04/05/2015
Bernburg (Saale), eine Stadt im Salzlandkreis in Sachsen-Anhalt, liegt malerisch an der Saale zwischen Magdeburg und Halle. Bekannt für ihr imposantes Schloss, das auch als „Krone Anhalts“ bezeichnet wird, ist Bernburg jedoch weit mehr als nur eine historische Residenzstadt. Die Stadt vereint eine lange, vielschichtige Geschichte mit moderner Industrie und einer dynamischen Bevölkerungsentwicklung.

Bernburg zeichnet sich durch eine besondere städtebauliche Struktur aus, die sich aus drei historischen Stadtkernen entwickelt hat: der Altstadt und der Neustadt im Saaletal sowie der Bergstadt, die rund um das Schloss entstanden ist. Diese einzigartige Konstellation prägt das Stadtbild bis heute.
Was wird in Bernburg hergestellt?
Die Industrie spielt eine wichtige Rolle in Bernburg. Ein prägender Akteur ist das Werk der weltweit tätigen belgischen Solvay-Gruppe. Mit rund 400 Beschäftigten produziert Solvay in Bernburg wichtige Chemikalien, die in zahlreichen Bereichen des täglichen Lebens unverzichtbar sind:
- Soda
- Natriumbicarbonat
- Wasserstoffperoxid
Diese Produkte finden Anwendung in der Herstellung von Glas, Waschmitteln, Lebensmitteln und sogar hochmodernen Computerchips. Das Werk engagiert sich stark im betrieblichen Umweltschutz und hat in den letzten Jahren den Verbrauch von Wasser und Ammoniak sowie den CO2-Ausstoß stetig reduziert.
Ein aktuelles und zukunftsweisendes Projekt bei Solvay ist die Planung einer Photovoltaikanlage mit bis zu 70 Megawatt-Peak Leistung auf rekultivierten Kalkteichen. Diese Anlage soll Strom für einen geplanten 30-Megawatt-Elektrolyseur liefern. Mit dem dort produzierten grünen Wasserstoff beabsichtigt Solvay, klimafreundliches Wasserstoffperoxid herzustellen, das insbesondere für die Produktion von Computerchips benötigt wird.
Historisch gab es in Bernburg auch andere bedeutende Industrien. Dazu zählten beispielsweise eine Eisengießerei und Maschinen-Bauanstalt AG, eine Turmuhrenfabrik und feinmechanische Werkstätten (gegründet von Johann Ignaz Fuchs), sowie die Zuckerfabriken und der Salzbergbau, der 1884 begann und zur Gründung der Deutschen Solvay-Werke führte. Auch die Zementproduktion, die sich nach dem Ersten Weltkrieg verzögerte, wurde ab 1921 aufgenommen. Die Bernburger Kaliwerke begannen 1913 mit der Förderung.
Die Geschichte Bernburgs: Von den Anfängen bis heute
Die Geschichte Bernburgs reicht weit zurück. Die Region war bereits in der Urgeschichte ein bevorzugtes Siedlungsgebiet, was Funde der Baalberger Kultur (4000–3150 v. Chr.) und der Bernburger Kultur (3100–2700 v. Chr.) belegen. Auch bronzezeitliche Spuren wurden gefunden.
Frühes Mittelalter
Erste schriftliche Erwähnung fand der heutige Stadtteil Waldau bereits im Jahr 782 und erneut 806 als „Uualadala“ in der Chronik von Moissac. Dies deutet auf einen fränkischen Königshof hin. Ab dem späten 6. Jahrhundert wanderten Stämme der Elbsorben in den Bernburger Raum ein, wovon heute noch einige Ortsnamen zeugen.
Die erste urkundliche Erwähnung des Namens Bernburg selbst erfolgte am 29. Juli 961. In einer Schenkungsurkunde König Ottos I. an das Mauritiuskloster Magdeburg wird eine „civitas Brandanburg“ im Gau Nudzici genannt. Eine spätere Randglosse identifizierte diese als „Berneburg“. Diese Burg verfügte wie die benachbarte sorbische Burg Grimschleben über drei Ringwälle.
