Elektroschocker in Deutschland: Was ist erlaubt?

16/06/2023

Rating: 4.69 (6734 votes)

Die Frage der persönlichen Sicherheit beschäftigt viele Menschen. Dabei rücken immer wieder Selbstverteidigungswerkzeuge wie Elektroschocker in den Fokus. Doch was ist in Deutschland legal? Welche Geräte dürfen Sie besitzen und führen? Und wie wirksam sind sie tatsächlich? Dieser Artikel beleuchtet die rechtliche Situation und die Funktionsweise von Elektroschockern, insbesondere im Hinblick auf die in Deutschland zulässigen Modelle und die immer beliebter werdenden Elektroschockstifte.

Übersicht

Die rechtliche Lage in Deutschland: Das PTB-Prüfzeichen

In Deutschland ist der Umgang mit Elektroschockern durch das Waffengesetz (WaffG) streng geregelt. Grundsätzlich gilt: Die meisten Elektroschockgeräte sind für Privatpersonen verboten. Es gibt jedoch eine wichtige Ausnahme, die durch das sogenannte PTB-Prüfzeichen (Prüfzeichen der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt) gekennzeichnet ist.

Welche Elektroschocker sind in Deutschland erlaubt?
3 WaffG in Deutschland grundsätzlich verboten. Erlaubt sind Elektroschocker aber, die mit dem PTB-Prüfzeichen der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt ausgestattet sind. Außerdem dürfen nur Personen Umgang mit Elektroschockern haben, die mindestens 18 Jahre alt sind.

Nur Kontaktgeräte (also solche, die direkten Körperkontakt benötigen und keine Projektile verschießen), die dieses amtliche Prüfzeichen tragen, sind in Deutschland für den Erwerb, den Besitz und das Führen durch volljährige Personen zugelassen. Das PTB-Prüfzeichen bescheinigt, dass das Gerät gesundheitlich unbedenklich ist, zumindest im Rahmen der gesetzlichen Normen.

Was bedeutet das PTB-Prüfzeichen konkret?

Geräte mit PTB-Prüfzeichen müssen bestimmte Kriterien erfüllen, um als gesundheitlich unbedenklich zu gelten. Das wichtigste Kriterium ist die automatische Abschaltung nach einer kurzen Einwirkzeit. Die Geräte dürfen maximal 10 Sekunden lang Strom abgeben. Bei bestimmten Stromstärken (zwischen 300 und 500 mA effektivem Kurzzeitstrom eines Impulses) muss die Abschaltung sogar bereits nach 4 Sekunden erfolgen. Diese Begrenzung der Einwirkdauer soll sicherstellen, dass die abgegebene elektrische Ladung und Energie ein gesundheitlich tolerierbares Maß nicht überschreiten und das Risiko schwerwiegender Folgen minimiert wird.

Im Gegensatz dazu sind Distanz-Elektroimpulsgeräte, wie beispielsweise Taser, bei denen Projektile mit Widerhaken verschossen werden, in Deutschland seit dem 1. April 2008 generell verboten und nicht zulassungsfähig. Sie sind Spezialeinheiten der Polizei vorbehalten und fallen nicht unter die für Zivilisten erlaubten Geräte.

Altgeräte ohne PTB-Prüfzeichen, die vor dem 1. Januar 2011 erworben wurden, durften zwar bis Ende 2010 noch besessen und geführt werden. Seit 2011 ist der Umgang (Erwerb, Besitz, Führen) nur noch mit PTB-geprüften Geräten erlaubt. Für Altgeräte ohne Prüfzeichen kann beim Bundeskriminalamt (BKA) eine Ausnahmegenehmigung für den reinen *Besitz* beantragt werden, das Führen oder Weiterverkaufen ist jedoch untersagt.

Sind Elektroschockstifte wirksam?
Bei Bedarf kann sein elektrischer Schlag jede Bedrohung durch Muskelkrämpfe, starke Schmerzen und vorübergehende Desorientierung außer Gefecht setzen, was ihn zu einer zuverlässigen Wahl für den persönlichen Schutz macht.

Wie stark sind legale Elektroschocker (mit PTB-Prüfzeichen)?

