Für was benutzt man Osmium?

Osmium im Kugelschreiber: Ein seltenes Metall?

02/01/2022

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Haben Sie sich jemals gefragt, warum die Spitze Ihres Kugelschreibers so robust ist und über lange Zeit hinweg zuverlässig schreibt? Die Antwort könnte in einem der seltensten und faszinierendsten Elemente der Erde liegen: Osmium. Dieses Übergangsmetall, das zur Gruppe der Platinmetalle gehört, ist nicht nur für seine außergewöhnliche Dichte bekannt, sondern auch für seine extreme Härte und Verschleißfestigkeit. Eigenschaften, die es für bestimmte Anwendungen unverzichtbar machen, auch wenn es auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen mag, es in einem so alltäglichen Gegenstand wie einem Stift zu finden.

Ist Osmium in Kugelschreibern enthalten?
Osmium wird zur Herstellung extrem harter Legierungen verwendet. Kugelschreiberspitzen, langlebige elektrische Kontakte sowie hochbelastete Gelenke und Drehpunkte bestehen üblicherweise aus einer Osmiumlegierung .

Die Verwendung von Osmium in der Industrie ist begrenzt, was vor allem an seiner Seltenheit, dem komplizierten Gewinnungsprozess und dem daraus resultierenden hohen Preis liegt. Dennoch gibt es Nischen, in denen seine einzigartigen Eigenschaften gefragt sind. Eine dieser Nischen sind Anwendungen, bei denen es auf maximale Haltbarkeit und geringen Verschleiß ankommt. Und genau hier kommt der Kugelschreiber ins Spiel.

Übersicht

Was ist Osmium?

Osmium ist ein chemisches Element mit dem Symbol Os und der Ordnungszahl 76. Es befindet sich im Periodensystem in der 8. Gruppe, der sogenannten Eisengruppe. Es handelt sich um ein hartes, sprödes Metall, das typischerweise eine blaugraue oder blauschwarze Farbe aufweist. Eine seiner bemerkenswertesten Eigenschaften ist seine außerordentlich hohe Dichte – es ist das dichteste aller bekannten Elemente, die natürlich auf der Erde vorkommen. Kristallographische Berechnungen bestätigen, dass Osmium mit ca. 22,59 g/cm³ dichter ist als Iridium. Neben der Dichte ist Osmium auch für seinen höchsten Kompressionsmodul aller bekannten Elemente und Verbindungen bekannt, was bedeutet, dass es extrem widerstandsfähig gegen Kompression ist, sogar widerstandsfähiger als Diamant.

Die Geschichte des Osmiums

Die Entdeckung des Osmiums geht auf das Jahr 1804 zurück. Smithson Tennant entdeckte es zusammen mit Iridium im Rückstand von Platin, das in Königswasser gelöst wurde. Seinen Namen verdankt Osmium dem altgriechischen Wort ὀσμή (osmē), das „Geruch“ oder „Gestank“ bedeutet. Dieser Name bezieht sich auf den charakteristischen, stechenden Geruch seines leicht flüchtigen Tetroxids, das bereits in geringer Konzentration wahrnehmbar ist. Die erste nennenswerte technische Anwendung fand Osmium zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Material für Glühfäden in Glühlampen, verwendet von Carl Auer von Welsbach. Der Firmenname Osram leitet sich sogar von den damals verwendeten Metallen Osmium und Wolfram ab. Allerdings war Osmium für diese Anwendung nicht ideal. Es war teuer, spröde und ließ sich nur schwer zu feinen Fäden ziehen. Die hergestellten Fäden waren zudem empfindlich. Daher wurde Osmium in Glühlampen bald durch Tantal und schließlich durch Wolfram ersetzt.

Vorkommen und Gewinnung

Osmium ist ein extrem seltenes Element in der Erdkruste. Sein Anteil wird auf etwa 1 · 10⁻⁸ bis 1 · 10⁻⁶ Prozent geschätzt. Es kommt fast immer zusammen mit anderen Platinmetallen vor, wie Ruthenium, Rhodium, Iridium, Palladium und Platin. Gefunden wird es oft gediegen (in reiner Form) oder gebunden als Sulfid, Selenid oder Tellurid. Man unterscheidet zwischen primären Lagerstätten, die in Erzen wie Kupfer, Nickel, Chrom oder Eisen zu finden sind, und sekundären Lagerstätten, auch Seifenlagerstätten genannt. In letzteren reichert sich Osmium zusammen mit anderen dichtematerialien in Flussbetten oder ähnlichen Gebieten an, nachdem es durch Verwitterung aus dem Gestein gelöst und vom Wasser transportiert wurde. Die wichtigsten Vorkommen, oft in Form der natürlichen Legierungen Osmiridium und Iridosmium (die neben Osmium hauptsächlich Iridium enthalten), finden sich in platinmetallreichen Nickelerzen in Kanada, Russland und Südafrika. Sekundäre Lagerstätten gibt es unter anderem am Fuß des Urals, in Kolumbien und Äthiopien.

