KaDeWe-Gruppe gesichert, aber mit Folgen

24/08/2020

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Die Luxuskaufhäuser der KaDeWe-Gruppe, zu der das berühmte KaDeWe in Berlin, das Alsterhaus in Hamburg und der Oberpollinger in München gehören, standen zuletzt im Fokus öffentlicher Aufmerksamkeit. Nach der Insolvenzanmeldung der Gruppe, die Teil des zusammengebrochenen Signa-Konzerns von René Benko war, gab es große Unsicherheit über die Zukunft der ikonischen Warenhäuser. Nun gibt es Klarheit: Die Standorte bleiben erhalten, die Gruppe wird vollständig von der thailändischen Central Group übernommen. Doch diese Rettung hat auch ihren Preis, insbesondere für rund 100 Mitarbeitende und die deutschen Steuerzahler.

Wie viel kostet KaDeWe?
Im Jahr 2020 hatten der Bund und die Bundesländer Berlin, Hamburg und Bayern die Bürgschaft für einen Kredit über 90 Millionen Euro übernommen. Nach dem Zusammenbruch des Benko-Imperiums, zu dem auch die Kadewe-Group gehörte, wurden die Kosten für die Berliner Steuerzahler auf bis zu 18 Millionen Euro geschätzt.

Die KaDeWe-Gruppe meldete im Januar dieses Jahres Insolvenz an. Dieser Schritt war eine direkte Folge der finanziellen Schwierigkeiten im Signa-Firmengeflecht. Bereits vor der nun besiegelten Komplettübernahme hielt die Central Group, ein großer Mischkonzern aus Thailand, die Mehrheit von 50,1 Prozent an der KaDeWe Group. Die restlichen 49,9 Prozent gehörten zum Signa-Konzern. Mit der Insolvenz und dem Zusammenbruch von Signa hat die Central Group nun das operative Geschäftsbetrieb vollständig übernommen.

Übersicht

Die neue Eigentümerin: Die Central Group

Die Central Group ist kein Unbekannter im internationalen Einzelhandelsgeschäft, insbesondere im Luxussegment. Der Konzern gehört der Familie Chirathivat, die zu den reichsten Familien Thailands zählt. Laut dem US-Magazin Forbes wurde ihr Vermögen im Jahr 2023 auf beachtliche 12,4 Milliarden Dollar geschätzt. Die Gruppe mit Sitz in Bangkok ist breit aufgestellt und betreibt neben Kaufhausketten auch Supermärkte, Hotels und Restaurants. Als strategischer Investor sieht sich die Central Group in der Lage, der KaDeWe GmbH dabei zu helfen, langfristige Ziele im Luxussegment zu erreichen und ihre Position zu festigen. Diese Übernahme sichert zunächst den Fortbestand der Warenhäuser.

Zukunft der Standorte: Hamburg, München und Berlin

Eine zentrale Frage nach der Insolvenz war der Verbleib der drei prominenten Standorte. Für das Alsterhaus in Hamburg und den Oberpollinger in München gibt es nun positive Nachrichten. Es sollen neue Mietverträge für diese beiden Häuser unterschrieben worden sein. Das Management der KaDeWe-Gruppe informierte die Beschäftigten in einem Schreiben, das der Nachrichtenagentur Reuters vorlag, dass die Mietverhandlungen für das Alsterhaus und den Oberpollinger erfolgreich abgeschlossen wurden. Die künftige Eigentümerin, die Central Group, habe dies mitgeteilt. Der Erhalt dieser beiden Warenhäuser gilt damit als gesichert.

Das Berliner Kaufhaus des Westens (KaDeWe) ist von dieser spezifischen Einigung über neue Mietverträge nicht direkt betroffen. Für das KaDeWe gibt es offenbar schon länger einen bestehenden Mietvertrag, der unabhängig von den jüngsten Verhandlungen für Hamburg und München ist. Damit bleiben alle drei Luxuswarenhäuser der KaDeWe-Gruppe erhalten und werden unter der Führung der Central Group weitergeführt.

Was ist mit dem KDW Berlin passiert?
KaDeWe-Gruppe meldete Insolvenz an Schon vor der jetzt besiegelten Komplettübernahme des operativen Geschäftsbetriebs hielt der Konzern aus Thailand 50,1 Prozent der KaDeWe Group. 49,9 Prozent gehörten zum zusammengebrochenen Signa-Firmengeflecht. Im Januar meldete die Gruppe Insolvenz an.

