Was war der Verkehrspolizist in der DDR?

Verkehrsregelung durch Polizei verstehen

09/03/2020

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Obwohl im modernen Straßenverkehr Ampeln und Schilder den Löwenanteil der Regelung übernehmen, gibt es Situationen, in denen Polizeibeamte persönlich eingreifen und den Verkehr leiten. Diese Momente sind oft unerwartet und können bei vielen Verkehrsteilnehmern zu Unsicherheit führen. Plötzlich steht ein Beamter auf der Kreuzung und gibt Handzeichen, die nicht jeder auf Anhieb versteht. Doch gerade in solchen Momenten ist es entscheidend, die Bedeutung dieser Zeichen genau zu kennen und richtig zu reagieren. Die manuelle Verkehrsregelung durch die Polizei hat stets Vorrang vor allen anderen Verkehrsregeln und Anordnungen. Wer die Anweisungen eines Polizisten ignoriert, riskiert nicht nur einen Unfall, sondern auch empfindliche Strafen.

Was bedeutet es, wenn ein Polizist frontal zu mir steht und einen Arm hochhält?
Was bedeutet es, wenn der Polizist frontal zu mir steht und einen Arm hochhält? Dies bedeutet, dass Sie vor der Kreuzung auf das nächste Zeichen warten müssen oder diese schnellstmöglich räumen müssen und entspricht der gelben Ampel.
Übersicht

Historischer Rückblick: Der Verkehrsstab in der DDR

Bevor wir uns den modernen Handzeichen widmen, lohnt sich ein Blick in die Vergangenheit, insbesondere in die Deutsche Demokratische Republik (DDR). Dort gehörte ein spezielles Hilfsmittel zur Standardausrüstung der Verkehrspolizei: der sogenannte Verkehrsstab. Dieses Verkehrsleitgerät, das auch unter Namen wie Regulierungsstab oder Zebrastab bekannt war, wurde nicht nur von der Verkehrspolizei, sondern auch von der Nationalen Volksarmee (NVA) und den Grenztruppen der DDR zur Verkehrsregulierung eingesetzt.

Der Verkehrsstab war typischerweise etwa 30 cm lang und mit auffälligen schwarz-weißen Streifen versehen. Eine kleine Schlaufe ermöglichte das Tragen um das Handgelenk, um den Stab nicht zu verlieren. Besonders bei Dunkelheit war seine Funktion von Vorteil, da viele Modelle beleuchtet werden konnten, um die Sichtbarkeit der Zeichen zu erhöhen.

Interessanterweise war der Verkehrsstab in der Bundesrepublik Deutschland nicht gebräuchlich. Im Zuge der deutschen Wiedervereinigung wurde er in den neuen Bundesländern zunächst abgeschafft. Doch die Praktikabilität des Stabs wurde offenbar wiederentdeckt: Einige Bundesländer entschieden sich im Jahr 2007 dazu, den Verkehrsstab erneut als offizielles Hilfsmittel für die Handregulierung durch die Polizei einzuführen. Auch in vielen Ländern des ehemaligen Ostblocks ist der Verkehrsstab nach wie vor ein weit verbreitetes Instrument zur Verkehrsleitung.

Der Einsatz des Verkehrsstabs half den Beamten, ihre Position und ihre Anweisungen im oft chaotischen Verkehrsgeschehen deutlicher zu machen. Er diente als visuelle Verstärkung der Handzeichen und trug so zur Klarheit der polizeilichen Anordnungen bei.

Warum regelt die Polizei den Verkehr?

Die manuelle Verkehrsregelung durch Polizeibeamte ist kein alltägliches Ereignis. Sie wird immer dann notwendig, wenn unvorhergesehene oder besondere Situationen auftreten, die den normalen Verkehrsfluss stören oder gefährden. Zu den häufigsten Gründen für den Einsatz eines Verkehrspostens gehören:

  • Ausfall von Lichtzeichenanlagen: Wenn Ampeln aufgrund technischer Defekte oder Stromausfälle nicht funktionieren, muss der Verkehr manuell geregelt werden, um Chaos und Unfälle zu vermeiden.
  • Hohes Verkehrsaufkommen: Bei extrem dichtem Verkehr, beispielsweise zu Stoßzeiten oder bei Großveranstaltungen, kann die Polizei eingreifen, um Engpässe zu entschärfen und den Fluss zu optimieren.
  • Unfälle: Nach einem Verkehrsunfall ist es oft notwendig, die Unfallstelle abzusichern, den Verkehr umzuleiten oder zu stoppen, um Rettungs- und Bergungsarbeiten zu ermöglichen.
  • Baustellen: An größeren Baustellen, die den Verkehrsraum stark einschränken, kann die Polizei temporär die Regelung übernehmen, um den Verkehr sicher an der Engstelle vorbeizuführen.
  • Spezielle Ereignisse: Demonstrationen, Paraden, Staatsbesuche oder andere Ereignisse, die öffentliche Straßen nutzen, erfordern oft eine manuelle Verkehrsregelung.

