Was macht man mit Pastellstiften?

Pastellstifte & Papier: Ein Künstler-Guide

07/06/2012

Rating: 4.86 (7818 votes)

Pastelle, ob als Kreiden oder in Stiftform, eröffnen eine Welt voller sanfter Farben und ausdrucksstarker Techniken. Sie sind ein beliebtes Medium bei Künstlern aller Niveaus und bieten eine einzigartige Möglichkeit, Licht, Schatten und Textur darzustellen. Doch um das volle Potenzial von Pastellen auszuschöpfen, ist die Wahl des richtigen Materials entscheidend. Neben hochwertigen Stiften spielt vor allem das passende Papier eine zentrale Rolle für das Endergebnis. In diesem Artikel tauchen wir tief in die Welt der Pastellmalerei ein und geben Ihnen wertvolle Tipps zur Auswahl von Papier und Stiften sowie zu deren Anwendung.

Was sind die 4 wichtigsten Pastellfarben?
Pastellfarben sind eine Familie sanfter und gedämpfter Farben. Technisch gesehen entstehen sie durch die Erhöhung der Helligkeit und die Verringerung der Sättigung einer Grundfarbe. Theoretisch kann daher jede Farbe eine Pastellvariante haben, obwohl in der Praxis Farben wie Rot, Orange, Gelb, Grün und Blau am beliebtesten sind.

Pastelle bestehen im Grunde aus puren Pigmenten, die mit einem Minimum an Bindemittel zusammengehalten werden. Dieses geringe Bindemittel ist der Grund für die leuchtenden, intensiven Farben und die charakteristische, pudrige Textur. Es gibt verschiedene Formen von Pastellen, darunter weiche Pastellkreiden, harte Pastelle und Pastellstifte. Während Kreiden oft für flächige Anwendungen und großzügiges Arbeiten genutzt werden, bieten Pastellstifte eine präzisere Kontrolle und ermöglichen detailreicheres Zeichnen, ähnlich wie Buntstifte, aber mit der einzigartigen Textur und Mischbarkeit von Pastell.

Übersicht

Die entscheidende Rolle des Papiers: Warum die Oberfläche zählt

Für die Pastellmalerei ist das Papier mehr als nur ein Träger; es ist ein integraler Bestandteil des Kunstwerks. Die Oberfläche des Papiers, seine Textur oder Körnung, ist der wichtigste Faktor. Pastellpigmente sind im Wesentlichen lose Partikel, die sich an der Oberfläche des Papiers festkrallen müssen. Eine glatte Oberfläche bietet diesen Pigmenten kaum Halt, was dazu führt, dass die Farbe nicht haftet und leicht abfällt oder verschmiert, selbst wenn dies nicht beabsichtigt ist. Eine Oberfläche mit ausreichender Körnung hingegen bietet winzige Vertiefungen und Erhebungen, an denen die Pigmente haften können.

Die Körnung eines Papiers kann stark variieren, von einer leichten Struktur bis hin zu einer sehr ausgeprägten, fast sandigen Oberfläche. Diese unterschiedlichen Oberflächen beeinflussen nicht nur, wie gut die Pastelle haften, sondern auch, welche Techniken möglich sind und wie das fertige Bild aussieht.

Körnung und ihre Auswirkungen auf die Maltechnik

Der Grad der Körnung hat direkte Auswirkungen darauf, wie Sie mit Pastellen arbeiten können:

  • Schichten (Layering): Die Menge der Körnung bestimmt, wie viele Schichten Pastell übereinander aufgetragen werden können. Wenn die Körnung flach ist, kann sie bereits durch eine einzige Farbschicht gefüllt sein. Versuchen Sie dann, eine weitere Schicht darüberzulegen, findet die Farbe keinen Halt mehr. Ein Papier mit tieferer Körnung ermöglicht es, mehrere Farbschichten aufzubauen, was für Farbverläufe, Tiefenwirkung und das Mischen von Farben direkt auf dem Papier unerlässlich ist.
  • Detailarbeit: Obwohl man intuitiv denken könnte, dass glatteres Papier besser für Details ist, benötigen Pastelle dennoch genügend Halt. Papier mit einer feineren, gleichmäßigen Körnung kann sich gut für detailreichere Arbeiten eignen, da die Stiftspitze präziser geführt werden kann. Bei Papieren mit sehr grober Körnung kann es schwieriger sein, feine Linien oder kleine Details darzustellen, da die Farbe primär an den Erhebungen der Textur haftet und die Vertiefungen freilässt.
  • Verwischen und Verblenden: Die Textur des Papiers beeinflusst auch, wie leicht oder schwierig das Verwischen und Verblenden der Farben ist. Auf Papieren mit starker Körnung bleiben oft Farbpigmente in den Vertiefungen, was dem Bild eine lebendige, strukturierte Erscheinung gibt. Das Verblenden auf solchen Papieren kann die Farbe in die Vertiefungen drücken. Auf Papieren mit geringerer Körnung lassen sich Farben oft sanfter und gleichmäßiger verblenden, was zu weicheren Übergängen führt.

