26/05/2024
Wenn Sie sich für einen Füller interessieren oder bereits einen besitzen, stoßen Sie unweigerlich auf Begriffe wie Federbreite oder Federstärke. Diese Bezeichnungen sind entscheidend, denn sie beschreiben, wie die Schreibfeder Ihres Füllers geschliffen ist. Der Schliff der Feder beeinflusst maßgeblich die Strichbreite, die der Füller auf dem Papier hinterlässt.

Die Kennzeichnung der Federbreite dient dazu, die verschiedenen verfügbaren Federn zu unterscheiden. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass diese Bezeichnung oft mehr als nur die reine Strichbreite angibt. Sie kann auch Informationen darüber enthalten, ob eine Feder beispielsweise speziell angeschrägt ist und eine bestimmte Haltung beim Schreiben erfordert.
Die gängigsten Federbreiten
Es gibt drei Federbreiten, die heutzutage als die Standardgrößen bei den meisten Füllern gelten. Diese sind weit verbreitet und eine gute erste Orientierung:
- F – Fein (Fine)
- M – Mittel (Medium)
- B – Breit (Bold)
Die F-Feder, oder Fein, erzeugt eine dünne, präzise Linie. Sie eignet sich gut für Personen mit einer kleinen oder sehr detailreichen Handschrift. Auch für Notizen in engen Zeilen ist eine F-Feder oft eine gute Wahl.
Die M-Feder, oder Mittel, ist die wohl universellste und am häufigsten gewählte Federstärke. Sie erzeugt eine moderate Strichbreite, die für die meisten Handschriften und Schreibzwecke gut geeignet ist. Wenn Sie neu in der Welt der Füller sind oder unsicher sind, welche Feder Sie wählen sollen, ist eine M-Feder oft eine sichere Wahl.
Die B-Feder, oder Breit, erzeugt eine kräftige, breite Linie. Diese Federstärke ist ideal für größere Handschriften oder wenn Sie möchten, dass Ihre Schrift besonders hervorsticht. Eine B-Feder eignet sich auch hervorragend für Unterschriften, da sie diesen Gewicht und Präsenz verleiht.
Ein wichtiger Punkt, den Sie bei diesen Bezeichnungen beachten müssen, ist, dass sie nicht genormt sind. Das bedeutet, dass jeder Hersteller seine Federn unterschiedlich schleifen kann. Eine M-Feder von Hersteller A kann sich in der tatsächlichen Strichbreite deutlich von einer M-Feder von Hersteller B unterscheiden. Es ist sogar möglich, dass die M-Feder eines Herstellers so fein schreibt, dass sie der F-Feder eines anderen Herstellers nahekommt.
Weitere verfügbare Federbreiten
Neben den drei Standardgrößen F, M und B gibt es weitere Federbreiten, die je nach Hersteller und Modell verfügbar sind. Einige davon sind ebenfalls relativ häufig anzutreffen, andere seltener.
A – Anfänger
Die A-Feder ist speziell für Schreibanfänger konzipiert. Füller mit einer A-Feder sollen das Erlernen des Schreibens, insbesondere das Schreiben mit einem Füller, erleichtern. Diese Federn sind oft robuster und unempfindlicher gegenüber unterschiedlichen Schreibwinkeln, was sie für ungeübte Hände besonders geeignet macht.
EF – Extra Fein
Die EF-Feder, oder Extra-Fine, erzeugt eine noch feinere Linie als die F-Feder. Diese Federstärke ist besonders im asiatischen Raum verbreitet, da für die dortigen Schriftzeichen oft eine sehr feine und präzise Strichführung erforderlich ist. Viele Hersteller, auch außerhalb Asiens, führen jedoch ebenfalls EF-Federn in ihrem Sortiment. Eine EF-Feder ist ideal für sehr kleine Handschriften, detaillierte Zeichnungen oder wenn Sie extrem feine Linien wünschen.
Seltenere und Spezialfedern
Einige Federbreiten waren früher häufiger anzutreffen, sind aber heute seltener geworden, da die Nachfrage oft nicht mehr groß genug für eine Massenproduktion ist. Diese Federn bieten oft spezielle Eigenschaften oder ermöglichen besondere Schriftbilder.
BB – Extra Breit
Die BB-Feder, oder Extra Breit, ist noch breiter als die B-Feder. Sie ist definitiv nicht für feine oder kleine Handschriften geeignet, sondern erfordert ein entsprechend großes Schriftbild, um leserlich zu sein. Ähnlich wie die B-Feder eignet sie sich sehr gut für auffällige Unterschriften. Eine Besonderheit vieler BB-Federn ist, dass ihr Schreibkorn oft nicht rund, sondern eher gerade geschliffen ist, was das Schriftbild zusätzlich beeinflussen kann.
