03/12/2023
Fotografieren ohne Licht? Das ist schlichtweg unmöglich. Ein Bild steht und fällt mit der Beleuchtung. Licht kann ein Motiv von seiner besten Seite zeigen, dramatische Effekte erzeugen oder eine harmonische Stimmung schaffen. Doch selbst das reizvollste Motiv wird nicht optimal dargestellt, wenn das Licht nicht stimmt. Das Beherrschen und gezielte Einsetzen von Licht in der Fotografie ist eine Kunst für sich, die Übung erfordert. Im Kern jedoch bedeutet Fotografie seit jeher eines: das Einfangen von Licht.

Das Wort Fotografie selbst stammt aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich „Schreiben mit Licht“. Es beschreibt perfekt, was im Wesentlichen geschieht: Mittels eines Geräts, der Kamera oder des Fotoapparats, wird Licht eingefangen und festgehalten. Das Ergebnis dieses Prozesses ist ein Foto. Wer diesen Vorgang ausführt, fotografiert, und wer dies beruflich tut, ist ein Fotograf. Heutzutage werden die meisten Fotos mit den winzigen Kameras aufgenommen, die in Smartphones integriert sind und die Fotografie zu einem alltäglichen Werkzeug gemacht haben.
Wie funktioniert Fotografieren?
Der grundlegende Prozess des Fotografierens beinhaltet zwei Schritte: Das Licht wird eingefangen und es wird gespeichert. Eine Kamera funktioniert hierbei in gewisser Weise ähnlich wie das menschliche Auge. Beim Auge trifft Licht auf die Augenlinse, die es bündelt, bevor es auf die Netzhaut im hinteren Teil des Auges fällt. In der Kamera fällt das durch das Objektiv gebündelte Licht auf einen lichtempfindlichen Film oder, bei modernen Geräten, auf eine lichtempfindliche Scheibe, den sogenannten Sensor. Dieser Sensor ist dafür zuständig, das eingefangene Licht zu speichern und daraus das endgültige Bild, das Foto, zu erzeugen. Ein Objektiv ist dabei typischerweise nicht nur eine einzelne Linse, sondern besteht meist aus mehreren Linsen, die zusammenarbeiten, um das Licht korrekt auf den Speicher zu lenken.
Die Anfänge der Fotografie
Die Fotografie, wie wir sie heute kennen, wurde etwa um 1840 erfunden. In dieser frühen Phase des „Schreibens mit Licht“ benutzte man lichtempfindliche Stoffe, die auf Materialien wie Papier oder Glasplatten aufgetragen wurden. Wenn Licht auf eine bestimmte Stelle dieses Materials traf, veränderte sich die Stelle und wurde dunkler. Der Prozess war anfangs extrem langsam und erforderte Belichtungszeiten von mehreren Stunden, um überhaupt ein sichtbares Bild zu erzeugen. Mit der Zeit verbesserte sich das lichtempfindliche Material, aber die Menschen mussten immer noch minutenlang stillstehen, damit eine Aufnahme gelang, da jede Bewegung zu Unschärfe führte.
Um das Jahr 1900 herum gab es bereits Kameras, die so klein waren, dass man sie mitnehmen konnte. Gleichzeitig wurde das Fotomaterial so empfindlich, dass sogenannte Schnappschüsse möglich wurden – Aufnahmen, die ohne lange Vorbereitung, beispielsweise einfach auf der Straße, gemacht werden konnten. Ursprünglich wurde der lichtempfindliche Stoff auf eine Glasscheibe aufgetragen. Diese Glasscheibe wurde in einen Kasten gelegt, die Kamera. Der Name „Kamera“ leitet sich vom italienischen Wort für „Raum“ ab, was auf die ursprüngliche Form dieser Kästen anspielt. Der Fotograf öffnete kurz ein Loch auf der gegenüberliegenden Seite des Kastens, wodurch Licht auf die Glasplatte fallen konnte. So entstanden gute, detailreiche Fotos, allerdings waren die Glasplatten groß, schwer und zerbrechlich. Ein weiterer limitierender Faktor der frühen Fotografie war, dass man die Bilder zunächst nicht einfach vervielfältigen konnte. Das eine Bild, das im „Kasten“ entstand, war das einzige Exemplar.
