Wolframcarbid: Eigenschaften und Anwendungen

23/02/2019

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Wolframcarbid, oft als WC abgekürzt, ist ein beeindruckendes Material, das aus den Elementen Wolfram und Kohlenstoff besteht. Es zählt zu den nichtoxidischen Keramiken und zeichnet sich durch eine Reihe außergewöhnlicher Eigenschaften aus, die es für eine Vielzahl anspruchsvoller Anwendungen unentbehrlich machen. Seine Geschichte reicht bis ins frühe 20. Jahrhundert zurück, und seither hat es sich als Schlüsselmaterial in vielen Industriezweigen etabliert.

Was ist Wolframcarbid?
Wolframcarbid ist ein grauer geruchloser kristalliner Feststoff, der praktisch unlöslich in Wasser ist. Diwolframcarbid W2C ist sehr hart und hat eine Schmelztemperatur von 2750 °C. Wolframcarbid WC ist ebenfalls sehr hart und schmilzt bei 2785 °C. Eine eutektische Mischung aus beiden schmilzt bei 2525 °C.
Übersicht

Was ist Wolframcarbid? Die Grundlagen

Im Kern ist Wolframcarbid ein Einlagerungsmischkristall. Das bedeutet, dass bei seiner Herstellung Kohlenstoffatome gezielt in die Zwischenräume des Wolframgitters eingelagert werden. Dieser Prozess, bekannt als Aufkohlen, führt zu einer chemischen Verbindung, die die spezifischen Eigenschaften des Wolframs und des Kohlenstoffs auf einzigartige Weise kombiniert. Die Reaktion verläuft typischerweise über das Diwolframcarbid (W₂C) hin zum Wolframcarbid (WC). Wolframcarbid entsteht auch bei der Reduktion von Wolframoxiden mit Kohlenstoff. Aus diesem Grund wird zur Herstellung von reinem Wolfram aus seinen Oxiden Wasserstoff als Reduktionsmittel bevorzugt, um die Bildung von Carbiden zu vermeiden.

Gewinnung und Herstellung von Wolframcarbidpulver

Die Produktion von Wolframcarbid beginnt oft mit Wolframerz, Wolframschrott, Scheelit, Wolframsäure oder Ammoniumparawolframat. Es gibt mehrere etablierte Verfahren zur Herstellung des benötigten Wolframcarbidpulvers. Eine gängige Methode ist die direkte Aufkohlung von reinem Wolfram mit Kohlenstoff, meist in Form von Ruß oder Graphit. Dabei werden Gemische dieser Ausgangsstoffe bei sehr hohen Temperaturen, typischerweise zwischen 1400 °C und 2000 °C, im Vakuum oder unter einer Wasserstoffatmosphäre erhitzt.

Die chemische Reaktion lässt sich vereinfacht darstellen als: W + C → WC

Für die Herstellung von feinen Pulvern mit einer mittleren Korngröße von etwa 1 µm wird oft Wolframsäurepulver als Ausgangsstoff verwendet. Dieses wird zunächst bei etwa 750 °C durch Wasserstoff zu reinem Wolfram reduziert. Die entstehenden feinen Metallpartikel werden anschließend bei 1400 °C aufgekohlt.

Die Reduktion der Wolframsäure: H₂WO₄ + 3 H₂ → W + 4 H₂O

Die anschließende Aufkohlung: W + C → WC

Es ist auch möglich, Wolframoxide, Wolframsäure, Ammoniumparawolframat oder Scheelit direkt aufzukohlen, wobei Kohlenstoffmonoxid, Wasser und/oder Ammoniak als Nebenprodukte entstehen:

WO₃ + 4 C → WC + 3 CO

H₂WO₄ + 4 C → WC + 3 CO + H₂O

(NH₄)₁₀W₁₂O₄₁ · 5 H₂O + 48 C → 12 WC + 10 NH₃ + 10 H₂O + 36 CO

CaWO₄ + 4 C → WC + CaO + 3 CO

Eine weitere Methode nutzt Gase wie Kohlenstoffmonoxid oder Methan zur Aufkohlung von Wolfram oder Wolframoxid:

WO₂ + CH₄ → WC + 2 H₂O

Zur Gewinnung sehr feiner Wolframcarbidpulver kann auch ein Prozess verwendet werden, der mit Wolframerz oder -schrott beginnt, Chlorierung, Gasphasenreduktion mit Wasserstoff und anschließende Aufkohlung umfasst. Dieser Weg ist komplexer, liefert aber sehr hochwertige feine Pulver.

