Warum Schreibtisch nicht vor Fenster?

Optimaler Schreibtisch: Ergonomie & Größe

18/12/2015

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Ein gut eingerichteter Arbeitsplatz ist mehr als nur ein Ort, an dem Arbeit erledigt wird. Er ist eine entscheidende Grundlage für unsere Gesundheit, unser Wohlbefinden und unsere Produktivität im Arbeitsalltag. Angesichts der Tatsache, dass viele von uns einen Großteil des Tages sitzend verbringen, rückt die Gestaltung des Schreibtischs und seiner Umgebung immer stärker in den Fokus. Doch was genau macht einen optimalen Arbeitsplatz aus und welche Rolle spielt dabei der Schreibtisch?

Die Bedeutung eines ergonomischen Arbeitsplatzes

Warum ist es so wichtig, den Arbeitsplatz nach ergonomischen Vorgaben einzurichten? Die Antwort liegt in unserem Körper. Der menschliche Körper ist schlichtweg nicht dafür gemacht, über lange Zeiträume regungslos zu sitzen. Eine der häufigsten und am weitesten verbreiteten Beschwerden unter Arbeitnehmern sind Rückenschmerzen. Diese sind oft direkt auf eine unzureichende oder falsche Sitzhaltung und einen schlecht angepassten Arbeitsplatz zurückzuführen.

Wie groß sollte ein Schreibtisch im Büro sein?
Ausreichend groß ist eine Arbeitsfläche, wenn ihre Maße mindestens 1600 mm x 800 mm (Breite x Tiefe) betragen (Abbildung 31). Größere Arbeitsflächen sind besonders bei Arbeitsaufgaben und Arbeitsabläufen mit wechselnden Tätigkeiten sowie bei zusätzlichen Arbeitsmitteln erforderlich.

Studien haben immer wieder gezeigt, dass eine ergonomische Einrichtung des Schreibtisches körperlichen Beschwerden effektiv vorbeugen kann. Sitzen wir beispielsweise gebeugt am Schreibtisch, wird unsere Rücken- und Nackenmuskulatur stark und unnatürlich beansprucht. Je länger wir in dieser ungünstigen Position verharren, desto schneller überlastet unsere Muskulatur, was zu Schmerzen und Verspannungen führt.

Bewegungswissenschaftler wie Alexander Kett und Freddy Sichting von der TU Chemnitz erklären, dass die „zusammengefallene Sitzhaltung“ (gekennzeichnet durch einen Rundrücken und nach vorn gekippte Schultern) von vielen als entspannend empfunden wird. Doch dieser Eindruck täuscht. Sie beschreiben, dass solche entspannten Haltungen oft passiver Natur sind. Das bedeutet, dass in erster Linie Bänder und Sehnen das Körpergewicht gegen die Schwerkraft halten müssen. Paradoxerweise führt dies zu einer sehr starken Beanspruchung der Muskulatur, insbesondere im Rücken- und Nackenbereich. Lediglich die Brustmuskulatur wird in dieser Haltung kaum gefordert.

In dieser gekrümmten Haltung mit nach vorn gekippten Schultern wird die Muskulatur des Rückens, insbesondere die entlang der Wirbelsäule liegenden Muskeln, gedehnt. Forscher vermuten, dass die Muskeln irgendwann versuchen, dieser Dehnung entgegenzuwirken, indem sie sich dauerhaft zusammenziehen. Dies führt mit der Zeit zur Ermüdung der Muskulatur.

Besonders gut untersucht ist dieses Phänomen bei der Nackenmuskulatur, die den Kopf aufrecht hält. Kett und Sichting heben hervor, dass verschiedene Anteile des Trapezmuskels hier eine zentrale Rolle spielen. Wenn der Kopf in der klassischen Schreibtischhaltung der Schwerkraft folgt und sich nach vorn neigt, muss die Nackenmuskulatur dem entgegenwirken – und das oft über viele Stunden am Tag.

Was genau dabei auf zellulärer Ebene im Muskel passiert, ist noch Gegenstand der Forschung. Eine Hypothese besagt, dass die dauerhafte Anspannung die Durchblutung der Muskelzellen verschlechtert. Nähr- und Botenstoffe können schlechter in den Muskel gelangen, und Abfallprodukte werden weniger effizient abtransportiert.