Fotografie mit Film
In den Jahren nach 1900 wurde der Film erfunden. Anfangs war dies lichtempfindlicher Karton, später entwickelte es sich zu einem dünnen Plastikstreifen. Der Begriff „Film“ bezog sich eigentlich auf die dünne, lichtempfindliche Schicht auf der Oberfläche des Trägermaterials. Der Film, der Plastikstreifen, wurde aufgerollt und in einer kleinen Kassette untergebracht, die in die Kamera eingelegt wurde. Nach dem Auslösen eines Fotos wurde an einem Hebel an der Kamera gedreht. Dieser Mechanismus zog den Film weiter, sodass ein unbelichteter Abschnitt für das nächste Foto bereitstand. Je länger ein Film war, desto mehr Fotos passten darauf; gängig waren beispielsweise Filme für 36 Aufnahmen.
Mit der vollen Filmkassette ging man dann zu einem Fotostudio, um den Film „entwickeln“ zu lassen. Das Entwickeln war ein chemischer Prozess, bei dem der Film in spezielle Flüssigkeiten getaucht wurde. Diese Flüssigkeiten sorgten dafür, dass der Film nicht mehr auf weiteres Licht reagierte und das latente Bild sichtbar wurde. Das Ergebnis dieses Entwicklungsprozesses war das Negativ. Vom Negativ wurden dann Abzüge gemacht, das sind die eigentlichen Fotos, die der Kunde erhielt. Wenn später weitere Abzüge von besonders gelungenen Fotos gewünscht wurden, brachte man das Negativ erneut ins Fotostudio.
Es gab aber auch immer wieder Menschen, die ihre Filme selbst entwickelten. Dazu richteten sie sich in ihrer Wohnung einen Raum ein, der komplett abgedunkelt war – die sogenannte Dunkelkammer. In einer Dunkelkammer gab es nur ein sehr schwaches, spezielles Licht, das das noch lichtempfindliche Filmmaterial nicht beeinträchtigte, sobald es aus der Kamera oder Kassette genommen wurde. Normales Licht hätte den Film sofort unbrauchbar gemacht. Eine Dunkelkammer richteten sich in der Regel passionierte Fotografen ein, die sehr viel fotografierten. Das Selberentwickeln war nicht nur oft günstiger als der Service im Fotostudio, sondern ermöglichte auch kreative Freiheiten. Man konnte das Foto heller oder dunkler gestalten, bestimmte Bildausschnitte wählen und andere Anpassungen vornehmen.
Im Laufe der Zeit wurden die Kameras und der Film immer weiter verbessert. Eine wichtige Neuerung war beispielsweise der Autofokus, der ab etwa 1930 verfügbar war. „Fokussieren“ bedeutet Scharfstellen; eine Kamera mit Autofokus konnte also per Knopfdruck selbstständig für ein scharfes Bild sorgen. Ebenfalls seit etwa 1930 gab es Farbfilm zu kaufen. Doch selbst noch um 1970 waren die meisten Fotos Schwarz-Weiß, da Farbfilm deutlich teurer war als Schwarz-Weiß-Film.

Die Digitale Revolution
In den Jahren nach 1990 begann eine neue Ära mit dem Aufkommen der ersten digitalen Kameras. Bei einer Digitalkamera fällt das Licht nicht mehr auf einen chemischen Film, sondern auf einen Sensor. Dieser Sensor ist ein elektronisches Bauteil, das Licht in elektrische Signale umwandelt. Diese Signale werden dann als Daten gespeichert, und das Foto ist nun digital. Ein digitales Foto besteht aus Daten, die von einem Computer gelesen, verarbeitet und problemlos verbreitet werden können, ähnlich wie andere Computerdateien.