Die Stärke eines Elektroschockers wird oft anhand der Leerlaufspannung in Volt angegeben, die sehr hoch sein kann (theoretisch bis zu einigen 100 kV, praktisch oft bis ca. 50 kV, begrenzt durch den Elektrodenabstand). Wichtiger für die tatsächliche Wirkung auf den Körper sind jedoch die Stromstärke der Impulse, die Impulsform, die Frequenz und vor allem die übertragene elektrische Ladung sowie die Einwirkdauer.

Legale Elektroschocker mit PTB-Prüfzeichen erzeugen zwar ebenfalls hohe Spannungen und können hohe Stromspitzen erreichen (bis zu 100 Ampere bei modernen Modellen unter Last), ihre Wirkung ist jedoch durch die vorgeschriebene kurze Einwirkzeit (maximale 10 Sekunden, oft kürzer) begrenzt. Im Vergleich zu nicht zugelassenen oder für die Polizei entwickelten Geräten (wie Tasern, die zwar oft eine geringere Stromstärke, aber eine andere Impulsform und Einwirkdauer haben können) gelten PTB-geprüfte Geräte als "deutlich schwächer", da ihre Energieabgabe begrenzt ist, um die gesundheitliche Unbedenklichkeit gemäß Norm zu gewährleisten.

Ziel ist es, das sensorische und motorische Nervensystem temporär zu überlasten und Schmerz sowie Muskelkontraktionen zu verursachen, ohne bleibende Schäden zu hinterlassen oder lebensbedrohliche Zustände hervorzurufen. Die Begrenzung der Ladung (bis zu maximal 0,2 mC gemäß Norm) spielt hier eine entscheidende Rolle.

Die Wirkung von Elektroschockern: Schmerz und Lähmung

Bei Kontakt mit den Elektroden eines ausgelösten Elektroschockers durchläuft der elektrische Impuls den Körper auf dem kürzesten Weg zwischen den beiden Kontakten. Dies führt zu:

  • Extremen, quälenden, akuten Schmerzen.
  • Unwillkürlichen Muskelkontraktionen im Strompfad.
  • Zeitweisen Lähmungen von Sekunden- bis Minuten-Dauer, die zur Handlungsunfähigkeit führen sollen.

Zusätzlich erzeugen viele Geräte beim Auslösen ein lautes, knackendes Geräusch und sichtbare Lichtbögen zwischen den Elektroden. Dieses Geräusch allein kann bereits eine stark abschreckende Wirkung haben und einen potentiellen Angreifer in die Flucht schlagen, noch bevor es zum Kontakt kommt.

Es ist wichtig zu wissen, dass die Wirkung von Person zu Person unterschiedlich sein kann und von Faktoren wie dem Hautwiderstand, der Art des Kontakts (direkt oder über Kleidung) und dem körperlichen Zustand des Betroffenen abhängt. Bei Personen unter Einfluss von Drogen oder Alkohol kann die Schmerzempfindlichkeit reduziert sein, die Muskelkontraktion tritt aber dennoch auf.

Wie stark sind legale Elektroschocker?
AntifolterVO – ist die ungenehmigte Ausfuhr von Elektroschock-Gürteln, die konstruiert sind, um durch Abgabe von Elektroschocks mit einer Leerlaufspannung größer als 10.000 V auf Menschen Zwang auszuüben, verboten.

Elektroschockstifte: Diskretion und Wirksamkeit

Eine besondere Form des Elektroschockers ist der Elektroschockstift (oder "Stun Pen"). Wie im Fall des beschriebenen Streetwise Pain Pen, zeichnen sich diese Geräte durch ihre extreme Diskretheit aus. Sie sind so gestaltet, dass sie auf den ersten Blick wie gewöhnliche Kugelschreiber aussehen. Dies ermöglicht ein unauffälliges Mitführen in der Handtasche, der Hosentasche oder am Hemd, ohne unnötige Aufmerksamkeit zu erregen.

