14/05/2019
Jeder Betrieb, egal ob klein oder groß, im produzierenden Gewerbe oder im Dienstleistungssektor, ist auf die Beschaffung von Gütern und Dienstleistungen angewiesen, um seine Geschäftstätigkeit aufrechterhalten zu können. Diese Güter und Dienstleistungen, die von externen Lieferanten bezogen werden, nennt man Beschaffungsobjekte. Sie bilden das Fundament, auf dem die Wertschöpfung des Unternehmens aufbaut. Die effiziente und strategische Beschaffung dieser Objekte ist entscheidend für den Erfolg, die Kostenkontrolle und die reibungslosen Abläufe in einem Unternehmen.

Im produzierenden Gewerbe stehen naturgemäß die Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe im Vordergrund der Beschaffung. Diese müssen in ausreichender Menge und zum richtigen Zeitpunkt verfügbar sein, um die Produktion zu gewährleisten. Doch auch im Dienstleistungsbereich und insbesondere im Büroalltag spielen Beschaffungsobjekte eine zentrale Rolle. Hierbei handelt es sich nicht um Rohstoffe für die Produktion, sondern um all jene Dinge, die den Arbeitsalltag erst ermöglichen: von der Büroklammer über den Drucker bis hin zu Softwarelizenzen und Reinigungsdienstleistungen. Die Beschaffung von Büromaterial ist dabei ein besonders häufig wiederkehrender Prozess, der in vielen Unternehmen standardisiert und optimiert wird.
Was sind Beschaffungsobjekte? Eine Definition
Per Definition sind Beschaffungsobjekte alle Güter und Dienstleistungen, die ein Unternehmen von externen Quellen erwirbt. Dies kann eine breite Palette von Dingen umfassen, je nach Art des Unternehmens und dessen Tätigkeit. Im produzierenden Sektor sind dies typischerweise Rohstoffe, die direkt in das Endprodukt eingehen (z.B. Holz für Möbel), Hilfsstoffe, die ebenfalls Teil des Endprodukts werden, aber von geringerem Wert sind (z.B. Leim oder Schrauben), und Betriebsstoffe, die für den Produktionsprozess benötigt werden, aber nicht Teil des Endprodukts werden (z.B. Schmieröl, Energie). Darüber hinaus gehören auch Anlagen, Maschinen, Werkzeuge, Ersatzteile, IT-Ausstattung, Büromaterial, Fahrzeuge, Dienstleistungen wie Wartung, Beratung oder Reinigung zu den möglichen Beschaffungsobjekten.
Die Bedeutung eines Beschaffungsobjekts wird oft durch seinen Wert, seine Verfügbarkeit und seine Kritikalität für den Geschäftsprozess bestimmt. Ein seltener Rohstoff, der für die Produktion eines Schlüsselprodukts unerlässlich ist, hat eine höhere strategische Bedeutung als eine Packung Kugelschreiber, auch wenn beides formal Beschaffungsobjekte sind. Dennoch darf die Beschaffung der scheinbar kleineren Objekte, wie Büromaterial, nicht unterschätzt werden, da sie in der Masse erhebliche Kosten verursachen und bei Nichtverfügbarkeit den Arbeitsfluss empfindlich stören können.
Grundlegende Arten der Beschaffung
Die Art und Weise, wie Beschaffungsobjekte bezogen werden, kann stark variieren und hängt von Faktoren wie der Häufigkeit des Bedarfs, der Lagerfähigkeit, den Kosten und den Lieferzeiten ab. Grundlegend unterscheidet man oft zwischen drei Hauptarten der Beschaffung, die auch für Büromaterial relevant sind:
Einzelbeschaffung: Bei dieser Methode wird ein Beschaffungsobjekt nur dann bestellt, wenn ein konkreter, oft einmaliger oder seltener Bedarf dafür besteht. Dies ist sinnvoll für sehr spezifische Artikel, die nicht regelmäßig benötigt werden, oder für Großaufträge, bei denen das Material direkt für diesen einen Zweck beschafft wird. Der Vorteil ist, dass keine Lagerkosten anfallen. Der Nachteil können höhere Stückpreise und längere Lieferzeiten sein, da keine Rahmenverträge oder standardisierten Prozesse existieren.