Wie erkenne ich Osmium?
Außerhalb des Sonnenlichts kann auch eine Handytaschenlampe oder ein kleines LED-Lichtlein Aufklärung bieten: Das Element funkelt trotzdem deutlich und gibt sich als kristallines Osmium zu erkennen. Ohne direkte Lichtstrahlen wirkt es gräulich und nur leicht glitzernd.

Die Gewinnung von Osmium ist ein aufwendiger Prozess, der in der Regel als Nebenprodukt bei der Verarbeitung anderer Edelmetalle wie Platin oder Gold erfolgt. Die Verfahren nutzen die unterschiedlichen chemischen Eigenschaften der Metalle und ihrer Verbindungen, um sie schrittweise voneinander zu trennen. Beginnend oft mit Erzen oder Anodenschlamm aus der Nickel- oder Goldproduktion, werden die Materialien chemisch behandelt, um zunächst die löslichen Metalle abzutrennen und die unlöslichen Platinmetalle zu konzentrieren. Durch weitere Schritte, die Schmelzen mit Natriumperoxid und Behandlung mit Chlor umfassen, werden Osmium und Ruthenium als flüchtige Tetroxide gewonnen. Durch die Zugabe von alkoholischer Natronlauge kann das Osmiumtetroxid selektiv gelöst und vom Ruthenium getrennt werden. Das Osmium wird dann als Komplex ausgefällt und schließlich zu metallischem Osmium reduziert. Die weltweite Produktionsmenge ist sehr gering, Schätzungen variieren, liegen aber nur bei etwa 100 kg bis einer Tonne pro Jahr. Dies unterstreicht die Seltenheit des Metalls.

Eigenschaften des Osmiums

Osmium ist ein Metall mit beeindruckenden Eigenschaften. Physikalisch ist es ein glänzendes Schwermetall von stahlblauer Farbe. Es kristallisiert in einer hexagonal-dichtesten Kugelpackung. Wie bereits erwähnt, ist seine Dichte die höchste aller Elemente. Es hat den höchsten Schmelzpunkt und den niedrigsten Dampfdruck unter den Platinmetallen. Chemisch gehört Osmium zu den Edelmetallen, was bedeutet, dass es relativ reaktionsträge ist. Es reagiert direkt nur mit Fluor, Chlor und Sauerstoff, wobei die Reaktion mit Sauerstoff bei kompaktem Osmium erst bei hohen Temperaturen stattfindet. Allerdings bildet fein verteiltes Osmium bereits bei Raumtemperatur geringe Mengen des giftigen Osmiumtetroxids.

In den meisten nichtoxidierenden Säuren ist Osmium unlöslich, selbst Königswasser kann es bei niedrigen Temperaturen nicht auflösen. Starke Oxidationsmittel wie konzentrierte Salpetersäure oder heiße Schwefelsäure sowie alkalische Schmelzen greifen es jedoch an.

Verwendung von Osmium: Mehr als nur selten

Aufgrund seiner Seltenheit und des hohen Preises gibt es verhältnismäßig wenige technische Anwendungen für Osmium. Der Preis für Osmiumpulver wurde 2018 mit etwa 400 US-Dollar pro Unze angegeben, ältere Quellen sprechen von 350 US-Dollar im Jahr 2007. Zudem wird Osmium aufgrund der Giftigkeit seiner Oxide selten im reinen Zustand verwendet. Stattdessen kommen osmiumhaltige Legierungen zum Einsatz, insbesondere in Anwendungen, die extreme Härte und Beständigkeit gegen Abrieb und Verschleiß erfordern. Hierzu zählen:

  • Schreibkugeln in Kugelschreibern: Eine der bekanntesten Anwendungen.
  • Phonografische Abtastnadeln (historisch)
  • Wellen und Zapfen im Instrumentenbau
  • Elektrische Kontakte
  • Medizinische Implantate (z. B. eine Legierung aus 90 % Platin und 10 % Osmium wird für künstliche Herzklappen und Herzschrittmacher verwendet)
  • Als Katalysator für bestimmte chemische Reaktionen (z. B. Hydrierungen oder in der Sharpless-Dihydroxylierung, oft in Form des Osmiumtetroxids, aber nur in katalytischen Mengen)

Auch wenn Osmium in den Glühfäden von Osram-Lampen verwendet wurde, ist dies heute keine gängige Anwendung mehr.

Ist Osmium in Kugelschreibern enthalten?

Ja, laut den vorliegenden Informationen wird Osmium in Kugelschreibern verwendet. Genauer gesagt, wird es in Form von harten, osmiumhaltigen Legierungen der Platinmetalle für die Schreibkugeln (Spitzen) eingesetzt. Der Grund dafür liegt in den außergewöhnlichen Eigenschaften des Osmiums, insbesondere seiner extremen Härte und seiner Beständigkeit gegen Verschleiß (Abrieb). Die Kugel an der Spitze eines Kugelschreibers rollt über das Papier und gibt dabei die Tinte ab. Dieser Prozess erfordert ein Material, das dieser ständigen Reibung standhält, ohne schnell abgenutzt zu werden. Eine Legierung, die Osmium enthält, bietet genau die nötige Robustheit und Langlebigkeit, um eine gleichmäßige und dauerhafte Schreibleistung zu gewährleisten. Obwohl es sich um ein seltenes und teures Metall handelt, ist die Menge an Osmium in einer einzelnen Kugelschreiberspitze sehr gering, aber ausreichend, um die Funktionalität und Haltbarkeit zu verbessern.

