Warum heißt Hirschaid Hirschaid?

Die Geschichte des Marktes Hirschaid

04/11/2019

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Der Markt Hirschaid, gelegen im oberfränkischen Landkreis Bamberg, blickt auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurück. Seine Entwicklung ist eng verknüpft mit seiner günstigen geografischen Lage und den wichtigen Verkehrsachsen, die ihn seit jeher durchquerten.

Warum heißt Hirschaid Hirschaid?
Hirschaid liegt unweit der einstigen "via regia", einer Altstraße, die seit Urzeiten den Norden in der Gegend von Lüneburg mit dem Süden bis Oberösterreich verband. Der Name Hirschaid weist auf die frühere Landschaft und Tierwelt hin.

Die Frage, warum Hirschaid seinen heutigen Namen trägt, führt uns zurück zu den Ursprüngen des Ortes und seiner früheren Landschaft. Der Name Hirschaid ist eng verbunden mit der früheren Beschaffenheit der Umgebung und der dort heimischen Tierwelt. Er weist auf eine Zeit hin, als die Landschaft möglicherweise von Hirschen geprägt war. Ein weiterer, sehr konkreter Bezugspunkt für den Namen ist das Adelsgeschlecht der Herren „von Hirzheide“. Diese adeligen Herren waren ab dem Jahr 1300 in Hirschaid ansässig und übten hier ihre Funktion als Ministerialen und Vögte aus. Ihre Linie in Franken erlosch im Jahr 1590, doch ihr Erbe lebt im Namen des Ortes weiter. Das damalige Wappen dieses Geschlechts, das einen goldenen Hirsch zeigt, der aus einem blauen Dreiberg in Silber aufsteigt, diente als direktes Vorbild für das heutige Gemeindewappen Hirschaids. Somit ist der Name Hirschaid sowohl ein Hinweis auf die historische Landschaft und Tierwelt als auch eine direkte Ableitung vom Namen des einst hier ansässigen Adelsgeschlechts.

Übersicht

Frühe Besiedelung und erste urkundliche Erwähnung

Die Region um Hirschaid war schon sehr früh besiedelt. Bodenfunde, die auf den Terrassen des Regnitztales gemacht wurden, geben Zeugnis von einer menschlichen Präsenz, die spätestens in der Jungsteinzeit begann. Dies deutet darauf hin, dass das Gebiet aufgrund seiner Lage am Fluss und der fruchtbaren Böden schon vor Tausenden von Jahren für Siedler attraktiv war. Auch aus der späteren Latènezeit, der Zeit der Kelten, gibt es bedeutende Zeugnisse. Hierzu zählen vor allem weitere Bodenfunde sowie die Wallreste auf der nahe gelegenen Friesener Warte, die auf frühe Befestigungsanlagen oder Kultplätze hindeuten könnten.

Die erste gesicherte schriftliche Erwähnung von Hirschaid findet sich in einer Urkunde aus dem Jahr 1079. Dieses wichtige historische Dokument wurde von König Heinrich IV. ausgestellt und macht Hirschaid damit erstmals geschichtlich fassbar. Dieses Datum markiert den Beginn der dokumentierten Geschichte des Ortes und war Anlass für die gebührende Feier des 900-jährigen Bestehens im Jahr 1979.

