02/07/2016
Der Zirkus übt seit jeher eine besondere Faszination auf Menschen jeden Alters aus. Er ist ein Ort, an dem scheinbar das Unmögliche möglich wird, wo Artisten durch die Luft schweben, Clowns für Lachen sorgen und Musik eine magische Atmosphäre schafft. Doch was genau verbirgt sich hinter diesem Begriff, und wie hat sich der Zirkus im Laufe der Geschichte verändert?
- Was ist ein Zirkus? Herkunft und Bedeutung
- Die Zirkusarena: Die Manege
- Wanderzirkus vs. Festbau
- Traditionell vs. Zeitgenössisch: Eine Gegenüberstellung
- Die bunte Welt der Zirkusse: Bekannte Namen
- Tiere im Zirkus: Eine kontroverse Debatte
- Rechtliche Rahmenbedingungen und Verbote
- Häufig gestellte Fragen zum Zirkus
- Fazit
Was ist ein Zirkus? Herkunft und Bedeutung
Der Begriff „Zirkus“ leitet sich vom griechischen „kírkos“ oder lateinischen „circus“ ab, was beides „Kreis“ bedeutet. Im antiken Griechenland und Rom bezeichneten diese Begriffe kreis- oder ellipsenförmige Arenen, in denen hauptsächlich Wagenrennen und seltener Tierkämpfe stattfanden, wie zum Beispiel der berühmte Circus Maximus. Der neuzeitliche Zirkus teilt mit dem antiken Vorläufer jedoch kaum mehr als die runde Form der Bühne.

Die Schreibweise des Wortes kann variieren. Während die deutsche Rechtschreibung „Zirkus“ vorsieht, bevorzugen viele Zirkusunternehmen aufgrund des lateinischen Ursprungs die Schreibweise „Circus“, oft als Teil ihres Eigennamens, wie beim bekannten „Circus Krone“.
Die Zirkusarena: Die Manege
Das Herzstück jeder Zirkusvorstellung ist die Manege. Dieser Begriff stammt vom französischen „manège“ ab, was ursprünglich „Reitschule“ bedeutete. Heute ist die Manege der zentrale Ort der Aufführung. Sie ist typischerweise rund oder elliptisch geformt. Im Gegensatz zu einer klassischen Theaterbühne sitzen die Zuschauer im Zirkus in einer Art Amphitheater, dem Gradin, rund um die Manege herum.
Für den Auftritt der Artisten und Tiere gibt es spezielle Zugänge. Eine wichtige Türe befindet sich vor dem sogenannten Sattelgang, und oft findet sich über dieser Türe Platz für das Zirkusorchester, das die Vorstellung musikalisch begleitet.
Die Größe der Manege ist nicht zufällig gewählt. Insbesondere wenn Pferdenummern gezeigt werden, die historisch einen wichtigen Bestandteil des Zirkusprogramms bildeten, muss die Manege groß genug sein, um als Longierzirkel zu dienen. Ein Durchmesser von knapp 13 Metern (genauer: 14 Yards bzw. 42 Fuß = 12,8016 Meter) hat sich seit Philip Astley, dem Begründer des modernen Zirkus, als internationaler Standard etabliert. Dieses Maß ermöglicht es einem Pferd, in einem idealen Radius im Kreis zu laufen. Bei zu kleinen Manegen müssten sich die Pferde zu stark in die Kurve legen, was akrobatische Darbietungen für den Reiter erschweren würde. Es gibt jedoch auch Zirkusse, die mit kleineren Manegen von 9 Metern oder weniger arbeiten.

Die Manege ist im Regelfall von einem etwa 50 cm hohen Manegenkasten umgeben, der auch als „Piste“ bezeichnet wird. Dieser Kasten kann zum Beispiel das Maschendrahtgeflecht für Raubtierkäfige aufnehmen. Früher wurde der Boden der Manege oft mit Sand bedeckt. Seit dem frühen 20. Jahrhundert, insbesondere mit der Verbreitung der Wanderzirkusse im Chapiteau, werden Sägespäne als Einstreu verwendet. Der charakteristische Geruch von Sägespänen ist für viele untrennbar mit dem Zirkuserlebnis verbunden. Für bestimmte artistische Darbietungen wird zudem häufig ein Manegenteppich ausgerollt.
Wanderzirkus vs. Festbau
Der in Europa klassische und bekannteste Zirkustyp ist der Wanderzirkus. Oft als Familienunternehmen geführt, reist er mit seinem Zirkuszelt, dem sogenannten Chapiteau, von Ort zu Ort. Das Zirkuszelt, das für die meisten Menschen heute zum selbstverständlichen Bild des Zirkus gehört, wurde erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts allgemein üblich. Zuvor fanden Zirkusvorstellungen in provisorischen Schaubuden, in Theatern oder unter freiem Himmel statt.
