23/11/2014
Das Wort „Tafel“ mag auf den ersten Blick einfach erscheinen, doch es birgt unterschiedliche Bedeutungen, die weitreichende gesellschaftliche oder praktische Relevanz haben. Ob als Ort der Solidarität und Hilfe für Bedürftige oder als klassische Schreibfläche für Gedanken und Wissen – die „Tafel“ spielt in verschiedenen Kontexten eine wichtige Rolle in unserem Alltag.

In diesem Artikel beleuchten wir beide Facetten des Begriffs: die soziale Einrichtung, die sich der Lebensmittelrettung und -verteilung widmet, und die physische Schreibtafel, die uns seit Generationen begleitet. Wir gehen auf Fragen ein, wie ein „Einkauf“ bei einer Tafel funktioniert, welche Kosten dabei entstehen können und aus welchen Materialien die verschiedenen Arten von Schreibtafeln gefertigt sind.
Die Tafel als soziale Einrichtung: Hilfe für Bedürftige
Eine der bekanntesten Bedeutungen des Wortes „Tafel“ in Deutschland bezieht sich auf Organisationen, die überschüssige, aber noch einwandfreie Lebensmittel sammeln und kostenlos an Menschen in Not verteilen. Diese Vereine haben es sich zur Aufgabe gemacht, eine Brücke zwischen Lebensmittelverschwendung und Armut zu schlagen. Sie agieren nach einem einfachen, aber wirksamen Prinzip: Lebensmittel, die im Handel nicht mehr verkauft werden (sei es wegen kleiner Schönheitsfehler, falscher Bestellungen, Havarieschäden oder schlichtem Überfluss), werden von Geschäften, Herstellern und Supermärkten gespendet und an bedürftige Menschen weitergegeben.
Die Idee der Tafeln wurde Anfang der 1990er Jahre in Berlin geboren und hat sich seitdem rasant in ganz Deutschland verbreitet. Tausende ehrenamtliche Helfer sind täglich im Einsatz, um Lebensmittel abzuholen, zu sortieren und an Ausgabestellen oder direkt an soziale Einrichtungen zu verteilen. Die gesammelten Lebensmittel decken eine breite Palette des täglichen Bedarfs ab, von Brot und Backwaren über Obst und Gemüse bis hin zu Wurst und Käse. Die Verfügbarkeit der einzelnen Produkte kann stark variieren, je nachdem, welche Spenden gerade eingehen. Manchmal sind es riesige Mengen eines bestimmten Artikels, wie Paletten voller Tomaten oder Zentner von Äpfeln.
Wie funktioniert ein „Einkauf“ bei der Tafel?
Der Ablauf eines Besuchs bei einer Tafel-Ausgabestelle ähnelt oft einem vereinfachten Einkauf in einem kleinen Geschäft. Die gespendeten Lebensmittel werden zunächst von den Mitarbeitern sortiert und in den Verkaufsräumen bereitgelegt. Um einen geordneten Ablauf zu gewährleisten, erhalten die Kunden in vielen Tafelläden vor dem Betreten eine Wartenummer. Dies hilft sowohl den Wartenden als auch den Mitarbeitern, den Überblick zu behalten. Besonders zu Beginn der Öffnungszeiten kann es zu kurzen Wartezeiten kommen.
Sobald die eigene Wartenummer aufgerufen wird, kann der „Einkauf“ beginnen. In manchen Ausgabestellen stehen Einkaufswagen zur Verfügung, aber es ist immer ratsam, eigene Tragetaschen oder Körbe mitzubringen, insbesondere für Backwaren, für die Brotboxen oder Stoffbeutel empfehlenswert sind. Kunden können grundsätzlich nach Belieben auswählen, was sie benötigen. Allerdings gibt es bei einigen begehrten Waren, wie beispielsweise Wurst und Käse, oft Mengenbegrenzungen pro Person, um eine gerechte Verteilung an möglichst viele Bedürftige zu ermöglichen.

Nachdem die gewünschten Lebensmittel ausgewählt wurden, geht es zur Kasse. Hier wird ein kleiner Betriebskostenbeitrag fällig. Dieser Betrag wird in der Regel nach einem System berechnet, bei dem eine festgelegte Anzahl von Lebensmitteln eine Einheit bildet, für die ein geringer Betrag (oft um die 0,30 € pro Einheit) gezahlt werden muss. Dieser Beitrag ist entscheidend für die Tafeln, da er hilft, die laufenden Kosten wie Miete, Strom, Transport und die Instandhaltung der Fahrzeuge zu decken. Die Tafeln finanzieren ihre Arbeit fast ausschließlich über Spenden und Mitgliedsbeiträge und verzichten weitgehend auf öffentliche Gelder, um ihre Unabhängigkeit zu wahren. Diese Unabhängigkeit ist wichtig, um zu vermeiden, dass die Belieferung durch Tafeln als Grund für Kürzungen staatlicher Sozialleistungen herangezogen wird, was in der Vergangenheit bereits versucht wurde.
