Was ist die PBS-Branche?

Die PBS-Branche: Mehr als nur Papier

18/06/2018

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Die Welt des Büros und der täglichen Arbeit wäre ohne bestimmte unverzichtbare Hilfsmittel und Verbrauchsmaterialien kaum vorstellbar. Oft als selbstverständlich hingenommen, bilden Papier, Büroartikel und Schreibwaren – kurz PBS – eine eigene, bedeutende Wirtschaftsbranche. Doch was genau verbirgt sich hinter diesem Kürzel, wie groß ist dieser Markt in Deutschland und welchen Dynamiken unterliegt er?

In diesem Artikel beleuchten wir die PBS-Branche genauer, schauen auf ihre Definition, die Marktgröße und -entwicklung sowie die wichtigsten Vertriebswege. Es ist eine Branche, die trotz Digitalisierung und Sparzwang eine wichtige Rolle im wirtschaftlichen Gefüge spielt.

Übersicht

Was sind PBS-Artikel? Die Definition

Die Abkürzung PBS steht für die drei Hauptsegmente, die diese Branche definieren:

  • Papier
  • Büroartikel
  • Schreibwaren

Unter Papier fallen dabei nicht nur die klassischen Kopier- und Druckerzeugnisse in verschiedenen Formaten und Grammaturen, sondern auch Spezialpapiere, Blöcke, Notizbücher, Umschläge und Versandmaterialien. Es ist das Fundament vieler Büroprozesse und kreativer Tätigkeiten.

Büroartikel umfassen eine breite Palette an Produkten, die zur Organisation und Durchführung von Büroarbeiten benötigt werden. Dazu gehören Ordner, Register, Mappen, Locher, Hefter, Scheren, Klebstoffe, Korrekturmittel, Stempel, Büromesser, Taschenrechner, aber auch kleine Bürogeräte wie Laminiergeräte oder Aktenvernichter (im kleineren Rahmen). Es sind die Werkzeuge, die den Arbeitsalltag strukturieren und erleichtern.

Schreibwaren konzentrieren sich auf alles, was zum Schreiben, Zeichnen und Markieren dient. Hierzu zählen Kugelschreiber, Bleistifte, Füllfederhalter, Marker, Textmarker, Buntstifte, Radiergummis und Spitzer. Dieses Segment spricht sowohl professionelle Anwender als auch Schüler und Kreative an und hat oft eine stärkere emotionale Komponente als rein funktionale Büroartikel.

Zusammen bilden diese drei Bereiche das Rückgrat der PBS-Branche. Sie versorgen Unternehmen, öffentliche Einrichtungen, Schulen, Universitäten und private Haushalte mit den notwendigen Materialien für Kommunikation, Organisation und kreatives Schaffen.

Der deutsche PBS-Markt: Größe und Entwicklung

Der Markt für PBS-Artikel in Deutschland ist ein Milliardenmarkt, der jedoch in den letzten Jahren gewissen Schwankungen unterworfen war. Laut Daten, die beispielsweise von HWB in Zusammenarbeit mit Statista veröffentlicht werden, bewegte sich der Umsatz mit Papier, Büroartikeln und Schreibwaren in Deutschland im Zeitraum von 2010 bis 2024 auf einem relativ stabilen, wenn auch leicht rückläufigen Niveau.

Konkretere Einblicke in die Marktstruktur und Dynamik lieferte beispielsweise der „Branchenfokus PBS-Artikel“ von IFH KÖLN und BBE Handelsberatung im Jahr 2016. Demnach erreichte der Markt in diesem Jahr ein Volumen von rund 12,3 Milliarden Euro. Dies zeigte eine gewisse Stabilisierung nach einem vorherigen Abwärtstrend, auch wenn ein leichtes Umsatzminus von 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet wurde – eine Entwicklung, die zunächst enttäuschte, da erste Prognosen noch von einem leichten Wachstum ausgegangen waren.

Für die mittelfristige Zukunft wurde damals, basierend auf den Erkenntnissen von 2016, eher mit einer Seitwärtsbewegung auf dem abgesenkten Niveau gerechnet. Eine Prognose für das Jahr 2021 sah beispielsweise ein Marktvolumen von etwa 12,2 Milliarden Euro vor. Dies deutet darauf hin, dass die Branche sich auf einem konsolidierten Niveau bewegt, ohne starke Wachstumsimpulse aus eigener Kraft generieren zu können.