Hirschaid in Zeiten von Konflikten und Umbrüchen

Die Lage Hirschaids an wichtigen Durchgangsstraßen hatte nicht nur Vorteile für Handel und Verkehr, sondern machte den Ort in Kriegszeiten auch immer wieder zum Ziel von Truppendurchzügen, Plünderungen und Zerstörungen. Während der Bauernkrieg im Großen und Ganzen an Hirschaid vorüberging und der Ort weitgehend verschont blieb, waren die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648), auch bekannt als Schwedenkrieg in dieser Region, besonders verheerend. Ein zeitgenössischer Chronist berichtet eindrücklich von den Ereignissen nach Lichtmess im Jahr 1633, als die schwedischen Truppen den Ort erreichten. Sie sollen „nach Schwedenart gehaust“ haben, was bedeutete, dass sie rücksichtslos plünderten und raubten, was immer sie finden konnten. Nichts schien ihnen heilig zu sein. Sogar das Gotteshaus des Ortes wurde nicht verschont; Fenster und Türen wurden eingeschlagen, das Innere demoliert und verwüstet, und selbst die Glocken wurden vom Turm geholt und zerschlagen. Diese Schilderung verdeutlicht das Ausmaß der Zerstörung und des Leids, das die Bevölkerung in dieser Zeit durchmachen musste.

Auch in späteren Konflikten wurde Hirschaid in Mitleidenschaft gezogen. Im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) kam es zu weiteren Plünderungen. Besonders hart traf es den Ort jedoch während der Napoleonischen Kriege. Am 6. August 1793 ereignete sich in unmittelbarer Nähe von Hirschaid ein heftiges Gefecht zwischen der Reichsarmee und den französischen Truppen. Dieses Kavallerie- und Artilleriegefecht brachte erneut Zerstörung und Unsicherheit für die Einwohner mit sich.

Ein weiterer bedeutender Einschnitt in der Geschichte Hirschaids war die Säkularisation Anfang des 19. Jahrhunderts. In der Zeit des Hochstifts Bamberg war Hirschaid dem Zehnt Eggolsheim zugeteilt. Mit der Säkularisation wurde das kirchliche Vermögen eingezogen und die politischen Verhältnisse in Bayern grundlegend neu geordnet. Hirschaid, das zu dieser Zeit 105 „selbständige Häuser“ zählte, fiel im Zuge dieser Umwälzungen an das Königreich Bayern.

Wirtschaftliche Entwicklung und Infrastrukturprojekte

Die Mitte des 19. Jahrhunderts brachte wichtige Impulse für die wirtschaftliche Entwicklung Hirschaids, die maßgeblich durch große Infrastrukturprojekte getrieben wurden. Der Bau des Ludwig-Donau-Mainkanals, der ab 1836 vorangetrieben wurde, führte westlich am historischen Ortskern vorbei und bot neue Möglichkeiten für den Warentransport per Schiff. Fast zeitgleich, im Jahr 1844, wurde die Bahnstrecke Nürnberg-Bamberg eröffnet, die östlich des Ortes verlief. Südlich der Altstadt entstand eine Ladestelle, auch Anlände genannt, die für den Güterumschlag zwischen Schiff und Bahn sowie Straße genutzt wurde. Schon 1845 ermöglichte diese Anlände einen trimodalen Güterumschlag und stellte einen wichtigen Knotenpunkt dar, der Hirschaid an das überregionale Verkehrsnetz anschloss und erste industrielle Anreize schuf.

Um diese Zeit etablierte sich auch die Korbflechterei als wichtiger Erwerbszweig, der vielen Einwohnern zusätzliche Arbeit und Verdienstmöglichkeiten bot. Die Kombination aus verbesserten Verkehrsbedingungen durch Kanal und Bahn sowie neuen Handwerkszweigen trug zum Wachstum des Ortes bei. Um 1900 war die Bevölkerung auf 1120 Einwohner angewachsen und die Zahl der Häuser auf 173 gestiegen, was ein deutliches Zeichen für die positive Entwicklung war.

Ist Hirschaid katholisch?
Religion. Laut Zensus am 9. Mai 2011 sind 74,0 % der Einwohner römisch-katholisch und 12,1 % evangelisch-lutherisch. 13,9 % haben eine andere Religion oder sind konfessionslos.

Die Geschichte Hirschaids im 20. Jahrhundert war ebenfalls von wichtigen Ereignissen geprägt. Während des Novemberpogroms im Jahr 1938 wurde die Synagoge der jüdischen Gemeinde in der Nürnberger Straße von SA-Männern zerstört. Heute erinnert ein Gedenkstein am ehemaligen Standort an das Gotteshaus und an die Verfolgung und Ermordung der jüdischen Einwohner von Hirschaid.

