26/06/2022
Viele Menschen kennen das Gefühl: Man wacht morgens auf und das Kiefergelenk schmerzt, die Zähne fühlen sich empfindlich an oder man hat unerklärliche Kopf- oder Nackenschmerzen. Oft steckt dahinter ein Phänomen, das nachts unbewusst abläuft: das Zähneknirschen oder auch Zähneklappern. Während Zähneklappern (manchmal auch als Zähne zittern bezeichnet) oft mit Kälte in Verbindung gebracht wird, kann es auch ein Symptom für andere Zustände sein, ebenso wie das Zähneknirschen.

Zähneknirschen, in der Fachsprache Bruxismus genannt, betrifft fast jeden zweiten Erwachsenen irgendwann im Leben. Dabei werden die Zähne unwillkürlich und mit hohem Druck aufeinandergepresst oder gerieben. Dies kann im Schlaf (Schlafbruxismus) oder auch tagsüber (Wachbruxismus) geschehen. Der Kaudruck kann dabei bis zum 10-fachen des normalen Kaudrucks betragen und pro Tag bis zu 45 Minuten andauern. Die Folgen für die Zähne und das allgemeine Wohlbefinden können erheblich sein.
Was sind Zähneknirschen und Zähneklappern?
Zähneknirschen ist das unwillkürliche Aufeinanderpressen und Reiben der Zähne, meist nachts im Schlaf. Es handelt sich um eine Parafunktion, also eine Fehlfunktion des Kausystems. Der Druck, der dabei ausgeübt wird, ist enorm und kann über Stunden hinweg die Zähne und das Kausystem belasten.
Zähneklappern hingegen beschreibt ein schnelles, unwillkürliches Aufeinanderschlagen der Zähne. Während die bekannteste Ursache Kälte ist – der Körper zittert, um Wärme zu erzeugen, und dies betrifft auch die Kiefermuskulatur – kann Zähneklappern auch andere Ursachen haben. Es kann eine Folge von Muskelkontraktionen sein, die durch Stress, Angst oder sogar bestimmte neurologische Zustände ausgelöst werden. Manchmal wird es auch als Zähne zittern oder Zähne schlottern beschrieben.
Die Folgen für Zähne und Gesundheit
Das ständige Reiben und Pressen beim Zähneknirschen führt zu einem erheblichen Verlust der Zahnhartsubstanz. Die Zähne werden förmlich abgeschliffen, was zu verkürzten Zähnen und veränderten Bisslagen führen kann. Es können feine Risse im Zahnschmelz entstehen, die sich bis zu schwerwiegenden Frakturen am Zahnhals entwickeln können. Auch Zahnersatz wie Kronen oder Brücken kann Schaden nehmen. Im schlimmsten Fall können sich Zähne sogar lockern.
Über die direkten Zahnschäden hinaus belastet Zähneknirschen das Kiefergelenk enorm. Dies kann zu schmerzhaften Verspannungen der Kaumuskulatur führen. Oft sind Kopfschmerzen, Migräne, Nackenprobleme und sogar Rückenschmerzen die Folge. Die Beweglichkeit des Kiefers kann eingeschränkt sein, und Kiefergelenkknacken ist keine Seltenheit. Es gibt sogar Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Zähneknirschen und Tinnitus.

Bei Zähneklappern, insbesondere wenn es nicht durch Kälte bedingt ist und häufig auftritt, kann es ebenfalls zu einer Belastung der Zähne und des Kiefers kommen, auch wenn die abtragende Wirkung meist geringer ist als beim Knirschen. Langanhaltendes oder starkes Klappern kann jedoch die Zähne und das Kiefergelenk stressen.
Wer ist betroffen?
Bruxismus tritt in allen Altersgruppen auf, am häufigsten sind jedoch Menschen zwischen 30 und 45 Jahren betroffen. Frauen leiden tendenziell häufiger unter nächtlichem Zähneknirschen als Männer.
