21/10/2022
Das Spielwaren-Fachgeschäft Obletter blickt auf eine sehr lange und bewegte Geschichte zurück. Gegründet im Jahr 1825 in München, hat sich das Unternehmen über fast zwei Jahrhunderte hinweg zu einer Institution in der bayerischen Landeshauptstadt entwickelt. Doch hinter dem bekannten Namen und den klassischen Spielwaren verbirgt sich eine Firmengeschichte, die von Familienbesitz, Expansion und wechselnden Eigentümern geprägt ist. Die Frage „Wem gehört Obletter?“ ist daher nicht mit einer einfachen Jahreszahl zu beantworten, sondern führt durch verschiedene Epochen der Unternehmensentwicklung.

Die Wurzeln von Obletter reichen zurück bis ins Jahr 1825. In diesem Jahr eröffnete Josef Obletter, dessen Familie ursprünglich aus Gröden in Südtiessen stammte, sein erstes Geschäft am Marienplatz in München. Mit dieser Gründung legte er den Grundstein für das, was sich zum ältesten und größten Spielwarengeschäft Münchens entwickeln sollte. Die Qualität und das Ansehen des Geschäfts waren so hoch, dass Obletter sogar den begehrten Titel des königlichen Hoflieferanten erhielt – ein Zeichen für die besondere Wertschätzung seiner Produkte und Dienstleistungen in der damaligen Zeit.
Vom Familienunternehmen zum Verkauf
Nach der Ära des Gründers Josef Obletter ging das Geschäft in neue Hände über. Es wurde an den Kaufmann Karl Wiedling verkauft, der von 1867 bis 1917 lebte. Nach seinem Tod wurde das Geschäft von seinem Neffen Egon Wiedling und später von dessen Sohn Karl Wiedling weitergeführt. Die Familie Wiedling prägte das Unternehmen über mehrere Generationen hinweg und baute dessen Ruf weiter aus. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es jedoch zu einer Trennung innerhalb der Familie. Egon Wiedling führte fortan sein eigenes Spielwarengeschäft unter dem Namen Spielwaren Wiedling in der Theatinerstraße in München.
Das Geschäft, das weiterhin den Namen Obletter trug, zog unterdessen an einen neuen, sehr prominenten Standort: den Karlsplatz, besser bekannt als Stachus. Dieser Umzug markierte einen wichtigen Schritt in der Geschichte des Unternehmens, da sich das Geschäft am Stachus über beeindruckende zwei Häuser erstreckte und damit eine noch größere Verkaufsfläche bieten konnte. Der Standort am Stachus wurde schnell zum Synonym für Obletter.
Logowechsel und Expansion unter Franz Carl Weber
Das Unternehmen Obletter blieb bis etwa 1972 im Familienbesitz. Zu dieser Zeit verfügte Obletter neben dem Hauptgeschäft am Stachus über weitere Filialen in München, darunter eine in Schwabing und eine weitere am Marienplatz, dem historischen Gründungsort. Rund um das Jahr 1972 erfolgte ein signifikanter Eigentümerwechsel: Obletter wurde an die Schweizer Firma Franz Carl Weber (FCW) mit Sitz in Zürich verkauft. Dieser Verkauf beendete die lange Tradition des Familienbesitzes.
Mit der Übernahme durch Franz Carl Weber änderte sich auch das Erscheinungsbild von Obletter. Das ursprüngliche Logo, das einen Teddybär mit Ball zeigte, wurde durch ein neues Logo ersetzt: ein rotes Feld mit einem weißen Schaukelpferd. Dieses neue Symbol sollte die Marke Obletter unter dem Dach von FCW repräsentieren. Allerdings hielt dieses Schaukelpferd-Logo nicht lange. Bereits 1970, also kurz vor oder im Zuge der Übernahme, wurde es aufgegeben und stattdessen die schlichte Wortmarke „Obletter“ eingeführt. Dieses bis heute bekannte Logo wurde von dem Münchner Grafiker Rudolf Schwarzbeck entworfen.
Unter der Ägide von Franz Carl Weber expandierte Obletter. Die Firma FCW Zürich erwarb weitere Familienunternehmen im deutschen Spielwarenhandel und eröffnete auch neue Geschäfte unter dem Namen Obletter. Die Firmengruppe, zu der Obletter nun gehörte, umfasste zeitweise circa 30 Einzelhandelsgeschäfte, verteilt über verschiedene Standorte.
Herausforderungen und der Übergang zu Müller
Mitte der 1980er Jahre, genauer gesagt ab dem Jahr 1984, traten Probleme innerhalb der Firmengruppe auf. Die wirtschaftliche Lage und möglicherweise auch interne Strategien führten dazu, dass Maßnahmen ergriffen werden mussten, die den Bestand der Obletter-Gruppe veränderten. Teilweise wurden Geschäfte geschlossen, während andere Filialen verkauft wurden. Ein Beispiel hierfür war die Schließung oder der Verkauf des Geschäfts im Olympia-Einkaufszentrum in München.
Ein kleinerer Kern der Gruppe, zu dem insbesondere das Hauptgeschäft am Stachus gehörte, wurde von Investoren weitergeführt. Diese Investorengruppe versuchte, den Betrieb aufrechtzuerhalten und das traditionsreiche Geschäft zu sichern. Diese Phase dauerte bis ins Jahr 1997 an.
Im Jahr 1997 erfolgte ein weiterer entscheidender Eigentümerwechsel. Der verbleibende Bestand der Obletter-Gruppe, insbesondere das Herzstück am Münchner Stachus, wurde von der Drogeriekette Müller aus Ulm übernommen. Seitdem ist Obletter ein Unternehmen der Müller-Gruppe. Diese Übernahme markierte das Ende der Ära unter Investoren und die Integration in einen großen Handelskonzern.