Welches Papier ist das Richtige für Pastelle?

Wie bereits erwähnt, ist Papier mit ausreichender Körnung der ideale Untergrund für Pastelle. Aber welches Papier genau? Hier sind einige Punkte zu beachten:

  • Die Körnung ist entscheidend: Vermeiden Sie sehr glatte Papiere. Pastelle haften darauf nicht gut. Suchen Sie nach Papieren, die speziell für Pastell, Kohle oder Kreide ausgewiesen sind. Diese Papiere haben in der Regel die nötige Textur.
  • Empfohlene Papiertypen: Leicht strukturierte Papiere wie Ingres Papier sind eine klassische und oft ideale Wahl für Pastelle. Sie haben eine charakteristische Rippenstruktur, die dem Pigment Halt bietet. Es gibt auch spezielle Pastellpapiere mit einer feineren oder gröberen Körnung, manchmal sogar mit einer samtartigen (Velour) oder sandigen (Sanded) Oberfläche.
  • Papierstärke (Grammatur): Zu dünnes Papier kann beim Verwischen der Farben leicht beschädigt werden oder wellig werden, besonders wenn Fixativ verwendet wird. Papier ab ca. 120 g/m² ist eine gute Ausgangsbasis. Für anspruchsvollere Techniken oder wenn Sie viel Farbe auftragen möchten, sind stärkere Papiere (z.B. 160 g/m² oder mehr) oft besser geeignet.
  • Papierfarbe: Probieren Sie unbedingt auch getöntes oder sogar schwarzes Papier aus! Da Pastelle deckend sind und oft vom Dunklen zum Hellen gearbeitet wird, kann ein farbiger oder dunkler Hintergrund dem Bild Tiefe und eine besondere Atmosphäre verleihen, die auf weißem Papier schwer zu erreichen ist. Die Farbe des Papiers wird Teil des Bildes und beeinflusst die Gesamtwirkung der aufgelegten Pastellfarben.

Letztendlich kann jedes Papier, das genügend Halt bietet und stabil genug ist, als Untergrund dienen. Scheuen Sie sich nicht, mit verschiedenen Oberflächen zu experimentieren, um herauszufinden, was Ihnen am besten gefällt und welche Effekte Sie erzielen möchten.

Was ist ein Pastellblatt?
Pastellpapier ist strukturiertes Papier, das in einer breiten Palette von Farben und Tönen erhältlich ist . Sie können es einzeln oder als Block kaufen. Einige Sorten wurden geschliffen oder behandelt, um ihnen zusätzliche Struktur zu verleihen.

Anwendung von Pastellstiften: Technik und Handhabung

Pastellstifte vereinen die Kontrolle eines Stiftes mit der Textur und Mischbarkeit von Pastellen. Sie sind äußerst vielseitig und eignen sich sowohl für feine Details als auch für das Anlegen von Flächen.

Wie benutzt man Pastellstifte?

Sie können Pastellstifte ähnlich wie Buntstifte halten und anwenden. Die Farbe wird durch Reiben der Stiftspitze über das Papier übertragen. Der Hauptunterschied liegt in der Beschaffenheit der Farbe auf dem Papier: Sie ist pudrig und lässt sich leicht manipulieren.

