12/05/2022
Lindau am Bodensee ist weit mehr als nur eine malerische Inselstadt im Dreiländereck. Ihre Geschichte reicht Tausende von Jahren zurück und hat sie zu dem gemacht, was sie heute ist: ein kulturelles Zentrum und eine beliebte Touristendestination mit einzigartigem Flair. Doch woher stammt der Name Lindau, und welche Ereignisse haben die Stadt geprägt?
Die Wurzeln des Namens Lindau
Die erste gesicherte schriftliche Erwähnung des Namens Lindau findet sich in einer Urkunde aus dem Jahr 882, verfasst von einem Mönch aus St. Gallen. Der Name leitet sich von der Bedeutung „Insel, auf der Lindenbäume wachsen“ ab. Ursprünglich bezog sich dieser Name auf ein adliges Frauenkloster, das zu dieser Zeit bereits auf der Insel existierte. Der Legende nach soll dieses Kloster um das Jahr 800 von Graf Adalbert von Rätien gegründet worden sein, als Dank für seine Rettung aus Seenot auf dem Bodensee.

An diese Ursprünge erinnern bis heute sowohl der Name als auch das Stadtwappen, das seit dem 13. Jahrhundert nachweisbar ist und stilisiert eine grüne Linde auf silbernem Grund zeigt. Neben den Nonnen des Klosters lebten im 9. Jahrhundert auch Fischer auf der Insel, deren Siedlung vermutlich in der Nähe der Peterskirche lag, dem ältesten Gotteshaus Lindaus.
Von der Siedlung zur Freien Reichsstadt
Die römische Präsenz in der Region ist bereits um 200 belegt. Auf dem Gebiet des heutigen Stadtteils Aeschach wurde eine große römische Villa errichtet, deren Relikte noch heute im „Römerpark“ zu sehen sind und als bedeutendstes Zeugnis römischer Siedlungstätigkeit in diesem Raum gelten.
Ein entscheidender Schritt in der Entwicklung Lindaus war die Verlegung des Kloster-Marktes im Jahr 1079. Aus Sicherheitsgründen wurde der bisher auf dem Festland in Aeschach abgehaltene Markt auf die Insel verlegt. Dies führte zur Entstehung einer aufblühenden Kaufmannssiedlung zwischen dem Stift und dem Fischerdorf. Wohl seit dem 14. Jahrhundert verband eine Brücke die Insel mit dem Festland, was den Handel weiter begünstigte.
Die Handelsbeziehungen Lindaus, insbesondere nach Italien, wurden im 13. Jahrhundert greifbar (erstmals erwähnt 1213/1225) und bildeten bis ins 19. Jahrhundert eine wichtige Säule der lokalen Wirtschaft. Ein Beispiel dafür ist der „Mailänder Bote“, der wohl seit dem späten Mittelalter von Lindau aus regelmäßig Nachrichten, Waren und Personen durch das Rheintal und über die Bündner Pässe nach Oberitalien transportierte – ein Dienst, der bis 1826 bestand.
Die Entwicklung zur Freien Reichsstadt begann spätestens im Jahr 1274/75, als König Rudolf I. Lindau, wie vielen anderen Städten auch, wichtige Freiheiten und Rechte verlieh. Dies ermöglichte die Selbstverwaltung und die direkte Unterstellung unter den Kaiser oder König, ohne die Zwischenebene eines Landesherrn.
Das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben in der Reichsstadt wurde maßgeblich vom Patriziat, den führenden Kaufmannsfamilien, beeinflusst. Ein eindrucksvolles Zeugnis ihrer Macht und ihres Reichtums ist das Haus „Zum Sünfzen“ (Maximilianstr. 1), das 1358 von der gleichnamigen Gesellschaft errichtet wurde und bis heute erhalten ist.
Ein weiteres prägnantes Bauwerk aus dieser Zeit ist das Alte Rathaus, das zwischen 1422 und 1436 anstelle eines Rebgartens erbaut wurde. Dieses Gebäude war Schauplatz wichtiger Ereignisse, wie zum Beispiel eines Reichstags in den Jahren 1496/97.
Reformation, Krieg und Wiederaufbau
Ein tiefgreifender Einschnitt in der Geschichte Lindaus war die Einführung der Reformation im Jahr 1528. Die Stadt wurde evangelisch, was sie in konfessioneller Hinsicht zu einer „Insel“ machte. Die gesamte Umgebung sowie das Damenstift auf der Insel blieben katholisch.
Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Lindau in den Jahren 1646/47 belagert. Schwedische Truppen versuchten, die Stadt zu erobern, scheiterten jedoch am Widerstand der Bürger und der kaiserlichen Besatzung. Lindau blieb dadurch von den schlimmsten Plünderungen verschont.
Der Westfälische Frieden im Jahr 1648 beendete den Krieg und garantierte Lindau seine politische und konfessionelle Eigenständigkeit. Ein wichtiger Diplomat bei diesen Verhandlungen war der Lindauer Valentin Heider.
Ein verheerender Stadtbrand im Jahr 1728 verwüstete den Stiftsbezirk und angrenzende Viertel. Nur die evangelische Stephanskirche blieb verschont. Beim Wiederaufbau erhielten das Stift, das Münster Unserer Lieben Frau und der Markt (mit den Häusern zum Cavazzen und zum Baumgarten) ihr heutiges barockes Gepräge.
Aus dieser Zeit stammt auch eine Figur, die Eingang in die Literatur fand: Friederike von Bretzenheim, die von 1782 bis 1796 dem Damenstift vorstand. Sie diente dem Schriftsteller Horst Wolfram Geißler als Vorbild für die weibliche Hauptfigur seines Romans „Der liebe Augustin“ (1921).
Vom Ende der Reichsstadt bis zur Gegenwart
Die Französische Revolution und ihre Folgen führten zur Auflösung der Reichsstädte und Klöster. Im Jahr 1802 fielen die Stadt Lindau und die Besitztümer des Damenstiftes zunächst an Fürst Karl August von Bretzenheim, der sie jedoch bereits 1804 an Österreich weitergab. Nur wenige Jahre später, in den Jahren 1805/06, musste Österreich Lindau an Bayern abtreten. Seitdem gehört Lindau zu Bayern und ermöglichte dem Königreich einen Zugang zum Bodensee, dem „Schwäbischen Meer“.
Die Inselstadt Lindau verlor in den Jahren 1808/18 ihr Landgebiet, das auf die neu entstandenen Gemeinden Aeschach, Hoyren und Reutin aufgeteilt wurde. Erst 1922 wurden diese Festlandsgemeinden wieder mit Lindau vereinigt.

Das 19. Jahrhundert brachte wichtige infrastrukturelle Entwicklungen. 1838 wurde das erste eiserne Dampfschiff auf dem Bodensee, die „Ludwig“, in Lindau in Dienst gestellt. Zwischen 1842 und 1847 entstand am Seeufer die Lindenhofvilla, erbaut vom Großkaufmann F. Gruber. Dies initiierte die Entwicklung eines Villengürtels entlang der „Bayerischen Riviera“.
Ein Meilenstein war der Bau des Eisenbahndamms zur Insel in den Jahren 1853/54 und die Fertigstellung des neuen Seehafens 1856. Der Hafen wurde als Schnittstelle zwischen Dampfschifffahrt und Eisenbahn konzipiert und erhielt einen repräsentativen Charakter. Seitdem zieren der neue Leuchtturm und der steinerne bayerische Löwe die Hafeneinfahrt – sie sind längst zum Wahrzeichen Lindaus geworden.
Das 20. Jahrhundert begann mit der Inbetriebnahme des ersten Elektrizitätswerks 1900 und der Errichtung der Luitpoldkaserne 1903 auf der Hinteren Insel.
Nach dem Zweiten Weltkrieg, den Lindau weitgehend unbeschadet überstand, wurde die Stadt am 30. April 1945 von französischen Truppen besetzt. Lindau und der umliegende Landkreis dienten in den folgenden Jahren als Landbrücke zwischen den französischen Besatzungszonen und erhielten einen staatsrechtlichen Sonderstatus, getrennt vom übrigen Bayern. Erst 1955 regelte die „Lex Lindau“ die Rückgliederung nach Bayern, die 1956 abgeschlossen war.
Die Nachkriegszeit brachte auch neue Initiativen. 1950 eröffnete die Spielbank, und die ersten Lindauer Psychotherapiewochen fanden statt. Ein Jahr später, 1951, wurde die erste Lindauer Nobelpreisträgertagung abgehalten, die sich zu einer international bedeutenden Veranstaltung entwickelte.
Eine technische Innovation mit Bezug zu Lindau ist der Wankelmotor. Felix Wankel, der seit 1936 in Lindau lebte, ließ das Prinzip des Rotationsmotors 1954 patentieren.
