19/06/2017
Die bevorstehende Prüfung löst bei Ihnen ein Gefühl der Beklemmung aus? Sie sind nicht allein. Viele Menschen erleben vor wichtigen Tests oder Prüfungen eine gewisse Nervosität oder sogar ausgeprägte Prüfungsangst. Diese Angst kann lähmend wirken und Ihr Potenzial beeinträchtigen. Doch gute Nachrichten: Es gibt wirksame Strategien, um mit dieser Angst umzugehen, sie zu reduzieren und letztendlich zu überwinden. Es geht darum, Ihre Einstellung zu ändern, sich optimal vorzubereiten und mentale Techniken anzuwenden, die Ihnen helfen, ruhig und zuversichtlich zu bleiben. Dieser Artikel zeigt Ihnen praxiserprobte Wege, wie Sie entspannter in jede Prüfungssituation gehen können.

Prüfungsangst ist eine natürliche Reaktion des Körpers auf Stress. Ein gewisses Maß an Anspannung kann sogar leistungssteigernd wirken, da es uns wach und konzentriert macht. Problematisch wird es, wenn die Angst überhandnimmt, blockiert und uns daran hindert, unser Wissen abzurufen. Ziel ist es daher nicht unbedingt, die Angst komplett abzuschalten, sondern einen gesunden Umgang mit ihr zu finden und sie so zu regulieren, dass sie uns nicht mehr schadet.
- Die Macht der Angst nehmen
- Erfolge in Erinnerung rufen
- Die Kraft der Selbstgespräche
- Fundierte Vorbereitung ist der Schlüssel
- Übung macht den Meister: Alte Prüfungen nutzen
- Mündliche Prüfungen trainieren
- Den Prüfungsablauf kennen
- Genug Zeit einplanen
- Die Power Pose anwenden
- Häufig gestellte Fragen zur Prüfungsangst
Die Macht der Angst nehmen
Der erste Schritt zur Bewältigung von Prüfungsangst ist, ihre Macht zu erkennen und ihr diese zu entziehen. Angst lebt oft von der Vorstellung des schlimmsten möglichen Szenarios. Was passiert, wenn ich durchfalle? Oft malt man sich Katastrophen aus, die fernab der Realität liegen. Es ist wichtig zu verstehen, dass eine nicht bestandene Prüfung kein Weltuntergang ist. In den meisten Fällen gibt es die Möglichkeit, die Prüfung zu wiederholen. Ein Misserfolg in einer Prüfung sagt nichts über Ihren Wert als Mensch oder Ihren generellen Lebenserfolg aus. Sehen Sie es als eine Lernerfahrung, aus der Sie gestärkt hervorgehen können.
Prominente Beispiele für Rückschläge
Die Lebensläufe vieler erfolgreicher Persönlichkeiten zeigen, dass Rückschläge und gescheiterte Prüfungen zum Leben gehören und den Weg zum Erfolg nicht verbauen müssen:
- Der weltberühmte Schriftsteller Thomas Mann musste auf dem Gymnasium zwei Klassen wiederholen und ging dann mit mittlerer Reife ab. Später erhielt er den Literaturnobelpreis.
- Der beliebte Komiker Dirk Bach brauchte drei Anläufe, um den Realschulabschluss zu schaffen.
- Peer Steinbrück, ehemaliger deutscher Finanzminister, fiel als Schüler in Fächern wie Mathematik, Latein und Altgriechisch durch Prüfungen und musste eine Eliteschule verlassen. Er bestand sein Abitur erst mit 21 Jahren.
Diese Beispiele machen deutlich: Ein einmaliger Misserfolg definiert nicht Ihre Zukunft. Nehmen Sie der Angst die extreme Bedeutung, die Sie ihr vielleicht unbewusst geben.
Erfolge in Erinnerung rufen
Eine weitere wirksame Methode, um Angst zu reduzieren, ist, sich auf Ihre vergangenen Erfolge zu konzentrieren. Denken Sie an all die schwierigen Klassenarbeiten, Tests oder mündlichen Prüfungen, die Sie bereits erfolgreich gemeistert haben. Sie haben bewiesen, dass Sie unter Druck Leistung erbringen können. Rufen Sie sich diese positiven Erfahrungen bewusst ins Gedächtnis. Erinnern Sie sich an das Gefühl des Erfolgs. Stellen Sie sich bildlich vor, wie Sie auch die anstehende Prüfung mit Bravour meistern. Diese positive Visualisierung stärkt Ihr Selbstvertrauen.