Der bedeutendste Vorteil von Digitalkameras war und ist, dass man keinen Film mehr kaufen und entwickeln muss. Dadurch sind die Kosten pro einzelnem Foto praktisch null, abgesehen von den Anschaffungskosten der Kamera und eventuellen Speichermedien. Allerdings waren die ersten Digitalkameras sehr teuer, und die Qualität der Fotos war oft noch nicht überzeugend. Beim Vergrößern sah man schnell die einzelnen Bildpunkte, aus denen das Foto zusammengesetzt war. Erst etwa um das Jahr 2004 herum erreichte die Qualität digitaler Fotos das Niveau von Filmfotos, und in vielen Bereichen übertraf sie diese sogar. Seitdem hat die Digitalkamera die Filmkamera für die breite Masse weitgehend abgelöst.
Digitale Fotos bieten zudem viel einfachere und flexiblere Möglichkeiten zur Bearbeitung als frühere Filmfotos. Mit Bildbearbeitungsprogrammen auf dem Computer kann man Fotos heller oder dunkler machen, Farben verändern, Bildausschnitte wählen, Elemente ausschneiden oder sogar Bilder miteinander kombinieren. Diese einfache Manipulierbarkeit hat dazu geführt, dass manche Menschen nicht mehr uneingeschränkt glauben, was sie auf einem Foto sehen, da es leicht verändert sein könnte. Es sei jedoch angemerkt, dass auch früher schon Manipulationen am Negativ möglich waren. Aber die digitale Technik hat das Fälschen von Fotos, um etwas darzustellen, das in Wirklichkeit nicht existiert, zweifellos einfacher und zugänglicher gemacht.
Wofür brauchen wir Fotos? Die Rolle der Fotografie in der Gesellschaft
Bevor die Fotografie erfunden wurde, musste jeder, der ein Bild von etwas oder jemandem haben wollte, dieses malen oder zeichnen lassen. Das änderte sich grundlegend mit der Einführung der Fotografie. Nachdem man gelernt hatte, Fotos zu vervielfältigen, konnten sie auch in Massenmedien wie Zeitungen abgedruckt werden. Bis dahin wussten die meisten Menschen nicht, wie bekannte Persönlichkeiten wie ihr König oder eine beliebte Schriftstellerin aussahen. Die Menschen ließen auch gerne Fotos von sich und ihren Familien anfertigen. Zuvor wussten viele nicht einmal, wie ihre Großeltern als Kinder aussahen, da das Malen von Porträts sehr kostspielig war.
Die Fotografie wurde auch zu einem wichtigen Werkzeug für Wissenschaftler und Entdecker. Fotografen dokumentierten Landschaften, Kulturen und Entdeckungen. Beispielsweise reiste der Fotograf William Henry Jackson um 1870 durch das Yellowstone-Gebiet in Nordamerika. Seine Fotos begeisterten die Menschen für die Natur dieser Region und trugen maßgeblich dazu bei, dass Yellowstone zum ersten Nationalpark der Welt erklärt wurde, einem Gebiet, in dem Pflanzen und Tiere geschützt sind und Jagd verboten ist.
Fotos wurden und werden auch genutzt, um auf soziale Missstände aufmerksam zu machen. Journalisten und Fotografen haben Armut dokumentiert oder Bilder aus Kriegen geliefert, um den Zeitungslesern die harte Realität zu zeigen. Ab etwa 1930 wurden Zeitschriften populär, die besonders viele Fotos enthielten, sogenannte Illustrierte. Besonders seit der Verbreitung digitaler Kameras und Smartphones entsteht heute eine schier unglaubliche Menge an Fotos – man spricht von einer regelrechten Bilderflut.
Ob zur Dokumentation, zur Kunst, zur persönlichen Erinnerung oder zur Information – die Fotografie, basierend auf dem Einfangen und Speichern von Licht, hat die Welt und die Art und Weise, wie wir sie sehen und teilen, revolutioniert.
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