Der Ludwigskanal wurde bei Hirschaid im Jahr 1950 aufgelassen. In den frühen 1960er Jahren wurde er durch den Bau des modernen Main-Donau-Kanals überbaut. Seitdem befinden sich die nächstgelegenen modernen Ladehäfen in Eggolsheim oder Bamberg.

Moderne Entwicklung und Wachstum

Die jüngere Geschichte Hirschaids ist von starkem Wachstum und der Entwicklung zu einem kleinen regionalen Zentrum gekennzeichnet. Die günstige Verkehrslage, insbesondere die Anbindung an die Bahnstrecke Nürnberg-Bamberg und die unmittelbare Nähe zur Bundesautobahn 73, hat maßgeblich dazu beigetragen. Ein weiterer wichtiger Faktor für das Wachstum war die Gebietsreform in Bayern. Am 1. Januar 1972 wurden die ehemals eigenständigen Gemeinden Erlach, Friesen und Seigendorf eingemeindet. Eine weitere Welle von Eingemeindungen folgte am 1. Mai 1978 mit Röbersdorf, Rothensand und Sassanfahrt. Durch diese Eingliederungen vergrößerte sich das Gemeindegebiet und die Einwohnerzahl des Marktes Hirschaid erheblich. Von 1988 bis 2018 wuchs die Einwohnerzahl von 9.058 auf 12.324, was einem Zuwachs von über 36 % entspricht.

Heute präsentiert sich der Markt Hirschaid mit seinen elf Gemeindeteilen als eine lebendige Kommune, die sich zu einem wichtigen Zentrum für Verkehr und Wirtschaft in der Metropolregion Nürnberg entwickelt hat. Die zentrale Lage zwischen größeren Städten wie Bamberg, Forchheim, Erlangen, Fürth und Nürnberg macht Hirschaid zu einem attraktiven Wohn- und Wirtschaftsstandort.

Häufig gestellte Fragen zur Geschichte Hirschaids

Warum heißt Hirschaid Hirschaid?
Der Name Hirschaid leitet sich zum einen von der früheren Landschaft und Tierwelt ab, die möglicherweise von Hirschen geprägt war. Zum anderen geht der Name direkt auf das Adelsgeschlecht „von Hirzheide“ zurück, das ab 1300 in Hirschaid ansässig war. Das Wappen dieser Familie mit einem Hirsch ist das Vorbild für das heutige Gemeindewappen.

Seit wann ist Hirschaid geschichtlich fassbar?
Hirschaid wird erstmals in einer Urkunde von König Heinrich IV. aus dem Jahr 1079 erwähnt. Dieses Datum gilt als Beginn der dokumentierten Geschichte des Ortes.

Welche historischen Ereignisse haben Hirschaid besonders geprägt?
Besonders einschneidend waren die Zerstörungen und Plünderungen während des Schwedenkriegs im 17. Jahrhundert sowie im Siebenjährigen und den Napoleonischen Kriegen. Die Säkularisation Anfang des 19. Jahrhunderts brachte Hirschaid zu Bayern. Wichtige wirtschaftliche Impulse lieferten der Bau des Ludwig-Donau-Mainkanals und der Bahnstrecke im 19. Jahrhundert sowie die spätere Gebietsreform, die zum starken Wachstum im 20. Jahrhundert führte.

Ist Hirschaid katholisch?
Die bereitgestellten Informationen zur Geschichte Hirschaids geben keine Auskunft über die religiöse Zusammensetzung der Bevölkerung oder die vorherrschende Konfession. Es wird die Zerstörung der Synagoge im Jahr 1938 erwähnt und eine Ortsmitte mit Kirche gezeigt, aber keine statistischen Daten zur Religionszugehörigkeit genannt.

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