Woher weiß ich, welches Waterman-Füllfederhaltermodell ich habe?

Waterman Federhalter: Modell anhand Nummer erkennen

14/06/2025

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Die Welt der Vintage-Füllfederhalter ist reich und faszinierend, und Waterman ist zweifellos einer der ikonischsten Namen in dieser Geschichte. Viele Sammler und Liebhaber besitzen oder finden ältere Waterman-Füller und stehen vor der Frage: Welches Modell halte ich eigentlich in den Händen? Glücklicherweise hat Waterman, insbesondere bei amerikanischen Modellen aus bestimmten Epochen, ein System der Kennzeichnung verwendet, das bei der Identifizierung hilft. Dieser Artikel führt Sie durch die Geheimnisse der Waterman-Nummerierung, damit Sie Ihr wertvolles Schreibgerät besser verstehen können.

Woher weiß ich, welches Waterman-Füllfederhaltermodell ich habe?
Die große Mehrheit der in den USA hergestellten Waterman-Schreibgeräte aus der Zeit zwischen 1917 und 1930 war am Schaftende mit einem Zahlencode gekennzeichnet, der das Modell eindeutig identifizierte. Das Grundsystem ist leicht zu erlernen und funktioniert wie folgt: Die Größe der Feder (und damit des Stifts) wird durch die Zahl an der Einerstelle bestimmt .

Das Hauptsystem, das die Identifizierung vieler Waterman-Füller aus den USA zwischen etwa 1917 und 1930 ermöglicht, basiert auf einer numerischen Kennzeichnung, die sich typischerweise am Ende des Schafts (Barrel) befindet. Dieses System ist erlernbar und gibt klare Hinweise auf verschiedene Eigenschaften des Stifts. Es ist wichtig zu wissen, wo man suchen muss: Direkt am Ende des Stiftkörpers finden Sie oft eine eingeprägte Zahl.

Übersicht

Das Haupt-Nummernsystem (ca. 1917-1930)

Bei Füllfederhaltern, die nach diesem System gekennzeichnet sind, hat jede Stelle der Zahl eine spezifische Bedeutung. Es ist wie ein Code, der die wichtigsten Merkmale des Stifts entschlüsselt. Die Zahl besteht aus mehreren Ziffern, wobei die Bedeutung von rechts nach links, also von der Einerstelle zur Hunderter- oder Tausenderstelle, zunimmt.

Die Einerstelle: Die Federgröße

Die einfachste Information, die Sie aus der Nummer am Ende des Schafts ablesen können, ist die Größe der Feder. Die Ziffer an der Einerstelle der Nummer entspricht direkt der Größe der Feder, die im Stift verbaut ist. Eine '2' an der Einerstelle bedeutet also eine Feder der Größe 2, eine '4' eine Feder der Größe 4 und so weiter. Da die Größe der Feder oft proportional zur Gesamtgröße des Stifts ist, gibt Ihnen diese Ziffer auch einen Hinweis auf die relative Größe des Füllers selbst.

Die Zehnerstelle: Der Stifttyp und das Füllsystem

Die Ziffer an der Zehnerstelle beschreibt den grundlegenden Typ des Füllfederhalters, insbesondere das Füllsystem oder die Kappenart. Dies ist ein entscheidendes Merkmal zur Unterscheidung verschiedener Waterman-Modelle aus dieser Zeit. Hier sind die gängigen Codes:

  • 0 (oder keine Ziffer): Augentropfenfüller (Eyedropper) mit gerader Kappe (straight-cap). Dies sind oft sehr frühe Modelle.
  • 1: Augentropfenfüller mit aufsteckbarer Kappe (slip-fit oder cone-cap).
  • 2: Augentropfenfüller mit sich verjüngender Kappe (taper-cap).
  • 4: Sicherheitsfüller (Safety). Diese Federn haben eine versenkbare Feder.
  • 5: Hebelfüller (Lever-filler). Dies ist ein sehr verbreitetes Füllsystem, bei dem ein Hebel am Schaft betätigt wird, um den Tintenbeutel im Inneren zu komprimieren und Tinte aufzunehmen.
  • 6: Hebelfüller mit aufsteckbarer Kappe (Lever-filler with slip cap). Eine Variante des Hebelfüllers.
  • 7: Augentropfenfüller mit Schraubkappe (screw-cap eyedropper).