Neben den Wanderzirkussen gibt es vereinzelt auch Zirkusse, die in festen Gebäuden beheimatet sind. Zirkusgebäude sind oft rund oder oval, ähnlich einem Amphitheater. Moderne feste Zirkusgebäude, die ganzjährig ein Zirkusprogramm bieten, sind vor allem in den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion zu finden (z.B. in Moskau oder Riga) sowie in Ungarn (Budapest). In Frankreich gibt es ebenfalls eine Reihe historischer Zirkusgebäude, die teils noch als Zirkus genutzt werden, wie der Pariser Cirque d’hiver. In Deutschland unterhält der Circus Krone in München mit dem Kronebau eine feste Spielstätte, die vor allem für Winterprogramme genutzt wird.
Traditionell vs. Zeitgenössisch: Eine Gegenüberstellung
Die Zirkuswelt hat sich weiterentwickelt und neben dem traditionellen Zirkus ist der zeitgenössische Zirkus entstanden. Beide Formen bieten unterschiedliche Erlebnisse:
| Aspekt | Traditioneller Zirkus | Zeitgenössischer Zirkus |
|---|---|---|
| Künstler | Typischerweise Zirkusfamilien | Konservatoriums- oder selbstausgebildete Künstler |
| Bühnenformat | Stufenförmige Sitzplätze um eine runde oder ovale Arena (Manege) unter einem großen Zelt (Chapiteau) | Theatersitzplätze vor einer Guckkastenbühne, in der Runde, unter einem Zelt, auf der Straße oder an anderen Orten |
| Produktionsformat | Reihe von spektakulären Nummern, präsentiert von einem Zeremonienmeister (Ringmaster) | Reihe von theatralischen, charakterbasierten Nummern, verbunden durch eine zentrale Erzählung oder ein abstraktes Thema |
| Musik | Schnelle Märsche, Walzer etc. Zweck ist die Steigerung des Energieniveaus und die Schaffung von Spektakel. | Eine Vielzahl von Genres und Stimmungen. Musik unterstützt auch die Dramatisierung von Themen, Charakteren und/oder Erzählung. |
Der zeitgenössische Zirkus, auch als Cirque Nouveau bekannt, kombiniert oft traditionelle Zirkusfertigkeiten mit theatralischen Techniken, um eine Geschichte oder ein Thema zu vermitteln. Die Darbietungen können Akrobatik, Jonglieren, Luftartistik, Schauspiel, Komödie, Magie und Musik umfassen. Im Gegensatz zum traditionellen Zirkus treten Tiernummern im zeitgenössischen Zirkus weniger häufig oder gar nicht auf. Übergänge zwischen den Nummern werden oft durch theatralische Szenen oder Clown-Gags gestaltet, anstatt durch die traditionelle Rolle des Ringmasters. Musik wird häufig speziell für die Produktion komponiert, und die Ästhetik ist stark von der zeitgenössischen Kultur beeinflusst.
Die bunte Welt der Zirkusse: Bekannte Namen
Es gibt und gab weltweit zahlreiche berühmte Zirkusse mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Traditionen. Hier eine Auswahl:
- Circus Krone: Einer der größten Zirkusse Europas, bekannt für seine lange Tradition und Tierdarbietungen (obwohl diese zunehmend kritisiert werden). Verfügt über eine feste Spielstätte in München.
- Cirque du Soleil: Ein kanadisches Unternehmen, das die Welt des Zirkus revolutioniert hat. Es konzentriert sich auf die Kombination von Zirkuskunst, Theater, Musik und Tanz und verzichtet in den meisten Produktionen auf Tiere.
- Ringling Brothers and Barnum & Bailey Circus: Ein historischer und lange Zeit sehr berühmter amerikanischer Zirkus, bekannt für seine Größe und spektakulären Shows, der allerdings 2017 seinen Betrieb einstellte und 2023 ohne Tiere neu startete.
- Circ d'Hiver (Paris): Ein historisches Zirkusgebäude in Paris, das für verschiedene Veranstaltungen, darunter Zirkusvorstellungen, genutzt wird.
- Alter Moskauer Zirkus: Ein sehr alter Zirkus in Moskau mit langer Tradition, der auch eine Schule für Clowns beherbergte.
- Circus Knie: Der größte Zirkus der Schweiz, ebenfalls mit langer Tradition und Tierhaltung, der aber auch einen Kinderzoo betreibt.
