15/07/2022
Papier ist ein unverzichtbarer Bestandteil unseres Alltags. Von der Morgenzeitung über Bürounterlagen bis hin zur Verpackung unserer Online-Bestellungen – wir nutzen enorme Mengen. Doch genauso wichtig wie die Nutzung ist die richtige Entsorgung. Altpapier ist ein wertvoller Rohstoff, aus dem neues Papier gewonnen wird. Eine korrekte Trennung im Haushalt oder Büro ist entscheidend, damit dieser Kreislauf funktioniert. Leider landet immer wieder Material im Altpapier, das dort nichts zu suchen hat. Das kann den gesamten Recyclingprozess erschweren oder sogar unmöglich machen. Aber welche Papiere genau gehören nicht in die blaue Tonne und warum?
- Warum die richtige Trennung so wichtig ist
- Diese Papiere haben im Altpapier nichts verloren
- Sonderfall: Geschreddertes Papier
- Was ist mit gebundenen Büchern?
- Große Mengen richtig entsorgen
- Der ökologische Fußabdruck von Papier – und wie Recycling hilft
- Umweltzeichen auf Papier: Welches sagt was aus?
- Häufig gestellte Fragen zur Altpapierentsorgung
- Fazit
Warum die richtige Trennung so wichtig ist
Der Verbrauch von Papier und Karton ist hoch, und die Menge steigt. Besonders der Online-Handel trägt dazu bei. Umso wichtiger ist es, dass so viel wie möglich recycelt wird. Ein Großteil der Fasern für neues Papier stammt aus Altpapier. Eine hohe Recyclingquote spart wertvolle Ressourcen wie Holz, Wasser und Energie und reduziert Umweltbelastungen im Vergleich zur Herstellung aus frischen Fasern. Wenn falsche Materialien im Altpapier landen, können sie die Qualität des recycelten Materials mindern oder die Sortieranlagen beschädigen. Deshalb ist es essenziell zu wissen: Was gehört rein und was auf keinen Fall?
Diese Papiere haben im Altpapier nichts verloren
Die Liste der Materialien, die nicht in die blaue Tonne gehören, ist länger als viele annehmen. Die Gründe sind vielfältig und reichen von Verschmutzungen über die Materialbeschaffenheit bis hin zu hygienischen Aspekten. Hier die wichtigsten Ausnahmen:
Verschmutzte Papiere
Papier, das mit Lebensmittelresten, Öl, Fett, Farbe oder Zement verunreinigt ist, gehört nicht ins Altpapier. Diese Verunreinigungen können den Recyclingprozess stören und die Qualität des Endprodukts beeinträchtigen. Ein Pizzakarton mit starken Fettflecken oder eine durchweichte Bäckertüte mit Essensresten gehören daher in den Restmüll.

Hygienepapiere
Taschentücher, Papierhandtücher und Servietten sind zwar aus Papier, aber aufgrund ihrer Nutzung oft verschmutzt und aus hygienischen Gründen vom Recycling ausgeschlossen. Sie gehören ebenfalls in den Restmüll.
Windeln
Windeln sind keine reinen Papierprodukte, enthalten Kunststoffe und sind stark verschmutzt. Sie haben im Altpapier nichts verloren und gehören ausnahmslos in den Restmüll.
Beschichtete und Spezialpapiere
Viele Papiere sind behandelt oder beschichtet, um ihnen besondere Eigenschaften zu verleihen. Dazu gehören:
- Kunststoffbeschichtete Papiere: Oft bei Tiefkühlverpackungen oder manchen Bechern zu finden. Die Kunststoffschicht lässt sich im Recyclingprozess nicht einfach vom Papier trennen.
- Fettdichte und wasserfeste Papiere: Beispiele sind Zeichentransparentpapier, Fotos oder Pergamentpapier. Ihre spezielle Beschaffenheit macht das Recycling schwierig.
- Tapeten: Tapeten sind oft beschichtet, enthalten Leimreste oder andere Fremdstoffe. Sie gehören in den Restmüll.
- Versandtaschen mit Plastikwattierung: Diese enthalten eine Mischung aus Papier und Kunststoff, die nicht zusammen recycelt werden kann.
- Kohlepapiere, Durchschreibepapiere: Diese enthalten Chemikalien und Farbstoffe, die das Recycling stören können.