Es ist wichtig zu verstehen, dass der Gesamtumsatz über die Jahre durch verschiedene Faktoren beeinflusst wird, darunter die allgemeine Wirtschaftslage, die Digitalisierung (die den Papierverbrauch beeinflusst) und das Einkaufsverhalten von Unternehmen und Konsumenten.

Warum der Markt stagniert: Der Einfluss des Sparzwangs

Trotz einer insgesamt robusten Konjunkturlage in Deutschland in den Jahren nach 2016 konnte der PBS-Markt nicht im gleichen Maße davon profitieren wie andere Sektoren. Der Hauptgrund dafür liegt im anhaltend hohen Sparzwang, insbesondere in Unternehmen.

PBS-Artikel werden oft als notwendiges „Schmiermittel“ für die Geschäftsprozesse betrachtet – sie sind unverzichtbar, aber ihre Kosten werden genau beobachtet. In vielen Unternehmen herrscht ein starker Druck, die Ausgaben für Materialressourcen zu minimieren. Dies führt zu verschiedenen Verhaltensweisen:

  • Ökonomischer Einsatz: Mitarbeiter werden angehalten, sparsamer mit Papier und anderen Verbrauchsmaterialien umzugehen.
  • Verlängerung der Nutzungsdauer: Produkte wie Ordner oder Stifte werden länger verwendet, bevor sie ersetzt werden.
  • Zentraler Einkauf und Preisdruck: Große Unternehmen bündeln ihre Bestellungen und verhandeln hart über Preise, was die Margen für die Händler und Hersteller reduziert.
  • Alternative Beschaffungswege: Günstigere Anbieter, insbesondere im Online-Handel, werden bevorzugt.

Dieser ökonomische Umgang mit Ressourcen und der Sparzwang deckeln den Verbrauch von PBS-Artikeln und bremsen so das Umsatzwachstum der Branche. Während in anderen Bereichen investiert wird, wird bei Bürobedarf eher auf Effizienz und Kostenminimierung gesetzt. Dies erklärt, warum der Markt trotz guter gesamtwirtschaftlicher Bedingungen eher stagniert oder nur leichte Bewegungen zeigt.

Vertriebskanäle und Marktanteile

Die Vertriebsstruktur im deutschen PBS-Markt ist vielfältig, aber traditionell stark vom Fachhandel geprägt. Im Jahr 2016 hielt der PBS- bzw. BBO-Fachhandel (BBO steht oft für Bürobedarf und Büroeinrichtung), inklusive spezialisierter Fachmarktlinien, einen beachtlichen Marktanteil von 40 Prozent. Dies unterstreicht die Bedeutung spezialisierter Anbieter in dieser Branche.

Der Erfolg des Fachhandels beruht oft auf Faktoren wie Fachberatung, einem breiten Sortiment, Serviceleistungen und der Nähe zum Kunden (sowohl stationär als auch durch eigene Lieferdienste für Geschäftskunden). Insbesondere Verbundgruppen spielen eine wichtige Rolle, indem sie kleineren, oft mittelständisch geprägten Fachhändlern ermöglichen, durch gemeinsame Einkaufskonditionen und Marketingaktivitäten wettbewerbsfähig zu bleiben und mit größeren Anbietern mitzuhalten.

Neben dem Fachhandel gibt es weitere wichtige Vertriebskanäle, die sich oft stärker an Endverbraucher oder spezifische Kundensegmente richten:

  • Warenhäuser
  • Versender (Katalogversand, der aber zunehmend vom Online-Handel abgelöst wird)
  • Internet-Pure-Player (reine Online-Händler)
  • SB-Warenhäuser und Verbrauchermärkte

Diese Kanäle konnten ihren Umsatz im Jahr 2016 auf annähernd stabilem Niveau halten und erreichten zusammen einen Marktanteil von 16,8 Prozent. Sie sprechen oft preissensiblere Kunden an oder bieten ein Grundsortiment an PBS-Artikeln neben anderen Produktkategorien an. Besonders der Online-Handel hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen und stellt eine wachsende Konkurrenz für den stationären und klassischen Versandhandel dar.

