Wie viel Prozent Aufschlag auf Einkaufspreis?

Handelsspanne: Was Sie wissen müssen

17/01/2018

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Die Handelsspanne ist eine zentrale Kennzahl für jedes Handelsunternehmen. Sie gibt Auskunft über die Differenz zwischen dem Verkaufspreis eines Produkts und dessen Einkaufspreis. Ein fundiertes Verständnis der Handelsspanne ist unerlässlich, um Preise korrekt zu kalkulieren, die Rentabilität zu beurteilen und letztlich den langfristigen Erfolg eines Unternehmens zu sichern. Im Folgenden beleuchten wir, was genau unter der Handelsspanne zu verstehen ist, wie sie sich zum Rohertrag verhält und welche Faktoren bei ihrer Berechnung und Anwendung eine Rolle spielen.

Wie hoch sollte die Handelsspanne sein?
Die übliche Handelsspanne im Einzelhandel beträgt 10 %. So lautet auch die Empfehlung des Bundesministeriums für Wirtschaft. Allerdings ist die Gewinnspanne auch von der Branche und der Konkurrenz abhängig.25. Feb. 2025
Übersicht

Was ist die Handelsspanne?

Im Bereich des Handels wird die Handelsspanne auch als Rohertrag bezeichnet. Sie stellt die Bruttogewinnmarge dar, die ein Händler erzielt, bevor weitere Kosten wie Miete, Personal oder Marketing abgezogen werden. Es ist im Wesentlichen der Betrag, der übrig bleibt, nachdem die direkten Kosten für die eingekauften Waren vom erzielten Umsatz subtrahiert wurden.

Die Handelsspanne ist ein direkter Indikator für die Effizienz der Wertschöpfung im Handelsunternehmen. Sie zeigt, welchen Mehrwert das Unternehmen durch den Einkauf und Verkauf der Produkte generiert hat.

Rohertrag und Handelsspanne – Ein und dasselbe?

Der Begriff Rohertrag ist eine betriebswirtschaftliche Kennzahl, die breiter gefasst ist als die Handelsspanne. Er wird auch als Rohgewinn, Bruttomarge oder Bruttoertrag bezeichnet. Die Berechnung erfolgt generell durch Subtraktion des Waren- oder Materialeinsatzes von den Umsatzerlösen.

Im spezifischen Kontext eines Handelsunternehmens ist der Rohertrag jedoch genau das, was als Handelsspanne bezeichnet wird. Wenn also von der Handelsspanne die Rede ist, meint man im Handel den Rohertrag, der aus dem Verkauf von Waren erzielt wird.

Zum besseren Verständnis hier eine Gegenüberstellung:

BegriffKontextBerechnung (Basis)
RohertragAllgemein (Produktion & Handel)Umsatz – Material-/Wareneinsatz
HandelsspanneSpezifisch (Handel)Netto-Umsatz – Netto Wareneinsatz (Einkaufskosten)

Während der Rohertrag in der Produktion den Wertzuwachs durch die Verarbeitung von Rohstoffen beschreibt (z.B. Schreiner kauft Holz und verkauft Möbel), beschreibt die Handelsspanne den Wertzuwachs durch den reinen Handel (Einkauf und Verkauf von fertigen Waren).

Wie berechnet man die Handelsspanne?

Die Formel zur Berechnung der Handelsspanne (oder des Rohertrags im Handel) ist denkbar einfach:

Handelsspanne = Netto-Umsatz – Netto Wareneinsatz

Der Netto-Umsatz sind die Einnahmen aus Verkäufen ohne Mehrwertsteuer. Der Netto Wareneinsatz sind die Einkaufskosten für die verkauften Produkte, ebenfalls ohne Mehrwertsteuer und eventuell bereinigt um Rabatte oder Skonti.

Diese Kennzahl ist die Basis für die Ermittlung weiterer wichtiger betriebswirtschaftlicher Zahlen, wie zum Beispiel des Deckungsbeitrags, der weitere variable Kosten berücksichtigt.

Ist Rohertrag gleich Handelsspanne?
Im Handel wird der Rohertrag auch Handelsspanne genannt. Er lässt sich ermitteln, indem der Netto Wareneinsatz (die Einkaufskosten bzw. der Einkaufspreis für die Artikel) vom Netto-Umsatz abgezogen werden.

Welche Kosten müssen von der Handelsspanne gedeckt werden?

Die Handelsspanne ist, wie erwähnt, der Bruttogewinn. Das bedeutet, dass von diesem Betrag noch eine Vielzahl weiterer Kosten abgezogen werden müssen, um den Nettogewinn oder Verlust zu ermitteln. Bevor Sie eine Preisspanne festlegen oder beurteilen können, wie hoch Ihre Handelsspanne sein sollte, müssen Sie sich der Kosten bewusst sein, die durch den Verkauf Ihrer Produkte und Dienstleistungen entstehen.