Bei Babys und Kleinkindern ist Zähneknirschen während des Zahnens oder in den ersten Monaten nach dem Durchbruch der Milchzähne oft ein normaler Teil der Entwicklung. Es hilft den Kindern, ihre Kauflächen zu finden und den Biss zu formen. In dieser Phase ist es meist unbedenklich. Bei älteren Kindern und Jugendlichen sollte Zähneknirschen jedoch ebenso wie bei Erwachsenen ernst genommen werden, da es schädlich sein kann und andere Ursachen hat.
Ursachen für Zähneknirschen und Zähneklappern
Die Ursachen für Zähneknirschen und Zähneklappern sind vielfältig und oft komplex. Man unterscheidet zwischen zentralen (psychischen) und peripheren (körperlichen) Faktoren.
Psychische und emotionale Faktoren
Heute geht man davon aus, dass Zähneknirschen oft ein Zeichen für die nächtliche Verarbeitung von Stress, Sorgen, Ärger und ungelösten Alltagsproblemen ist. Es kann ein Mechanismus sein, um Stresshormone abzubauen. Experten sprechen von pathologischen Angst- und Unterdrückungsmechanismen. Auch hohe Angstzustände, innere Unruhe und psychische Anspannung können sowohl Zähneknirschen als auch Zähneklappern auslösen, da sie zu erhöhter Muskelspannung im gesamten Körper, einschließlich der Kaumuskulatur, führen können.
Körperliche und medizinische Faktoren
- Fehlstellungen des Gebisses: Nicht optimal zueinander passende Zähne, Füllungen, Kronen oder Prothesen können das Kausystem irritieren und Knirschen oder Pressen auslösen.
- Schlafapnoe: Atemaussetzer während des Schlafs stehen im Zusammenhang mit einem erhöhten Bruxismus-Risiko.
- Medikamente: Bestimmte Medikamente, insbesondere Antidepressiva (wie SSRIs) oder Antipsychotika, können als Nebenwirkung Zähneknirschen oder Muskelzittern, das zu Zähneklappern führt, verursachen.
- Neurologische Erkrankungen: Zustände wie das Tourette-Syndrom, Parkinson oder Oromandibuläre Dystonie können unwillkürliche Muskelbewegungen im Kieferbereich verursachen, die sich als Zähneknirschen oder Klappern äußern.
- Körperhaltung: Eine schlechte Körperhaltung kann zu Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich führen, die sich auf die Kiefermuskulatur auswirken können.
- Ernährung und Lebensstil: Eine ungesunde Lebensweise, übermäßiger Konsum von Koffein oder Alkohol, Rauchen sowie Mangel an bestimmten Nährstoffen (wie Vitamin D oder Kalzium, obwohl dies wissenschaftlich umstritten ist) werden manchmal als mögliche Faktoren diskutiert.
- Kälte: Wie bereits erwähnt, ist Kälte ein physiologischer Auslöser für Zähneklappern als Teil des Schüttelfrosts zur Wärmeerzeugung.
Wie erkenne ich Zähneknirschen oder Klappern und wie erfolgt die Diagnose?
Viele Betroffene erfahren erst durch ihren Partner, dass sie nachts mit den Zähnen knirschen. Wenn Sie jedoch morgens regelmäßig mit schmerzender Kaumuskulatur, einem verspannten Kiefer, Kopf- oder Nackenschmerzen aufwachen oder sich trotz ausreichend Schlaf wie gerädert fühlen, könnte Bruxismus die Ursache sein.