Auch die jüngere Geschichte ist von wichtigen Ereignissen geprägt: die letzte „Seegfrörne“ des Bodensees 1963, die Städtepartnerschaft mit Chelles 1964, die Einrichtung der Fußgängerzone 1973, die Eingemeindung von Reitnau 1976, der Bau der Inselhalle 1981, ein Hochwasser 1999 und die Übergabe neuer Infrastruktur wie der Seebrücke und der neuen Spielbank im Jahr 2000.
Was ist typisch für Lindau?
Neben seiner reichen Geschichte und den historischen Bauwerken gibt es einige Dinge, die besonders typisch für Lindau sind:
- Der Hafen mit dem Neuen Leuchtturm und dem Bayerischen Löwen ist das unbestrittene Wahrzeichen und ein beliebter Treffpunkt.
- Die Lage auf einer Insel im Bodensee verleiht der Altstadt ein einzigartiges Flair.
- Die Lindauer Nobelpreisträgertagungen sind eine international renommierte Veranstaltung, die Lindau als Wissenschaftsstandort bekannt macht.
- Die Lindauer Psychotherapiewochen haben ebenfalls eine lange Tradition.
- Das Lindauer Kinderfest, entstanden aus den Schulpredigten des 17. Jahrhunderts, ist ein wichtiger lokaler „Nationalfeiertag“.
- Die historische Altstadt mit ihren verwinkelten Gassen, prächtigen Patrizierhäusern und dem Alten Rathaus.
- Die Nähe zu Österreich und der Schweiz macht Lindau zu einem idealen Ausgangspunkt für Ausflüge in die Alpenregion.
- Der Tourismus spielt eine zentrale Rolle, was sich auch in Veranstaltungen wie Prospektbörsen für touristische Partner zeigt.
Historische Eckdaten im Überblick
| Jahr/Zeitraum | Ereignis/Bedeutung |
|---|---|
| Um 200 | Römische Villa in Aeschach |
| 882 | Erste schriftliche Erwähnung des Namens Lindau; Existenz des Damenklosters |
| 1079 | Verlegung des Marktes auf die Insel |
| 1274/75 | Verleihung wichtiger Rechte; Beginn der Entwicklung zur Freien Reichsstadt |
| 1358 | Errichtung des Hauses „Zum Sünfzen“ |
| 1422-1436 | Bau des Alten Rathauses |
| 1528 | Lindau wird evangelisch |
| 1646/47 | Belagerung im Dreißigjährigen Krieg |
| 1805/06 | Abtretung an Bayern |
| 1856 | Fertigstellung des neuen Seehafens mit Löwe und Leuchtturm |
| 1951 | Erste Nobelpreisträgertagung |
| 1956 | Abschluss der Rückgliederung nach Bayern |
Häufig gestellte Fragen zu Lindau
Wieso heißt Lindau Lindau?
Der Name Lindau kommt von „Insel, auf der Lindenbäume wachsen“. Erstmals urkundlich erwähnt im Jahr 882, bezog er sich ursprünglich auf ein Damenkloster auf der Insel.
Was ist das Wahrzeichen von Lindau?
Das bekannteste Wahrzeichen ist der Lindauer Hafen mit dem Neuen Leuchtturm und dem Bayerischen Löwen an der Einfahrt.
Wann wurde Lindau bayerisch?
Lindau wurde in den Jahren 1805/06 an das Königreich Bayern abgetreten und gehört seitdem zu Bayern. Nach einer Phase eines Sonderstatus nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Zugehörigkeit zu Bayern 1956 endgültig geregelt.
Gibt es in Lindau römische Spuren?
Ja, auf dem Festland im heutigen Stadtteil Aeschach gibt es Relikte einer großen römischen Villa aus der Zeit um 200 n. Chr. im sogenannten „Römerpark“.
Welche bekannten Veranstaltungen finden in Lindau statt?
International bekannt sind die Lindauer Nobelpreisträgertagungen und die Lindauer Psychotherapiewochen. Ein wichtiges lokales Ereignis ist das traditionelle Kinderfest.
Ist Lindau eine Insel?
Die historische Altstadt Lindaus liegt auf einer Insel im Bodensee. Die heutige Stadt Lindau umfasst aber auch große Gebiete auf dem Festland, die erst 1922 wieder eingemeindet wurden.
Lindau am Bodensee vereint auf einzigartige Weise Geschichte, Kultur und eine wunderschöne Naturkulisse. Die Reise durch die Jahrhunderte zeigt eine Stadt, die sich immer wieder neu erfunden hat, aber ihre Wurzeln nie vergessen hat. Vom mittelalterlichen Kloster über die Freie Reichsstadt bis hin zur modernen Tagungsstadt – Lindau ist ein Ort mit vielen Facetten, die es zu entdecken lohnt.
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