Globale Produktion und Bedeutung

Wolframcarbid ist aufgrund seiner vielfältigen Anwendungen von großer wirtschaftlicher und strategischer Bedeutung. Die globale Produktion von Wolfram, dem primären Ausgangsstoff, betrug im Jahr 2021 etwa 84.000 Tonnen Wolfram-Metall, wobei China mit 84 % den Löwenanteil lieferte. Rund 65 % der weltweiten Primärproduktion von Wolfram werden zu Wolframcarbid weiterverarbeitet. Dies ergibt eine geschätzte Weltjahresproduktion von Wolframcarbid im Bereich von etwa 89.000 Tonnen (Stand 2021). Die genauen Produktions- und Handelszahlen nach Regionen sind aus strategischen Gründen oft schwer zu ermitteln und unterliegen Schwankungen.

Herausragende Eigenschaften

Wolframcarbid ist ein grauer, geruchloser, kristalliner Feststoff, der in Wasser praktisch unlöslich ist. Seine Bekanntheit verdankt es vor allem seiner extremen Härte und Verschleißfestigkeit. Diwolframcarbid (W₂C) ist bereits sehr hart und schmilzt bei 2750 °C. Wolframcarbid (WC) übertrifft dies noch mit einem Schmelzpunkt von 2785 °C. Eine eutektische Mischung beider Carbide schmilzt bei 2525 °C.

Welche Eigenschaften hat eine Wolframcarbid-Beschichtung?
VORTEILE EINER WOLFRAMCARBID-BESCHICHTUNG:Extrem hohe Verschleißbeständigkeit.Gute Korrosionsbeständigkeit.Hohe Dichte und Härte.Sehr gute Haftfestigkeit.Kein Verzug des Werkstückes.Elektrisch und thermisch leitend.Verwendbar bei hohen und niedrigen Temperaturen.

Weitere wichtige Eigenschaften von WC sind:

  • Zugfestigkeit: > 3500 MPa
  • Druckfestigkeit: bis zu 6000 MPa (entspricht 6 GPa)
  • Mohshärte: 9,5
  • Dichte: ca. 16 g/cm³ (etwa doppelt so dicht wie Stahl)

Die Mohshärte von 9,5 platziert Wolframcarbid sehr weit oben auf der Skala, nur Diamant erreicht mit 10 einen höheren Wert. Daher stammt auch der bekannte Markenname Widia der Firma Krupp, eine Abkürzung für "Wie Diamant".

Vielfältige Anwendungsbereiche

Die einzigartige Kombination aus Härte, Dichte und Verschleißfestigkeit macht Wolframcarbid zum Material der Wahl für eine breite Palette von Anwendungen:

Hartmetallwerkzeuge

Die wohl bedeutendste Anwendung ist als Hauptbestandteil von Hartmetall. Hartmetalle sind Verbundwerkstoffe, die aus sehr harten Carbiden (wie WC) bestehen, die in eine Matrix aus einem Bindemetall eingebettet sind, meist Cobalt (4 bis 30 %). Das Cobalt dient als Binder, der die harten WC-Körner zusammenhält und dem Material eine gewisse Zähigkeit verleiht. Die Korngröße des WC-Pulvers im Hartmetall liegt oft zwischen 0,5 und 1,2 µm.

Hartmetall wird pulvermetallurgisch hergestellt. Die Verarbeitung umfasst Mischen, Mahlen, Grünsintern (Formgebung des ungebrannten Teils), Brennen (Sintern bei hohen Temperaturen) oder Heißisostatisches Pressen (HIPen) bei Drücken von bis zu 1600 bar und Temperaturen um 1600 °C.