Diese gestörte Durchblutung wird häufig mit der Entstehung von Verspannungen und Schmerzzuständen in Verbindung gebracht. Kett und Sichting formulieren es bildlich: „Bedingt durch die geringere Durchblutung geht der Muskulatur sprichwörtlich die Puste aus.“

Solche Verspannungen können sich verfestigen und chronisch werden. Schmerzen führen oft dazu, dass wir unbewusst eine Schonhaltung einnehmen, um den Schmerz zu minimieren. Dabei verdrehen wir unseren Körper oft in Positionen, die wiederum andere Muskelgruppen unnatürlich belasten und verspannen können – ein wahrer Teufelskreis entsteht.

Ein ergonomisch eingerichteter Arbeitsplatz, beginnend mit dem Schreibtisch, ist daher keine Option, sondern eine Notwendigkeit, um solchen Problemen vorzubeugen und langfristig gesund und leistungsfähig zu bleiben.

Wie groß sollte ein Schreibtisch im Büro sein?

Die Größe des Schreibtisches ist ein entscheidender Faktor für eine ergonomische Arbeitsweise. Sie muss ausreichend Platz für alle benötigten Arbeitsmittel bieten und gleichzeitig eine variable Anordnung ermöglichen, um Haltungswechsel zu unterstützen.

Zählt ein Schreibtisch als Büromaterial?
Auch größere Anschaffungen wie Schreibtische, Stühle und Computer gelten als Bürokosten .

In Deutschland gibt es klare Vorgaben hierzu. Die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) legt im Anhang fest, dass die Arbeitsflächen entsprechend der Arbeitsaufgabe so bemessen sein müssen, dass alle Eingabemittel variabel angeordnet werden können und eine flexible Anordnung von Bildschirm, Schriftgut und sonstigen Arbeitsmitteln möglich ist. Wichtig ist auch, dass die Arbeitsfläche vor der Tastatur genügend Platz bietet, um die Handballen aufzulegen.

Konkretere Empfehlungen finden sich in der DGUV Information 215-410 (früher BGI 650) „Bildschirm- und Büroarbeitsplätze – Leitfaden für die Gestaltung“.

Unter Ziffer 8.3.1 wird ausgeführt:

  • Die Arbeitsfläche dient als Aufstell- und Ablagefläche für Arbeitsmittel (wie Bildschirm, Tastatur) und Arbeitsmaterialien (wie Schriftgut).
  • Sie muss ausreichend Freiraum für Hände und Arme des Benutzers bieten.
  • Sie muss Haltungswechsel ermöglichen.
  • Die Tiefe der Arbeitsfläche hängt von Sehabständen, Hand-/Armauflage, Gerätetiefen und Bein-/Fußraum ab.

Als ausreichend groß gilt eine Arbeitsfläche, wenn ihre Maße mindestens 1600 mm x 800 mm (Breite x Tiefe) betragen. Größere Arbeitsflächen sind besonders dann ratsam, wenn die Arbeitsaufgaben und -abläufe häufig wechseln oder zusätzliche Arbeitsmittel benötigt werden.

In Ausnahmefällen, an Arbeitsplätzen, die nur mit einem Bildschirmgerät ausgestattet sind, an denen kaum Schriftgut verwendet wird und keine wechselnden Tätigkeiten anfallen, kann die Breite der Arbeitsfläche auf 1200 mm reduziert werden. Unabhängig davon muss die nutzbare Arbeitsfläche jedoch mindestens 0,96 m² betragen.

Die Verantwortung für die Beurteilung der erforderlichen Schreibtischgröße liegt beim Arbeitgeber. Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung gemäß Arbeitsschutzgesetz und Arbeitsstättenverordnung muss er eigenverantwortlich entscheiden und dabei die genannten Vorschriften beachten. Wählt er eine abweichende Lösung, muss er die gleiche Sicherheit gewährleisten und dies hinreichend begründen. Unterstützung bei der Gefährdungsbeurteilung können die Fachkraft für Arbeitssicherheit und der Betriebsarzt bieten.

Zählt ein Schreibtisch als Büromaterial?

Aus betriebswirtschaftlicher und steuerlicher Sicht ist es wichtig, zwischen verschiedenen Arten von Anschaffungen für ein Büro zu unterscheiden. Hierbei wird typischerweise zwischen „Office Expenses“ (Büroausgaben) und „Office Supplies“ (Büromaterial) unterschieden.

Diese Unterscheidung ist aus mehreren Gründen relevant, nicht zuletzt für die Buchhaltung und steuerliche Absetzbarkeit.

