22/12/2023
Barmbek, heute ein lebendiger Teil Hamburgs, blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. Was einst ein beschauliches Dorf war, entwickelte sich über Jahrhunderte hinweg zu einem dicht besiedelten Stadtteil. Doch woher stammt eigentlich der Name Barmbek und wie hat sich dieser Ort geformt?
Die Ursprünge: Von Bernebeke zum Dorf
Die erste urkundliche Erwähnung Barmbeks datiert auf den 8. September 1271. Damals wurde der Ort als Bernebeke bezeichnet. Diese Bezeichnung leitete sich direkt von einem kleinen Fluss ab, der Bernebeke genannt wurde und heute als Osterbek bekannt ist. Schon um 1350 besaß das Hospital zum Heiligen Geist bedeutende Rechte an sieben bis acht Hufen im Dorf. Durch einen Vertrag im Jahr 1355 konnte das Hospital auch die restlichen Ländereien und Rechte von den Grafen von Holstein erwerben und wurde somit zum Grundherren Barmbeks und des benachbarten Eilbeks.

Die Besiedlung der Gegend ist jedoch weitaus älter. Funde, darunter Grabhügel auf der Rönnheide, belegen, dass hier bereits um 800 vor Christus germanische Siedler lebten und sogar Weizen anbauten. Barmbek war in seinen Anfängen ein typisches nordelbisches Dorf, strukturiert in Hufen (Bauernstellen) und später auch Kätnerstellen. Anfänglich gab es zehn Hufen, deren Land in langgestreckte Felder aufgeteilt war. Später erhöhte sich die Zahl der Hufen auf zwölf. Viele Gewannen (Flurstücke) trugen Namen, die heute noch in Straßennamen zu finden sind, wie z.B. Eulenkamp (Up den Uhlen Kamp) oder Immenhof (Up den Imhof).
Grenzen im Wandel der Zeit
Wie bei vielen alten Dörfern waren die genauen Abgrenzungen zu den Nachbarorten ursprünglich nicht immer klar definiert. Eine natürliche Grenze gab es lediglich zum ebenfalls dem Hospital gehörenden Eilbek, gebildet durch den Unterlauf der Wandse, die hier Eilbek genannt wurde.
Die Grenze nach Hinschenfelde wurde bereits 1365 in einem Vergleich festgelegt, wobei Gebiete wie die Hälfte des Moores, das an das Barnebeker Feld ging, und das Gehölz „Kyfhorn“ (heute die Straße Kiefhörn) Barmbek zugesprochen wurden. Interessanterweise bildet die Straße Kiefhörn bis heute die Grenze von Dulsberg nach Wandsbek.
Die Grenze zu Uhlenhorst war lange umstritten. Erst 1744 wurde sie durch eine Vereinbarung auf die Westseite der heutigen Bachstraße festgelegt. Ein eigens dafür ausgehobener Graben wurde jedoch von den Barmbekern, die weiterhin ihr Vieh dort weiden lassen wollten, zunächst wieder zugeworfen, setzte sich aber schließlich durch. Während der NS-Zeit, als das Gebiet bereits bebaut war, wurde diese Grenze an den Winterhuder Weg verlegt, wo sie auch heute noch verläuft.
Die Grenze nach Winterhude wurde 1726 zwischen den Bauern vereinbart und verlief damals im Ostteil des heutigen Stadtparks. Mit dem Bau der Bahntrasse Anfang des 20. Jahrhunderts wurde diese im Norden zur Stadtteilgrenze. Südlich der Hellbrookstraße bildet heute die Saarlandstraße die Grenze zu Winterhude bis zur Osterbek. Die Grenzen nach Alsterdorf, Steilshoop und Bramfeld wurden 1773 festgelegt, wobei später im Zuge des Krankenhausbaus ein kleines Stück Alsterdorfer Gemarkung an Barmbek fiel.
