08/09/2023
Die Geschichte des europäischen Porzellans ist untrennbar mit einem Namen verbunden: Meissen. Im Jahr 1710 auf Befehl Augusts des Starken auf der Albrechtsburg in Meißen gegründet, war die Manufaktur lange Zeit die einzige Produktionsstätte des begehrten „weißen Goldes“ in Europa. Dieses Material war so wertvoll, dass die geheime Rezeptur zur Herstellung heiß umkämpft war. Als das Wissen schließlich nach Wien gelangte und dort eine weitere Porzellanmanufaktur entstand, wurde ein eindeutiges Erkennungszeichen für originale Meissner Stücke unerlässlich.

Aus dieser Notwendigkeit heraus entstand das wohl berühmteste Porzellan-Markenzeichen der Welt: die Gekreuzten Schwerter. Dieses Siegel sollte die Echtheit des Meissner Porzellans garantieren und es von Nachahmungen unterscheiden, die nach der Preisgabe des Geheimnisses aufkamen. Bis heute sind die Gekreuzten Schwerter das Symbol für höchste Qualität und Tradition im Porzellanhandwerk.
Das weltberühmte Markenzeichen: Die Gekreuzten Schwerter
Die Einführung eines fälschungssicheren Siegels war eine direkte Reaktion auf die Verbreitung des geheimen Porzellanrezepts. Nachdem die Wiener Porzellanmanufaktur gegründet worden war und begann, Produkte aus Meissen zu kopieren, schlug Johann Melchior Steinbrück, der damalige Inspektor der Meissner Manufaktur, im November 1722 vor, die gekreuzten Schwerter des kursächsischen Wappens als Kennzeichen zu verwenden. Dies war die Geburtsstunde eines ikonischen Markenzeichens.
Die Gekreuzten Schwerter dienten somit von Anfang an dazu, Originale aus Meissen zweifelsfrei zu identifizieren und ihre Herkunft zu bezeugen. Im Laufe der Jahrhunderte hat sich die genaue Darstellung der Schwerter leicht verändert, um auch eine zeitliche Einordnung der Stücke zu ermöglichen. Verschiedene Symbole wurden hinzugefügt oder weggelassen, um unterschiedliche Epochen zu kennzeichnen.
Die Form der Gekreuzten Schwerter, wie wir sie heute kennen und wie sie bis heute verwendet wird, wurde erst im Jahr 1924 festgelegt. Seitdem zeigt das Meissner Siegel zwei nach innen gebogene Schwerter ohne Knäufe. Eine weitere Vereinfachung erfolgte 1934, als auf Punkte und alle weiteren zusätzlichen Symbole verzichtet wurde, sodass nur noch die reinen Schwerter als Zeichen bestehen blieben.
Ein weiteres unverwechselbares Merkmal, das zur Fälschungssicherheit des Meissner Porzellans beiträgt, ist die berühmte blaue Unterglasurfarbe. Diese Farbe wurde bereits 1720 entwickelt, nur zehn Jahre nach der Gründung der Manufaktur. Die Anwendung der Farbe unter der Glasur macht sie extrem haltbar und fest mit dem Porzellan verbunden, was die Nachahmung zusätzlich erschwerte.
Wie wird das Meissen-Zeichen aufgebracht?
Ein entscheidendes Qualitätsmerkmal und ein Aspekt, der oft Gegenstand von Fragen ist, betrifft die Aufbringung des Markenzeichens. Es ist wichtig zu wissen, dass die Gekreuzten Schwerter bei Meissen traditionell in kobaltblauer Unterglasurmalerei von Hand aufgetragen werden. Dies geschieht auf jedes einzelne Porzellanstück. Die Tatsache, dass jedes Zeichen individuell und von Hand gemalt wird, unterstreicht den Manufakturcharakter und die Handwerkskunst, die in jedem Stück steckt. Die handgemalte Signatur ist somit ein integraler Bestandteil der Authentizität des Meissner Porzellans.