Herausforderungen und Motivation
Die Arbeit der Tafeln basiert maßgeblich auf dem Engagement ehrenamtlicher Helfer. Diese kommen aus den unterschiedlichsten Berufsgruppen und sind oft stark motiviert durch das hohe Ansehen, das die Arbeit der Tafeln in der Gesellschaft genießt. Die Motivation bedürftiger Menschen zur Mitarbeit ist oft schwieriger, da viele eine bezahlte Beschäftigung suchen. Dennoch bieten ABM-Maßnahmen oder die Möglichkeit, sich durch Mithilfe einen kleinen Beitrag zu verdienen oder den Transport zu erleichtern, Anreize. Die Integration von Obdachlosen oder Menschen mit Suchtproblemen stellt die Tafeln vor zusätzliche Herausforderungen, die oft nur in Kooperation mit professioneller Sozialarbeit gelöst werden können.
Trotz der Herausforderungen sehen sich die Tafeln nicht als Konkurrenz zur professionellen Sozialarbeit, sondern suchen aktiv die Zusammenarbeit. Sie sehen ihre Rolle darin, praktische Hilfe zu leisten und gleichzeitig auf die bestehenden sozialen Missstände und den Überfluss in der Gesellschaft hinzuweisen. Ihre Arbeit ist insofern systemstabilisierend, als sie bestehende Lücken im sozialen Netz füllt, aber sie entbindet den Staat und die Politik nicht von ihrer Verantwortung, sondern macht die Notlagen erst sichtbar.
Die Tafel als Schreibfläche: Ein Blick auf die Geschichte
Eine ganz andere Bedeutung hat das Wort „Tafel“ als Bezeichnung für eine Schreibfläche. Diese Tafeln sind seit langem ein unverzichtbares Werkzeug in Schulen, Universitäten, Büros und sogar im privaten Bereich. Ihre Entwicklung spiegelt Fortschritte in Materialwissenschaft und Pädagogik wider.
Von der Schiefertafel zum Whiteboard
Die klassische Form der Schreibtafel war lange Zeit die Schiefertafel. Insbesondere bis in die 1970er Jahre hinein waren kleine Schiefertafeln für Schüler in Deutschland weit verbreitet. Auf diesen Tafeln wurde mit einem Schiefergriffel geschrieben. Geschrieben wurde auf der glatten, dunklen Schieferoberfläche. Die Tafeln waren oft auf einer Seite liniert für Schreibübungen und auf der anderen Seite mit Kästchen für Rechenaufgaben versehen. Zum Schutz des Geschriebenen und der Tafel selbst wurden sie in einem Pappkarton, dem sogenannten Tafelschoner, aufbewahrt.
Das Geschriebene wurde mit einem feuchten Schwämmchen abgewischt und anschließend mit einem Lappen getrocknet. Der Lappen hing oft zum Trocknen außen am Schulranzen – ein charakteristisches Bild vergangener Schulzeiten. Schiefertafeln waren praktisch, da sie leicht zu korrigieren waren und halfen, teures Papier zu sparen. Später wurden Schiefertafeln durch Tafeln aus Kunststoff ersetzt, die bruchsicherer und günstiger waren.

Mit der Zeit entwickelten sich die Tafeln weiter. Mechanische und elektrische Hub- oder Schiebetafeln kamen in Hörsälen zum Einsatz, um große Schreibflächen bereitzustellen, die vertikal bewegt werden konnten. Endlostafeln mit einem fortlaufenden Band aus Grüntafelmaterial ermöglichten besonders lange Notizen.
Eine Revolution brachte das Whiteboard in den frühen 1960er Jahren. Diese weißen Tafeln bestehen aus speziellem Kunststoff oder emailliertem Metall und werden mit speziellen Board-Markern in verschiedenen Farben beschrieben. Der große Vorteil des Whiteboards ist, dass die Schrift trocken mit einem Schwamm oder Tuch abgewischt werden kann. Metallische Whiteboards bieten zudem die Möglichkeit, Dokumente oder Bilder mit Magneten zu befestigen. Whiteboards setzten sich in den 1990er Jahren in vielen Bereichen durch.
Daneben gibt es auch moderne Entwicklungen wie beschriftbare Wände, die ganze Büroräume in eine Schreibfläche verwandeln, und interaktive Whiteboards, die digitale Funktionen integrieren, aber auch eigene Herausforderungen mit sich bringen (z.B. Kosten, Lesbarkeit bei Helligkeit, Ergonomie).
Auch in speziellen Bereichen finden Tafeln Anwendung, wie die Slate (Filmklappe) in der Film- und Fotoproduktion zur Kennzeichnung von Szenen oder kleine Unterwasser-Schreibtafeln im Tauchsport zur Kommunikation.
