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John Deere: Mehr als nur grüne Traktoren

27/08/2012

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John Deere ist weit über die Grenzen der Landwirtschaft hinaus bekannt. Als einer der weltweit größten Hersteller von Landmaschinen hat das Unternehmen eine lange und bewegte Geschichte hinter sich und eine Produktpalette, die viele Bereiche abdeckt.

Wo ist das größte John Deere Werk der Welt?
Die „John Deere Harvester Works“ befindet sich in Moline im US-Bundesstaat Illinois, direkt am Fluss Mississippi. Bereits im Jahre 1848 verlegte der Firmengründer nach der Trennung von seinem Geschäftspartner, mit dem er fünf Jahre zusammengearbeitet hatte, den Sitz des Unternehmens von Grand Detour nach Moline.
Übersicht

Geschichte und Identität

Die Wurzeln von John Deere reichen weit zurück. Bereits im Jahr 1848 verlegte der Firmengründer John Deere den Sitz des Unternehmens nach Moline im US-Bundesstaat Illinois, direkt am Fluss Mississippi gelegen. Dies geschah nach der Trennung von seinem Geschäftspartner. Dieser Standort ist bis heute von zentraler Bedeutung.

Die visuelle Identität von John Deere ist unverwechselbar. Seit 1920 sind die Firmenfarben ein charakteristisches Dunkelgrün für die Fahrzeuge und ein kräftiges Gelb für Aufschriften, Felgen und weitere Elemente. Dieses Farbschema hat einen interessanten Ursprung: Es leitet sich von den Farben der Kulturpflanze Mais ab, die im Mittleren Westen der USA eine bedeutende Rolle in der landwirtschaftlichen Produktion spielt.

Auch das Firmenlogo hat sich im Laufe der Zeit entwickelt. Während es ab 1848 zunächst einen Stahlpflug zeigte, der für Ochsengespanne gedacht war, wurde es ab 1873 durch das heute weltbekannte Symbol des springenden Hirschs ersetzt. Das damalige Emblem zeigte einen Weißwedelhirsch, der mit ausgestreckten Beinen über einen Baumstamm springt, überragt vom Schriftzug „JOHN DEERE“.

Produktvielfalt

Obwohl John Deere vor allem für seine grünen Traktoren bekannt ist, reicht die Produktpalette weit darüber hinaus. Neben landwirtschaftlichen Traktoren mit einer breiten Spanne an Motorleistungen werden zahlreiche weitere landwirtschaftliche Maschinen gefertigt. Dazu gehören Erntemaschinen wie Mähdrescher, Feldhäcksler, Baumwoll- und Zuckerrohrerntemaschinen sowie Anbaugeräte wie Ballenpressen, Feldspritzen, Sämaschinen und Bodenbearbeitungsgeräte. Das tatsächliche Angebot kann je nach Land variieren.

Die Produktvielfalt beschränkt sich jedoch nicht auf die Landtechnik. John Deere stellt auch Baumaschinen her, darunter Radlader, Planierraupen, Erdhobel, Bagger und Baggerlader. Des Weiteren umfasst das Portfolio Forstmaschinen, Kommunaltraktoren und Maschinen für die Pflege von Rasenflächen, Grundstücken und Golfplätzen. Ergänzt wird das Angebot durch Produkte für die moderne Landwirtschaft, wie GPS-gestützte Präzisionslandwirtschaftssysteme, Ertragsmessung, Dokumentationssoftware und Flottenmanagementlösungen.

Produktion und Standorte

Ein zentraler Produktionsstandort des Unternehmens ist die „John Deere Harvester Works“ in Moline, Illinois. Einblicke in diesen Hauptproduktionsstandort in den USA zeigen die Größe und Komplexität der dortigen Fertigung. Moline war bereits 1848 der Ort, an den John Deere den Firmensitz verlegte.