Hoch- und Spätmittelalter
Um 1100 soll Albrecht der Bär, der Begründer der Mark Brandenburg und des Fürstentums Anhalt, auf der Bernburg geboren worden sein. Eine sichere Erwähnung einer Bernburger Burg findet sich im Jahr 1138, als sie von Feinden Albrechts niedergebrannt wurde. Sie wurde jedoch wieder aufgebaut.
Im Jahr 1212, nach dem Tod Bernhards III., Herzog von Sachsen und Herr zu Bernburg, wurde sein Land unter seinen Söhnen aufgeteilt. Heinrich I. erhielt Anhalt und begründete damit das Fürstentum Anhalt. Sein Sohn Bernhard I. von Anhalt-Bernburg machte die Bernburg nach der Teilung 1252 zu seiner Residenz und begründete die Bernburger Linie der Askanier.
Altstadt und Neustadt erhielten 1278 von Bernhard I. das Stadtrecht. Auf Betreiben des Abtes von Nienburg wurde 1293 in Anhalt-Bernburg die sorbische Sprache als Gerichtssprache verboten, was zur Marginalisierung der Sorben beitrug.
1316 starb die Linie Anhalt-Aschersleben aus, und der fürstliche Titel ging an Bernhard II. von Anhalt-Bernburg über. Es folgten jedoch langwierige Fehden um den Besitz von Aschersleben mit dem Bischof von Halberstadt.
1320 wurde erstmals eine Schule an der Marienkirche erwähnt. Im gleichen Jahr wurde Bernhard II. Pfalzgraf zu Sachsen und Graf zu Brehna.
Die Siedlung am Berge, die dritte Stadtgründung, wurde 1326 erstmals urkundlich erwähnt und erhielt 1461 das Stadtrecht. Bernburg ist damit eine der wenigen Städte Mitteldeutschlands mit drei historischen Stadtkernen.

Reformation und Renaissance
Unter Fürst Wolfgang von Anhalt-Köthen, genannt „der Bekenner“, wurde die Reformation ab 1525 in Anhalt-Köthen und 1526 in Anhalt-Bernburg eingeführt. Wolfgang war ein wichtiger Unterstützer Luthers und Mitglied des Schmalkaldischen Bundes.
Zwischen 1538 und 1539 ließ Fürst Wolfgang den repräsentativen Wolfgangbau, die „Leuchte“, errichten, einen der ersten bedeutenden Renaissancebauten Mitteldeutschlands. 1547 verlegte er seine Residenz nach dem Brand der Burg in Köthen ganz nach Bernburg.
Zur Förderung der Saaleschifffahrt wurde ab 1560 die erste hölzerne Schleuse in Bernburg gebaut. Am 26. März 1561 wurden Alt- und Neustadt auf Veranlassung Fürst Wolfgangs vereinigt. Diese ungewöhnlich frühe Städtevereinigung trug zum Wohlstand Bernburgs bei.
Residenz und Regierungssitz
Von 1603 bis 1765 war Bernburg Residenzstadt des Fürstentums Anhalt-Bernburg. Im Dreißigjährigen Krieg litt die Stadt unter Eroberungen, Plünderungen und der Pest. 1630 wurde sie von Heinrich von Holk geplündert. Die letzte große Pestepidemie wütete 1682/83.
1706 wurde die erste steinerne Saalebrücke errichtet, die jedoch bereits 1709 durch Eisgang zerstört und 1710 neu aufgebaut wurde.
1765 verlegte Fürst Friedrich Albrecht Residenz und Hofhaltung nach Ballenstedt, doch Bernburg blieb bis 1863 Regierungssitz des Fürstentums Anhalt-Bernburg.
Vereinigtes Herzogtum und Industrialisierung
Nach dem Aussterben der Linien Köthen (1847) und Bernburg (1863) wurden die anhaltischen Herzogtümer 1863 zu einem vereinigten Herzogtum Anhalt mit Hauptstadt Dessau zusammengeschlossen. Bernburg verlor seinen Status als Residenz- und Hauptstadt, blieb aber ein wichtiger Wirtschaftsstandort.
Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts war geprägt von starker Industrialisierung, insbesondere durch die Eröffnung der Solvay-Werke 1883 und den Beginn des Salzbergbaus 1884. Dies führte zu einem rasanten Bevölkerungswachstum.
1902 wurde Bernburg „Solbad“ und erhielt ein Kurhaus, das Sole mit hohem Salzgehalt nutzte. Der Kurbetrieb wurde jedoch 1920 wieder eingestellt.
Weimarer Republik und NS-Zeit
Nach dem Ersten Weltkrieg verlor Bernburg seine Garnison. Die Stadt wurde Teil des Freistaates Anhalt. Die Zementproduktion begann 1921. Die politischen und wirtschaftlichen Krisen der Weimarer Republik führten auch in Bernburg zu sozialen Verwerfungen und politischer Radikalisierung.
Ab 1935 wurde Bernburg im Zuge der Aufrüstung der Wehrmacht wieder Garnisonstadt. Nördlich von Strenzfeld wurde ein Werk der Junkers-Flugzeugwerke errichtet, wo Ju 88 montiert wurden. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Junkerswerk und die Stadt mehrfach bombardiert. Der schwerste Angriff ereignete sich am 11. April 1945. Die Saalebrücken wurden kurz vor Kriegsende gesprengt.
Ein dunkles Kapitel war die Einrichtung der NS-Tötungsanstalt Bernburg in der damaligen Landes-Heil- und Pflegeanstalt im November 1940. Dort wurden bis 1943 über 14.000 Menschen im Rahmen der NS-Krankenmorde vergast. Heute erinnert eine Gedenkstätte an die Opfer.
SBZ, DDR und Nachwendezeit
Nach Kriegsende wurde Bernburg zunächst von US-Truppen besetzt, im Juli 1945 dann von der Roten Armee, und blieb bis 1990 Garnisonsstadt der sowjetischen Streitkräfte.

Die Solvay GmbH war von Demontagen betroffen, konnte aber ab 1952 die Sodaproduktion wieder aufnehmen. Beim Aufstand vom 17. Juni 1953 kam es im Soda-Werk zu Streiks.
Im Stadtteil Strenzfeld wurde 1961 die Hochschule Bernburg gegründet, die heute Teil der Hochschule Anhalt ist.
Nach der Friedlichen Revolution 1989 und der Wiedervereinigung 1990 gehört Bernburg zum Bundesland Sachsen-Anhalt. Die Solvay Alkali Bernburg GmbH wurde re-etabliert. 2011 feierte die Stadt ihr 1050-jähriges Jubiläum.
Einwohnerentwicklung
Die Einwohnerentwicklung Bernburgs war über die Jahrhunderte sehr wechselhaft, beeinflusst von historischen Ereignissen und wirtschaftlicher Entwicklung.
- Im Hochmittelalter war Bernburg als Residenzstadt bedeutend.
- Nach der Verlegung der Residenz nach Ballenstedt 1765 sank die Einwohnerzahl drastisch von geschätzten über 16.000 auf unter 6.000 um 1830.
- Die Industrialisierung im späten 19. Jahrhundert führte zu einem starken Anstieg. Von 1880 (18.602) bis 1890 (34.418) verdoppelte sich die Einwohnerzahl fast.
- Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Einwohnerzahl durch Flucht und Vertreibung temporär auf über 55.000 (1945) bzw. 53.367 (1946).
- In der DDR-Zeit und danach sank die Einwohnerzahl wieder kontinuierlich.
- Durch die Eingemeindungen größerer Teile des ehemaligen Kreises Bernburg im Jahr 2010 erhöhte sich die Einwohnerzahl auf rund 35.500.
- Aktuell (2022) liegt die Einwohnerzahl der Einheitsgemeinde bei 31.553. Die Kernstadt Bernburg hatte zu diesem Zeitpunkt 26.614 Einwohner.