Obletter unter dem Dach von Müller
Seit der Übernahme durch die Müller Handels GmbH & Co. KG im Jahr 1997 gehört Obletter fest zur Müller-Gruppe. Diese Zugehörigkeit hatte erhebliche Auswirkungen auf die Struktur und den Umfang des Obletter-Geschäftsnetzes. Da die meisten Filialen der Drogeriekette Müller bereits über eigene, oft sehr umfangreiche Spielwarenabteilungen verfügen, sah Müller nach der Übernahme wenig Bedarf, das bestehende Obletter-Filialnetz in vollem Umfang weiterzuführen.
Die Folge war eine Phase der Restrukturierung, die hauptsächlich aus der Schließung oder dem Weiterverkauf eines Großteils der Obletter-Filialen bestand. Viele Standorte, die unter Franz Carl Weber und den nachfolgenden Investoren betrieben wurden, stellten ihren Betrieb ein oder wurden an kleinere, unabhängige Unternehmer verkauft. Dies führte zu der Situation, dass in zahlreichen Kleinstädten zwar noch Spielwarengeschäfte mit dem Namen Obletter existieren, diese aber keinerlei Verbindung mehr zur Müller-Gruppe oder dem ursprünglichen, großen Obletter-Unternehmen haben.
Der Prozess der Filialschließungen zog sich über mehrere Jahre hin. Am 1. März 2007 schloss beispielsweise die letzte Filiale außerhalb Münchens, die sich in der Innenstadt von Nürnberg befand. Von den ehemals zwölf Niederlassungen, die Müller im Jahr 1997 übernommen hatte, existiert heute nur noch eine einzige: die am Münchner Stachus.
Der heutige Status von Obletter am Stachus
Heute ist Obletter am Stachus nicht nur das letzte verbliebene Geschäft unter diesem Namen im Besitz der Müller-Gruppe, sondern vor allem ein beliebtes und bekanntes Ladenlokal in München. Trotz der turbulenten Geschichte und der Reduzierung auf einen einzigen Standort hat sich Obletter am Stachus seine Identität bewahrt, zumindest in Bezug auf das Sortiment.
Das Geschäft erstreckt sich über zwei Etagen und bietet ein Sortiment von rund 16.000 Artikeln. Obletter am Stachus setzt nach wie vor stark auf klassisches Spielzeug, das in vielen modernen Spielwarenabteilungen oder Online-Shops seltener zu finden ist. Dazu gehören traditionelle Artikel wie Schaukelpferde, hochwertiges Holzspielzeug, eine große Auswahl an Brettspielen, aber auch nostalgische oder besondere Stücke wie Marionetten und sogar Dampfmaschinen. Dieses spezifische Angebot unterscheidet Obletter am Stachus von den allgemeinen Spielwarenabteilungen der Müller-Drogeriemärkte.
Die Zukunft des Standorts am Stachus war zeitweise ungewiss. Medienberichte im Jahr 2022 deuteten darauf hin, dass Müller den Mietvertrag, der zum 31. Januar 2023 auslaufen sollte, nicht verlängern wollte. Dies hätte das Ende des traditionsreichen Geschäfts an diesem prominenten Ort bedeuten können. Die Bayerische Hausbau bestätigte diese Information gegenüber der Münchener Abendzeitung. Überraschenderweise wurde der Mietvertrag im März 2022 jedoch doch verlängert. Dies sicherte den Fortbestand von Obletter am Stachus vorerst.
Fazit: Wem gehört Obletter heute?
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Frage „Wem gehört Obletter?“ je nach Zeitpunkt in der Geschichte unterschiedlich beantwortet werden muss. Von 1825 bis ca. 1972 war es im Familienbesitz der Gründer und später der Familie Wiedling. Anschließend gehörte es für eine Zeit zur Schweizer Firma Franz Carl Weber. Nach einer Übergangsphase unter Investoren ist Obletter seit 1997 ein Unternehmen der Müller-Gruppe. Obwohl die meisten ehemaligen Filialen geschlossen oder verkauft wurden, besteht das bekannteste Geschäft am Münchner Stachus weiterhin unter dem Dach von Müller und pflegt ein Sortiment, das an die lange Tradition des Fachgeschäfts erinnert.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wann wurde Obletter gegründet?
Obletter wurde im Jahr 1825 von Josef Obletter in München gegründet.
Wem gehörte Obletter vor Müller?
Vor der Übernahme durch Müller im Jahr 1997 gehörte Obletter einer Investorengruppe. Davor war das Unternehmen lange im Familienbesitz und später im Besitz der Schweizer Firma Franz Carl Weber.
Wem gehört Obletter heute?
Seit 1997 gehört Obletter, insbesondere der verbliebene Standort am Münchner Stachus, zur Müller Handels GmbH & Co. KG, einer großen Drogeriekette mit Sitz in Ulm.
Gibt es noch viele Obletter-Filialen?
Nein, von den ehemals zahlreichen Filialen, die Müller übernommen hat, existiert heute nur noch das Hauptgeschäft am Münchner Stachus. Es gibt aber unabhängige Spielwarengeschäfte, die den Namen Obletter tragen, aber nicht zur Müller-Gruppe gehören.
Was macht Obletter am Stachus besonders?
Das Geschäft am Stachus zeichnet sich durch sein umfangreiches Sortiment von rund 16.000 Artikeln aus, das viele klassische und traditionelle Spielzeuge wie Schaukelpferde, Holzspielzeug und Brettspiele umfasst, die man nicht überall findet.
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