Werkzeuge aus Hartmetall werden überall dort eingesetzt, wo Materialien zerspant (geschnitten, gebohrt, gefräst) werden müssen, insbesondere bei der Bearbeitung von Metallen. Wendeschneidplatten für Dreh- und Fräswerkzeuge sind ein klassisches Beispiel. Auch hochbelastete Bauteile wie Druckstöcke oder Umformwerkzeuge in der Metallbearbeitung werden aus Hartmetall gefertigt.

Die Bearbeitung von Hartmetall selbst ist aufgrund seiner extremen Härte schwierig und erfolgt meist durch Schleifen oder mittels Funkenerosion (Drahterodieren oder Senkerodieren).

Verschleißteile und Formen

Neben Werkzeugen wird Wolframcarbid auch für die Herstellung von Verschleißteilen und Formen verwendet, die extremen Beanspruchungen standhalten müssen. Dazu gehören:

  • Formen zum Drahtziehen
  • Stanzformen
  • Kaltstauch- und Kaltstanzformen
  • Formen für nichtmagnetische Legierungen
  • Warmformformen
  • Kugeln für Kugelschreiber
  • Spikes für Winterreifen

Die chemische Stabilität von Wolframcarbid ermöglicht seinen Einsatz auch unter hohen Temperaturen, Drücken oder in korrosiven Umgebungen.

Ist Wolframcarbid härter als Diamant?
Wolframcarbid wurde erstmals 1914 hergestellt. Es zeichnet sich durch besondere Härte aus, die beinahe so hoch ist wie die Härte von Diamant. Daher stammt der Markenname Widia für Hartmetallwerkzeug der Fa.

Beschichtungen

Wolframcarbid-Beschichtungen bieten einen hervorragenden Schutz vor Verschleißfestigkeit, Kavitation und Korrosion. Sie werden oft auf metallische Bauteile aufgebracht, um deren Oberflächeigenschaften zu verbessern, während das Grundmaterial (z. B. Stahl, Aluminium, Titan) seine gewünschten Eigenschaften wie Zähigkeit oder geringes Gewicht behält.

Ein modernes und effektives Verfahren zur Aufbringung von Wolframcarbid-Beschichtungen ist das Hochgeschwindigkeits-Flammspritzen (HVOF - High Velocity Oxygen Fuel). Bei diesem Prozess werden feine Wolframcarbid-Partikel in einer sehr schnellen, heißen Gasflamme (bis zu 3000 °C) teilweise aufgeschmolzen und mit hoher kinetischer Energie (bis zu 800 m/s) auf die Bauteiloberfläche geschossen. Dies führt zu sehr dichten und sehr gut haftenden Schichten (Haftfestigkeiten über 100 MPa).

Im Vergleich dazu sind Beschichtungen, die mittels Pulverflammspritzen und Einschmelzen aufgebracht werden, schlagunempfindlicher, erreichen aber nicht die gleiche Verschleißfestigkeit (max. 50% Hartstoff) und können zu Bauteilverzug führen, da höhere Temperaturen am Werkstück erreicht werden (ca. 1000 °C). HVOF-Beschichtungen verursachen hingegen nur eine geringe thermische Belastung des Grundmaterials, sodass sie auch auf fertig bearbeitete Bauteile aufgebracht werden können, ohne deren Toleranzen zu beeinträchtigen.

Weitere Anwendungen

Neben den industriellen Anwendungen findet Wolframcarbid auch in anderen Bereichen Verwendung:

  • Schmuck und Uhren: Aufgrund seiner extremen Härte und Kratzfestigkeit wird Wolframcarbid seit einigen Jahren für die Herstellung von Schmuck (oft als Wolframschmuck bezeichnet) und Gehäusen für Armbanduhren verwendet, wie Rado es bereits seit 1962 tut.
  • Militär: Im Zweiten Weltkrieg und danach diente Wolframcarbid als Kernmaterial für panzerbrechende Geschosse (Wuchtgeschosse) aufgrund seiner hohen Dichte und Härte, wo es gehärteten Stahl ablöste. Später wurde es teilweise durch abgereichertes Uran ersetzt.
  • Kerntechnik: Wolframcarbid kann als Neutronenreflektor in Kernwaffen eingesetzt werden, um die kritische Masse zu verringern.

