19/05/2018
Die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland war ein Ereignis, das weit mehr war als nur ein Sportturnier. Sie wurde zum „Sommermärchen“ und begeisterte Millionen von Menschen im In- und Ausland. Dieses Turnier, das Deutschland als Gastgeber ausrichtete, brachte nicht nur spannende Spiele, sondern auch einprägsame Figuren hervor, allen voran das offizielle Maskottchen, das vielen noch heute in Erinnerung ist.

Das Maskottchen der WM 2006: Goleo VI und Pille
Jede Weltmeisterschaft hat ihr eigenes, unverwechselbares Symbol, und für die WM 2006 in Deutschland war dies Goleo VI. Goleo war ein freundlich aussehender Löwe, der nicht allein auftrat. Stets an seiner Seite war sein Begleiter, ein sprechender Fußball namens Pille. Diese beiden Figuren bildeten das offizielle Maskottchen-Duo und waren während des gesamten Turniers präsent.
Goleo trug ein Fußballtrikot, was für einen Fußballlöwen passend war. Auffällig war jedoch, dass er keine Hose trug, dafür aber Fußballschuhe an den Füßen hatte. Pille, der Fußball, war nicht nur ein Accessoire, sondern eine eigenständige Figur mit eigener Stimme.
Die Herkunft des Namens Goleo
Der Name „Goleo“ war clever gewählt und enthielt mehrere Wortspiele, die sich auf den Fußball bezogen. Zum einen steckte das englische Wort „goal“ (Tor) bzw. das spanische „gol“ darin – „Goleo“ klang wie „Goal-eo“. Zum anderen war der spanische Jubelausruf „Olé“ enthalten – „G-olé-o“. Eine weitere Interpretation des Namens leitet sich aus dem Englischen ab: „Go Leo“ bedeutet „Los, Löwe!“, was als Anfeuerungsruf verstanden werden konnte. Der Zusatz „VI“ stand für die römische Zahl Sechs. Dies wurde zum einen mit dem WM-Jahr 2006 in Verbindung gebracht und zum anderen, laut einer fiktiven Biografie auf der FIFA-Website, damit erklärt, dass der Entwurf von Goleo beim Casting an sechster Stelle vorgestellt wurde. Die gleiche fiktive Biografie besagte auch, dass sein Vater ihn beim Fußballspielen immer mit „Go, Leo, Go!“ anfeuerte, was ebenfalls zur Namensgebung beitrug.
Die technische Seite des Maskottchens
Die Darstellung von Goleo und Pille war eine technische Herausforderung. Sie wurden nicht von einer einzelnen Person, sondern von vier Teams professioneller Puppenspieler zum Leben erweckt. Die Bedienung, insbesondere die Koordination der Bewegungen von Goleo, galt als schwierig. Im Gegensatz zu üblichen Kostümen gab es keine direkten Gucklöcher für den Darsteller im Inneren. Stattdessen befanden sich Kameras in Goleos Augen, und ein zusätzlicher Kameramann lieferte weitere Bilder. Diese Aufnahmen wurden auf einen LCD-Monitor im Inneren des Kostüms übertragen, worüber der Puppenspieler die Umgebung wahrnehmen konnte. Trotz seiner beachtlichen Körpergröße von 2,30 Metern war Goleo VI erstaunlich beweglich. Diese Beweglichkeit stellte er eindrucksvoll unter Beweis, unter anderem bei einem Torwandschießen gegen Fußballlegenden wie Franz Beckenbauer und Pelé.
Auftritte außerhalb des Stadions
Das Maskottchen-Duo war nicht nur in den Stadien und bei offiziellen Veranstaltungen präsent. Goleo wirkte auch in Musikvideos mit. So war er im Video zum Lied „Love Generation“ von Bob Sinclar und Gary 'Nesta' Pine zu sehen, auch wenn dies nicht das offizielle WM-Lied war. Zudem trat er zusammen mit Lumidee und Fatman Scoop mit dem Lied „Dance!“ auf.
Deutschland als Gastgeber und Qualifikation
Als Gastgeberland war Deutschland automatisch für die Endrunde der Fußball-Weltmeisterschaft 2elf 2006 qualifiziert. Dies war eine Besonderheit, da erstmals der amtierende Weltmeister (Brasilien) sich ebenfalls qualifizieren musste. Insgesamt starteten 197 von 204 Verbänden in die Qualifikation, um die 31 weiteren Plätze für die Endrunde zu erspielen.