Zu diesen Kosten gehören beispielsweise:

  • Miete für Lager- und Verkaufsräume sowie Nebenkosten
  • Marketing- und Werbekosten
  • Fahrzeugkosten (für Lieferungen, Einkäufe etc.)
  • Instandhaltungskosten
  • Personalkosten
  • Verwaltungskosten
  • Energiekosten
  • Versicherungen

Die Handelsspanne muss also nicht nur den Wareneinsatz übersteigen, sondern auch ausreichen, um all diese weiteren betrieblichen Kosten zu decken und idealerweise einen Gewinn zu erwirtschaften. Die Höhe der benötigten Handelsspanne hängt daher stark von der Kostenstruktur Ihres Unternehmens ab.

Absatzplanung als Grundlage

Um beurteilen zu können, ob Ihre Handelsspanne ausreicht, müssen Sie auch wissen, wie viele Produkte Sie voraussichtlich pro Jahr verkaufen werden. Eine sorgfältige Absatzplanung ist daher unerlässlich. Nur so können Sie realistisch einschätzen, welcher Gesamtumsatz und damit welche Gesamt-Handelsspanne zu erwarten ist und ob diese ausreicht, um Ihre Fixkosten zu decken und Gewinn zu erzielen.

Preisgestaltung: Die Kostenaufschlagsmethode

Eine der gängigsten Strategien zur Preisgestaltung, die eng mit der Handelsspanne verbunden ist, ist die sogenannte Kostenaufschlagsmethode. Diese Methode basiert darauf, einen bestimmten prozentualen Aufschlag auf die Stückkosten (den Wareneinsatz pro Einheit) zu addieren, um den Verkaufspreis zu bestimmen.

Die grundlegende Formel lautet:

Preis = (1 + Aufschlagssatz) ∙ Stückkosten

Der Aufschlagssatz wird hierbei oft nach branchenüblichen Werten, unternehmensinternen Gewohnheiten oder einfachen Faustregeln festgelegt. Die Attraktivität dieser Methode liegt in ihrer Einfachheit. Der Preis hängt im Wesentlichen nur von den Stückkosten und dem festgelegten Aufschlag ab. Daher ist sie weit verbreitet; rund 75 Prozent der Unternehmen wenden eine Form der Kostenaufschlagsmethode an.

Vorteile und Nachteile der Kostenaufschlagsmethode

Der Hauptvorteil ist die bereits erwähnte Einfachheit. Es sind keine umfangreichen Marktanalysen oder komplexe Berechnungen erforderlich, um einen Preis festzulegen. Dies macht sie für viele Unternehmen praktikabel.

Allerdings birgt die alleinige Orientierung an Kosten und einem festen Aufschlag auch Nachteile. Diese Methode vernachlässigt oft das Verhalten der Verbraucher und die Marktdynamik. Änderungen in der Nachfrage, die Bereitschaft der Kunden, einen höheren Preis zu zahlen, oder die Preise der Wettbewerber werden nicht direkt berücksichtigt. Dies kann dazu führen, dass Potenziale für höhere Gewinne ungenutzt bleiben oder Preise zu hoch angesetzt werden, was zu geringeren Verkaufszahlen führt. Das Beispiel mit den Regenschirmen verdeutlicht dies: An einem sonnigen Tag mag der kalkulierte Preis zu hoch sein, während an einem regnerischen Tag deutlich mehr erzielbar wäre.

Eine Optimierung der Preisgestaltung könnte darin liegen, den Preisaufschlag auch mit der Preiselastizität der Nachfrage zu verknüpfen oder die Grenzkosten statt der durchschnittlichen Stückkosten als Basis zu verwenden, um flexibler auf den Markt reagieren zu können. Dennoch bleibt die Kostenaufschlagsmethode mit ihren Faustregeln ein wichtiges Werkzeug, insbesondere im Einzelhandel.

Wie hoch ist die Handelsspanne bei Büchern?
Die besten Konditionen konnten wie immer die größten Buchhandlungen heraushandeln, sie erreichten eine Handelsspanne von 37,5 Prozent. Buchhandlungen mit Einnahmen von zwischen einer und zwei Millionen Euro müssen dagegen mit 31,5 Prozent leben. Die kleinste Größenklasse kam immerhin auf 33,4 Prozent.

Faustregeln für Aufschläge im Einzelhandel

Manager im Einzelhandel nutzen häufig die Kostenaufschlagsmethode in Verbindung mit praktischen Faustregeln, da universelle Aufschlagsmuster selten sind. Stattdessen werden unterschiedliche Aufschläge auf verschiedene Produkte angewendet, basierend auf Erfahrungswerten:

  • Je niedriger der Preis, desto höher sollte der prozentuale Aufschlag sein. Bei sehr günstigen Artikeln ist der absolute Gewinn pro Stück gering. Ein höherer prozentualer Aufschlag ist nötig, um überhaupt eine nennenswerte Handelsspanne pro Einheit zu erzielen, die zur Deckung der Fixkosten beitragen kann.
  • Wenn der Bestand schnell umschlagen kann, sollte ein niedrigerer Aufschlagsfaktor verwendet werden. Artikel, die sich schnell verkaufen, tragen häufiger und in größerer Menge zur Gesamt-Handelsspanne bei, auch wenn die Marge pro Stück geringer ist. Das Gesamtvolumen kompensiert die niedrigere Einzelmarge.
  • Niedrigere Aufschlagsfaktoren sollten für Produkte mit hohem Wert verwendet werden. Bei teuren Artikeln sind Kunden oft preissensibler. Ein hoher prozentualer Aufschlag würde zu einem sehr hohen absoluten Preis führen, der weniger attraktiv ist. Der absolute Gewinn pro Stück ist hier oft auch bei einem niedrigeren Prozentsatz bereits signifikant.
  • Alltagsprodukte sollten einen niedrigeren Aufschlag haben als Spezialprodukte. Alltagsprodukte werden häufig gekauft und sind oft stark umkämpft, was die Preisgestaltung begrenzt. Spezialprodukte, die seltener oder für spezifische Bedürfnisse gekauft werden, erlauben oft höhere Margen, da die Preissensibilität anders gelagert ist.
  • Der Preisaufschlag sollte an die Konkurrenz angepasst werden. Unabhängig von den eigenen Kosten muss der Preis wettbewerbsfähig sein. Die Preise der Mitbewerber sind ein entscheidender Faktor bei der Festlegung des eigenen Aufschlags, um Kunden nicht zu verlieren.

Diese Faustregeln zeigen, dass die Festlegung der Handelsspanne und des Aufschlags eine Mischung aus Kostenbetrachtung, Marktverständnis und strategischer Überlegung ist.

Der Einfluss digitaler Modelle

Es ist interessant zu sehen, wie neue Geschäftsmodelle, insbesondere webbasierte oder Sharing-Economy-Modelle, die Preisgestaltung beeinflussen. Da die Grenzkosten für zusätzliche Einheiten von digitalen Produkten oder Dienstleistungen oft nahe null liegen, tendieren die Preise hier naturgemäß dazu, sehr niedrig zu sein oder basieren auf ganz anderen Modellen (z.B. Abonnements, Werbung). Dies hat zwar keinen direkten Einfluss auf die Handelsspanne physischer Produkte im Bürobedarf, zeigt aber die Vielfalt und Entwicklung von Preisstrategien im modernen Wirtschaftsumfeld.

Häufig gestellte Fragen zur Handelsspanne

Was ist die Handelsspanne und wie wird sie berechnet?

Die Handelsspanne ist der Bruttogewinn im Handel. Sie wird berechnet, indem die Einkaufskosten (Netto Wareneinsatz) von den Verkaufserlösen (Netto-Umsatz) abgezogen werden. Die Formel lautet: Handelsspanne = Netto-Umsatz – Netto Wareneinsatz.

Ist Rohertrag dasselbe wie Handelsspanne?

Ja, im Kontext eines Handelsunternehmens wird der Rohertrag auch als Handelsspanne bezeichnet. Beide Begriffe beschreiben die Differenz zwischen den Umsatzerlösen und dem Wareneinsatz. Rohertrag ist jedoch ein allgemeinerer Begriff, der auch in der Produktion verwendet wird.

Wie hoch sollte die Handelsspanne sein?

Es gibt keinen universellen Prozentsatz für die ideale Handelsspanne. Sie muss ausreichen, um nicht nur den Wareneinsatz zu decken, sondern auch alle weiteren betrieblichen Kosten (Miete, Personal, Marketing etc.) zu finanzieren und idealerweise einen Gewinn zu erzielen. Die benötigte Höhe hängt stark von der Kostenstruktur des Unternehmens, der Branche und den spezifischen Produkten ab. Eine sorgfältige Kostenanalyse und Absatzplanung sind notwendig, um die erforderliche Handelsspanne zu bestimmen.

Gibt es typische Aufschläge auf den Einkaufspreis?

Viele Unternehmen, insbesondere im Einzelhandel, nutzen die Kostenaufschlagsmethode, bei der ein prozentualer Aufschlag auf die Einkaufskosten addiert wird. Es gibt jedoch keine festen, universellen Aufschlagssätze. Die Aufschläge variieren je nach Produkt (Preisniveau, Umschlagshäufigkeit, Wert, Produkttyp) und müssen auch die Wettbewerbssituation berücksichtigen. Es gibt bewährte Faustregeln, die Händlern helfen, angemessene Aufschläge für unterschiedliche Artikel festzulegen, aber keinen einzigen 'typischen' Prozentsatz, der für alle Produkte gilt.

Fazit

Die Handelsspanne ist eine fundamentale Kennzahl für den Erfolg im Handel. Sie repräsentiert den Rohgewinn, der erzielt wird, um alle weiteren Kosten des Geschäftsbetriebs zu decken und Profit zu generieren. Das Verständnis ihrer Berechnung, der Faktoren, die sie beeinflussen, und gängiger Preisstrategien wie der Kostenaufschlagsmethode ist für jeden Händler von entscheidender Bedeutung. Eine durchdachte Preisgestaltung, die sowohl Kosten als auch Marktüberlegungen einbezieht, ist der Schlüssel zur Maximierung der Handelsspanne und zur Sicherung der Rentabilität Ihres Unternehmens.

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