06/10/2018
In vielen Vorstellungsgesprächen, besonders für Positionen im Vertrieb oder Kundenservice, kommt irgendwann die klassische Frage: „Verkaufen Sie mir...“ Manchmal ist es ein Stift, manchmal ein Telefon, manchmal ein ganz anderes Produkt. Diese Aufgabe dient nicht primär dazu, Ihr Wissen über das spezifische Produkt zu testen (obwohl das hilfreich sein kann), sondern vielmehr Ihre Fähigkeit, einen grundlegenden Verkaufsprozess anzuwenden, zuzuhören, auf Einwände zu reagieren und letztlich zum Abschluss zu gelangen. Für eine Karriere im Bereich Bürobedarf, wo täglich unterschiedlichste Produkte an diverse Kunden verkauft werden, sind diese Fähigkeiten unerlässlich. Lassen Sie uns diesen Test als Übungsfeld nutzen, um die Grundlagen des erfolgreichen Verkaufs – angewandt auf die Welt des Bürobedarfs – zu beleuchten.

Warum wird diese Frage gestellt?
Die Interviewer möchten sehen, wie Sie unter Druck agieren und ob Sie die Kernkompetenzen eines Verkäufers besitzen. Dazu gehören:
- Kommunikationsfähigkeit: Können Sie klar und überzeugend sprechen?
- Zuhören: Erkennen Sie die Bedürfnisse des Gegenübers?
- Problemlösung: Können Sie zeigen, wie das Produkt ein Problem löst?
- Überzeugungskraft: Können Sie Begeisterung wecken und Vertrauen aufbauen?
- Struktur: Folgen Sie einem logischen Verkaufsprozess?
Es geht also weniger darum, das Telefon (oder den Stift) tatsächlich zu verkaufen, sondern den Verkaufsprozess zu demonstrieren, den Sie anwenden würden, um *jedes* Produkt erfolgreich an den Mann oder die Frau zu bringen.

Die Phasen des Verkaufsgesprächs – Angewandt auf Bürobedarf
Ein erfolgreiches Verkaufsgespräch folgt typischerweise mehreren Phasen. Auch wenn Sie im Interview nur wenige Minuten Zeit haben, sollten Sie versuchen, diese Phasen anzudeuten oder zu durchlaufen. Stellen Sie sich vor, Ihr Gegenüber ist ein potenzieller Kunde für Bürobedarf.
Phase 1: Die Begrüßung und Beziehung aufbauen
Beginnen Sie freundlich und professionell. Schaffen Sie eine angenehme Atmosphäre. Auch in der Interviewsituation können Sie kurz Smalltalk halten, bevor Sie zur Sache kommen. Im realen Bürobedarf-Vertrieb ist dies essenziell, um Vertrauen aufzubauen.
Phase 2: Die Bedarfsanalyse – Das Wichtigste zuerst!
Dies ist oft der entscheidende Schritt, der im Interview den Unterschied macht. Anstatt sofort mit Produktmerkmalen zu prahlen, stellen Sie Fragen! Finden Sie heraus, was der Kunde (im Interview: der Interviewer) wirklich braucht. Wenn Sie ein Telefon verkaufen sollen, fragen Sie:
- „Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?“
- „Wie kommunizieren Sie typischerweise?“
- „Welche Funktionen sind Ihnen bei einem Kommunikationsgerät besonders wichtig?“
- „Gibt es Probleme mit Ihrer aktuellen Lösung?“
- „Wie viele Anrufe tätigen oder empfangen Sie pro Tag?“
Übertragen auf Bürobedarf: Wenn Sie z.B. einen neuen Drucker verkaufen sollen, fragen Sie:
- „Wie viel wird im Büro gedruckt?“
- „Wird hauptsächlich Schwarz-Weiß oder Farbe benötigt?“
- „Sind Scan- oder Kopierfunktionen wichtig?“
- „Wie viele Personen nutzen den Drucker?“
- „Welche Rolle spielen Druckgeschwindigkeit und Kosten pro Seite für Sie?“
Durch diese Fragen zeigen Sie, dass Sie die Bedarfsanalyse beherrschen – eine Kernkompetenz, um im Bürobedarf-Vertrieb die passende Lösung anzubieten und nicht einfach nur Produkte zu verkaufen.