Die Bevölkerungsentwicklung zeigt die Auswirkungen von Residenzstatus, Industrialisierung, Krieg, Vertreibung und strukturellem Wandel.
Geografie und Klima
Bernburg liegt im Mitteldeutschen Trockengebiet im Regenschatten des Harzes und ist mit einer mittleren jährlichen Niederschlagsmenge von nur 469 Millimeter eines der trockensten Gebiete Deutschlands. Die Stadt liegt an der Saale, etwa 40 Kilometer südlich von Magdeburg und 35 Kilometer nördlich von Halle (Saale). Die Region ist durch fruchtbare Lössböden gekennzeichnet.
Struktur und Partnerstädte
Bernburg (Saale) ist seit dem 1. Juli 2007 die Kreisstadt des Salzlandkreises. Die Einheitsgemeinde Bernburg (Saale) umfasst neben der Kernstadt mit den Stadtteilen Dröbel, Neuborna, Roschwitz, Strenzfeld und Waldau auch die Ortsteile Aderstedt, Baalberge, Biendorf, Gröna, Peißen, Poley, Preußlitz und Wohlsdorf, die hauptsächlich durch Eingemeindungen in den Jahren 2003 und 2010 hinzugekommen sind.
Bernburg unterhält Partnerschaften mit Städten in den USA (Anderson), Frankreich (Fourmies), Deutschland (Rheine), Tschechien (Chomutov) und Polen (Tarnowskie Góry), sowie befreundete Beziehungen zu Trakai (Litauen) und Borne (Niederlande).
Wichtige Fakten über Bernburg (Saale)
- Bundesland: Sachsen-Anhalt
- Landkreis: Salzlandkreis
- Geografische Lage: 51° 48' N, 11° 44' O
- Höhe über NN: ca. 85 m (Kernstadt)
- Fläche: 11.346 ha
- Einwohner (2022): 31.553
- Bevölkerungsdichte (2019): 302 Einwohner/km²
- Postleitzahl: 06406
- Vorwahl: 03471
- Kfz-Kennzeichen: BBG oder SLK
- Gemeindeschlüssel: 15089030
Häufig gestellte Fragen zu Bernburg
Wann wurde Bernburg (Saale) gegründet?
Die erste urkundliche Erwähnung des Namens Bernburg als „civitas Brandanburg“ stammt aus dem Jahr 961. Der heutige Stadtteil Waldau wurde bereits 782 und 806 erwähnt.
Was ist das Schloss Bernburg?
Das Schloss Bernburg ist das vollständig erhaltene Wohnschloss der Herzöge von Anhalt-Bernburg. Es entstand auf dem Gelände der frühmittelalterlichen Burg und ist heute ein Wahrzeichen der Stadt.
Warum gab es in Bernburg eine NS-Tötungsanstalt?
In der damaligen Landes-Heil- und Pflegeanstalt Bernburg wurde von November 1940 bis 1943 eine Tötungsanstalt im Rahmen der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Programme (Aktion T4 und Aktion 14f13) eingerichtet. Dort wurden Menschen mit psychischen Erkrankungen und Behinderungen ermordet.
Welche Bedeutung hat Solvay für Bernburg?
Das Solvay-Werk ist ein bedeutender Arbeitgeber und industrieller Akteur in Bernburg. Es produziert wichtige Chemikalien wie Soda, Natriumbicarbonat und Wasserstoffperoxid und setzt auf moderne, umweltfreundlichere Produktionsverfahren wie die geplante Herstellung von grünem Wasserstoffperoxid.
Fazit
Bernburg (Saale) ist eine Stadt mit einer faszinierenden Verflechtung von Geschichte, Industrie und Natur. Von den frühesten Siedlungsspuren über die Zeit als askanische Residenz bis hin zum modernen Industriestandort und Kreisstadt des Salzlandkreises hat Bernburg viele Wandlungen durchlebt. Die Stadt blickt auf eine reiche Vergangenheit zurück, stellt sich aber auch den Herausforderungen und Chancen der Zukunft, insbesondere im Bereich nachhaltiger Produktion.
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