Materialien im Vergleich
Die Materialien von Schreibtafeln haben sich im Laufe der Zeit verändert, um den Bedürfnissen und technologischen Möglichkeiten gerecht zu werden:
| Tafel-Typ | Hauptmaterial(ien) | Schreibwerkzeug | Wischen | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|---|---|---|
| Schiefertafel (historisch) | Schiefer | Schiefergriffel | Nass (Schwamm & Lappen) | Langlebig, korrigierbar, papier-sparend | Bruch-empfindlich, staubig |
| Schülertafel (Kunststoff) | Kunststoff | Schiefergriffel / Kreidestift | Nass (Schwamm & Lappen) | Günstiger, bruch-sicherer als Schiefer | Kann zerkratzen |
| Kreidetafel (Grüntafel) | Metall (emailliert) oder Faserplatte mit spezieller Beschichtung | Kreide | Trocken oder feucht | Günstig im Material, traditionell | Staubentwicklung, Kreidebruch |
| Whiteboard | Metall (emailliert) oder Kunststoff mit glatter Oberfläche | Board-Marker | Trocken (Schwamm/Tuch) | Kein Staub, sauberes Schriftbild, oft magnetisch | Marker müssen regelmäßig gekauft werden, Schattenbildung möglich |
| Beschriftbare Wand | Spezielle Farbe oder Folie | Board-Marker | Trocken (Schwamm/Tuch) | Große Fläche, flexibel gestaltbar | Fläche nicht immer mobil oder höhenverstellbar |
Die Vielfalt der Materialien und Formen zeigt, wie sich die „Tafel“ als Schreibwerkzeug an unterschiedliche Anforderungen angepasst hat, von der individuellen Schiefertafel für Schüler bis zur großflächigen interaktiven Wand im modernen Büro oder Hörsaal.

Häufig gestellte Fragen zur Tafel
Wie teuer ist der „Einkauf“ bei der Tafel (Lebensmittel)?
Der „Einkauf“ bei einer Tafel ist nicht kostenlos im Sinne von Null Euro, aber sehr günstig. Es wird ein kleiner Betriebskostenbeitrag erhoben, der oft nach einem Einheitensystem berechnet wird. Für eine bestimmte Menge an Lebensmitteln, die eine Einheit bildet, zahlt man einen geringen Betrag, zum Beispiel 0,30 €. Dieser Beitrag dient zur Deckung der laufenden Kosten der Tafel, wie Miete, Strom und Transport.
Wie läuft ein „Einkauf“ bei der Tafel Dresden ab?
Der Ablauf ist ähnlich wie in einem kleinen Geschäft. Die gespendeten Lebensmittel werden sortiert und bereitgelegt. Oft erhalten Kunden vor dem Betreten eine Wartenummer, um den Zugang zu organisieren. Im Laden können die Kunden die verfügbaren Lebensmittel auswählen. Es gibt oft Mengenbegrenzungen für bestimmte Artikel, um eine gerechte Verteilung zu gewährleisten. Nach der Auswahl geht es zur Kasse, wo der oben erwähnte Betriebskostenbeitrag gezahlt wird. Eigene Tragetaschen sind ratsam.
Warum heißt die Tafel Tafel?
Der Begriff „Tafel“ wurde von Sabine Werth bei der Gründung der ersten Berliner Tafel im Jahr 1993 als Synonym für die Organisation gewählt. Er erinnert an die mittelalterliche „Tafelrunde“, bei der alle gleichberechtigt zusammenkamen, oder schlicht an einen Tisch, an dem gemeinsam gegessen wird. Der Name symbolisiert das Teilen von Lebensmitteln mit Bedürftigen. Später wurde der Begriff von fast allen anderen ähnlichen Organisationen in Deutschland übernommen.
Aus welchem Material werden Tafeln (Schreibflächen) hergestellt?
Schreibtafeln wurden historisch aus Schiefer gefertigt. Später wurden Kunststofftafeln für Schüler üblich. Heutige Kreidetafeln bestehen oft aus emailliertem Metall oder beschichteten Faserplatten. Whiteboards haben eine spezielle, glatte Oberfläche aus weißem Kunststoff oder weiß emailliertem Metall. Auch beschriftbare Wände nutzen spezielle Farben oder Folien. Die Materialien reichen also von Naturstein über Kunststoffe bis hin zu Metallen mit speziellen Beschichtungen.
Fazit
Das Wort „Tafel“ vereint in sich zwei sehr unterschiedliche, aber gleichermaßen bedeutsame Konzepte. Die soziale Einrichtung „Tafel“ steht für Solidarität, Hilfe und den Kampf gegen Lebensmittelverschwendung und Armut. Ihre Arbeit ist ein wichtiges Zeichen bürgerlichen Engagements und macht auf soziale Ungleichheiten aufmerksam. Die Schreibtafel hingegen ist ein fundamentales Werkzeug der Wissensvermittlung und Organisation, dessen Entwicklung die technologischen Fortschritte über Jahrhunderte widerspiegelt. Beide „Tafeln“ sind auf ihre Weise unverzichtbar und prägen unseren Alltag – die eine als Stütze für die Schwächsten der Gesellschaft, die andere als Basis für Lernen und Kreativität.
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