Die Kraft der Selbstgespräche
Klingt komisch, ist aber wissenschaftlich belegt und bei Spitzensportlern gang und gäbe: Selbstgespräche können Ihnen helfen, die Kontrolle zurückzugewinnen und sich zu beruhigen. In Momenten extremer Angst oder Panik übernimmt oft das limbische System, unser „emotionales Gehirn“, die Kontrolle. Wir reagieren instinktiv, sind wie erstarrt oder wollen fliehen. Indem Sie laut mit sich selbst sprechen, aktivieren Sie Ihre Großhirnrinde, den Teil des Gehirns, der für logisches Denken und Kontrolle zuständig ist. Das hilft Ihnen, aus dem Panikmodus auszubrechen und wieder rationaler zu denken.
Probieren Sie aus, ob es sich für Sie besser anfühlt, sich mit „Du“ anzusprechen („Du schaffst das!“) oder positive Affirmationen in der Ich-Form zu formulieren („Ich bin gut vorbereitet und werde mein Bestes geben.“). Beispiele für hilfreiche Sätze sind:
- „Ich habe viel gelernt und bin bereit.“
- „Ich habe schon schwierigere Situationen gemeistert.“
- „Ich konzentriere mich jetzt auf die Aufgabe.“
- „Auch wenn ich nervös bin, kann ich das schaffen.“
Diese positiven Selbstgespräche können Ihnen helfen, negative Gedankenspiralen zu durchbrechen und eine optimistischere Einstellung zu fördern.
Fundierte Vorbereitung ist der Schlüssel
Der wohl wichtigste Faktor zur Reduzierung von Prüfungsangst ist eine umfassende und systematische Vorbereitung. Unsicherheit nährt die Angst. Wenn Sie wissen, dass Sie den Stoff beherrschen, gehen Sie mit einem ganz anderen Gefühl in die Prüfung. Fangen Sie frühzeitig mit dem Lernen an. Erstellen Sie einen realistischen Lernplan und teilen Sie den Lernstoff in kleinere, überschaubare Einheiten auf. Das verhindert, dass Sie sich von der Stoffmenge überwältigt fühlen.
Effektives Lernen bedeutet nicht immer, jedes Detail perfekt zu beherrschen. Konzentrieren Sie sich auf die wesentlichen Inhalte, die voraussichtlich abgefragt werden. Versuchen Sie herauszufinden, welche Themen Schwerpunkte bilden. Nutzen Sie beispielsweise die Eisenhower-Matrix, um Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. Priorisieren Sie die Themen, die wirklich relevant sind.
Übung macht den Meister: Alte Prüfungen nutzen
Eine der effektivsten Vorbereitungsstrategien ist das Üben mit alten Prüfungsaufgaben. So machen Sie sich nicht nur mit den Fragetypen und dem Schwierigkeitsgrad vertraut, sondern gewinnen auch Sicherheit im Umgang mit Prüfungsformaten. Bitten Sie Ihre Lehrkräfte oder Dozenten um Beispielaufgaben oder Musterklausuren. Im Internet oder in Bibliotheken finden sich oft Sammlungen alter Prüfungen. Bearbeiten Sie diese unter realistischen Bedingungen (Zeitlimit!) und überprüfen Sie Ihre Ergebnisse. Das gibt Ihnen ein Gefühl dafür, wo Sie stehen und welche Bereiche Sie noch vertiefen müssen.
Mündliche Prüfungen trainieren
Mündliche Prüfungen können besonders beängstigend sein, da sie eine direkte Interaktion erfordern. Auch hier hilft Übung. Simulieren Sie die Prüfungssituation im Rollenspiel mit Freunden, Kommilitonen oder Familienmitgliedern. Lassen Sie sich Fragen stellen, üben Sie, Ihre Gedanken klar zu formulieren und auf unerwartete Fragen zu reagieren. Dieses Training hilft Ihnen, sich sicherer im freien Sprechen zu fühlen und den Ablauf einer mündlichen Prüfung besser zu verstehen. Es ist auch eine hervorragende Methode, um sich auf Vorstellungsgespräche vorzubereiten.
Den Prüfungsablauf kennen
Unbekanntes macht oft nervös. Wenn Sie genau wissen, was Sie am Prüfungstag erwartet – wie lange die Prüfung dauert, welche Hilfsmittel erlaubt sind, wie die Aufgaben gestellt werden, wann Pausen sind etc. – reduziert das die Unsicherheit erheblich. Scheuen Sie sich nicht, beim Prüfer nach dem genauen Ablauf zu fragen. Sprechen Sie auch mit Kommilitonen oder Schülern, die diese Prüfung bereits hinter sich haben. Gehen Sie den Ablauf in Gedanken immer wieder durch. Das schafft mentale Sicherheit.