Die Bedeutung der Gekreuzten Schwerter
Die weltberühmten Gekreuzten Schwerter sind nicht nur ein Logo, sondern das offizielle Markenzeichen der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen. Ihre Einführung war, wie bereits erwähnt, eine direkte Folge der Notwendigkeit, sich von Nachahmern abzugrenzen. Sie basieren auf dem Wappen der Kurfürsten von Sachsen und symbolisieren somit auch die historische Verbindung der Manufaktur zum sächsischen Herrscherhaus, das ihre Gründung ermöglichte.
Die AR-Markierung
Neben den Gekreuzten Schwertern gibt es eine weitere historische Markierung, die auf bestimmten Meissener Porzellanen zu finden ist: das Monogramm „AR“. Diese Markierung steht für „Augustus Rex“ und bezieht sich sowohl auf August den Starken als auch auf dessen Sohn August III. Es handelt sich hierbei jedoch nicht um eine allgemeine Fabrikationsmarke im Sinne der Gekreuzten Schwerter. Vielmehr war „AR“ eine Eigentumsmarkierung. Nur Porzellane, die speziell für den Hof und den persönlichen Gebrauch dieser beiden Könige bestimmt waren, wurden mit dieser Marke gekennzeichnet. Sie ist somit ein Hinweis auf die königliche Provenienz eines Stücks.
Qualitätsunterschiede: I. Wahl und II. Wahl bei Meissen
Wie bei vielen hochwertigen Manufakturprodukten gibt es auch bei Meissen Porzellan unterschiedliche Qualitätsstufen, die gekennzeichnet werden. Die höchste Qualitätsstufe ist die sogenannte I. Wahl. Diese Stücke sind makellos und entsprechen den allerhöchsten Anforderungen der Manufaktur. Es gibt jedoch auch Porzellan, das als II. Wahl eingestuft wird. Es ist entscheidend zu verstehen, was II. Wahl bedeutet und woran man sie erkennt.
Was ist Porzellan II. Wahl?
II. Wahl bei Porzellan beschreibt eine Einstufung, die der Hersteller vornimmt. Es handelt sich hierbei nicht um Gebrauchsspuren oder Beschädigungen, die ein Porzellanstück im Laufe der Zeit durch Nutzung erfahren kann. Stattdessen wird ein Stück bereits während oder nach dem Herstellungsprozess vom Hersteller selbst als II. Wahl deklariert, wenn es minimale Abweichungen von der Perfektion der I. Wahl aufweist.

Diese Abweichungen sind oft sehr gering und für Laien häufig kaum erkennbar. Porzellan der II. Wahl weist keine groben Beschädigungen wie Macken, Sprünge oder Absplitterungen auf. Es handelt sich um vollwertiges, hochwertiges Porzellan. Die Mängel, die zur Einstufung als II. Wahl führen, sind winzig und subtil. Beispiele für solche kleinen Fehler sind ein minimaler Farbeinschluss in der Glasur oder im Scherben, ein sehr kleiner Fehler im Dekor, der nicht ganz den strengen Vorgaben der I. Wahl entspricht, oder ein winziges Glasurpickelchen – eine kleine Erhebung in der glatten Glasuroberfläche. Solche geringfügigen Unregelmäßigkeiten reichen aus, damit ein Stück nicht mehr den Kriterien der makellosen ersten Wahl entspricht und somit als II. Wahl klassifiziert wird.
Wie wird Porzellan II. Wahl gekennzeichnet?
Die Kennzeichnung von II. Wahl ist in vielen Porzellanmanufakturen ähnlich geregelt. Auch bei Meissen wird Porzellan der II. Wahl auf der Unterseite markiert, um es eindeutig von der I. Wahl zu unterscheiden. Die gebräuchlichste Methode dafür ist ein kleiner Kratzer im Markenzeichen auf der Unterseite des Stücks. Dieser Kratzer wird oft als Schleifstrich bezeichnet. Der Schleifstrich signalisiert, dass das Stück minimale, nicht strukturelle Mängel aufweist, die es von der perfekten I. Wahl abgrenzen.