- Cirque Plume: Ein französischer Zirkus, der zu den Pionieren des Cirque Nouveau zählt und bekannte Tiernummern auf kreative, tierfreie Weise interpretiert.
- Circus Roncalli: Ein deutscher Zirkus, der seit 2018 komplett auf Tierdarbietungen verzichtet und stattdessen auf Holografie und andere Technologien setzt.
- Weitere erwähnte Zirkusse sind unter anderem der Big Apple Circus (USA), Atayde Brothers Circus (Mexiko), Chengdu-Zirkus (China, bekannt für Akrobatik), Circ de Nadal (verschiedene Weihnachtszirkusse), Circo de los Horrores (Spanien, Horror-Thema für Erwachsene), Circus Alegría auf Eis, Circus auf dem Wasser und viele mehr, die die Vielfalt der Zirkusformen zeigen.
Tiere im Zirkus: Eine kontroverse Debatte
Die Haltung und Nutzung von Tieren, insbesondere Wildtieren, im Zirkus ist seit den 1990er Jahren Gegenstand heftiger Kritik von Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen. Der Hauptvorwurf ist die mangelnde artgerechte Haltung. Kritiker argumentieren, dass die Gehege im Zirkusbetrieb zwangsläufig zu klein seien, um den natürlichen Bewegungsbedürfnissen der Tiere gerecht zu werden. Auch die Ankettung von Tieren sei noch gängige Praxis. Zudem würden häufige Transporte und die hohe Geräuschkulisse bei Auftritten erheblichen Stress für die Tiere bedeuten. PETA behauptet zudem, dass bei der Dressur Gewalt angewendet werde, inklusive Peitschen, Knüppeln oder Elektroschockern.

Zirkusbetreiber halten dem entgegen, dass Zirkustiere heute meist in menschlicher Obhut geboren und von klein auf an den Umgang mit Menschen gewöhnt seien. Viele Zirkusse hätten ihre Stallungen verbessert und um Außengehege und Wasserbecken erweitert. Sie betonen das enge Vertrauensverhältnis zwischen Tierlehrer und Tier, das bei Quälerei nicht entstehen könne. Verhaltensbiologe Immanuel Birmelin argumentiert, dass nicht nur die Gehegegröße entscheidend sei, sondern das Erleben der Tiere. Training und Unterhaltung seien für Tiere wichtig. Er kam zu einem positiven Urteil über die Tierhaltung im Zirkus, mit Ausnahme von Bären und Schimpansen, deren Bedürfnisse im Zirkus kaum erfüllbar seien. Er lobt Zirkusleute als Tierkenner und -freunde. Cortisol-Tests hätten gezeigt, dass der Stresslevel bei Transporten nicht auffällig ansteige. Diese Sichtweise wird von Tierschützern wie PETA als „tendenziös“ kritisiert.
Die Debatte wird auch durch Unfälle mit Zirkustieren befeuert, wie der bekannte Fall der Elefantenkuh Tyke 1994 zeigt.
Die Haltung von Wildtieren ist unbestreitbar aufwendig und kostspielig, was für viele Zirkusunternehmen unter wirtschaftlichem Druck eine Herausforderung darstellt. Ehemalige Amtstierärzte weisen darauf hin, dass kleinere und mittlere Betriebe die besonderen Anforderungen für Wildtiere oft nicht einhalten können und dass die Haltung bestimmter Arten wie Elefanten im deutschen Winter schlicht nicht artgerecht sei.
Rechtliche Rahmenbedingungen und Verbote
In Deutschland sieht das Tierschutzgesetz seit 2013 die Möglichkeit vor, die Wildtierhaltung in Zirkussen einzuschränken oder zu verbieten, wenn sie nur unter erheblichen Schmerzen, Leiden oder Schäden möglich ist. Tierschutzverbände kritisieren diese Formulierung als völlig unzureichend und sogar als Rückschritt im Vergleich zu früheren Formulierungen, die eine verhaltensgerechte Unterbringung forderten. Die „Leitlinien für die Haltung, Ausbildung und Nutzung von Tieren in Zirkusbetrieben“ konkretisieren die Vorgaben, haben aber nur empfehlenden Charakter und keine Gesetzeskraft. Tierschützer bemängeln, dass Deutschland für Zirkusbetriebe mit Wildtieren dadurch ein „rechtsfreier Raum“ sei.