Die Wirksamkeit eines Elektroschockstifts, der in Deutschland legal sein soll, hängt davon ab, ob er das erforderliche PTB-Prüfzeichen besitzt. Ist dies der Fall, gelten für ihn die gleichen Leistungsbegrenzungen und Sicherheitsanforderungen wie für andere legale Kontakt-Elektroschocker. Trotz der geringen Größe können auch diese Stifte eine überraschend starke elektrische Entladung erzeugen, die ausreicht, um Schmerz und Desorientierung zu verursachen und so Zeit zur Flucht zu verschaffen.

Vorteile von Elektroschockstiften können sein:

  • Sehr diskretes Design.
  • Kompakte Größe, leicht zu transportieren.
  • Abschreckendes Geräusch beim Auslösen.
  • Oft wiederaufladbar (z.B. via USB-C) und mit Ladeanzeigen ausgestattet.
  • Manche Modelle verfügen über zusätzliche Funktionen wie eine integrierte Taschenlampe.

Nachteile könnten sein, dass sie aufgrund ihrer geringen Größe für Personen mit sehr großen Händen unhandlich sein können.

Mögliche Risiken und Sekundärwirkungen

Obwohl legale Elektroschocker mit PTB-Prüfzeichen als gesundheitlich unbedenklich im Sinne der Norm gelten, sind Risiken nie vollständig ausgeschlossen. Die Hauptgefahr geht oft nicht vom Stromschlag selbst aus, sondern von Sekundärverletzungen.

Ein plötzlicher, unkontrollierter Sturz infolge der Muskelkontraktionen kann zu Hautabschürfungen, Blutergüssen, Prellungen, Platzwunden oder sogar schweren Knochenbrüchen und Schädel-Hirn-Traumata führen. Besonders gefährdet sind hierbei Personen, deren Schutzreflexe (z.B. beim Fallen das Abfangen mit den Händen) durch den Stromschlag ausgeschaltet werden.

Wie viel Volt sind tödlich Elektroschocker?
Von Lara Straatmann, Herbert Kordes. Georg Restle: „Ein so genannter Taser im Polizeieinsatz. 50.000 Volt treffen auf einen menschlichen Körper und setzen ihn außer Gefecht. Diese Bilder kommen aus den USA.

Es gab und gibt auch Diskussionen über mögliche schwerwiegende gesundheitliche Folgen, insbesondere bei Personen mit Vorerkrankungen (z.B. Herzproblemen) oder unter Einfluss von Substanzen. Während Hersteller und Normen betonen, dass die Impulse legaler Geräte so gestaltet sind, dass sie kein Kammerflimmern auslösen sollen, ist die wissenschaftliche Bewertung, insbesondere für spezielle Impulsformen und Risikogruppen, komplex und wird teilweise noch diskutiert. Die Debatte um die Gefährlichkeit von Elektroschockern, insbesondere leistungsstärkeren Modellen, die nicht für den zivilen Markt zugelassen sind, zeigt, dass die Wirkung elektrischer Impulse auf den menschlichen Körper vielschichtig ist.

Die Nutzung eines Elektroschockers sollte daher immer eine Ultima Ratio sein und nur zur Abwehr eines unmittelbaren rechtswidrigen Angriffs eingesetzt werden, bei dem mildere Mittel nicht ausreichen oder nicht zur Verfügung stehen (Notwehr).

Vergleich: Legale vs. Illegale Geräte

Um die Unterschiede zu verdeutlichen, hier eine vereinfachte Gegenüberstellung:

MerkmalLegale Elektroschocker (Kontaktgeräte mit PTB-Prüfzeichen)Illegale Elektroschocker (z.B. Taser, Kontaktgeräte ohne PTB)
Zulässigkeit für Zivilisten in DeutschlandJa, ab 18 JahrenNein, grundsätzlich verboten
Benötigtes PrüfzeichenPTB-PrüfzeichenKein PTB-Prüfzeichen (oder gar keines)
FunktionsweiseDirekter Körperkontakt erforderlichKontakt oder Distanz (Projektile bei Tasern)
Max. Einwirkdauer (gesetzlich vorgeschrieben)10 Sek. (teilweise 4 Sek.) automatische AbschaltungLänger oder keine automatische Abschaltung
Ziel der BegrenzungGesundheitliche Unbedenklichkeit gemäß Norm, minimiertes RisikoMaximale Deaktivierungswirkung, höheres Risiko
BeispieleHandgeräte, Stäbe, Stifte (mit PTB-Prüfzeichen)Taser, stärkere Kontaktgeräte ohne PTB-Prüfzeichen

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Sind Elektroschocker in Deutschland generell legal?