Bedeutende Übernahme: Die Wirtgen Group

Details der Akquisition

Im Jahr 2017 sorgte John Deere mit der Übernahme der deutschen Unternehmensgruppe Wirtgen für Aufsehen. Die Wirtgen Group, ein führender Hersteller von Straßenbaumaschinen weltweit, wurde für rund 4,4 Milliarden Euro von der Familie Wirtgen an John Deere verkauft. Die bisherigen geschäftsführenden Gesellschafter, die Brüder Stefan und Jürgen Wirtgen, kündigten an, sich bis Jahresende 2017 aus dem Unternehmen zurückzuziehen.

Die Wirtgen Group ist mit ihren Marken in zahlreichen globalen Märkten tonangebend. Dazu gehören Joseph Vögele aus Ludwigshafen am Rhein, der den Weltmarkt für Straßenfertiger dominiert; Hamm aus Tirschenreuth, ein Technologie- und Marktführer bei der Verdichtungstechnik; das Stammunternehmen Wirtgen aus Windhagen, ein global führender Hersteller von Straßenfräsen; Kleemann, Hersteller von Aufbereitungsanlagen; und Benninghoven, bekannt für Asphaltmischanlagen. Alle diese Unternehmen bilden nun einen Teil des John Deere Konzerns.

Wen hat John Deere übernommen?
Milliardendeal: John Deere übernimmt Wirtgen-Gruppe. DBU/Berlin – Ein Filetstück der deutschen Wirtschaft wird amerikanisch: Der US-Konzern John Deere übernimmt die komplette Unternehmensgruppe Wirtgen. Der Milliardenkonzern aus Moline im US-Bundesstaats Illinois zahlt 4,4 Mrd.

Die Wirtgen Group ist global aufgestellt, mit 55 Vertriebs- und Servicegesellschaften auf allen Kontinenten und rund 8.000 Mitarbeitern. Als nicht börsennotiertes Familienunternehmen musste Wirtgen keine Finanzzahlen veröffentlichen, gab aber für 2016 einen konsolidierten Konzernumsatz von 2,59 Milliarden Euro an und strebte für 2017 drei Milliarden Euro an.

Geschichte der Wirtgen Group

Die Geschichte der Wirtgen Group begann 1961, als Reinhard Wirtgen ein kleines Transportunternehmen gründete. Ab 1965 bot die Firma Betonzertrümmerungsdienste im Straßenbau an und entwickelte bald eigene Zertrümmerer-Maschinen. In den 1970er Jahren war das Unternehmen primär als Dienstleister tätig, entwickelte und baute aber zunehmend eigene Maschinen.

Eine strategische Neuausrichtung erfolgte 1980, als sich das Unternehmen auf die Herstellung und den Verkauf von Maschinen konzentrierte. Eine nahezu beispiellose Übernahmeserie begann 1996 mit dem Kauf von Vögele. Unter der Leitung der Söhne des Firmengründers ab 1997 kaufte Wirtgen weitere deutsche Maschinenbauunternehmen auf, stets mit dem Ziel, das Gesamtsortiment sinnvoll zu ergänzen. Nach Vögele kamen Hamm, Kleemann und 2014 Benninghoven zur Gruppe.

Strategische Gründe und Zukunft

Trotz der beeindruckenden Größe der Wirtgen Group ist John Deere ein ungleich größerer Konzern. 2014 beschäftigte John Deere weltweit fast 60.000 Mitarbeiter und erzielte einen Gesamtumsatz von über 39 Milliarden US-Dollar. John Deere plant, alle bestehenden Marken, das Management, die Produktionsstandorte, die Mitarbeiter sowie das Vertriebs- und Servicenetz der Wirtgen Group fortzuführen.

Die Übernahme war strategisch motiviert. Samuel R. Allen, Chairman und CEO von Deere & Company, erklärte, dass die einzigartige Marktposition und die hohe Wertschöpfung die Wirtgen Group besonders interessant machten. Die Akquisition sollte John Deeres Position im Geschäftsbereich Construction & Forestry ausbauen und mehr Kunden, Märkte und Regionen erreichen.