Die Qualifikation lief vom 6. September 2003 bis zum 16. November 2005 und umfasste sechs Zonen (Europa, Südamerika, CONCACAF, Afrika, Asien, Ozeanien) mit unterschiedlichen Modi, von Gruppenphasen über Play-offs bis hin zu direkten Duellen zwischen Teams verschiedener Konföderationen.
Das Turnierformat und die Regeln
Das Turnier selbst folgte einem bewährten Format. Zunächst traten 32 Mannschaften in acht Gruppen zu je vier Teams an. Innerhalb jeder Gruppe spielte jede Mannschaft einmal gegen jede andere. Die Platzierung in der Gruppe wurde anhand der Punkte (Sieg 3, Unentschieden 1, Niederlage 0) und bei Punktgleichheit durch Kriterien wie Tordifferenz, erzielte Tore und den direkten Vergleich ermittelt. Die ersten beiden Mannschaften jeder Gruppe qualifizierten sich für die Finalrunde, die im K.-o.-System ausgetragen wurde.
Im Vorfeld des Turniers wurden auch einige Regeländerungen beschlossen. Besonders im Fokus standen die Bewertung von Fouls und Unsportlichkeiten. Grätschen in die Beine des Gegners sollten konsequent mit der Roten Karte bestraft werden, ebenso wie Schläge mit dem Ellenbogen bei Kopfballduellen. Das Festhalten des Balles vor einem gegnerischen Freistoß wurde mit einer Gelben Karte geahndet.

Auch im Spielmodus gab es eine wichtige Änderung: Das „Golden Goal“ und das „Silver Goal“ wurden abgeschafft. Eine Verlängerung dauerte nun wieder, wie zuletzt bei der WM 1994, grundsätzlich zweimal 15 Minuten.
Der Offizielle Spielball und der Rasen
Der offizielle Spielball der WM 2006 war der +Teamgeist, hergestellt von WM-Sponsor Adidas. Er wurde bei der Endrundenauslosung in Leipzig vorgestellt. Für das Finale gab es eine goldene Version, den +Teamgeist Berlin. Der Ball unterschied sich in seiner Konstruktion von klassischen Fußbällen, die aus 32 Teilen (Fünf- und Sechsecken) bestehen. Der +Teamgeist setzte sich aus nur 14 zungenartigen Plastikteilen zusammen, was zu einer geringeren Abweichung von einer idealen Kugel führte. Einige Experten führten die Vielzahl an Weitschusstoren im Turnier auf die veränderten Flugeigenschaften dieses neuen Balls zurück.
Für alle zwölf Stadien wurde eine einheitliche Rasenmischung verwendet (25% Weidelgras, 75% Wiesenrispe). Der Rasen wurde vor jedem Spiel auf 28 Millimeter gestutzt. Trotz der Bemühungen gab es Kritik von Spielern und Trainern, der Rasen sei oft zu trocken und stumpf, was zu häufigem Ausrutschen führte.
Auszeichnungen bei der WM 2006
Am Ende des Turniers wurden verschiedene Auszeichnungen vergeben. Der Goldene Ball für den wertvollsten Spieler ging an Zinédine Zidane (Frankreich). Der Goldene Schuh für den Torschützenkönig wurde Miroslav Klose (Deutschland) verliehen. Den Silbernen Schuh erhielt Hernán Crespo, den Bronzenen Schuh Ronaldo – bei Torgleichheit entschied die Anzahl der Torvorlagen über die Platzierung.
Der Lev-Yashin-Preis (heute Goldener Handschuh) für den besten Torhüter ging an Gianluigi Buffon (Italien). Eine neue Auszeichnung, der „Beste Junge Spieler“, wurde erstmals vergeben und ging an den Deutschen Lukas Podolski. Für Fairplay wurden Brasilien und Spanien ausgezeichnet, während Portugal von der Öffentlichkeit zur unterhaltsamsten Mannschaft gewählt wurde.
Die Vergabe der Weltmeisterschaft 2006
Die Entscheidung, wer die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 ausrichten würde, fiel bereits am 6. Juli 2000 in Zürich. Deutschland bewarb sich um die Austragung und trat gegen mehrere Konkurrenten an. Die Abstimmung im FIFA-Exekutivkomitee war äußerst knapp.