Vorratsbeschaffung: Hierbei werden Beschaffungsobjekte in größeren Mengen gekauft und gelagert, um einen ständigen Vorrat zu gewährleisten. Diese Methode eignet sich besonders für Artikel, die regelmäßig und in größeren Mengen benötigt werden und gut lagerfähig sind, wie z.B. Kopierpapier, Standard-Kugelschreiber oder Toner für gängige Druckermodelle. Die Vorteile sind die ständige Verfügbarkeit und oft günstigere Einkaufspreise durch Mengenvorteile. Dem gegenüber stehen Lagerkosten, das Risiko von Veralterung oder Beschädigung der Ware und die Bindung von Kapital im Lagerbestand.
Just-in-time (JIT) Beschaffung: Dieses Konzept zielt darauf ab, Beschaffungsobjekte genau dann zu erhalten, wenn sie benötigt werden, idealerweise direkt am Verwendungsort. Das Ziel ist die Minimierung oder vollständige Vermeidung von Lagerhaltung. Dies erfordert eine extrem präzise Planung und enge Koordination mit den Lieferanten. JIT ist oft mit Rahmenverträgen und automatisierten Bestellprozessen verbunden. Für bestimmte, sehr häufig benötigte Büromaterialien, bei denen die Lieferkette sehr zuverlässig ist, könnte ein JIT-ähnlicher Ansatz verfolgt werden, um Lagerkosten zu sparen.
Viele Unternehmen nutzen eine Kombination dieser Methoden, um ihre Beschaffungsprozesse zu optimieren und den spezifischen Anforderungen der verschiedenen Beschaffungsobjekte gerecht zu werden. Zum Beispiel könnte Standardpapier per Vorratsbeschaffung bezogen werden, während ein spezieller Stift für ein Marketingprojekt einzeln beschafft wird.
Beschaffungsobjekte im Büroalltag
Die Liste der Beschaffungsobjekte, die im Büroalltag benötigt werden, ist lang und vielfältig. Sie reicht von Verbrauchsmaterialien bis hin zu langlebigen Wirtschaftsgütern. Zu den typischen Beschaffungsobjekten im Büro gehören:
- Verbrauchsmaterialien: Papier (Kopierpapier, Druckerpapier, Notizblöcke), Stifte (Kugelschreiber, Bleistifte, Marker), Toner und Tinte für Drucker und Kopierer, Heftklammern, Büroklammern, Klebeband, Umschläge, Etiketten.
- Organisationsmittel: Ordner, Register, Hüllen, Ablagesysteme, Kalender, Planer.
- Technische Geräte und Zubehör: Computer, Laptops, Monitore, Drucker, Scanner, Tastaturen, Mäuse, Kabel, Speichermedien (USB-Sticks, externe Festplatten), Batterien.
- Möbel: Schreibtische, Bürostühle, Regale, Schränke.
- Küchen- und Pausenraumausstattung: Kaffee, Tee, Zucker, Milch, Wasser, Geschirr, Reinigungsmittel für die Küche.
- Reinigungs- und Hygienematerial: Seife, Desinfektionsmittel, Toilettenpapier, Handtücher, Müllbeutel.
- Dienstleistungen: Wartung von Geräten, Reinigung des Büros, Postdienste, Kurierdienste, IT-Support, Beratungsleistungen.
Die effiziente Beschaffung dieser Objekte ist entscheidend, um sicherzustellen, dass die Mitarbeiter produktiv arbeiten können und unnötige Kosten vermieden werden. Eine gut organisierte Büromaterialbeschaffung sorgt dafür, dass immer genügend Material vorhanden ist, ohne dass die Lager überquellen oder Kapital unnötig gebunden wird.

Die Beschaffung von Büromaterial: Prozesse und Besonderheiten
Die Beschaffung von Büromaterialien unterscheidet sich in vielen Unternehmen von der Beschaffung anderer Güter. Aufgrund der hohen Frequenz des Bedarfs und der relativ geringen Einzelwerte werden oft standardisierte und manchmal automatisierte Prozesse eingesetzt. Ziel ist es, den Bestellaufwand pro Artikel zu minimieren.