Genug Zeit einplanen
Hektik am Prüfungstag ist Gift für die Nerven. Planen Sie unbedingt genügend Zeit ein, um pünktlich und stressfrei am Prüfungsort anzukommen. Lieber zu früh da sein und noch ein paar Minuten durchatmen oder sich in Ruhe orientieren, als in letzter Minute gestresst hereinzustürzen. Wenn Sie früher da sind, können Sie sich an die Umgebung gewöhnen. Ein kleiner Trick, um sich zu erfrischen und zu konzentrieren: Spritzen Sie sich auf der Toilette etwas kaltes Wasser ins Gesicht oder auf die Handgelenke.
Die Power Pose anwenden
Wenige Minuten vor der Prüfung können einfache Körperhaltungen helfen, Ihren Hormonhaushalt positiv zu beeinflussen und Stress abzubauen. Die Psychologin Amy Cuddy von der Harvard Business School hat erforscht, wie sogenannte „Power Poses“ wirken. Indem Sie für etwa zwei Minuten eine selbstbewusste, expansive Körperhaltung einnehmen, können Sie Ihr Testosteron-Level (verbunden mit Selbstvertrauen und Risikobereitschaft) erhöhen und gleichzeitig Ihr Cortisol-Level (das „Stresshormon“) senken. Beispiele für Power Poses sind:
- Die „Siegerpose“: Beide Arme nach oben strecken, sodass sie ein V bilden (wie bei Sportlern nach einem Sieg).
- Die „Superman/Superwoman“-Pose: Breitbeinig stehen und die Hände in die Hüften stemmen.
Diese Haltungen signalisieren dem Gehirn Stärke und Kontrolle. Wenn Sie sich dabei beobachtet fühlen, können Sie diese Übungen diskret auf der Toilette durchführen. Selbst wenige Minuten in einer solchen Pose können einen Unterschied in Ihrem Gefühl der Zuversicht bewirken.
Häufig gestellte Fragen zur Prüfungsangst
Ist Prüfungsangst etwas Ungewöhnliches?
Nein, Prüfungsangst ist sehr verbreitet. Viele Menschen erleben vor oder während Prüfungen Nervosität. Es ist eine natürliche Reaktion auf eine Stresssituation. Der Grad der Angst kann jedoch stark variieren.
Wann wird Prüfungsangst zum Problem?
Prüfungsangst wird dann zum Problem, wenn sie so stark ist, dass sie Sie am Lernen hindert, Sie nachts wachhält, körperliche Symptome wie Übelkeit oder Herzrasen verursacht oder dazu führt, dass Sie Ihr Wissen in der Prüfung nicht abrufen können.
Kann ich Prüfungsangst vollständig überwinden?
Für viele Menschen ist es möglich, die Angst so weit zu reduzieren, dass sie gut damit umgehen können. Oft geht es weniger darum, die Angst komplett zu eliminieren, sondern zu lernen, wie man trotz der Angst handlungsfähig bleibt. Eine gute Vorbereitung und die Anwendung von Bewältigungsstrategien sind entscheidend.
Was kann ich am Abend vor der Prüfung tun, um ruhig zu bleiben?
Vermeiden Sie es, am letzten Abend noch stundenlang zu lernen. Wiederholen Sie kurz die wichtigsten Punkte, aber konzentrieren Sie sich darauf, zu entspannen. Gehen Sie früh ins Bett, essen Sie eine leichte Mahlzeit und versuchen Sie, etwas zu tun, das Sie beruhigt (z. B. ein Buch lesen, leichte Musik hören, eine Entspannungsübung machen).
Helfen Entspannungstechniken?
Ja, Techniken wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training, Atemübungen oder Meditation können sehr hilfreich sein, um Stress abzubauen und in Prüfungssituationen ruhiger zu bleiben. Üben Sie diese Techniken am besten regelmäßig, nicht erst kurz vor der Prüfung.
Was ist, wenn ich während der Prüfung eine Panikattacke bekomme?
Versuchen Sie, eine kurze Pause einzulegen, falls möglich. Konzentrieren Sie sich auf Ihre Atmung: Langsam und tief ein- und ausatmen. Wiederholen Sie positive Selbstgespräche. Trinken Sie einen Schluck Wasser. Erinnern Sie sich daran, dass die Panik vorübergeht und Sie die Kontrolle zurückgewinnen können.
Mit den richtigen Strategien und einer guten Vorbereitung können Sie Ihre Prüfungsangst in den Griff bekommen. Konzentrieren Sie sich auf das, was Sie beeinflussen können: Ihre Vorbereitung, Ihre Einstellung und die Anwendung von Techniken zur Stressbewältigung. Gehen Sie mit Zuversicht an die Aufgabe heran – Sie haben es drauf!
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