Der Verkauf kam für die Branche überraschend. Die Brüder Wirtgen gaben an, Hedge-Fonds und Private-Equity-Unternehmen als Käufer ausgeschlossen zu haben. Es ging ihnen um einen stabilen Gesellschafter und das langfristige Interesse an der Wirtgen Group sowie den Mitarbeitern. Da ihre eigenen Kinder noch zu jung waren, sahen sie ein Risiko für den Fortbestand unter Familienführung. Die Geschäftsführung sollte zunächst von Wirtgen-Managern übernommen werden, bevor ab Januar 2018 der John Deere Manager Domenic Ruccolo den Vorsitz übernahm. Als Dank und Abschiedsgeschenk kündigten die Brüder Wirtgen eine Sonderzahlung im dreistelligen Millionenbereich für die Mitarbeiter an, mindestens 12.500 Euro pro Beschäftigtem.

Kritik und Herausforderungen

Software- und Reparatureinschränkungen

John Deere sah sich in den letzten Jahren zunehmend Kritik ausgesetzt, insbesondere von Verbraucherschutzgruppen wie der Electronic Frontier Foundation ab 2015. Kritisiert wurden Nutzungslizenzformulierungen, die den Besitzern von Traktoren verbieten sollten, ihre Maschinen und die darauf laufende Software zu modifizieren. John Deere argumentierte dabei mit der Umgehung von DRM-Mechanismen, die durch den DMCA (Digital Millennium Copyright Act) verboten sei.

Ziel dieser Einschränkungen war es offenbar, Reparatur durch die Besitzer selbst zu verhindern. Mangels offiziellem Zugang zu Diagnose- und Reparaturwerkzeugen sind selbst einfache Fehlercodes nicht frei zugänglich. Die Koppelung von Maschinenteilen an die individuelle Fahrgestellnummer (VIN) der Traktoren schließt die Verwendung von Ersatzteilen von Drittanbietern effektiv aus. Defekte Bauteile können nur von autorisierten Technikern per Software aktiviert werden. Dies führt dazu, dass Landwirte ihre Geräte nicht mehr traditionell selbst reparieren können und auch die Wahl einer freien Werkstatt nicht möglich ist, da nur der Hersteller die notwendigen Werkzeuge und Programme besitzt.

Hacking und Fernzugriff

Als Reaktion auf diese Einschränkungen entwickelte sich eine Hacker-Szene, die versucht, Schwachstellen zu finden, um die Beschränkungen aufzuheben. 2017 wurde eine veränderte Firmware aus der Ukraine bekannt, die solche Modifikationen ermöglichte. Auf der DefCon-Sicherheitskonferenz 2022 stellte der Hacker Sick.Codes einen Hack des Terminals vor, um Landwirten eigenen Zugang zu gewähren.

Wie viele John Deere Werke gibt es?
2013 beschäftigte John Deere etwa 67.000 Mitarbeiter in 68 Fabriken und 43 Verkaufshäusern auf fünf Kontinenten, davon 7.250 Mitarbeiter in Deutschland (Stand 2013, in Mannheim 4.050).

Besorgniserregend ist auch die Möglichkeit der Fernabschaltung. Während der russischen Invasion in der Ukraine sollen gestohlene Landmaschinen per Internet deaktiviert worden sein. Solche Einschränkungen wurden durch neue Nutzungsbedingungen ermöglicht, die dem Hersteller erlauben, das Gerät jederzeit aus der Ferne zu deaktivieren, wenn gegen die Bedingungen verstoßen wird.

Rechtliche Auseinandersetzungen

Die Geschäftspraktiken von John Deere im Bezug auf Reparaturen führten auch zu rechtlichen Konsequenzen. Im Januar 2022 wurde im US-Bundesstaat Illinois eine Sammelklage eingereicht, die John Deere Monopolbildung bei Reparaturdiensten und die künstliche Verknappung autorisierter Werkstätten vorwarf. Auch die US-Handelsaufsicht (FTC) verklagte den Hersteller wegen unlauterer Geschäftspraktiken, die Landwirte mit erhöhten Kosten belasten und deren Reparaturmöglichkeiten behindern.