Viele Unternehmen nutzen interne Bestellsysteme oder arbeiten mit spezialisierten Büromaterialhändlern zusammen, die Online-Shops oder Kataloge anbieten. Oft werden Budgetgrenzen für Abteilungen festgelegt und Genehmigungsprozesse implementiert, um die Ausgaben zu kontrollieren. Eine verbreitete Methode ist die Implementierung von Mindestbestandsmengen, bei deren Unterschreitung automatisch eine Nachbestellung ausgelöst wird – ein Beispiel für die Automatisierung in der Materialbeschaffung, die auch auf Büromaterialien angewendet werden kann.
Für größere Organisationen, insbesondere im öffentlichen Sektor, gibt es oft zentrale Beschaffungsstellen oder Plattformen, die den Einkauf standardisieren und optimieren sollen. Ein prominentes Beispiel in Deutschland ist das Kaufhaus des Bundes (KdB).
Die Beschaffung von Büromaterial über das Kaufhaus des Bundes
Das Kaufhaus des Bundes ist eine zentrale E-Commerce-Plattform für die deutschen Bundesbehörden und -einrichtungen. Es ermöglicht einen schnellen und unkomplizierten Abruf von Standardprodukten, die im Verwaltungsalltag benötigt werden – und dazu gehört in erheblichem Umfang auch das Büromaterial. Das KdB ist ein Beispiel dafür, wie die Beschaffung in großen Organisationen gebündelt und standardisiert wird, um Effizienz zu steigern und Kosten zu senken.
Das System basiert auf sogenannten Rahmenvereinbarungen, die das Beschaffungsamt des Bundes als eine der zentralen Beschaffungsstellen des Bundes mit verschiedenen Unternehmen für spezifische Produktkategorien abgeschlossen hat. Diese Rahmenvereinbarungen legen die Konditionen, Preise und Lieferbedingungen für einen bestimmten Zeitraum fest. Für die registrierten Behörden und Einrichtungen bedeutet dies, dass sie nicht für jede einzelne Bestellung ein aufwendiges Vergabeverfahren durchführen müssen, sondern einfach auf die bereits verhandelten Konditionen der Rahmenvereinbarungen zurückgreifen können.
Wie funktioniert das Kaufhaus des Bundes für Behörden und Unternehmen?
Für die rund 480 registrierten Behörden und Einrichtungen des Bundes ist die Nutzung des KdB denkbar einfach gestaltet. Sie können die benötigten Produkte – von Büromaterial über IT-Ausstattung bis hin zu Dienstleistungen – per Mausklick über die Plattform bei den jeweiligen Auftragnehmern bestellen. Das KdB bietet Zugriff auf Tausende von Produkten aus Hunderten verschiedener Rahmenvereinbarungen. Der Zugang für Bundesbehörden erfolgt in der Regel über das interne Behördennetz (Intranet des Bundes). Für den Zugriff über das Internet sind spezielle Client-Zertifikate erforderlich, die die Sicherheit gewährleisten.
Für Unternehmen, die ihre Produkte über das KdB anbieten möchten, ist der Prozess komplexer. Zunächst müssen sie sich an den öffentlichen Vergabeverfahren beteiligen, die das Beschaffungsamt des Bundes für den Abschluss der Rahmenvereinbarungen durchführt. Nur wenn ein Unternehmen den Zuschlag für eine Rahmenvereinbarung erhält, kann es seine Produkte über das KdB anbieten. Die Produktdaten werden elektronisch an das System übermittelt und können von den Unternehmen selbst gepflegt werden, oft unter Nutzung von standardisierten Klassifikationssystemen wie eClass. Auch der Austausch von Aufträgen und Auftragsbestätigungen erfolgt in der Regel elektronisch über die Plattform.
Das KdB ist somit ein Beispiel für eine digitalisierte und zentralisierte Beschaffungsplattform, die speziell auf die Bedürfnisse und regulatorischen Anforderungen des öffentlichen Sektors zugeschnitten ist. Es demonstriert, wie durch Bündelung der Nachfrage und Standardisierung der Prozesse die Beschaffung von häufig benötigten Gütern wie Büromaterial effizienter gestaltet werden kann, basierend auf zuvor durchgeführten öffentlichen Vergabeverfahren.

Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Um das Thema Beschaffungsobjekte und Büromaterialbeschaffung weiter zu vertiefen, beantworten wir hier einige häufig gestellte Fragen:
F: Was ist der Unterschied zwischen Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen?
A: Rohstoffe sind Hauptbestandteile des Endprodukts (z.B. Holz für einen Tisch). Hilfsstoffe sind ebenfalls Bestandteile, aber von geringerem Wert (z.B. Schrauben, Leim). Betriebsstoffe sind für den Produktionsprozess notwendig, aber nicht Teil des Endprodukts (z.B. Schmieröl, Energie, aber auch Büromaterial im weiteren Sinne, da es den Betrieb ermöglicht).
F: Welche Beschaffungsart ist die beste für Büromaterial?
A: Das hängt stark vom spezifischen Büromaterial und den Bedürfnissen des Unternehmens ab. Für häufig benötigte Artikel wie Papier oder Stifte ist die Vorratsbeschaffung oft am praktikabelsten. Für seltene oder sehr spezielle Artikel kann die Einzelbeschaffung sinnvoll sein. JIT-Ansätze sind bei Büromaterial seltener, aber denkbar bei sehr gut planbaren Bedarfen und zuverlässigen Lieferketten.
F: Kann jedes Unternehmen das Kaufhaus des Bundes nutzen?
A: Nein, das Kaufhaus des Bundes ist primär eine Plattform für die Bundesbehörden und -einrichtungen in Deutschland, um standardisierte Produkte aus bestehenden Rahmenvereinbarungen zu beziehen. Unternehmen können am KdB teilnehmen, indem sie sich erfolgreich auf die Ausschreibungen für Rahmenvereinbarungen bewerben.
F: Warum sind Rahmenvereinbarungen bei der Beschaffung wichtig?
A: Rahmenvereinbarungen vereinfachen und beschleunigen den Beschaffungsprozess für häufig benötigte Güter. Sie legen Preise und Konditionen für einen längeren Zeitraum fest, reduzieren den Aufwand pro Bestellung und bieten oft bessere Preise durch die Bündelung der Nachfrage. Sie sind ein zentrales Element für die effiziente Beschaffung in größeren Organisationen.
F: Wie wird sichergestellt, dass die im KdB angebotenen Produkte den Anforderungen entsprechen?
A: Die Produkte, die über das KdB angeboten werden, basieren auf Rahmenvereinbarungen, die zuvor in öffentlichen Vergabeverfahren ausgeschrieben wurden. Im Rahmen dieser Verfahren werden die Angebote der Unternehmen geprüft und bewertet, um sicherzustellen, dass die angebotenen Produkte den technischen Anforderungen, Qualitätsstandards und anderen Kriterien der Ausschreibung entsprechen.
Fazit
Beschaffungsobjekte sind das Lebenselixier jedes Unternehmens, und ihre effiziente Beschaffung ist ein entscheidender Faktor für den wirtschaftlichen Erfolg. Während im produzierenden Gewerbe Rohstoffe im Fokus stehen, spielen im Büroalltag vielfältige Büromaterialien eine unverzichtbare Rolle. Das Verständnis der verschiedenen Beschaffungsarten – Einzel-, Vorrats- und Just-in-time-Beschaffung - hilft Unternehmen, ihre Prozesse zu optimieren.
Großorganisationen, wie die deutschen Bundesbehörden, nutzen spezialisierte Plattformen wie das Kaufhaus des Bundes, um die Beschaffung zu zentralisieren, zu standardisieren und durch Rahmenvereinbarungen effizienter zu gestalten. Dies zeigt, wie moderne Beschaffungsprozesse, unterstützt durch Digitalisierung und strategische Planung, dazu beitragen können, den Bedarf an Materialien und Dienstleistungen, einschließlich des täglichen Büromaterials, reibungslos und kostengünstig zu decken. Eine durchdachte Beschaffungsstrategie für Büromaterialien mag auf den ersten Blick trivial erscheinen, leistet aber einen wichtigen Beitrag zur Produktivität und Wirtschaftlichkeit eines jeden Unternehmens.
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