  • Auftragen: Tragen Sie die Farbe in Schichten oder deckend auf. Sie können den Stift spitz halten für feine Linien oder ihn leicht schräg anlegen, um breitere Striche oder Flächen zu erzeugen.
  • Verschmieren und Verwischen: Dies ist eine der charakteristischsten Techniken bei Pastellen. Sie können die aufgetragene Farbe mit den Fingern, einem Papiertuch, einem Wattestäbchen oder speziellen Wischern (Estompen oder Tortillons) auf dem Papier verteilen und vermischen. Dies ermöglicht weiche Übergänge und Farbverläufe.
  • Schichten und Blenden: Wie auf dem passenden Papier beschrieben, können Sie mehrere Farbschichten übereinanderlegen. Durch das Blenden der obersten Schicht(en) mit den darunterliegenden Farben entstehen neue Farbtöne direkt auf dem Bild.
  • Fixieren: Da Pastellpigmente lose auf dem Papier liegen, sind fertige Bilder sehr empfindlich gegen Verwischen. Um dies zu vermeiden und das Bild zu schützen, sollten Sie es mit einem speziellen Fixativ behandeln. Fixativ ist ein Spray, das die Pigmente auf dem Papier bindet. Beachten Sie, dass Fixativ die Farben leicht verdunkeln kann, besonders bei mehreren Schichten. Sprühen Sie es in dünnen Schichten aus angemessener Entfernung in einem gut belüfteten Bereich auf.
  • Anspitzen: Pastellstifte haben eine weichere Mine als Graphit- oder Buntstifte. Zum Anspitzen werden spezielle Anspitzer verwendet, die größere Löcher und oft schärfere Klingen haben, um die Mine nicht zu zerbrechen. Alternativ können Sie auch ein scharfes Messer oder einen speziellen Schleifblock verwenden.

Die Minen von Pastellstiften müssen etwas härter sein als gewöhnliche Pastellkreiden, um sie in Stiftform produzieren zu können. Dennoch gibt es Unterschiede in der Härte und Geschmeidigkeit des Abstrichs zwischen verschiedenen Herstellern und Marken.

Auswahl der Pastellstifte: Welche Marken sind empfehlenswert?

Die Qualität von Pastellstiften variiert je nach Hersteller. Ein guter Pastellstift sollte aus hochwertigen Pigmenten bestehen, satte, reiche Farben produzieren, nicht leicht brechen und dennoch einen sanften Abstrich haben. Hier sind einige Marken, die bei Künstlern beliebt sind:

  • Faber-Castell Pitt Künstler Pastellstifte: Diese Stifte zeichnen sich durch eine kompakte Mine aus, die sparsam im Verbrauch ist. Die Mine enthält einen hohen Pigmentanteil, was sie ideal sowohl für feine Linien als auch für flächige Schattierungen macht. Sie ermöglichen feine Farbverläufe durch Verwischen. Besonders die für die Pastellmalerei wichtigen Erdtöne sowie eine große Auswahl an schönen, gedeckten Farben machen sie zu einer hervorragenden Wahl.
  • Derwent Pastellstifte: Die Pastellstifte von Derwent sind bekannt für ihre Weichheit und den sanften Abrieb. Der hohe Pigmentanteil sorgt für kräftige, schöne Farben, die sich leicht verblenden und verwischen lassen. Ihre reiche Farbpalette enthält sehr gute Farbtöne wie Kadmium Rot, Prozess Orange, Cyan oder kräftiges Grün Oxid. Viele empfinden die Arbeit mit diesen Stiften als sehr angenehm.
  • Caran d’Ache Pastel Pencils: Diese Stifte gelten als sehr hochwertig. Hochwertige Materialien, reine Pigmente und eine überzeugende Qualität machen sie bei vielen Künstlern beliebt. Sie liegen gut in der Hand und haben einen weichen, vollen Abstrich. Sie lassen sich sehr leicht blenden und verwischen. Man spürt die sprichwörtliche Schweizer Qualität dieser ausgezeichneten Stifte.

Diese Marken stehen beispielhaft für hochwertige Pastellstifte, die gute Ergebnisse liefern. Die Wahl der Marke hängt oft von persönlichen Vorlieben bezüglich Härte, Farbauswahl und Haptik ab.

Pastellstifte im Set: Eine praktische Anschaffung

Die meisten Pastellstifte sind als Set erhältlich. Der Kauf eines Sets bietet mehrere Vorteile: Man hat sofort eine Auswahl an Farben beisammen und kann loslegen. Sets sind in der Regel auch günstiger, als die Stifte einzeln zu kaufen. Manchmal gibt es auch Sets mit einem bestimmten Thema, wie z.B. Portraitfarben oder Erdtöne.

Welches Papier für Pastel?
Papier für Pastell Eine besondere Maltechnik braucht auch ein besonderes Papier - Pastellpapiere sind fein geraut und sorgen dadurch für einen gleichmäßigen Farbabrieb, ohne dass Du viel Druck ausüben musst. Dadurch bieten sie Künstlern den idealen Malgrund für die Pastellmalerei.