Der Preis der Rettung: Stellenabbau bei 100 Mitarbeitenden

Trotz der Sicherung der Standorte müssen nicht alle Beschäftigten der KaDeWe-Gruppe bleiben. Im Gegenteil, die Rettung geht mit einem schmerzhaften Stellenabbau einher. Laut dem Schreiben des Managements an die Belegschaft hat die künftige Betreiberin für rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter keine Verwendung mehr. Dieser Abbau betrifft einen erheblichen Teil der Belegschaft.

Genauer aufgeschlüsselt sind davon 70 Angestellte aus der Verwaltung betroffen. Das deutet darauf hin, dass es im Zuge der Übernahme und möglichen Umstrukturierungen zu Doppelstrukturen oder Effizienzsteigerungen in den administrativen Bereichen kommt. Doch auch in den Warenhäusern selbst sollen Stellen abgebaut werden. Die genaue Zahl der betroffenen Angestellten in den Häusern neben den 70 aus der Verwaltung wurde in der vorliegenden Information nicht explizit genannt, aber die Gesamtzahl der betroffenen Personen liegt bei rund 100. Die Angestellten, deren Stellen wegfallen, seien bereits über die Leistungen aus einem Interessenausgleich und Sozialplan informiert worden. Dies soll die Auswirkungen des Stellenabbaus für die Betroffenen abmildern.

Kosten für die Steuerzahler: Die Bürgschaft von 2020

Die finanzielle Situation der KaDeWe-Gruppe war bereits vor der jüngsten Insolvenz angespannt. Im Jahr 2020 hatten der Bund und die Bundesländer Berlin, Hamburg und Bayern eine Bürgschaft für einen Kredit über 90 Millionen Euro übernommen. Diese staatliche Unterstützung sollte dem Unternehmen in einer schwierigen Phase helfen. Nach dem Zusammenbruch des Signa-Imperiums, zu dem die KaDeWe-Gruppe gehörte, stellte sich die Frage, inwieweit die Steuerzahler für diesen Kredit haften müssen.

Ursprüngliche Schätzungen gingen davon aus, dass allein die Berliner Landeskasse mit bis zu 18 Millionen Euro belastet werden könnte. Dies wäre ein erheblicher Betrag gewesen. Nach aktuellen Informationen fallen die Kosten für die Steuerzahler in der Hauptstadt voraussichtlich deutlich geringer aus. Eine vertrauliche Mitteilung der Berliner Senatsverwaltung für Finanzen, die der Redaktion rbb24 Recherche vorlag, gibt Entwarnung, zumindest teilweise. Demnach dürfte der Betrag für Berlin höchstens 3,3 Millionen Euro betragen. Für die deutschen Steuerzahler insgesamt (Bund und beteiligte Länder) werden voraussichtlich Kosten im „mittleren bis oberen einstelligen“ Millionenbereich erwartet.

Warum sind die Kosten geringer als zunächst befürchtet? Die KaDeWe-Gruppe soll im Rahmen der Bürgschaftsübernahme und der Kreditvergabe auch Sicherheiten gestellt haben. Diese Sicherheiten wurden inzwischen verwertet. Der Erlös aus dieser Verwertung wurde offensichtlich auf den noch zurückzuzahlenden Kreditanteil angerechnet. Das reduziert die Höhe der Inanspruchnahme der staatlichen Bürgschaft. Welche Sicherheiten dies genau waren, ist bislang nicht öffentlich bekannt, außer dass es sich nicht um Grundstücke handelte. Ein Sprecher der Senatsverwaltung für Finanzen konnte dazu wegen der Wahrung der Vertraulichkeit keine Auskunft geben.

Wird KaDeWe in Berlin geschlossen?
Die gute Nachricht: Dass das KaDeWe nun schließt, ist sehr unwahrscheinlich. Gerade im vergangenen Jahr hat das Kaufhaus mit einem Umsatz von 728 Millionen Euro und einem Plus von fast 24 Prozent im Vergleich zum Vor-Corona-Geschäftsjahr 2018/2019 außergewöhnlich gute Zahlen vorgelegt.

Bis zur Insolvenz soll die KaDeWe Gruppe gut die Hälfte des genutzten Kreditlimits an die Bank BNP Paribas zurückgezahlt haben. Die verbleibende Restschuld, die nicht durch die verwerteten Sicherheiten gedeckt ist, muss nun von den Bürgen, also Bund und Länder, übernommen werden.