Entwicklung der Landwirtschaft und Verstädterung
Die Landwirtschaft prägte das Leben in Barmbek über Jahrhunderte. Die Höfe der zwölf Hufner waren ursprünglich um den alten Dorfplatz an der Hufnerstraße gruppiert. Erst später wurden einige Höfe verlegt, beispielsweise nach Bränden oder durch den Wunsch der Bauern, näher an ihren Feldern zu sein. Die Verkoppelung, also die Zusammenlegung zersplitterten Ackerlandes, begann Ende der 1760er Jahre, wurde aber nie vollständig abgeschlossen, unter anderem wegen langwieriger Erbrechtsstreitigkeiten.
Ab dem frühen 19. Jahrhundert begann ein langsamer Wandel. Die Bauern verkauften zunehmend einzelne Flächen an Dritte, sowohl für Wohngrundstücke als auch für Gewerbezwecke. Dies markierte den Beginn der Verstädterung. Beispiele hierfür sind der Verkauf von Land für den Vogelgarten von Gerhard Heinrich von Essen, den Bau der Irren-, Heil- und Pflegeanstalt Friedrichsberg oder den ersten Schützenplatz der Hamburger Schützengesellschaft auf der Rönnhaide. Auch die Parzellierung und Versteigerung von Land, wie bei der 5. Hufe, führte zur Aufgabe der landwirtschaftlichen Nutzung und zur Entstehung von Gastwirtschaften.

Wichtige Industrieansiedlungen wie die New-York Hamburger Gummi-Waaren Compagnie oder die Gasanstalt an der Osterbek entstanden auf ehemaligen landwirtschaftlichen Flächen. Auch die Straßen-Eisenbahn-Gesellschaft erwarb Land für ein Depot. Diese Entwicklungen zeugen vom fortschreitenden Übergang vom Agrardorf zum urbanen Raum.
Um die Wende zum 20. Jahrhundert erwarb der Aerar der Freien und Hansestadt Hamburg einen Großteil der verbliebenen Ländereien und der Vollhufnerrechte, was die Dominanz der Landwirtschaft weiter reduzierte. Gleichzeitig schritt der Wohnungsbau voran. Maurermeister wie Gustav Grupe und sogar der letzte Vollhufner Heinrich Dreckmann investierten in Mietwohnungen und verkauften Grundstücke für den Wohnungsbau, was das Bild des Stadtteils nachhaltig veränderte.
Historische Ereignisse und Einwohnerentwicklung
Während der Zugehörigkeit Hamburgs zum französischen Kaiserreich (1811–1814) war Barmbek eine Mairie, zu der auch umliegende Gebiete gehörten. Nach dem Ende der französischen Besatzung konnte das Hospital zum Heiligen Geist die Landesherrschaft bis 1830 behalten, bevor diese endgültig an die Stadt Hamburg überging.
Die Einwohnerentwicklung Barmbeks zeigt eindrucksvoll den Wandel vom Dorf zum Stadtteil:
| Jahr | Einwohner |
|---|---|
| 1773 | 443 |
| 1810 | 750 |
| 1838 | 1.200 |
| 1855 | 1.800 |
| 1867 | 6.042 |
| 1874 | 9.468 |
| 1880 | 16.057 |
| 1885 | 22.379 |
| 1890 | 32.827 |
| 1894 | 38.347 |
| 1900 | 48.201 |
| 1905 | 71.000 |
| 1910 | 93.241 |
| 1915 | 129.419 |
| 1920 | 131.679 |
| 1925 | 150.590 |
| 1935 | 188.363 |
| 1939 | 223.000 |
| 1944 | 15.000 |
| 1948 | 68.000 |
Die sprunghafte Zunahme der Einwohnerzahlen ab Mitte des 19. Jahrhunderts lässt sich durch mehrere Faktoren erklären: die Aufhebung der nächtlichen Torsperre, die Ansiedlung nach dem Bau der Speicherstadt, der Zollanschluss Hamburgs und die damit verbundene Zuwanderung von Arbeitskräften, die Erhebung Barmbeks zum Stadtteil (1894 wurde Barmbek ein eigenständiger Hamburger Stadtteil) sowie der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs (Vorortbahn 1906, Hochbahn 1912). Die rege Neubautätigkeit, insbesondere im Norden Barmbeks und auf dem Dulsberg in den 1920er Jahren, trug ebenfalls zum Wachstum bei. Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg erreichte die Bevölkerung mit über 220.000 Bewohnern ihren Höchststand.