In all diesen Fällen ist die Anwesenheit und die klare Kommunikation des Polizeibeamten entscheidend für die Aufrechterhaltung von Ordnung und Sicherheit im Straßenverkehr.

Die Handzeichen der Polizei und ihre Bedeutung

Das Herzstück der polizeilichen Verkehrsregelung sind die Handzeichen. Diese sind international weitgehend standardisiert und sollen für alle Verkehrsteilnehmer, ob Autofahrer, Radfahrer oder Fußgänger, eindeutig verständlich sein. Sie lassen sich am besten mit den Phasen einer Ampel vergleichen:

Zeichen 1: Halt! (Entspricht Roter Ampel)

So sieht es aus: Der Polizeibeamte steht mit der Brust oder dem Rücken zu Ihnen gerichtet. Beide Arme sind seitlich ausgestreckt, oft parallel zum Boden.

Das bedeutet es: Dieses Zeichen bedeutet unmissverständlich: Halt! Sie müssen vor der Kreuzung oder der markierten Haltelinie sofort anhalten. Für Sie ist die Weiterfahrt gesperrt. In der Regel hat der Querverkehr, der die Hosennaht des Beamten sieht, freie Fahrt.

Zeichen 2: Freie Fahrt! (Entspricht Grüner Ampel)

So sieht es aus: Der Polizeibeamte steht seitlich zu Ihnen gerichtet. Wiederum sind die Arme seitlich ausgestreckt.

Das bedeutet es: Wenn Sie die Seite, also die „Hosennaht“, des Beamten sehen, haben Sie freie Fahrt. Dieses Zeichen entspricht der grünen Ampel. Sie dürfen geradeaus fahren, abbiegen oder die Kreuzung überqueren, sofern dies nach den allgemeinen Verkehrsregeln (z. B. Vorfahrt beim Abbiegen) zulässig ist.

Zeichen 3: Achtung! / Kreuzung räumen! (Entspricht Gelber Ampel)

So sieht es aus: Der Polizeibeamte streckt einen Arm senkrecht nach oben in die Luft.

Das bedeutet es: Dieses Zeichen entspricht der gelben Ampelphase. Es ist ein Warnsignal und bedeutet „Achtung!“ oder „Warten Sie auf das nächste Zeichen“. Die genaue Reaktion hängt davon ab, wo Sie sich befinden:

  • Wenn Sie sich bereits auf der Kreuzung befinden, als der Arm gehoben wird: Sie müssen die Kreuzung schnellstmöglich räumen.
  • Wenn Sie sich der Kreuzung nähern und dieses Zeichen sehen: Sie müssen vor der Kreuzung anhalten und auf das nächste Zeichen des Beamten warten. Dieses Zeichen gilt für alle Verkehrsteilnehmer, unabhängig davon, ob der Beamte mit der Brust, dem Rücken oder seitlich zu ihnen steht.

Der Merksatz für die Handzeichen

Um sich die Bedeutung der wichtigsten Zeichen leichter zu merken, gibt es einen einfachen Merksatz, der vielen noch aus der Fahrschule bekannt ist:

Siehst du Brust oder Rücken, musst du auf die Bremse drücken. (Zeichen 1: Halt!)

Siehst du die Hosennaht, hast du freie Fahrt. (Zeichen 2: Freie Fahrt!)

Dieser Reim fasst die beiden grundlegenden Anweisungen des Polizisten prägnant zusammen und hilft, Verwirrung zu vermeiden.

Die rechtliche Grundlage: Vorrang der Polizei

Die Bedeutung und der Vorrang der polizeilichen Verkehrsregelung sind klar im deutschen Verkehrsrecht geregelt. § 36 Absatz 1 der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) besagt eindeutig:

„Die Zeichen und Weisungen der Polizeibeamten sind zu befolgen. Sie gehen allen anderen Anordnungen und sonstigen Regeln vor, entbinden den Verkehrsteilnehmer jedoch nicht von seiner Sorgfaltspflicht.“

Diese Regelung ist von größter Wichtigkeit. Sie bedeutet, dass die Anweisungen eines Polizeibeamten Vorrang haben vor:

  • Ampelsignalen (auch wenn die Ampel intakt ist und ein anderes Signal zeigt)
  • Verkehrsschildern
  • Fahrbahnmarkierungen
  • Der Rechts-vor-links-Regel

Selbst wenn die Ampel grün zeigt, aber ein Polizist mit Brust oder Rücken zu Ihnen steht und die Arme ausstreckt, müssen Sie anhalten. Die Anweisung des Polizisten hat absolute Priorität.

Was war der Verkehrspolizist in der DDR?
Der Verkehrsstab gehörte zur Standardausrüstung der Verkehrspolizei der DDR, wurde aber auch zur Verkehrsregulierung bei z. B. der NVA und Grenztruppen der DDR eingesetzt. In der Bundesrepublik Deutschland war er nicht im Einsatz und wurde im Rahmen der Wiedervereinigung in den neuen Bundesländern abgeschafft.

Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass der Vorrang der polizeilichen Anweisung den Verkehrsteilnehmer nicht von seiner Sorgfaltspflicht entbindet. Das bedeutet, auch wenn Ihnen freie Fahrt signalisiert wird, müssen Sie weiterhin aufmerksam sein, defensiv fahren und beispielsweise beim Abbiegen auf Fußgänger und Radfahrer achten sowie den Gegenverkehr beachten, falls dieser ebenfalls freie Fahrt hat (was bei seitlich stehendem Polizist der Fall ist).

§ 36 Absatz 3 StVO erlaubt es der Polizei zudem, ihre Zeichen durch zusätzliche Weisungen zu verstärken oder zu ergänzen. Das kann ein Winken sein, um die Fahrt freizugeben, oder ein deutliches Stopp-Zeichen mit der Hand, um die Anweisung zu bekräftigen. Solche zusätzlichen Gesten dienen der Klarheit, insbesondere wenn Verkehrsteilnehmer zögern oder unsicher wirken.

Konsequenzen bei Missachtung

Die Missachtung der Zeichen und Weisungen eines Polizeibeamten im Straßenverkehr ist kein Kavaliersdelikt. Sie stellt eine Ordnungswidrigkeit dar und wird entsprechend geahndet. Laut Bußgeldkatalog kann das Ignorieren einer polizeilichen Anweisung ein Bußgeld von 70 Euro sowie einen Punkt im Fahreignungsregister (Flensburg) nach sich ziehen. Angesichts der potenziellen Gefahr, die durch falsches Verhalten bei der Verkehrsregelung entsteht, sind diese Strafen durchaus gerechtfertigt.

Wichtige Hinweise für Verkehrsteilnehmer

Wenn Sie sich einer Kreuzung nähern und einen Polizeibeamten sehen, der den Verkehr regelt, sollten Sie besonders aufmerksam sein. Reduzieren Sie Ihre Geschwindigkeit frühzeitig, um genügend Zeit zum Reagieren zu haben. Beobachten Sie genau die Position und die Handzeichen des Beamten. Seien Sie sich bewusst, dass andere Verkehrsteilnehmer möglicherweise ebenfalls unsicher sind, was zu unerwarteten Reaktionen führen kann.

Auch wenn Sie freie Fahrt signalisiert bekommen, halten Sie sich an die grundlegenden Regeln der StVO, insbesondere beim Abbiegen (§ 9 StVO). Blinken Sie rechtzeitig, beachten Sie den entgegenkommenden Verkehr beim Linksabbiegen und gewähren Sie Fußgängern und Radfahrern den Vortritt, wenn diese die Fahrbahn queren.

FAQ: Häufig gestellte Fragen zur Polizeiregelung

Was bedeutet es, wenn ein Polizist frontal zu mir steht und einen Arm hochhält?
Dieses Zeichen bedeutet „Achtung!“ oder „Warten auf das nächste Zeichen“. Es entspricht der gelben Ampel. Wenn Sie sich der Kreuzung nähern, müssen Sie anhalten. Wenn Sie bereits auf der Kreuzung sind, müssen Sie diese schnellstmöglich räumen.

Was bedeutet es, wenn der Polizist seitlich zu mir steht und die Arme zur Seite ausstreckt?
Dies bedeutet freie Fahrt für Sie. Es entspricht der grünen Ampel. Sie dürfen fahren oder gehen.

Was bedeutet es, wenn der Polizist mit Brust oder Rücken zu mir steht und die Arme zur Seite ausstreckt?
Dies bedeutet „Halt!“ für Sie. Es entspricht der roten Ampel. Sie müssen vor der Kreuzung anhalten.

Hat die Polizei Vorrang vor Ampeln und Schildern?
Ja, gemäß § 36 StVO haben die Zeichen und Weisungen der Polizeibeamten immer Vorrang vor Ampeln, Verkehrsschildern und allen anderen Verkehrsregeln.

Was passiert, wenn ich die Zeichen der Polizei ignoriere?
Das Ignorieren einer polizeilichen Anweisung ist eine Ordnungswidrigkeit und wird mit einem Bußgeld von 70 Euro sowie einem Punkt in Flensburg geahndet.

Wurde der Verkehrsstab auch in der Bundesrepublik Deutschland verwendet?
Nein, der Verkehrsstab war primär in der DDR und anderen Ostblockstaaten verbreitet. Nach der Wiedervereinigung wurde er in den neuen Bundesländern abgeschafft, aber später in einigen Bundesländern wieder eingeführt.

Die Kenntnis dieser grundlegenden Regeln und Zeichen trägt maßgeblich zu Ihrer Sicherheit und der Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer bei, wenn die Polizei die Kontrolle über den Verkehrsfluss übernimmt. Bleiben Sie aufmerksam und reagieren Sie korrekt auf die Anweisungen der Beamten.

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