- Bituminierte Papiere: Mit Bitumen behandelte Papiere (z.B. im Baugewerbe) sind ebenfalls nicht recyclingfähig im Standard-Altpapierkreislauf.
All diese Spezialpapiere gehören meist in den Restmüll.
Getränkekartons (Tetra Pak)
Auch wenn sie einen großen Anteil an Papierfasern enthalten, sind Getränkekartons (wie für Milch oder Saft) Verbundverpackungen aus Papier, Kunststoff und oft auch Aluminium. Sie gehören nicht ins Altpapier, sondern in den Sack oder die Tonne für Leichtverpackungen (oft als Gelber Sack oder Gelbe Tonne bezeichnet).

Aktenordner
Aktenordner, ob aus Kunststoff oder Hartpappe mit Metallteilen (Mechanik), sind keine reinen Papierprodukte. Die Materialien sind fest miteinander verbunden und müssen getrennt werden. Sie gehören in der Regel in den Restmüll oder Sperrmüll, je nach lokaler Regelung.
Sonderfall: Geschreddertes Papier
Geschreddertes Papier entsteht häufig beim Schutz sensibler Daten. Es ist prinzipiell recycelbar, stellt aber eine Herausforderung dar. Aufgrund seiner geringen Größe kann es in Sortieranlagen Probleme bereiten, sich verfangen oder durch die Maschen fallen. Viele Recyclinghöfe oder -betriebe haben spezielle Anforderungen für geschreddertes Papier. Oft wird empfohlen, es in einem separaten Beutel oder Karton zu sammeln und abzugeben, um die Sortierung zu erleichtern. Alternativen sind die Kompostierung (wenn unbedruckt und ohne Beschichtung) oder die Nutzung als Einstreu, zum Beispiel in Tierheimen.
Was ist mit gebundenen Büchern?
Die gute Nachricht: Gebundene Bücher dürfen in der Regel ins Altpapier. Die Bindung (Leim oder Faden) und der Einband stören das Recycling nicht wesentlich, da sie im Aufbereitungsprozess (Auflösen in Wasser) abgetrennt werden.
Große Mengen richtig entsorgen
Wenn größere Mengen an Papier, Pappe oder Karton anfallen, etwa nach einem Umzug oder einer großen Lieferung, ist die blaue Tonne oft zu klein. In solchen Fällen können Privathaushalte das Material meist kostenfrei bei kommunalen Recyclinghöfen oder Wertstoffzentren abgeben. Dort stehen größere Container bereit. Bei regelmäßig hohem Aufkommen kann man oft eine größere oder zusätzliche Papiertonne beim zuständigen Entsorgungsbetrieb bestellen.
Der ökologische Fußabdruck von Papier – und wie Recycling hilft
Die Herstellung von Papier aus frischen Holzfasern ist ressourcenintensiv. Sie benötigt viel Holz, große Mengen Wasser und Energie. Zudem können Chemikalien eingesetzt werden, die Gewässer belasten können. Der Einsatz von Altpapier reduziert diese Belastungen erheblich.

Vergleicht man die Produktion von neuem Kopierpapier aus Primärfasern mit der aus Altpapier, zeigen sich deutliche Unterschiede:
Primärfaserpapier (ca. 1 kg, 200 Blatt):
- Wasserverbrauch: ca. 50 Liter
- Energieverbrauch: ca. 5 kWh
- Holzverbrauch: ca. 2,2 kg
Recyclingpapier (ca. 1 kg):
- Wasserverbrauch: ca. 33 % des Primärfaserpapiers
- Energieverbrauch: ca. 50 % des Primärfaserpapiers
- Altpapier benötigt: ca. 1,2 kg
Recyclingpapier hat auch Vorteile bei anderen Umweltindikatoren wie der Bildung von Photooxidantien, der Eutrophierung von Gewässern und Landökosystemen sowie der Umwelt- und Human toxizität. Die Nutzung von Recyclingfasern ist zudem der beste Weg, das Risiko von Landnutzungsänderungen durch Holzentnahme zu vermeiden.
Umweltzeichen auf Papier: Welches sagt was aus?