Oblique Federn (Angeschrägt)
Einige Federn sind speziell angeschrägt, was als "oblique" bezeichnet wird. Diese Federn sind oft nach links abgeschrägt. Oblique Federn können bereits leichte Varianzen in der Strichstärke erzeugen und dem Schriftbild einen ersten, dezenten kalligrafischen Touch verleihen. Man muss diese Federn oft in einem bestimmten Winkel halten, um das beste Ergebnis zu erzielen.
- OM – Mittel / Angeschrägt (Oblique Medium): Eine mittelbreite Feder, die angeschrägt ist. Sie ermöglicht erste leichte Strichvariationen.
- OB – Breit / Angeschrägt (Oblique Bold): Eine breite Feder, die angeschrägt ist. Sie bietet mehr Potenzial für Strichvariationen und einen ausgeprägteren kalligrafischen Effekt als die OM-Feder.
- OBB – Extra Breit / Angeschrägt (Oblique Extra Bold): Eine extra breite Feder, die angeschrägt ist. Diese Feder erzeugt deutliche Strichvariationen und verleiht der Schrift starke kalligrafische Elemente.
Es gibt auch noch seltenere Oblique-Varianten:
- OF – Fein / Angeschrägt (Oblique Fine): Eine feine Feder, die angeschrägt ist. Aufgrund der feinen Strichbreite sind hier kaum Strichvariationen sichtbar.
- O3B – Extra extra Breit / Angeschrägt: Eine extrem breite Oblique-Feder, die noch breiter ist als OBB.
Italic Federn
Federn mit der Bezeichnung "Italic" sind spezielle Kalligrafiefedern. Sie haben in der Regel ein flaches Schreibkorn, das gerade geschliffen ist (oft mit leicht abgerundeten Ecken bei "Cursive Italic"). Diese Federn erzeugen eine ausgeprägte Strichvariation: Querlinien sind dünn, während Abwärtsstriche breit sind. Dies verleiht der Schrift einen starken kalligrafischen Charakter.
- BBI – Extrabreit Italic: Eine sehr breite Italic-Feder für deutliche kalligrafische Effekte.
Neben diesen gibt es noch zahlreiche weitere Italic-Varianten in verschiedenen Breiten.
Die Stub-Feder
Die Stub-Feder ist eine besondere Form der Kalligrafiefeder, die ebenfalls Strichvariationen ermöglicht, aber in der Regel einfacher zu handhaben ist als eine reine Italic-Feder. Stub-Federn haben ein flaches Schreibkorn, dessen Kanten aber abgerundet sind (im Gegensatz zu den schärferen Kanten einer klassischen Italic-Feder). Dieses flache Korn erlaubt eine ausgeprägte Variation zwischen breiten Abwärtsstrichen und dünnen Querlinien. Die Breite der Stub-Feder wird oft in Millimetern angegeben, z.B. Stub 1,1 mm oder Stub 1,3 mm. Stub-Federn erfreuen sich großer Beliebtheit, da sie ohne spezielle Schreibhaltung einen schönen kalligrafischen Effekt erzielen.
Das Schreibkorn – Der eigentliche Kontaktpunkt
Wenn wir über die Feder schreiben, meinen wir oft das gesamte Metallstück. Doch der eigentliche Teil der Feder, der das Papier berührt und über den die Tinte fließt, ist das sogenannte Schreibkorn, oder einfach nur Korn genannt. Dieses Korn ist ein separates, sehr hartes Materialstück, das an der Spitze der eigentlichen Feder verschweißt ist.
Das Korn besteht aus einer Legierung, die extrem verschleißfest ist. Das ist wichtig, denn im Gegensatz zu früher, als Federn direkt aus Gold oder Stahl bestanden und sich beim Schreiben abnutzten, ist das Korn so hart, dass es auch bei intensivem Gebrauch kaum Abrieb zeigt. Es ist der Schliff dieses Korns, der die Federbreite und die Form des Strichs bestimmt. Je runder das Korn geschliffen ist, desto unempfindlicher reagiert der Füller auf den Winkel, in dem er gehalten wird. Ein flacheres oder schrägeres Korn erfordert oft eine präzisere Schreibhaltung, um das gewünschte Schriftbild zu erzielen.
Welche Federstärke sollte ich wählen?
Die Wahl der richtigen Federstärke hängt stark von Ihren persönlichen Vorlieben, Ihrer Handschrift und dem Verwendungszweck des Füllers ab.
- Die M-Feder ist, wie bereits erwähnt, die universellste Wahl und ein guter Ausgangspunkt für die meisten Schreiber.
- Wenn Sie eine sehr kleine oder feine Handschrift haben, ist eine F-Feder oder sogar eine EF-Feder wahrscheinlich besser geeignet, um die Lesbarkeit zu gewährleisten.
- Für größere Handschriften oder wenn Sie Wert auf kräftige Linien legen, sind B-Federn oder BB-Federn eine Überlegung wert. Sie eignen sich auch hervorragend für Unterschriften.
- Für Schreibanfänger ist eine A-Feder oft die beste Wahl, da sie das Erlernen erleichtert.