Ergebnis der Abstimmung zur WM 2006
Hier ist das Abstimmungsergebnis, wie es in den Runden verlief:
| Nation | Runde 1 | Runde 2 | Runde 3 |
|---|---|---|---|
| Deutschland | 10 | 11 | 12 |
| Südafrika | 6 | 11 | 11 |
| England | 5 | 2 | – |
| Marokko | 3 | – | – |
| Gesamtstimmen | 24 | 24 | 23 |
In der entscheidenden dritten Runde enthielt sich ein Mitglied der Stimme (Charles Dempsey), was zum knappen Sieg der deutschen Bewerbung mit 12 zu 11 Stimmen gegen Südafrika führte.
Wirtschaftliche Auswirkungen des Turniers
Im Vorfeld der WM 2006 gab es hohe gesamtwirtschaftliche Erwartungen. Deutschland befand sich in einer Phase wirtschaftlicher Stagnation und erhoffte sich durch das Großereignis wichtige Impulse. Rund 1,38 Milliarden Euro wurden in neue Stadien investiert, allein 280 Millionen Euro in die Allianz Arena in München. Der damalige Bundeswirtschaftsminister prognostizierte langfristige Gewinne von über acht Milliarden Euro beim Bruttoinlandsprodukt.
Es wurden etwa 3,2 Millionen Besucher erwartet, davon rund eine Million aus dem Ausland, was zu schätzungsweise fünf Millionen zusätzlichen Übernachtungen führen sollte. Auch in die Infrastruktur, wie den Straßenbau, wurden Milliarden investiert.

Im Nachhinein fiel die Bewertung der wirtschaftlichen Effekte unterschiedlich aus. Die Bundesregierung zog ein positives Fazit und verzeichnete ein Umsatzplus im Gastgewerbe (300 Mio. €) und Einzelhandel (2 Mrd. €) sowie über 100 Millionen Euro zusätzliche Steuereinnahmen. Auch der Arbeitsmarkt zeigte eine leichte Entspannung mit etwa 50.000 zusätzlichen Stellen, insbesondere im Hotel- und Gaststättengewerbe sowie bei Sicherheitsdiensten.
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) kam hingegen zu dem Schluss, dass das Turnier „keinerlei nennenswerte positive gesamtwirtschaftliche Effekte“ bewirkt habe und die Ausgaben der ausländischen Besucher mit etwa 500 Millionen Euro gesamtwirtschaftlich zu vernachlässigen seien. Unbestritten profitierten jedoch die WM-Sponsoren und Ausrüster wie Adidas und Puma von dem Turnierboom.
Das Organisationskomitee selbst erwirtschaftete mit einem Etat von 430 Millionen Euro einen Überschuss von 135 Millionen Euro. Dieser Überschuss wurde nach Abzug von Rückerstattungen an die FIFA und Steuerzahlungen zwischen dem DFB und der DFL aufgeteilt und floss teilweise in gemeinnützige Projekte.
Häufig gestellte Fragen zur WM 2006
Hier finden Sie Antworten auf einige häufige Fragen rund um die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland:
Wer war das Maskottchen der WM 2006?
Das offizielle Maskottchen der WM 2006 war Goleo VI, ein Löwe, zusammen mit einem sprechenden Fußball namens Pille.
Wie hieß der offizielle Ball der WM 2006?
Der offizielle Spielball des Turniers war der +Teamgeist von Adidas.
Wann wurde die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 vergeben?
Die Vergabe der WM 2006 an Deutschland erfolgte am 6. Juli 2000 in Zürich.
Wurde das „Golden Goal“ bei der WM 2006 noch angewendet?
Nein, sowohl das „Golden Goal“ als auch das „Silver Goal“ wurden zur WM 2006 abgeschafft. Verlängerungen dauerten wieder zweimal 15 Minuten.
Welcher deutsche Spieler erhielt eine individuelle Auszeichnung bei der WM 2006?
Miroslav Klose gewann den Goldenen Schuh als Torschützenkönig, und Lukas Podolski wurde als „Bester Junger Spieler“ ausgezeichnet.
Wenn du mehr spannende Artikel wie „WM 2006: Goleo, Deutschland und mehr“ entdecken möchtest, schau doch mal in der Kategorie Bürobedarf vorbei!