Wenn Sie beispielsweise die Nummer '52' auf einem Stift sehen, bedeutet die '2' eine Feder der Größe 2 und die '5' einen Hebelfüller. Ein '44' wäre ein Sicherheitsfüller mit einer Feder der Größe 4.

Die Hunderter- und Tausenderstelle: Überzüge und Zierbänder

Die Ziffern an den Hunderter- und Tausenderstellen geben Auskunft über die Verzierungen und Überzüge des Stifts. Diese Ziffern wurden normalerweise bei Stiften für den britischen und europäischen Markt weggelassen, waren aber auf amerikanischen Modellen zu finden und geben den Wert und die Art des verwendeten Edelmetalls an.

Hunderterstelle: Art des Überzugs/Zierbands

  • 2: Überzug (Overlay) aus Silber nur auf dem Schaft.
  • 3: Überzug aus massivem Gold nur auf dem Schaft.
  • 4: Vollständiger Überzug (Full Overlay) aus Silber (bedeckt Schaft und Kappe).
  • 5: Vollständiger Überzug aus massivem Gold.
  • 6: Zwei Zierbänder aus massivem Gold auf dem Schaft.
  • 7: Ein Zierband aus massivem Gold auf dem Schaft.
  • 8: Ein Zierband aus massivem Gold auf der Kappe.
  • 9: Ein Zierband aus massivem Gold oben auf der Kappe (Cap Top Band).

Tausenderstelle: Material des Überzugs (zusätzlich zur Hunderterstelle)

  • 0: Gold Filled (doublé or). Dies ist eine Art Vergoldung, die dicker und haltbarer ist als einfache Vergoldung. Wenn die Tausenderstelle eine '0' ist, bezieht sich die Hunderterstelle auf Gold Filled anstelle von massivem Gold oder Silber, je nach Kontext.

Ein Beispiel: Eine Nummer wie '055' würde bedeuten: Tausenderstelle '0' (Gold Filled), Hunderterstelle '5' (vollständiger Überzug), Zehnerstelle '5' (Hebelfüller) und Einerstelle '5' (Federgröße 5). Dies wäre also ein Hebelfüller mit Federgröße 5 und einem vollständigen Gold Filled Überzug.

Wichtige Suffixe

Zusätzlich zu den Ziffern können am Ende der Nummer auch Buchstaben-Suffixe angebracht sein, die weitere Modifikationen des Grundmodells anzeigen. Diese können auch in Kombination auftreten:

  • 1/2: Schmaleres Modell (Slender). Der Stift ist schlanker als das Standardmodell.
  • V: Kurzes Modell (Short oder Pocket). Ein kleinerer Stift für die Tasche.
  • LEC: Der Überzug bedeckt das Ende des Schafts (Overlay covering barrel end).

Ein Stift mit der Nummer '52V' wäre also ein Hebelfüller der Größe 52, aber in einer kurzen Taschenversion. Ein '412' könnte ein Sicherheitsfüller mit Federgröße 4 und einem schlanken Schaft sein.