Gesundheitliche Risiken

Der Umgang mit Hartmetallstäuben, insbesondere solchen, die Cobalt als Bindemittel enthalten, erfordert besondere Arbeitsschutzmaßnahmen. Lungengängige Wolframcarbid-Cobalt-Stäube können Lungenfibrose verursachen und es gibt Hinweise auf eine krebserzeugende Wirkung, die dem enthaltenen Cobalt zugeschrieben wird. Die akute Toxizität von reinem Wolframcarbid allein wird als sehr gering eingeschätzt.

Eine spezifische, wenn auch ungewöhnliche, Gefahr betrifft Fingerringe aus Wolframcarbid. Aufgrund ihrer extremen Härte können diese im Notfall (z. B. bei einer Schwellung des Fingers) nicht einfach durchgesägt werden, was Probleme beim Entfernen verursachen kann. Das Zerbrechen des Rings mit einer Feststellzange oder ähnlichem ist hier oft die einzige Möglichkeit.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ist Wolframcarbid härter als Diamant?

Nein, Diamant ist das härteste bekannte natürliche Material mit einer Mohshärte von 10. Wolframcarbid ist jedoch mit einer Mohshärte von 9,5 extrem hart und erreicht fast die Härte von Diamant. Daher stammt auch der Name Widia, der „Wie Diamant“ bedeutet.

In welchen Ländern sind Kubotans verboten?
In der Schweiz gilt der Kubotan zu den verbotenen Waffen. Auch in anderen Ländern, beispielsweise Großbritannien, gilt der Kubotan als Angriffswaffe. Das Tragen und der Einsatz sind somit verboten.

Was ist Hartmetall?

Hartmetall ist ein Verbundwerkstoff, dessen Hauptbestandteil Wolframcarbid ist. Die harten Wolframcarbid-Körner sind dabei in eine metallische Matrix eingebettet, die meist aus Cobalt besteht. Diese Kombination verleiht dem Material sowohl extreme Härte als auch eine ausreichende Zähigkeit für den Einsatz als Schneidwerkzeug und Verschleißmaterial.

Wofür wird Wolframcarbid am häufigsten verwendet?

Die häufigste und wichtigste Anwendung von Wolframcarbid ist als Hauptbestandteil von Hartmetall für Schneidwerkzeuge (z. B. Wendeschneidplatten, Bohrer, Fräser) und hochbelastete Verschleißteile und Formen in der Industrie.

Sind Wolframcarbid-Stäube gefährlich?

Ja, insbesondere lungengängige Stäube von Hartmetall, das Cobalt als Bindemittel enthält, können gesundheitsschädlich sein. Sie stehen im Verdacht, Lungenfibrose zu verursachen und haben potenziell krebserzeugende Wirkungen, die dem Cobalt zugeschrieben werden.

Kann man eine Wolframcarbid-Beschichtung reparieren?

Ja, oft kann eine verschlissene oder beschädigte Wolframcarbid-Beschichtung entfernt und das Bauteil anschließend neu beschichtet werden. Dies ermöglicht die kostengünstige Regeneration und längere Nutzung von Bauteilen.

Fazit

Wolframcarbid ist ein Material mit herausragenden Eigenschaften, insbesondere extremer Härte und Verschleißfestigkeit, die es für eine breite Palette von High-Tech-Anwendungen prädestinieren. Von der industriellen Fertigung über militärische Anwendungen bis hin zu alltäglichen Gegenständen wie Kugelschreibern und Schmuck – Wolframcarbid spielt eine wichtige, oft unsichtbare Rolle. Die Beherrschung seiner Herstellungsprozesse und die Entwicklung von Hartmetallen und Beschichtungen haben die moderne Technik maßgeblich vorangetrieben, auch wenn der Umgang mit dem Material, insbesondere in Staubform, besondere Vorsicht erfordert.

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