Die Operation Gomorrha im Juli 1943, die weite Teile Hamburgs und insbesondere Barmbek traf, führte zu einer katastrophalen Zerstörung und einem dramatischen Einbruch der Einwohnerzahl auf nur noch 15.000. Der Wiederaufbau dauerte bis in die 1960er Jahre.
Von 1910 bis in die 1920er Jahre galt Barmbek-Nord, auch dank der Arbeit von Oberbaudirektor Fritz Schumacher, der Mehrfamilienhäuser im typischen Rotklinker mit begrünten Innenhöfen entwarf, als Pionierstandort der Stadtplanung. Dieses architektonische Konzept prägt bis heute das Bild vieler Quartiere.
Barmbek heute: Nord und Süd
Heute ist Barmbek in die Stadtteile Barmbek-Nord und Barmbek-Süd unterteilt, die bis 1937 zusammen mit Dulsberg einen gemeinsamen Stadtteil bildeten (damals noch „Barmbeck“ geschrieben).
Barmbek-Nord
Mit einer Fläche von 3,9 km² und 43.747 Einwohnern (Stand 31. Dez. 2023) ist Barmbek-Nord ein dicht besiedeltes Gebiet (11.217 Einwohner/km²). Das Quartier, nah am Stadtpark und Osterbekkanal gelegen, zeichnet sich durch seine Mischung aus urbanem Leben und grünen Flächen aus. Die Architektur ist geprägt von Rotklinkerbauten, oft mit den von Fritz Schumacher entworfenen Details wie umlaufenden Balkonen und Erkern. Neue Wohnungsbauprojekte wie Quartier 21 auf dem Gelände des ehemaligen Krankenhauses und das Pergolenviertel ergänzen das Wohnangebot und schaffen familienfreundliche Bereiche.

Das kulturelle Herz von Barmbek-Nord schlägt auf dem Gelände der ehemaligen Zinnfabrik mit dem Kulturzentrum Zinnschmelze und dem Museum der Arbeit, das Hamburger Industrie-, Technik- und Sozialgeschichte beleuchtet. Hier findet sich auch das Schneidrad von T.R.U.D.E., ein technisches Denkmal des Elbtunnelbaus, sowie der beliebte Kultur-Flohmarkt. Der Osterbekkanal bietet Möglichkeiten für Wassersport.
Die Fuhlsbüttler Straße, liebevoll „Fuhle“ genannt, ist die zentrale Einkaufs- und Verkehrsstraße, die durch Sanierungsarbeiten zu einem attraktiven Einkaufsboulevard umgestaltet wurde und inhabergeführte Geschäfte beherbergt.
Barmbek-Süd
Barmbek-Süd, mit einer Fläche von 3,1 km² und 36.705 Einwohnern (Stand 31. Dez. 2023) und einer Bevölkerungsdichte von 11.840 Einwohner/km², grenzt an Barmbek-Nord, Winterhude, Dulsberg, Eilbek und Uhlenhorst. Das Stadtbild ist ebenfalls von einfachen Zeilenbauten aus rotem Klinker geprägt, die durch Grünanlagen aufgelockert sind. Da Barmbek-Süd bei der Operation Gomorrha stark zerstört wurde, handelt es sich überwiegend um Nachkriegsbauten.
Einst ein klassisches Arbeiterviertel, ist Barmbek-Süd heute ein begehrtes Wohngebiet, das die bürgerliche Mitte, junge Familien und Studierende anzieht, nicht zuletzt wegen seiner Nähe zur City, zur Außenalster, zum Stadtpark und der guten Infrastruktur. Die Mietpreise liegen im mittleren bis oberen Segment.