Phase 3: Die Produktpräsentation – Merkmale in Vorteile übersetzen
Nachdem Sie die Bedürfnisse verstanden haben, präsentieren Sie das Produkt (im Interview das Telefon, im Berufsalltag den Büroartikel) so, dass es genau diese Bedürfnisse erfüllt. Nennen Sie nicht nur Merkmale, sondern übersetzen Sie diese in konkrete Vorteile für den Kunden. Ein Merkmal ist eine Eigenschaft des Produkts, ein Vorteil ist der Nutzen für den Kunden.
Hier einige Beispiele für Büroartikel:
| Produkt | Merkmal | Vorteil für den Kunden |
|---|---|---|
| Ergonomische Maus | Spezielle Form zur Handgelenkstützung | Beugt Schmerzen und langfristigen Schäden vor, erhöht den Komfort bei langer Computernutzung. |
| Hochleistungs-Tonerkartusche | Druckt 10.000 Seiten | Geringere Kosten pro Seite, seltener Wechsel nötig, spart Zeit und Geld, ideal für hohes Druckvolumen. |
| Stehpult-Aufsatz | Ermöglicht Arbeiten im Stehen | Fördert die Gesundheit, verbessert die Konzentration, bringt Abwechslung in den Arbeitsalltag. |
| Dokumentenmappe mit Fächern | Mehrere Innenfächer | Ermöglicht übersichtliche Organisation von Dokumenten, schnelles Finden wichtiger Papiere, ideal für unterwegs oder Besprechungen. |
| Nachhaltiges Papier | Hergestellt aus Recyclingmaterial | Unterstützt Umweltziele des Unternehmens, zeigt soziale Verantwortung, gute Druckqualität trotz Recycling. |
Im Interview, wenn Sie ein Telefon verkaufen: Anstatt zu sagen „Es hat einen großen Akku“, sagen Sie: „Der große Akku bedeutet, dass Sie den ganzen Arbeitstag telefonieren können, ohne ständig nach einer Steckdose suchen zu müssen – das spart Ihnen wertvolle Zeit und Nerven.“ Zeigen Sie, dass Sie die Vorteile hervorheben können.
Phase 4: Einwände behandeln
Oft hat der Kunde Bedenken oder Einwände (z.B. Preis, Notwendigkeit, Vergleich mit Wettbewerbern). Im Interview könnte der Interviewer sagen: „Ich brauche eigentlich kein neues Telefon“ oder „Das klingt teuer“. Nehmen Sie Einwände nicht persönlich, sondern als Chance, mehr über die Bedenken zu erfahren und diese auszuräumen.
- Zuhören: Lassen Sie den Einwand vollständig aussprechen.
- Verständnis zeigen: „Ich verstehe Ihre Bedenken bezüglich des Preises...“
- Antworten: Beziehen Sie sich auf die bereits genannten Bedürfnisse und Vorteile. „Sie erwähnten, dass Sie viel unterwegs sind. Genau hier spielt die lange Akkulaufzeit ihre Stärke aus und rechtfertigt die Investition durch die gewonnene Flexibilität.“ Oder im Bürobedarf-Kontext: „Ich verstehe, dass die ergonomische Maus teurer ist als ein Standardmodell. Bedenken Sie jedoch die langfristigen Gesundheitsvorteile und die vermiedenen Kosten für Arztbesuche oder Ausfallzeiten.“
Zeigen Sie, dass Sie auf Einwände souverän und lösungsorientiert reagieren können.
Phase 5: Der Abschluss
Am Ende des Gesprächs führen Sie zum Abschluss. Im Interview können Sie das Gespräch zusammenfassen und den „Kunden“ (Interviewer) zu einer Entscheidung ermutigen. „Basierend auf Ihren Anforderungen an [genannte Bedürfnisse] und den Vorteilen des [Produkts – z.B. Telefon, oder übertragen auf Bürobedarf: des neuen Druckers] – wie sollen wir vorgehen?“ Oder einfacher: „Passt das zu dem, was Sie suchen?“
Auch wenn Sie das Produkt im Interview nicht wirklich verkaufen, zeigen Sie, dass Sie wissen, wie man ein Gespräch zu einem Abschluss führt. Das gehört zum Handwerkszeug im Vertrieb von Bürobedarf.
Anwendung auf den Bürobedarf-Vertrieb
Die im Interview demonstrierten Fähigkeiten sind direkt auf den Verkauf von Bürobedarf übertragbar. Ob Sie Papier, Stifte, Drucker, Büromöbel oder Software verkaufen – der Prozess ist ähnlich:
- Verstehen Sie den Kunden: Jedes Büro, jedes Unternehmen hat andere Bedürfnisse. Ein Architekturbüro braucht vielleicht spezielle Plotterpapiere, eine Anwaltskanzlei legt Wert auf revisionssichere Ablagesysteme, ein Startup sucht flexible, modulare Büromöbel.