Ältere Nummerierungssysteme (vor ca. 1917)

Waterman verwendete bereits vor der Einführung des oben beschriebenen Systems im Frühjahr 1917 Kennzeichnungen, die sich jedoch leicht unterschieden. Die vollständige Nummerierung wurde erst im Herbst 1908 zur Standardpraxis; frühere Stifte mit Überzügen tragen oft nur zweistellige Codes. Die Schlüsselunterschiede in den Markierungen älterer Stifte sind:

  • Sicherheitsfüller: Hatten oft eine '1' an der Zehnerstelle und das Suffix 'S'.
  • Hebelfüller: Hatten oft eine '1' an der Zehnerstelle und das Suffix 'PSF' (P deutet auf eine Schraubkappe hin).
  • Sleeve-Füller: Hatten oft eine '1' an der Zehnerstelle und das Suffix 'SF'.
  • Coin-Füller: Hatten oft eine '1' an der Zehnerstelle und das Suffix 'PSF'.
  • Augentropfenfüller mit Schraubkappe: Hatten oft eine '1' an der Zehnerstelle und das Suffix 'POC'.
  • Desk Pen (Schreibtischstift): Hatten oft eine '4' an der Zehnerstelle.
  • Pump-Füller: Hatten oft eine '1' an der Zehnerstelle oder sowohl an der Zehner- als auch an der Hunderterstelle, sowie das Suffix 'P'.
  • Schaft aus Perlmutt (Mother-of-pearl): Konnte durch eine '6' an der Hunderterstelle gekennzeichnet sein.

Diese älteren Systeme können etwas komplexer sein, da die gleiche Ziffer (z. B. '1' an der Zehnerstelle) in Kombination mit verschiedenen Suffixen unterschiedliche Stifttypen anzeigen konnte.

Variationen und Inkonsistenzen

Obwohl das System von 1917 bis 1930 recht konsistent war, gab es bereits in dieser Zeit einige Ausnahmen. Zum Beispiel war der #20 ein Augentropfenfüller mit einer Feder der Größe 10, was nicht ganz der Regel entspricht. Die Verwirrung nahm zu, als um 1927 die Modelle #7 und #5 eingeführt wurden, gefolgt von den unnummerierten Modellen Patrician und Lady Patricia einige Jahre später. Für eine Weile gab es noch eine gewisse Konsistenz: Der #32 und der #92 hatten eine Feder der Größe 2; der #94 eine Feder der Größe 4. Dann wurde der #32 einfach zum #3, und die letzten Stifte mit Überzug wurden als #403 nummeriert, obwohl sie eine Feder der Größe 2 hatten. Dies zeigt, dass das System im Laufe der Zeit nicht starr beibehalten wurde und neuere Modelle oder spezielle Linien von den alten Regeln abwichen.

Es ist auch wichtig zu beachten, dass für britische Waterman-Stifte ab den 1940er Jahren ein völlig anderes Nummernsystem eingeführt wurde. US-amerikanische Stifte mit Überzügen, die für den Export bestimmt waren, trugen oft eine Schaftprägung ohne Ziffern an der Hunderter- oder Tausenderstelle, obwohl diese Bezeichnungen in den Katalogen aufgeführt waren. Ein französischer Katalog von 1912 zeigt, dass dort massive 18K Goldüberzüge durch eine '7' an der Hunderterstelle gekennzeichnet waren, Silber durch eine '8' und Gold Filled (doublé or) durch eine '9'. Dies verdeutlicht, dass es regionale Unterschiede in den Kennzeichnungen gab.

Zusammenfassung der wichtigsten Codes (Hauptsystem 1917-1930)

Um Ihnen einen schnellen Überblick zu geben, hier die wichtigsten Codes des Hauptsystems:

Tabelle: Zehnerstelle (Stifttyp/Füllsystem)

ZifferStifttyp
0 (oder leer)Augentropfenfüller (gerade Kappe)
1Augentropfenfüller (aufsteckbare Kappe)
2Augentropfenfüller (verjüngende Kappe)
4Sicherheitsfüller
5Hebelfüller
6Hebelfüller (aufsteckbare Kappe)
7Augentropfenfüller (Schraubkappe)

Tabelle: Hunderterstelle (Überzüge/Zierbänder)

