meistverkauften Artikel bei Woolworths in Australien (einem separaten Unternehmen, das ein Supermarkt ist und ein reines Lebensmittelsortiment führt), was nicht auf das Sortiment des deutschen Woolworth-Warenhauses übertragbar ist, das ein breites Mischsortiment von Bekleidung über Haushaltswaren bis zu Schreibwaren anbietet. Woolworth Deutschland führt ein sehr breites, gemischtes Sortiment, und die genauen Verkaufszahlen einzelner Artikel oder Warengruppen werden öffentlich nicht kommuniziert. Es ist anzunehmen, dass die Bestseller stark saison- und aktionsabhängig sind und sich über verschiedene Sortimentsbereiche verteilen.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Woolworth Deutschland einen bemerkenswerten Weg vom beinahe Ende zur erneuten Stärke beschritten hat. Das Konzept des preisgünstigen Nahversorgers mit breitem Sortiment, das auch Schreibwaren umfasst, scheint in der aktuellen Marktlandschaft eine Nische gefunden zu haben und wird von den Kunden angenommen. Während die aggressive Expansion hohe Investitionen erfordert und der Wettbewerb im Discounter-Segment intensiv ist, zeigt das Unternehmen Entschlossenheit, sein Ziel als großer deutscher Nahversorger zu erreichen. Die Fähigkeit, sich neu zu erfinden und konsequent auf die Bedürfnisse preissensibler Kunden einzugehen, ist der Schlüssel zum aktuellen Erfolg von Woolworth Deutschland.

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