Office Expenses (Büroausgaben):

Diese Kategorie umfasst in der Regel größere Anschaffungen oder wiederkehrende Kosten, die für den langfristigen Betrieb eines Unternehmens notwendig sind. Dazu gehören Dienstleistungen wie Webhosting oder Software-as-a-Service (SaaS)-Anwendungen, Telefonleitungen für das Geschäft sowie laufende Kosten wie Miete, Nebenkosten (Strom, Internet), Gehälter und Reinigungskosten. Auch größere Anschaffungen, die nicht regelmäßig ersetzt werden müssen und einen höheren Wert darstellen, fallen hierunter. Dazu zählen explizit Möbel wie Schreibtische und Stühle sowie Computer und andere elektronische Geräte.

Warum Schreibtisch nicht vor Fenster?
Der Schreibtisch sollte aber nicht frontal zum Fenster stehen, sondern besser seitlich. Denn Tageslicht kann auch stören, wenn es zum Beispiel blendet. Mit einer seitlichen Ausrichtung, also mit der Blickrichtung parallel zum Fenster, lässt sich Blendung vermeiden.

Office Supplies (Büromaterial):

Hierbei handelt es sich um Gegenstände, die regelmäßig verbraucht und ersetzt werden müssen. Typische Beispiele sind Druckerpapier, Notizblöcke, Stifte, aber auch Verbrauchsmaterialien wie Kaffee und Kaffeemilch für die Teeküche oder Tinte und Toner für Drucker.

Um festzustellen, ob ein bestimmter Gegenstand unter Büroausgaben oder Büromaterial fällt, kann man sich fragen, wie oft der Gegenstand nachgekauft werden muss und ob er eher den kurzfristigen Verbrauch oder den langfristigen Betrieb des Unternehmens unterstützt.

Ein Schreibtisch ist eine langlebige Anschaffung, die nicht regelmäßig ersetzt wird und einen wesentlichen Bestandteil der Büroeinrichtung darstellt. Er unterstützt den langfristigen Betrieb des Arbeitsplatzes. Daher zählt ein Schreibtisch eindeutig zu den Büroausgaben und nicht zum Büromaterial im engeren Sinne.

Um die Unterscheidung zu verdeutlichen, kann man die Kriterien in einer einfachen Gegenüberstellung betrachten:

MerkmalOffice Expenses (Büroausgaben)Office Supplies (Büromaterial)
AnschaffungsfrequenzSelten, langfristigRegelmäßig, kurzfristig
NutzungsdauerLängerfristigVerbrauchsmaterial
BeispieleSchreibtische, Stühle, Computer, Miete, Gehälter, SoftwarelizenzenPapier, Stifte, Tinte, Toner, Notizblöcke, Kaffee
ZweckInfrastruktur & langfristiger BetriebLaufender Verbrauch & täglicher Bedarf

Das korrekte Verständnis dieser Unterscheidung ist wichtig für die ordnungsgemäße Buchführung und die steuerliche Behandlung im Unternehmen.

Häufig gestellte Fragen

Warum ist ein ergonomisch eingerichteter Arbeitsplatz wichtig?
Ein ergonomischer Arbeitsplatz beugt körperlichen Beschwerden wie Rückenschmerzen und Nackenverspannungen vor, die durch langes, unergonomisches Sitzen entstehen können. Er unterstützt eine gesunde Körperhaltung und fördert das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit.

Wie groß sollte ein Schreibtisch im Büro mindestens sein?
Nach deutschen Empfehlungen (DGUV Information 215-410) sollte ein Schreibtisch idealerweise Maße von mindestens 1600 mm Breite und 800 mm Tiefe haben. In Ausnahmefällen kann die Breite auf 1200 mm reduziert werden, die nutzbare Fläche muss aber mindestens 0,96 m² betragen. Wichtig ist ausreichender Platz für Arbeitsmittel, Unterlagen und Hand-/Armauflage.

Zählt ein Schreibtisch als Büromaterial oder Büroausgabe?
Ein Schreibtisch zählt als Büroausgabe (Office Expense). Er ist eine langlebige Anschaffung, die zur Infrastruktur des Büros gehört und nicht regelmäßig verbraucht wird, im Gegensatz zu Büromaterialien wie Papier oder Tinte.

Was passiert im Körper bei falscher Sitzhaltung?
Falsche Sitzhaltung (z.B. mit Rundrücken) führt zur Überbeanspruchung der Rücken- und Nackenmuskulatur durch Dehnung und gleichzeitiges Anspannen gegen die Schwerkraft. Dies kann die Durchblutung beeinträchtigen und zu Verspannungen, Schmerzen und langfristig zu chronischen Problemen führen.

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