Kontrollen durch Veterinärämter sollen die Einhaltung des Tierschutzes sicherstellen. Die häufigen Ortswechsel der Wanderzirkusse erschweren jedoch eine effektive Kontrolle, da die Zuständigkeit ständig wechselt. Die Zirkusregisterverordnung soll hier Abhilfe schaffen, wird aber von Praktikern als „Papiertiger“ bezeichnet, da Umgehungen möglich seien. Auch auf europäischer Ebene gibt es Verordnungen zum Transport von Zirkustieren.
International gibt es einen Trend zu Verboten von Wildtieren im Zirkus. Einige Länder wie Griechenland, Malta, Bolivien, Guatemala und Honduras haben die Tierhaltung im Zirkus komplett verboten. Etwa 25 Länder, darunter viele in Europa (Belgien, Dänemark, Niederlande, Österreich etc.), haben spezifische Verbote für Wildtiere. In weiteren Ländern gibt es Einschränkungen.
In Deutschland bleibt das Thema politisch umstritten. Während Grüne, Linke und SPD ein Wildtierverbot befürworten, lehnen Union, FDP und das zuständige Bundesministerium dies ab, oft mit dem Argument, es sei ein Berufsverbot. Versuche des Bundesrates, ein bundesweites Verbot bestimmter Wildtierarten einzuführen, wurden mehrfach blockiert. Ein Verordnungsentwurf von Ministerin Klöckner im Jahr 2020, der einige Arten verbieten sollte, wurde vom Bundesrat abgelehnt.
Als Reaktion auf die Debatte und den öffentlichen Druck sind viele Zirkusunternehmen dazu übergegangen, die Zahl der Tiere zu reduzieren oder ganz auf sie zu verzichten, wie das Beispiel des Circus Roncalli zeigt. Zahlreiche Gemeinden in Deutschland haben zudem beschlossen, keine öffentlichen Flächen mehr an Zirkusse mit Wildtieren zu vermieten. Diese kommunalen Verbote sind rechtlich umstritten, werden aber als wichtiges politisches Signal verstanden.
Häufig gestellte Fragen zum Zirkus
Wie nennt man die Zirkusbühne?
Die Zirkusbühne wird als Manege bezeichnet. Dieser Begriff stammt ursprünglich aus dem Französischen und bedeutet Reitschule.

Warum ist die Manege im Zirkus rund?
Die runde Form der Manege, insbesondere der Standarddurchmesser von knapp 13 Metern, geht auf die historische Bedeutung der Pferdenummern zurück. Diese Größe ist ideal, um ein Pferd im Kreis laufen zu lassen (Longieren), ohne dass es sich zu stark in die Kurve legen muss, was akrobatische Darbietungen für den Reiter erleichtern würde.
Was ist der Unterschied zwischen traditionellem und zeitgenössischem Zirkus?
Der traditionelle Zirkus konzentriert sich oft auf eine Abfolge spektakulärer, unabhängiger Nummern (Akrobatik, Tiere, Clowns) unter der Leitung eines Ringmasters in einem Zelt (Chapiteau). Der zeitgenössische Zirkus (Cirque Nouveau) integriert Zirkuskunst stärker in theatralische Erzählungen oder abstrakte Themen, verwendet oft speziell komponierte Musik, tritt auch in Theatern auf und verzichtet häufig auf Tierdarbietungen.
Ist Tierhaltung im Zirkus in Deutschland erlaubt?
Ja, die allgemeine Haltung von Tieren im Zirkus ist in Deutschland nicht grundsätzlich verboten. Das Tierschutzgesetz erlaubt jedoch Einschränkungen oder Verbote, wenn die Haltung nur unter erheblichen Schmerzen, Leiden oder Schäden möglich ist. Die „Leitlinien für die Haltung von Tieren in Zirkusbetrieben“ geben Empfehlungen, haben aber keine Gesetzeskraft. Ein bundesweites Verbot von Wildtieren wurde mehrfach diskutiert, aber bisher nicht umgesetzt. Viele Kommunen haben jedoch eigene Verbote für öffentliche Flächen erlassen, die aber rechtlich umstritten sind.
Fazit
Der Zirkus ist eine lebendige Kunstform mit einer reichen Geschichte, die sich ständig weiterentwickelt. Von den Ursprüngen in antiken Arenen über den klassischen Wanderzirkus im Chapiteau bis hin zum innovativen zeitgenössischen Zirkus bietet er vielfältige Erlebnisse. Während die Tradition der Tierdarbietungen intensiv diskutiert wird und sich die rechtlichen Rahmenbedingungen sowie die öffentliche Meinung wandeln, bleibt die grundlegende Magie des Zirkus – das Staunen über menschliches Können, die Freude an Komödie und die Atmosphäre der gemeinsamen Erfahrung – ein fester Bestandteil der Kultur.
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