Der Zahnarzt kann Zähneknirschen oft bei einer Routineuntersuchung feststellen. Anzeichen dafür sind:
- Abgeschliffene oder verkürzte Zähne
- Risse oder Frakturen im Zahnschmelz oder an Füllungen/Kronen
- Übermäßig glatt polierte Stellen auf den Kauflächen
- Empfindliche Zähne, insbesondere auf Kälte
- Eine vergrößerte oder sehr feste Kaumuskulatur
- Abdrücke der Zähne auf der Zunge oder Wangenschleimhaut
Bei Zähneklappern, das nicht auf Kälte zurückzuführen ist, kann die Diagnose komplexer sein und die Konsultation eines Arztes notwendig machen, um neurologische oder andere medizinische Ursachen auszuschließen.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Therapie von Bruxismus und unwillkürlichem Zähneklappern richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache und erfordert oft einen interdisziplinären Ansatz zwischen Zahnärzten, Ärzten und Therapeuten.
Professionelle Behandlungen
- Aufbissschiene (Knirscherschiene): Dies ist oft die erste Maßnahme, um weitere Schäden an den Zähnen zu verhindern. Eine individuell angefertigte Schiene aus durchsichtigem Kunststoff wird meist nachts getragen. Sie schützt die Zähne vor dem direkten Aufeinanderreiben und kann helfen, die Kaumuskulatur zu entspannen. Es gibt verschiedene Arten von Schienen, von reinen Schutzschienen bis hin zu Entspannungsschienen für die langfristige Therapie.
- Therapie der Ursachen: Wenn Stress oder psychische Probleme die Hauptursache sind, kann eine Psychotherapie hilfreich sein, um Bewältigungsstrategien zu entwickeln.
- Physiotherapie/Osteopathie: Übungen, Massagen und Wärmebehandlungen können helfen, verspannte Kiefer-, Nacken- und Schultermuskulatur zu lockern und die Beweglichkeit des Kiefers zu verbessern.
- Medikamentenanpassung: Wenn Medikamente die Ursache sind, kann der Arzt die Dosis anpassen oder auf ein anderes Präparat umstellen.
- Behandlung neurologischer Erkrankungen: Liegt eine neurologische Ursache vor, steht die Behandlung dieser Grunderkrankung im Vordergrund.
- Korrektur von Zahnfehlstellungen: In manchen Fällen kann die Anpassung von Füllungen, Kronen oder eine kieferorthopädische Behandlung notwendig sein.
Was Sie selbst tun können
Neben professionellen Behandlungen gibt es viele Maßnahmen, die Sie selbst ergreifen können, um Zähneknirschen und stressbedingtes Klappern zu reduzieren:
- Stressbewältigung und Entspannung: Erlernen Sie Techniken wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training, Yoga oder Meditation. Krankenkassen bieten oft Kurse an. Nehmen Sie sich bewusst Zeit für Entspannung vor dem Schlafengehen.
- Kieferübungen: Sanfte Dehn- und Lockerungsübungen für die Kaumuskulatur können helfen, Verspannungen zu lösen. Eine Beispielübung: Öffnen Sie den Mund weit, legen Sie eine Hand ans Kinn und ziehen Sie es sanft nach unten, während die andere Hand auf der Stirn Gegendruck ausübt. Halten Sie die Dehnung und entspannen Sie dann langsam.
- Selbstmassage: Massieren Sie Ihre Kaumuskulatur mit sanften, kreisenden Bewegungen, beginnend am Kiefergelenk bis zum Kinn. Schmerzhafte Stellen können sanft massiert werden, eventuell während Sie den Mund leicht öffnen und schließen.
- Achtsamkeit/Bio-Feedback: Werden Sie sich bewusst, wann Sie tagsüber die Zähne zusammenpressen oder knirschen (Wachbruxismus). Dies ist der erste Schritt, um dieses Verhalten zu ändern. Bio-Feedback-Geräte können dabei unterstützen, das Knirschen bewusst wahrzunehmen.
- Vermeiden Sie Stimulanzien: Reduzieren Sie den Konsum von Koffein, Alkohol und Nikotin, besonders am Abend.
- Achten Sie auf Schlafhygiene: Sorgen Sie für regelmäßige Schlafenszeiten und eine entspannte Schlafumgebung.