Nein, nur Elektroschocker, die als Kontaktgeräte ausgeführt sind und das amtliche PTB-Prüfzeichen tragen, sind für volljährige Zivilisten legal. Distanz-Elektroimpulsgeräte (Taser) sind verboten.

Was bedeutet das PTB-Prüfzeichen bei Elektroschockern?

Das PTB-Prüfzeichen bestätigt, dass das Gerät gesundheitlich unbedenklich ist, da es bestimmte Kriterien erfüllt, insbesondere eine automatische Abschaltung der Stromabgabe nach maximal 10 Sekunden (oft kürzer) und die Einhaltung von Grenzwerten für die übertragene elektrische Ladung.

Wie stark sind legale Elektroschocker?

Sie erzeugen hohe Spannungen, sind aber durch die kurze, gesetzlich vorgeschriebene Einwirkdauer (automatische Abschaltung durch das PTB-Prüfzeichen) in ihrer Energieabgabe begrenzt, um das Risiko schwerwiegender gesundheitlicher Folgen zu minimieren. Sie sind deutlich schwächer als nicht zugelassene oder polizeiliche Geräte.

Welche Elektroschocker sind in Deutschland erlaubt?
3 WaffG in Deutschland grundsätzlich verboten. Erlaubt sind Elektroschocker aber, die mit dem PTB-Prüfzeichen der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt ausgestattet sind. Außerdem dürfen nur Personen Umgang mit Elektroschockern haben, die mindestens 18 Jahre alt sind.

Sind Elektroschockstifte legal und wirksam?

Elektroschockstifte sind legal, wenn sie das erforderliche PTB-Prüfzeichen besitzen. Ihre Wirksamkeit liegt in der Kombination aus Schmerz, temporärer Lähmung durch den Stromschlag und dem abschreckenden Geräusch. Ihre Hauptvorteile sind die Diskretheit und einfache Handhabung im Rahmen der legalen Leistungsbegrenzungen.

Können Elektroschocker gefährlich sein?

Auch legale Geräte sind nicht völlig risikofrei. Die Hauptgefahr sind Sekundärverletzungen durch Stürze infolge des Stromschlags. Schwere gesundheitliche Folgen durch den Stromschlag selbst sind bei PTB-geprüften Geräten unwahrscheinlich, werden aber in seltenen Fällen oder bei Risikogruppen diskutiert.

Darf ich einen Elektroschocker ohne PTB-Prüfzeichen besitzen?

Nein, grundsätzlich ist der Besitz ohne PTB-Prüfzeichen verboten. Für Altgeräte, die vor 2011 erworben wurden, kann eine BKA-Ausnahmegenehmigung für den reinen Besitz beantragt werden, das Führen ist jedoch untersagt.

Fazit

Wer in Deutschland einen Elektroschocker zur Selbstverteidigung erwerben und führen möchte, muss unbedingt auf das Vorhandensein des PTB-Prüfzeichens achten. Nur diese Geräte sind legal. Sie bieten eine Möglichkeit zur Abwehr eines Angreifers durch Schmerz, temporäre Handlungsunfähigkeit und ein abschreckendes Geräusch, sind aber in ihrer Wirkung begrenzt, um die gesundheitliche Unbedenklichkeit gemäß gesetzlicher Normen zu gewährleisten. Elektroschockstifte bieten hier eine besonders diskrete Option, sofern sie ebenfalls über das nötige Prüfzeichen verfügen. Trotz der Zulassung sollte man sich der potenziellen Risiken, insbesondere der Gefahr von Sturzverletzungen, bewusst sein und den Einsatz als letztes Mittel der Notwehr betrachten.

Wenn du mehr spannende Artikel wie „Elektroschocker in Deutschland: Was ist erlaubt?“ entdecken möchtest, schau doch mal in der Kategorie Bürobedarf vorbei!

Go up