Die restlichen Marktanteile verteilen sich auf weitere Kanäle wie Direktvertrieb durch Hersteller oder kleinere, spezialisierte Anbieter. Die Dominanz des Fachhandels, gefolgt von den anderen großen Kanälen, zeigt die Struktur einer Branche, die sowohl von spezialisierten Anbietern als auch von Massenmarkt-Vertriebswegen bedient wird.

Konsolidierung und Chancen

Die erwartete Seitwärtsbewegung des Marktes auf dem Niveau von 2016/2021 bedeutet für die Branche, dass Wachstum eher durch die Eroberung von Marktanteilen oder durch die Erschließung neuer Geschäftsfelder als durch ein allgemeines Marktwachstum erzielt werden muss. Dies kann zu einer weiteren Konsolidierung führen, bei der kleinere Anbieter Schwierigkeiten haben, sich am Markt zu behaupten.

Chancen ergeben sich beispielsweise durch die Spezialisierung auf bestimmte Nischen (z.B. nachhaltige Produkte, hochwertige Schreibgeräte), die Verbesserung von Serviceleistungen, die Stärkung des Online-Auftritts auch im Fachhandel (Omnichannel-Strategien) oder die Ausweitung des Sortiments auf angrenzende Bereiche wie Bürotechnik, Büromöbel oder Dienstleistungen rund ums Büro.

Die PBS-Branche ist somit ein reifer Markt, der von Effizienz, Preisdruck, aber auch von der Notwendigkeit zur Anpassung an veränderte Kundenbedürfnisse und technologische Entwicklungen geprägt ist. Trotz der Herausforderungen bleibt sie ein fundamentaler Bestandteil der Wirtschafts- und Alltagswelt.

Häufig gestellte Fragen zur PBS-Branche

Hier beantworten wir einige der häufigsten Fragen rund um das Thema PBS:

Was bedeutet die Abkürzung PBS?

PBS steht für Papier, Büroartikel und Schreibwaren. Es ist die gängige Bezeichnung für die Branche, die sich mit diesen Produkten befasst.

Welche Produkte gehören zur PBS-Branche?

Zur PBS-Branche gehören alle Produkte aus den Bereichen Papier (z.B. Kopierpapier, Notizblöcke, Umschläge), Büroartikel (z.B. Ordner, Hefter, Locher, Klebstoff, Stempel) und Schreibwaren (z.B. Kugelschreiber, Bleistifte, Marker, Füllfederhalter).

Wie groß ist der PBS-Markt in Deutschland?

Der deutsche PBS-Markt ist ein Milliardenmarkt. Im Jahr 2016 betrug das Marktvolumen rund 12,3 Milliarden Euro. Für die folgenden Jahre wurde eher mit einer Stagnation auf diesem Niveau gerechnet.

Warum wächst der PBS-Markt kaum?

Das geringe Wachstum oder die Stagnation des Marktes liegt hauptsächlich am starken Sparzwang in Unternehmen, die ihre Ausgaben für Bürobedarf reduzieren, sowie an Effizienzsteigerungen (z.B. weniger Papierverbrauch durch Digitalisierung) und der Verlängerung der Produktnutzungsdauer.

Wer sind die wichtigsten Anbieter im PBS-Markt?

Der deutsche PBS-Markt ist von verschiedenen Akteuren geprägt. Eine besonders wichtige Rolle spielt der Fachhandel, der im Jahr 2016 rund 40 Prozent des Umsatzes erzielte. Daneben gibt es Warenhäuser, Versender, Online-Händler sowie SB-Warenhäuser und Verbrauchermärkte, die ebenfalls relevante Marktanteile halten.

Spielt die Digitalisierung eine Rolle für die PBS-Branche?

Ja, die Digitalisierung hat einen erheblichen Einfluss, insbesondere auf das Segment Papier. Weniger Ausdrucke und digitale Prozesse können den Papierverbrauch senken. Gleichzeitig entstehen aber auch neue Anforderungen an Büroartikel und Schreibwaren im digitalen Zeitalter, z.B. Zubehör für mobile Geräte oder spezielle Stifte für Tablets.

Insgesamt ist die PBS-Branche eine komplexe und dynamische Wirtschaftslandschaft, die sich ständig an neue Gegebenheiten anpassen muss.

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