Typische Set-Größen variieren je nach Hersteller. Zum Beispiel sind die Faber-Castell Pitt Pastellstifte in Sets von 12, 24, 36 und 60 Stück erhältlich. Es gibt auch monochrome Sets mit einer Auswahl an Erdtönen oder Grauabstufungen. Derwent Pastellstifte gibt es oft in Sets von 12, 24, 36 und bis zu 72 Stück. Caran d’Ache bietet Sets in Größen wie 12er, 20er und 40er an. Viele Künstler kaufen sich zunächst ein Set und ergänzen dann einzelne Farben, die sie häufig verwenden oder die im Set nicht enthalten waren.

Die Möglichkeit, Stifte einzeln nachzukaufen, ist wichtig, da bestimmte Farben schneller aufgebraucht sind als andere. Prüfen Sie beim Kauf eines Sets, ob die einzelnen Stifte der Serie auch separat erhältlich sind.

Häufig gestellte Fragen zu Pastellen

Beim Einstieg in die Pastellmalerei tauchen oft Fragen auf. Hier beantworten wir einige der gängigsten:

Muss ich Pastellbilder fixieren?

Ja, es wird dringend empfohlen, Pastellbilder zu fixieren, sobald sie fertig sind. Pastellpigmente liegen lose auf der Oberfläche und können leicht verwischen oder abgerieben werden. Ein Fixativ bindet die Pigmente und schützt das Bild. Beachten Sie, dass einige Fixative die Farben leicht abdunkeln können.

Kann ich Pastellstifte auf glattem Papier verwenden?

Technisch gesehen können Sie Farbe darauf auftragen, aber Pastellstifte haften auf sehr glattem Papier nicht gut. Die Pigmente finden keinen Halt in der Oberfläche und das Bild wird sehr anfällig für Verwischen und Abrieb. Für gute Ergebnisse und die Nutzung verschiedener Techniken ist Papier mit ausreichender Körnung unerlässlich.

In welchen Geschäftsbereichen ist Amazon tätig?
AmazonAmazon.com, Inc.Mitarbeiterzahl1.556.000 (2024)Umsatz638 Mrd. US-Dollar (2024)BrancheVersandhandel, Onlinehandel, digitale Distribution, Cloud ComputingWebsiteamazon.com, amazon.de und weitere

Welche Körnung ist am besten für Pastelle?

Es gibt nicht die eine beste Körnung; es hängt von Ihrer bevorzugten Technik ab. Eine mittlere Körnung ist oft ein guter Kompromiss für vielseitiges Arbeiten. Stärkere Körnung ermöglicht mehr Schichten, kann aber Details erschweren. Feinere Körnung eignet sich eventuell besser für Details und sanfteres Verblenden, erlaubt aber weniger Schichten. Experimentieren Sie, um Ihre Präferenz zu finden.

Sind teure Pastellstifte immer besser?

Hochwertige Pastellstifte von renommierten Herstellern verwenden oft reinere und lichtechtere Pigmente, was zu brillanteren Farben und längerer Haltbarkeit des Kunstwerks führt. Sie haben oft auch eine angenehmere Textur und lassen sich besser verarbeiten. Während man als Anfänger nicht unbedingt die teuersten Stifte benötigt, machen gute Materialien das Arbeiten oft einfacher und die Ergebnisse überzeugender. Die in diesem Artikel genannten Marken gelten als gute Investition.

Wie lagere ich fertige Pastellbilder am besten?

Fertige und fixierte Pastellbilder sollten vorsichtig behandelt werden. Lagern Sie sie idealerweise unter Passepartouts oder zwischen säurefreiem Papier (z.B. Glassine-Papier), um die Oberfläche zu schützen. Rahmen Sie die Bilder hinter Glas, wobei ein Passepartout oder Abstandshalter verhindert, dass die Oberfläche das Glas berührt.

Fazit

Die Pastellmalerei mit Pastellstiften ist eine lohnende und ausdrucksstarke Kunstform. Der Schlüssel zu schönen Ergebnissen liegt in der Kombination von qualitativ hochwertigen Materialien. Die Wahl des richtigen Papiers mit der passenden Körnung ist ebenso wichtig wie die Auswahl guter Pastellstifte. Marken wie Faber-Castell, Derwent und Caran d’Ache bieten Stifte, die für ihre Qualität und Farbbrillanz geschätzt werden. Mit dem richtigen Papier, guten Stiften und ein wenig Übung im Umgang mit Techniken wie Schichten, Verwischen und Fixieren können Sie beeindruckende Kunstwerke schaffen, die die sanfte Leuchtkraft von Pastellen voll zur Geltung bringen.

Wenn du mehr spannende Artikel wie „Pastellstifte & Papier: Ein Künstler-Guide“ entdecken möchtest, schau doch mal in der Kategorie Schreibwaren vorbei!

Go up