Ist Osmium in Kugelschreibern enthalten?
Osmium wird zur Herstellung extrem harter Legierungen verwendet. Kugelschreiberspitzen, langlebige elektrische Kontakte sowie hochbelastete Gelenke und Drehpunkte bestehen üblicherweise aus einer Osmiumlegierung .

Sicherheit im Umgang mit Osmium

Es ist wichtig zu wissen, dass kompaktes, metallisches Osmium relativ harmlos und luftbeständig ist. Die Gefahr geht hauptsächlich von Osmiumpulver aus und insbesondere vom Osmium(VIII)-oxid (Osmiumtetroxid), das bereits bei Raumtemperatur aus dem Pulver entweichen kann. Osmiumtetroxid ist hochgiftig. Stäube davon können Lungenreizungen bis zum Lungenödem sowie Haut- und Augenschäden verursachen. Bei Hautkontakt besteht Lebensgefahr. Da jedoch in Kugelschreibern Osmium in einer Legierung und in kompakter Form (der Kugel) vorliegt, ist die Gefahr, mit dem giftigen Oxid in Kontakt zu kommen, im normalen Gebrauch nicht gegeben. Die Mengen sind minimal, und das Osmium ist fest gebunden.

Wie erkennt man Osmium?

Für den Laien ist Osmium in einem Kugelschreiber natürlich nicht zu erkennen. In seiner kristallinen Form, wie sie manchmal für Sammler oder zur Echtheitsprüfung gehandhabt wird, zeigt Osmiumkristall einen charakteristischen Glanz. Im Sonnenlicht oder unter einer starken LED-Lichtquelle funkelt es aus allen Ecken und Kanten heraus, ein Phänomen, das als „Osmium-Sparkle“ bezeichnet wird, da es das parallele Licht der Sonne nahezu ungebrochen reflektiert. Ohne direkte Lichtstrahlen wirkt es gräulich und nur leicht glitzernd. Anhand der hohen Dichte ist kristallines Osmium zudem sehr schwer für seine Größe. Im Schmuck oder anderen Anwendungen ist es oft flach eingebettet, anders als beispielsweise ein Diamant, der sich hervorhebt.

Fazit

Osmium ist ein seltenes und bemerkenswertes Element, dessen extreme Härte und Dichte es für spezialisierte Anwendungen prädestinieren. Auch wenn es teuer und in der Gewinnung aufwendig ist, finden osmiumhaltige Legierungen aufgrund ihrer Verschleißfestigkeit Einsatz in kritischen Bereichen wie medizinischen Implantaten und – ja – den Spitzen von Kugelschreibern. Die geringe Menge, die pro Stift benötigt wird, macht es möglich, von den einzigartigen Eigenschaften dieses Edelmetalls zu profitieren und die Haltbarkeit und Qualität des Schreibgeräts zu verbessern, auch wenn die breite Masse der Kugelschreiber heute möglicherweise andere, günstigere Legierungen verwendet.

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Ist Osmium gefährlich, wenn es in einem Kugelschreiber ist?
Nein, im normalen Gebrauch ist Osmium in einem Kugelschreiber nicht gefährlich. Es liegt in einer Legierung in kompakter Form vor, und das giftige Osmiumoxid kann sich nicht in gefährlichen Mengen bilden oder freigesetzt werden.

Welche Farbe hat Osmium?
Osmium ist ein chemisches Element mit dem Symbol Os und der Ordnungszahl 76; im Periodensystem der Elemente steht es in der 8. Gruppe, der Eisengruppe. Es ist ein hartes, sprödes, blaugraues oder blauschwarzes Übergangsmetall und gehört zu den Platinmetallen.

Warum wird Osmium überhaupt in Kugelschreibern verwendet?
Osmiumhaltige Legierungen sind extrem hart und verschleißfest. Diese Eigenschaften sind ideal für die Spitze eines Kugelschreibers, die ständiger Reibung auf dem Papier ausgesetzt ist. Die Härte sorgt für Langlebigkeit und eine gleichmäßige Schreibleistung.

Ist Osmium das einzige Material für Kugelschreiberspitzen?
Nein, es gibt auch andere Materialien und Legierungen, die für Kugelschreiberspitzen verwendet werden, oft Wolframkarbid oder Keramik. Osmiumhaltige Legierungen gehören zu den hochwertigeren Optionen für besonders langlebige Spitzen.

Woher kommt Osmium?
Osmium ist ein sehr seltenes Element, das hauptsächlich als Nebenprodukt bei der Gewinnung anderer Platinmetalle (wie Platin und Iridium) oder Nickel und Gold gewonnen wird. Die wichtigsten Vorkommen liegen in Ländern wie Kanada, Russland und Südafrika.

Welche Farbe hat Osmium?
Metallisches Osmium ist ein blaugraues oder blauschwarzes Schwermetall.

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