Wettbewerber

Auf dem globalen Markt steht John Deere im Wettbewerb mit anderen großen Herstellern von Land- und Baumaschinen. Zu den größeren Konkurrenten zählen der niederländische Konzern CNH Industrial (Case New Holland), die deutschen Landmaschinenkonzerne Claas und Krone sowie das US-amerikanische Unternehmen AGCO, zu dem unter anderem der deutsche Hersteller Fendt gehört.

Trivia

Die Marke John Deere hat sogar Eingang in die Popkultur gefunden. Im Roadmovie „Eine wahre Geschichte – The Straight Story“ von David Lynch aus dem Jahr 1999 fährt ein alter Kriegsveteran über 500 Kilometer auf einem John-Deere-Rasenmähertraktor quer durch die USA, um seinen kranken Bruder zu besuchen.

Literatur

Wer tiefer in die Geschichte und Technik von John Deere eintauchen möchte, findet dazu verschiedene Publikationen:

Don Macmillan (Hrsg.), Wayne G. Broehl: John Deere. Die Geschichte des größten Traktorenherstellers der Welt. Heel, Königswinter 2005; ISBN 3-89880-256-6.

Don Macmillan: Das große Buch der John Deere Traktoren. Alle Modelle von 1892 bis 1999 mit Lanz-Modellen der Jahre 1911–1963. BLV Verlagsgesellschaft, München 2001; ISBN 3-405-15950-4.

David Magee: The John Deere Way: Performance that Endures. John Wiley & Sons, Hoboken, New Jersey 2005; ISBN 0-471-70644-2 (zu den Managementmethoden des Unternehmens).

Peter Schneider: Typenkompass John Deere Traktoren seit 1960. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2000; ISBN 3-613-02021-1.

Wie viele John Deere Werke gibt es?
2013 beschäftigte John Deere etwa 67.000 Mitarbeiter in 68 Fabriken und 43 Verkaufshäusern auf fünf Kontinenten, davon 7.250 Mitarbeiter in Deutschland (Stand 2013, in Mannheim 4.050).

Peter Schneider: John Deere. Traktoren aus Mannheim seit 1960. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2007; ISBN 3-613-02719-4.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wo befindet sich das größte John Deere Werk?

Das größte Produktionswerk von John Deere, die „John Deere Harvester Works“, liegt in Moline, Illinois, USA, direkt am Fluss Mississippi.

Welche bedeutende Übernahme hat John Deere getätigt?

John Deere hat die deutsche Unternehmensgruppe Wirtgen übernommen, einen führenden Hersteller von Straßenbaumaschinen.

Was produziert John Deere neben Traktoren?

Die Produktpalette ist sehr breit und umfasst landwirtschaftliche Erntemaschinen, Baumaschinen, Forstmaschinen, Kommunaltraktoren sowie Maschinen für Rasen- und Golfplatzpflege und Lösungen für die Präzisionslandwirtschaft.

Welche Kritik gab es an John Deere bezüglich Reparaturen?

Es gab Kritik wegen Nutzungslizenzbedingungen, die es Besitzern verbieten, ihre Maschinen und Software zu modifizieren oder selbst zu reparieren, was zu Abhängigkeit von autorisierten Werkstätten führt.

Warum sind die Firmenfarben grün und gelb?

Die Farben gehen auf die Kulturpflanze Mais zurück, die im Mittleren Westen der USA eine große Rolle spielt.

Was ist die Wirtgen Group?

Die Wirtgen Group ist ein deutscher Hersteller von Straßenbaumaschinen mit verschiedenen Spezialmarken, den John Deere 2017 übernommen hat.

John Deere bleibt ein dominierender Akteur in seinen Kernmärkten, steht aber auch vor Herausforderungen, insbesondere im Umgang mit dem wachsenden Wunsch der Kunden nach Kontrolle und Reparatur ihrer eigenen Geräte.

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