ZifferÜberzug/Zierband
2Silber Überzug (Schaft)
3Massiv Gold Überzug (Schaft)
4Silber Vollüberzug (Schaft & Kappe)
5Massiv Gold Vollüberzug (Schaft & Kappe)
6Zwei Massiv Gold Bänder (Schaft)
7Ein Massiv Gold Band (Schaft)
8Ein Massiv Gold Band (Kappe)
9Massiv Gold Kappen-Top-Band
(+ Tausenderstelle 0)Entsprechender Überzug/Band ist Gold Filled

Häufig gestellte Fragen zur Waterman-Identifizierung

Hier beantworten wir einige Fragen, die beim Versuch, einen Waterman-Füller zu identifizieren, häufig aufkommen:

F: Wo genau finde ich die Modellnummer?
A: Bei den meisten amerikanischen Modellen von etwa 1917 bis 1930 ist die Nummer am Ende des Schafts eingeprägt. Sie müssen möglicherweise genau hinsehen, da die Prägung klein sein kann.

F: Was bedeutet es, wenn mein Waterman keine Nummer am Schaftende hat?
A: Es gibt mehrere Möglichkeiten: Entweder handelt es sich um ein Modell, das vor 1908 hergestellt wurde (wo die volle Nummerierung noch nicht Standard war), ein Modell, das nach den 1930er Jahren oder in einer anderen Region (wie Großbritannien nach den 1940ern) hergestellt wurde, oder ein spezielles Modell wie die Patrician-Linie, die nicht nummeriert war. Es könnte auch sein, dass die Prägung abgenutzt ist.

F: Gilt dieses Nummernsystem für alle Waterman-Füller weltweit?
A: Nein. Das hier beschriebene Hauptsystem bezieht sich hauptsächlich auf amerikanische Modelle zwischen 1917 und 1930. Ältere amerikanische Modelle hatten ein anderes System, und Modelle, die in anderen Ländern oder deutlich später hergestellt wurden, verwenden andere, teils regionalspezifische Kennzeichnungen.

F: Wie kann ich ältere Modelle (vor 1917) identifizieren?
A: Ältere Modelle verwenden ein anderes System, das oft Suffixe wie S, PSF, SF, POC oder P in Kombination mit Ziffern verwendet. Die Zehnerstelle '1' war in diesem System für verschiedene Füllsysteme (Sicherheit, Hebel, Sleeve, Coin, Schraubkappe) in Kombination mit dem Suffix gebräuchlich. Eine '4' an der Zehnerstelle konnte einen Schreibtischstift kennzeichnen.

F: Was ist mit Modellen wie dem Waterman Patrician oder Lady Patricia?
A: Modelle wie Patrician und Lady Patricia, die Ende der 1920er Jahre eingeführt wurden, waren prominente Ausnahmen und wurden nicht nach dem Standard-Nummernsystem gekennzeichnet. Sie sind oft am Namen oder ihrem unverwechselbaren Design zu erkennen.

F: Sind die Nummerierungen immer eindeutig und korrekt?
A: Während das System von 1917 bis 1930 größtenteils zuverlässig war, gab es, wie erwähnt, einige Inkonsistenzen und Ausnahmen (z. B. der #20 oder spätere Änderungen wie beim #32/ #3 oder #403). Bei der Identifizierung ist es immer hilfreich, auch andere Merkmale des Stifts zu berücksichtigen und möglicherweise Vergleichsbilder oder Kataloginformationen zu konsultieren.

Die Identifizierung eines Vintage Waterman Füllfederhalters anhand seiner Nummer ist wie das Entschlüsseln eines historischen Dokuments. Jede Ziffer und jeder Buchstabe erzählt einen Teil der Geschichte dieses Schreibgeräts – von seiner Größe und seinem Füllsystem bis hin zu seinen luxuriösen Verzierungen. Mit dem Wissen über diese Nummerierungssysteme können Sie die Identität vieler klassischer Waterman-Modelle bestimmen und Ihre Wertschätzung für diese Stücke der Schreibkultur vertiefen. Nehmen Sie Ihren Stift zur Hand, suchen Sie nach der Nummer am Schaftende und beginnen Sie die Reise der Entdeckung!

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