Die Verkehrsanbindung ist hervorragend, mit U-Bahn-Haltestellen an der Ringlinie U3 (Dehnhaide, Hamburger Straße, Mundsburg) und dem S-Bahnhof Friedrichsberg. Wahrzeichen des Viertels sind die Mundsburg-Türme und das Shopping-Center Hamburger Meile.
Freizeit und Erholung bieten Parks wie der Schleidenpark und der Johannes-Prassek-Park sowie die Uferwege entlang des Osterbekkanals und des Eilbek-Kanals mit seinen Hausbooten. Auch Wassersport auf dem Goldbekkanal ist beliebt. Für Entspannung an kalten Tagen lädt die Bartholomäus-Therme in einem Jugendstil-Bau ein.
Neben großen Einkaufszentren wie der Hamburger Meile gibt es zahlreiche kleinere Geschäfte im Stadtteil. Das Ausgehangebot umfasst klassische Eckkneipen sowie den Club „Freundlich + Kompetent“ und eine gute Auswahl an Restaurants.

Sehenswürdigkeiten sind unter anderem die Bugenhagenkirche mit ihrer kraftvollen Architektur des Neuen Bauens und die neugotische Sophienkirche. Das älteste erhaltene Wohnhaus Barmbeks (erbaut 1867) befindet sich in der Straße Beim Alten Schützenhof, das einst die Kneipe des „Lord von Barmbeck“ beherbergte. Das Hamburger Puppentheater in der Bramfelder Straße bietet Figurentheater für Kinder.
Das sogenannte „Komponistenviertel“ in Barmbek-Süd hat seinen Namen übrigens einem Missverständnis zu verdanken. Die Wagnerstraße wurde nach einem Grundeigentümer benannt, die Bewohner dachten jedoch an den Komponisten Richard Wagner. Daraufhin wurden weitere Straßen tatsächlich nach Komponisten benannt, allerdings ist die Bachstraße hier ebenfalls eine Ausnahme, da sie nach einem Gewässer benannt ist.
Ein moderner Akzent ist die AlsterCity, ein Bürostandort auf dem Gelände der früheren Gasanstalt mit einem auffälligen verglasten Hochhaus.
Sport, Schulen und Kitas
Barmbek-Süd bietet zahlreiche Möglichkeiten für Sport und Fitness, darunter Joggingstrecken an den Kanälen und in Parks, Fitnesscenter und Sportvereine. Im Stadtteil gibt es mehrere Schulen und rund 20 Kitas.
Häufig gestellte Fragen zu Barmbek
Warum heißt Barmbek Barmbek?
Der Name Barmbek leitet sich vom Flüsschen Bernebeke ab, dem früheren Namen der heutigen Osterbek. Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes im Jahr 1271 lautete „Bernebeke“.
Was kann man in Barmbek machen?
In Barmbek gibt es viel zu entdecken: Besuchen Sie das Museum der Arbeit oder das Kulturzentrum Zinnschmelze, stöbern Sie auf dem Kultur-Flohmarkt, genießen Sie Wassersport auf Osterbek- oder Goldbekkanal, entspannen Sie in Parks wie dem Schleidenpark oder Johannes-Prassek-Park, bummeln Sie über die „Fuhle“ (Fuhlsbüttler Straße) oder die Hamburger Meile, gehen Sie in einer Eckkneipe oder im Club „Freundlich + Kompetent“ aus oder besuchen Sie das Hamburger Puppentheater.
Wie viele Menschen leben in Barmbek?
Laut den neuesten Zahlen (Stand 31. Dez. 2023) leben in Barmbek-Nord 43.747 Menschen auf 3,9 km² und in Barmbek-Süd 36.705 Menschen auf 3,1 km². Zusammen ergibt das eine beträchtliche Einwohnerzahl für diesen Hamburger Stadtteil.
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