Für alle selteneren oder speziellen Federn wie Oblique-, Italic- oder Stub-Federn empfiehlt es sich dringend, diese vor dem Kauf auszuprobieren, wenn möglich. Das Schriftbild und die Handhabung können sich stark von den Standardfedern unterscheiden, und es ist wichtig festzustellen, ob Ihnen das Ergebnis gefällt und ob Sie gut damit zurechtkommen.
Vergleichstabelle gängiger Federarten
| Feder Bezeichnung | Beschreibung | Strichbreite (Relativ) | Typische Eignung | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|
| A | Anfänger | Mittel bis Breit | Schreibanfänger | Robust, tolerant gegenüber Schreibhaltung |
| EF | Extra Fein | Sehr Fein | Kleine Schrift, Detailzeichnungen, asiatische Schriftzeichen | Sehr dünne Linie |
| F | Fein | Fein | Kleine Schrift, Notizen | Feine, präzise Linie |
| M | Mittel | Mittel | Universell, allgemeines Schreiben | Standardgröße, gute Balance |
| B | Breit | Breit | Große Schrift, Unterschriften | Kräftige, breite Linie |
| BB | Extra Breit | Sehr Breit | Sehr große Schrift, auffällige Unterschriften | Sehr kräftige Linie, oft gerades Korn |
| OM | Mittel / Angeschrägt | Mittel | Schrift mit leichtem kalligrafischem Touch | Oblique Schliff, erfordert bestimmte Haltung |
| OB | Breit / Angeschrägt | Breit | Schrift mit kalligrafischem Touch | Oblique Schliff, erfordert bestimmte Haltung |
| OBB | Extra Breit / Angeschrägt | Sehr Breit | Schrift mit starkem kalligrafischem Touch | Oblique Schliff, erfordert bestimmte Haltung |
| Stub | Stub | Variabel je nach Breite (z.B. 1,1mm) | Schrift mit Strichvariation, Kalligrafie-Effekt | Flaches Korn mit abgerundeten Kanten, breite Abwärts-, dünne Querlinien |
Häufig gestellte Fragen zu Füllerfedern
Hier beantworten wir einige gängige Fragen rund um das Thema Füllerfedern:
Was bedeuten die Bezeichnungen F, M und B?
F steht für Fein, M für Mittel (Medium) und B für Breit (Bold). Dies sind die gängigsten Federbreiten und geben eine ungefähre Vorstellung von der Dicke der Linie, die der Füller zieht.
Ist eine M-Feder immer gleich?
Nein, leider nicht. Die Bezeichnungen sind nicht genormt. Eine M-Feder von Hersteller A kann sich in der tatsächlichen Strichbreite deutlich von einer M-Feder von Hersteller B unterscheiden. Es gibt herstellerspezifische Variationen.
Wofür steht die A-Feder?
A steht für Anfänger. Diese Federn sind speziell für Schreibanfänger entwickelt, um das Erlernen des Schreibens mit dem Füller zu erleichtern. Sie sind oft robuster und toleranter.
Was ist eine EF-Feder?
EF steht für Extra Fein. Sie erzeugt eine noch dünnere Linie als die F-Feder und ist ideal für sehr kleine Schriften oder detaillierte Arbeiten.
Was ist eine Oblique-Feder?
Eine Oblique-Feder ist eine Feder, die an der Spitze schräg geschliffen ist, meist nach links. Sie erfordert oft eine bestimmte Haltung beim Schreiben und kann Strichvariationen für einen kalligrafischen Effekt erzeugen. Bezeichnungen sind z.B. OM, OB, OBB.
Was ist eine Stub-Feder?
Eine Stub-Feder hat ein flaches Schreibkorn mit abgerundeten Kanten. Sie erzeugt ebenfalls Strichvariationen mit breiten Abwärts- und dünnen Querlinien und verleiht der Schrift einen kalligrafischen Charakter, ist aber oft einfacher zu handhaben als klassische Italic-Federn.
Was ist das Schreibkorn?
Das Schreibkorn ist der eigentliche, sehr harte Teil an der Spitze der Feder, der das Papier berührt. Es ist aus einer verschleißfesten Legierung gefertigt und wird in die jeweilige Form geschliffen, um die gewünschte Strichbreite und -form zu erzeugen.
Welche Feder ist am besten für mich?
Die beste Feder hängt von Ihrer Handschrift, Ihrem Schreibstil und dem Verwendungszweck ab. Die M-Feder ist ein guter Allrounder. Für kleine Schriften sind F oder EF besser, für große oder Unterschriften B oder BB. Anfänger wählen oft A. Spezialfedern wie Stub oder Oblique sollten Sie idealerweise ausprobieren.
Die Welt der Füllerfedern ist vielfältig und bietet für jeden Schreibstil und jeden Zweck die passende Option. Das Experimentieren mit verschiedenen Federn kann eine bereichernde Erfahrung sein und Ihnen helfen, das perfekte Werkzeug für Ihre persönliche Handschrift zu finden.
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