Beim Kauf von Papierprodukten können Umweltzeichen Orientierung bieten. Allerdings sind nicht alle gleichermaßen aussagekräftig, was den Einsatz von Recyclingfasern betrifft:
- Der Blaue Engel: Dieses Zeichen ist das strengste und empfehlenswerteste für Recyclingpapier. Es garantiert, dass das Papier zu 100 Prozent aus Altpapierfasern hergestellt wurde und strenge Kriterien bei Energie- und Wasserverbrauch sowie Chemikalieneinsatz erfüllt sind.
- FSC und PEFC: Diese Label zertifizieren nachhaltige Forstwirtschaft. Bei Papier findet man oft „FSC Mix“, was bedeutet, dass mindestens 70 % der Fasern aus FSC-Holz und/oder Altpapier stammen. Oft handelt es sich dennoch um Frischfaserpapiere. Das „FSC Recycling“-Siegel existiert, erfüllt aber nicht die umfassenden Kriterien des Blauen Engels. Diese Label sind wichtig für Frischfaserpapier, aber weniger aussagekräftig für echtes Recyclingpapier.
- Chlorfrei gebleicht (ECF/TCF): Sagt nur etwas über den Bleichprozess aus, nicht über den Anteil an Altpapier oder die Herkunft der Fasern.
- EU Ecolabel (EU Blume) und Nordic Ecolabel (Nordischer Schwan): Setzen Kriterien für Energieverbrauch und Abwasser, fordern aber oft keinen oder nur einen geringen Altpapieranteil (EU Ecolabel 70 % nur bei Zeitungsdruckpapier). Die Anforderungen an nachhaltige Forstwirtschaft sind hier oft nicht ausreichend.
- Österreichisches Umweltzeichen: Hat Kriterien für Energie, Abwasser und Chemikalien. Verlangt 100 % Altpapier bei Büropapier, aber deutlich weniger bei anderen Sorten. Kriterien für Primärfasern sind weniger streng als bei FSC/PEFC.
Wer auf Nummer sicher gehen und Papier mit hohem Recyclinganteil kaufen möchte, sollte gezielt auf den Blauen Engel achten.
Häufig gestellte Fragen zur Altpapierentsorgung
Dürfen Briefumschläge mit Sichtfenster ins Altpapier?
Ja, die kleinen Plastikfenster und auch der Klebstoff stören den Recyclingprozess in der Regel nicht und werden aussortiert.
Was mache ich mit Kassenzetteln?
Viele moderne Kassenzettel sind Thermopapier. Dieses enthält Chemikalien, die das Recycling stören. Sie gehören in den Restmüll.
Gehören Backpapier oder beschichtete Muffinförmchen ins Altpapier?
Nein, diese sind beschichtet (fett- oder wasserabweisend) und gehören in den Restmüll.

Muss ich Klebeband von Kartons entfernen?
Kleine Mengen Klebeband, Etiketten oder Heftklammern werden im Recyclingprozess meist problemlos aussortiert. Bei großen Mengen Klebeband auf Kartons ist es besser, diese zu entfernen.
Dürfen Fotos ins Altpapier?
Nein, Fotos sind beschichtet und gehören in den Restmüll.
Wie entsorge ich leere Zementsäcke aus Papier?
Diese sind stark verschmutzt und oft imprägniert. Sie gehören nicht ins Altpapier, sondern in den Restmüll oder auf den Wertstoffhof als Bauschutt/Sonderabfall, je nach lokaler Regelung und Verschmutzungsgrad.
Fazit
Die korrekte Trennung von Altpapier ist ein einfacher, aber wirkungsvoller Beitrag zum Umweltschutz und zur Schonung wertvoller Ressourcen. Während Zeitungen, Kartons, Hefte und sauberes Papier problemlos in die blaue Tonne gehören, gibt es eine Reihe von Ausnahmen, die den Recyclingprozess stören. Verschmutzte Papiere, Hygienepapiere, beschichtete Materialien und Verbundverpackungen wie Getränkekartons müssen anders entsorgt werden, meist im Restmüll oder der Gelben Tonne. Indem wir uns an diese Regeln halten, stellen wir sicher, dass Altpapier tatsächlich recycelt werden kann und der wertvolle Papierkreislauf erhalten bleibt. Achten Sie beim Einkauf zudem auf Umweltzeichen wie den Blauen Engel, um Produkte zu unterstützen, die bereits aus recyceltem Material hergestellt wurden.
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