Es ist wichtig zu betonen, dass Porzellan der II. Wahl trotz dieser kleinen Schönheitsfehler von hoher Qualität ist und voll funktionsfähig bleibt. Der Unterschied zur I. Wahl liegt ausschließlich in diesen winzigen, oft kaum wahrnehmbaren Unregelmäßigkeiten, die aus dem anspruchsvollen Herstellungsprozess resultieren können. Für Sammler, die absolute Perfektion suchen, ist die I. Wahl entscheidend. Für den alltäglichen Gebrauch oder für Liebhaber, die Wert auf das Design und die Herkunft legen und mit kleinen Fehlern leben können, kann II. Wahl eine attraktive Option sein.
Häufig gestellte Fragen
Viele Interessenten am Meissen Porzellan haben ähnliche Fragen, insbesondere bezüglich der Authentizität und Qualität.
Ist Meissen Porzellan immer handgemalt?
Nach den uns vorliegenden Informationen wird das berühmte Markenzeichen, die Gekreuzten Schwerter, bei Meissen traditionell in kobaltblauer Unterglasurmalerei von Hand auf jedes einzelne Porzellan aufgetragen. Während die Grundformen und Dekore in einem komplexen Prozess entstehen, ist die Signatur der Manufaktur, das Markenzeichen selbst, handgemalt. Über die Handbemalung von Dekoren auf allen Stücken liegen uns hier keine allgemeinen Informationen vor, aber das Markenzeichen selbst wird handgemalt.
Welche Bedeutung hat das Meissen-Zeichen?
Das Meissen-Zeichen, die Gekreuzten Schwerter, ist das offizielle Markenzeichen der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen. Es wurde eingeführt, um Originale von Nachahmungen zu unterscheiden, nachdem das Geheimnis der Porzellanherstellung in Europa bekannt wurde. Es symbolisiert die Herkunft des Porzellans aus der ältesten europäischen Manufaktur und steht für deren lange Tradition und hohe Qualität. Es basiert auf dem Wappen der sächsischen Kurfürsten.
Wie erkennt man Meißens erste Wahl?
Meißens erste Wahl (I. Wahl) ist Porzellan ohne jegliche erkennbare Mängel, die über die normalen, minimalen Toleranzen des Herstellungsprozesses hinausgehen. Es ist makellos in Form, Glasur und Dekor. Im Gegensatz zur II. Wahl trägt Porzellan der I. Wahl in der Regel keine zusätzliche Markierung wie einen Schleifstrich im Markenzeichen auf der Unterseite. Das Fehlen eines solchen Kratzers am Markenzeichen auf der Unterseite ist das übliche Indiz für I. Wahl.
Woran erkennt man Meißens zweite Wahl?
Meißens zweite Wahl (II. Wahl) erkennt man an einer spezifischen Kennzeichnung auf der Unterseite des Stücks. Typischerweise wird ein Porzellanstück, das als II. Wahl eingestuft wurde, durch einen kleinen Kratzer, den sogenannten Schleifstrich, im Markenzeichen (den Gekreuzten Schwertern) auf der Unterseite gekennzeichnet. Die Mängel selbst, die zur Einstufung führen, sind oft sehr klein, wie minimale Farbeinschlüsse, leichte Dekorfehler oder kleine Glasurunregelmäßigkeiten.
Wofür steht die AR-Markierung?
Die AR-Markierung steht für „Augustus Rex“ und war eine Eigentumsmarkierung, die auf Porzellanen angebracht wurde, die für den persönlichen Gebrauch von August dem Starken und seinem Sohn August III. bestimmt waren. Es handelt sich nicht um eine allgemeine Fabrikationsmarke.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Meissen Porzellan eine reiche Geschichte und eine Tradition der Handwerkskunst verkörpert, symbolisiert durch das berühmte, handgemalte Markenzeichen der Gekreuzten Schwerter. Die Unterscheidung zwischen erster und zweiter Wahl ermöglicht es der Manufaktur, auch Stücke mit winzigen, meist nur für Experten sichtbaren Fehlern anzubieten, die durch den Schleifstrich klar gekennzeichnet sind, während die I. Wahl für absolute Perfektion steht.
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