- Wärmeanwendungen: Eine Wärmflasche oder ein warmes Kirschkernkissen auf der Kieferregion kann helfen, die Muskulatur zu entspannen.
Wichtig: Zähneklappern aufgrund von Kälte ist eine normale Körperreaktion. Sorgen Sie einfach für ausreichend warme Kleidung.
Häufig gestellte Fragen
Was sind die Hauptursachen für Zähneklappern?
Die häufigste Ursache für Zähneklappern ist Kälte, da der Körper durch Muskelzittern (einschließlich der Kiefermuskeln) Wärme erzeugt. Weitere Ursachen können hohe Stress- und Angstzustände, bestimmte Medikamente oder neurologische Erkrankungen sein.
Ist Zähneklappern schädlich für die Zähne?
Kurzzeitiges Klappern aufgrund von Kälte ist in der Regel harmlos. Langanhaltendes oder starkes Klappern, insbesondere wenn es mit Zähnepressen (Bruxismus) einhergeht oder auf andere Ursachen zurückzuführen ist, kann jedoch die Zähne und das Kiefergelenk belasten und potenziell zu Schäden führen.
Kann Stress Zähneklappern oder Zähneknirschen verursachen?
Ja, hohe Stress- und Angstlevel sind häufige Auslöser sowohl für Zähneknirschen (Bruxismus) als auch für Zähneklappern. Sie führen zu erhöhter Muskelspannung im Kieferbereich. Stressmanagement-Techniken können helfen, diese Symptome zu reduzieren.

Welcher Mangel verursacht Zähneklappern?
Manchmal wird ein Mangel an Vitamin D oder Kalzium in Verbindung mit Muskelzittern und damit auch Zähneklappern gebracht. Dies ist jedoch nicht die Hauptursache und sollte ärztlich abgeklärt werden. Die häufigsten Ursachen sind Kälte, Stress/Angst und neurologische Faktoren.
Ist Zähneklappern in der Nacht normal?
Zähneklappern in der Nacht ist ungewöhnlicher als Zähneknirschen. Wenn es auftritt und nicht auf Kälte im Schlafzimmer zurückzuführen ist, könnte es ein Symptom für zugrunde liegende Probleme wie Schlafapnoe, Medikamenten-Nebenwirkungen, hohe Stresslevel oder neurologische Zustände sein. Es ist ratsam, dies ärztlich abklären zu lassen.
Ist Zähneklappern beim Laufen normal?
Zähneklappern beim Laufen kann durch Kälte (besonders im Winter) oder durch Anspannung und Stress verursacht werden. Wenn es häufiger auftritt oder mit anderen Symptomen einhergeht, sollte man die Ursache untersuchen lassen.
Wann sollte ich zum Arzt gehen?
Sie sollten einen Zahnarzt oder Arzt aufsuchen, wenn Sie vermuten, dass Sie knirschen oder klappern und Symptome wie Zahnschmerzen, Kieferschmerzen, Kopfschmerzen oder Nackenverspannungen haben. Auch wenn das Klappern nicht auf Kälte zurückzuführen ist oder Sie andere besorgniserregende Symptome bemerken, ist eine professionelle Abklärung wichtig.
Fazit
Zähneknirschen und unwillkürliches Zähneklappern sind verbreitete Phänomene, die verschiedene Ursachen haben können, von Stress und Angst bis hin zu körperlichen oder neurologischen Faktoren. Die Folgen für die Zähne und die allgemeine Gesundheit können erheblich sein. Eine frühzeitige Erkennung und Behandlung sind wichtig, um langfristige Schäden zu vermeiden und das Wohlbefinden zu steigern. Glücklicherweise gibt es wirksame Behandlungsmöglichkeiten, die von zahnärztlichen Schienen über physiotherapeutische Maßnahmen bis hin zu Stressbewältigungstechniken reichen. Indem Sie auf die Signale Ihres Körpers achten und bei Bedarf professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, können Sie wirksam gegen Zähneknirschen und Klappern vorgehen.
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