Die Frage der Staatshilfe für ein „Unternehmen in Schwierigkeiten“

Die Vergabe der staatlichen Bürgschaft im Jahr 2020 wirft im Nachhinein Fragen auf. Nach rbb Recherchen steht die Frage im Raum, ob Bund und Länder mit der Übernahme der Bürgschaft gegen das Beihilferecht der Europäischen Union verstoßen haben könnten. Die EU-Regeln besagen klar, dass staatliche Hilfen grundsätzlich nicht an sogenannte „Unternehmen in Schwierigkeiten“ vergeben werden dürfen. Dies soll Wettbewerbsverzerrungen innerhalb der Union durch staatliche Subventionen verhindern. Die Kriterien, wann ein Unternehmen als „in Schwierigkeiten“ gilt, sind in der entsprechenden EU-Verordnung genau definiert.

Nach Einschätzung von Wirtschaftsexperten, die sich auf die veröffentlichten Geschäftsberichte der KaDeWe-Gruppe bezogen, trafen diese Kriterien zum Zeitpunkt der Bürgschaftsübernahme im Jahr 2020 auf die KaDeWe-Gruppe zu. Das Unternehmen war demnach mit 105 Millionen Euro überschuldet und konnte nur dank der Kredite der Gesellschafter „überleben“. Wenn diese Einschätzung korrekt ist, wäre die staatliche Bürgschaft eine unzulässige Beihilfe gewesen. Ob diese Frage rechtlich noch Konsequenzen haben wird, bleibt abzuwarten.

Zusammenfassung der wichtigsten Punkte

Die KaDeWe-Gruppe hat eine turbulente Zeit hinter sich, doch die zentralen Luxuswarenhäuser bleiben erhalten. Die vollständige Übernahme durch die finanzstarke Central Group sichert den operativen Betrieb. Alsterhaus und Oberpollinger haben neue Mietverträge erhalten, das KaDeWe in Berlin hat einen bestehenden Vertrag. Allerdings müssen rund 100 Mitarbeitende gehen, vor allem in der Verwaltung. Die staatliche Bürgschaft aus dem Jahr 2020 führt zu Kosten für die Steuerzahler, die aber geringer ausfallen als zunächst befürchtet, dank verwerteter Sicherheiten. Dennoch bleibt die Frage nach der Rechtmäßigkeit der damaligen Staatshilfe für ein möglicherweise bereits „in Schwierigkeiten“ befindliches Unternehmen bestehen.

AspektDetails
Status der GruppeInsolvenz angemeldet, jetzt vollständige Übernahme
Neue EigentümerinCentral Group (Thailand)
Gesicherte StandorteKaDeWe (Berlin), Alsterhaus (Hamburg), Oberpollinger (München)
MietverträgeNeu für Alsterhaus/Oberpollinger, bestehend für KaDeWe
StellenabbauRund 100 Mitarbeitende (70 Verwaltung, Rest in Häusern)
Staatliche Bürgschaft (2020)90 Mio. Euro (Bund, BE, HH, BY)
Kosten für Steuerzahler (gesamt)Mittlerer bis oberer einstelliger Mio. Bereich (erwartet)
Kosten für Steuerzahler (Berlin)Max. 3,3 Mio. Euro (statt bis zu 18 Mio. erwartet)
Grund für geringere KostenVerwertung von Sicherheiten
Offene FrageRechtmäßigkeit der Bürgschaft (Beihilferecht)

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Schließen die KaDeWe-Warenhäuser?
Nein, alle drei Standorte – KaDeWe (Berlin), Alsterhaus (Hamburg) und Oberpollinger (München) – bleiben erhalten und werden weiter betrieben.
Wer hat die KaDeWe-Gruppe übernommen?
Die thailändische Central Group, die bereits Mehrheitseignerin war, hat nun das operative Geschäft vollständig übernommen.
Was passiert mit den Mitarbeitenden?
Rund 100 Mitarbeitende müssen gehen, darunter 70 aus der Verwaltung. Es gibt einen Interessenausgleich und Sozialplan für die Betroffenen.
Kostet die Insolvenz die Steuerzahler Geld?
Ja, aufgrund einer staatlichen Bürgschaft aus dem Jahr 2020 fallen Kosten an. Diese werden aber voraussichtlich geringer ausfallen als zunächst befürchtet (ca. 3,3 Mio. Euro für Berlin).
Warum sind die Kosten für die Steuerzahler geringer als erwartet?
Die KaDeWe-Gruppe hatte Sicherheiten gestellt, die verwertet wurden. Der Erlös daraus reduziert die Höhe der staatlichen Haftung.
Gab es Probleme mit der staatlichen Bürgschaft?
Es steht die Frage im Raum, ob die Bürgschaft von 2020 gegen EU-Beihilferecht verstoßen hat, da das Unternehmen damals möglicherweise bereits als „in Schwierigkeiten“ galt.

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