- Kennen Sie Ihre Produkte: Im Bürobedarf gibt es eine riesige Vielfalt. Je besser Sie die Merkmale und deren Vorteile kennen, desto besser können Sie beraten.
- Seien Sie ein Problemlöser: Kunden kaufen Bürobedarf oft, um ein Problem zu lösen (z.B. Zeit sparen, Kosten senken, Effizienz steigern, Ergonomie verbessern, Vorschriften erfüllen). Positionieren Sie sich als Experte, der Lösungen anbietet.
- Bau Sie langfristige Beziehungen auf: Im B2B-Bereich des Bürobedarfs sind langfristige Kundenbeziehungen entscheidend. Zeigen Sie im Interview, dass Sie an einer nachhaltigen Kundenbindung interessiert sind, nicht nur am schnellen Verkauf.
Vorbereitung auf das Interview-Szenario
Auch wenn Sie das genaue Produkt nicht kennen, das Sie im Interview „verkaufen“ sollen, können Sie sich vorbereiten:
- Üben Sie den Verkaufsprozess: Nehmen Sie sich verschiedene Büroartikel (einen Kugelschreiber, einen Locher, eine Packung Briefumschläge) und überlegen Sie, wie Sie diese verkaufen würden. Welche Fragen würden Sie stellen? Welche Vorteile hervorheben? Welche Einwände könnten kommen und wie würden Sie reagieren?
- Informieren Sie sich über das Unternehmen: Welchen Kundenkreis bedient das Unternehmen, bei dem Sie sich bewerben? Welche Art von Bürobedarf verkaufen sie hauptsächlich? Das hilft Ihnen, Ihre Antworten im Interview relevanter zu gestalten.
- Denken Sie laut: Im Interview ist es oft hilfreich, Ihren Denkprozess zu verbalisieren. Erklären Sie, *warum* Sie bestimmte Fragen stellen. Das zeigt dem Interviewer Ihre strategische Herangehensweise.
Häufige Fragen zum Verkaufsgespräch im Interview
Muss ich das Produkt wirklich „verkaufen“?
Nein, es geht darum, den Verkaufsprozess zu demonstrieren. Der Interviewer ist selten wirklich am Kauf interessiert. Zeigen Sie Ihr methodisches Vorgehen.
Was, wenn ich das Produkt nicht kenne?
Das ist oft Teil des Tests. Stellen Sie Fragen, um mehr über das Produkt zu erfahren, und konzentrieren Sie sich auf die Bedarfsanalyse des „Kunden“. Sie können auch Annahmen treffen und diese äußern („Angenommen, dieses Telefon hat eine lange Akkulaufzeit...“).
Soll ich den Preis nennen?
Fragen Sie den Interviewer, ob der Preis eine Rolle spielt. Wenn ja, behandeln Sie es wie einen Einwand und rechtfertigen Sie den Preis durch den Wert und die Vorteile des Produkts.
Wie zeige ich Begeisterung?
Mit Ihrer Körpersprache, Ihrer Stimme und der Art, wie Sie über die Vorteile sprechen. Zeigen Sie, dass Sie von der Lösung (und damit vom Produkt) überzeugt sind.
Wie unterscheidet sich der Verkauf von Bürobedarf von anderen Produkten?
Oft handelt es sich um B2B-Verkäufe an Unternehmen. Kunden legen Wert auf Zuverlässigkeit, Langlebigkeit, Kosten pro Nutzung, Logistik (Lieferung, Lagerhaltung) und oft auch auf Aspekte wie Nachhaltigkeit oder Ergonomie. Langfristige Beziehungen und Service spielen eine große Rolle.
Fazit
Die Aufgabe, im Vorstellungsgespräch ein Produkt zu verkaufen, ist eine hervorragende Gelegenheit, Ihre grundlegenden Verkaufsfähigkeiten unter Beweis zu stellen. Indem Sie die Phasen der Bedarfsanalyse, der Präsentation von Vorteilen, der Behandlung von Einwänden und des Abschlusses durchlaufen – idealerweise mit Beispielen und einer Denkweise, die zum Vertrieb von Bürobedarf passt – zeigen Sie, dass Sie das Potenzial haben, in dieser Branche erfolgreich zu sein. Üben Sie den Prozess, seien Sie authentisch und konzentrieren Sie sich darauf, die Bedürfnisse Ihres Gegenübers zu verstehen. Viel Erfolg!
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