24/03/2025
Ein Cartoon ist eine Grafik, die in einem einzigen Bild eine oft komische und/oder satirische Geschichte erzählt, meist mit einer Pointe. Ursprünglich kamen Cartoons ganz ohne Worte aus, doch heute sind kurze Texte oder Sprechblasen üblich. Diese Kunstform unterscheidet sich von der Karikatur, die sich oft auf ernsthafte politische Kommentare konzentriert und Personen kritisiert, obwohl die Übergänge fließend sein können. Auch vom Comic, der Bildgeschichten über mehrere Panels erzählt, grenzt sich der Cartoon ab.

Die Tradition des Cartoons ist in verschiedenen Ländern stark ausgeprägt. Besonders in US-amerikanischen und britischen Zeitungen hat der Cartoon eine breite Basis. Renommierte Zeitschriften wie The New Yorker, gegründet 1925, veröffentlichen in jeder Ausgabe eine große Anzahl von Cartoons und beschäftigen eigene Cartoonisten.
Ursprung des Begriffs und frühe Entwicklung
Der Begriff Cartoon im heutigen Sinne wurde maßgeblich von der britischen Satirezeitschrift Punch geprägt, die 1841 gegründet wurde. Punch druckte die ersten Cartoons dieser Art und verwendete den Begriff zunächst ironisch, bevor er zur regulären Bezeichnung für humoristische Zeichnungen wurde. Anfangs wurden Dialoge unter die Zeichnung gedruckt. Die Cartoons des Punch beschränkten sich nicht nur auf Politik, sondern griffen auch gesellschaftliche Themen, Situationskomik und alltägliche Konflikte auf. Sie zeichneten sich oft durch eine sehr prägnante Darstellung aus. Dies etablierte den Cartoon als eine Kunstform mit eigenem Unterhaltungswert, der über die reine politische Kritik hinausgeht.
Abgrenzung zu Karikatur und Comic
Der wesentliche Unterschied des Cartoons zur politischen Karikatur und zum Schmähbild auf einzelne Personen liegt darin, dass ein Cartoon zwar auch Aspekte des gesellschaftlichen Lebens aufgreifen und in eine witzige Bilderzählung überführen kann, aber primär als komische Zeichnung eigenen Unterhaltungswert besitzt. Die Karikatur hat ihre Wurzeln weiter zurück, teils bis in die Antike, und ist stärker auf kritische Absicht und das Tagesgeschehen fokussiert. Der Comic hingegen unterscheidet sich strukturell durch die Verwendung mehrerer Panels, um eine längere Erzählung zu entwickeln, während der Cartoon typischerweise auf ein einzelnes Bild konzentriert ist.
Begleitende Texte und Dialoge in Cartoons sind meist sehr kurz und pointiert gehalten. Sie werden über oder unter dem Bild platziert oder in Sprechblasen integriert. Oftmals sind Cartoonisten sowohl Zeichner als auch Texter, es gibt aber auch Teams, die zusammenarbeiten.
Themenvielfalt und Stil
Die inhaltliche Bandbreite von Cartoons ist enorm. Sie reicht von einfachen Wortspielen über die humorvolle Behandlung der Tagespolitik bis hin zu komplexen Zeichnungen, deren Komik auf ironischen Zitaten der Popkultur basiert. Eine besondere Sparte bilden Cartoons zu wissenschaftlichen Themen, wie sie beispielsweise vom amerikanischen Cartoonisten Sidney Harris entworfen wurden und regelmäßig in Publikationen wie den Current Contents erschienen.
Wie auch im Comic und im Zeichentrickfilm können in Cartoons grafische Elemente selbst zum Thema oder Gegenstand der Komik werden. Viele Cartoonisten entwickeln einen unverwechselbaren individuellen grafischen Stil, der ihnen Wiedererkennungswert verschafft und für ihren Erfolg wichtig ist.
Cartoons im deutschsprachigen Raum
Die Geschichte der Cartoons im deutschsprachigen Raum ist reich und wechselvoll. Die ersten Zeitschriften, die Cartoons druckten, waren satirische Magazine wie der Kladderadatsch (gegründet 1848), der Nebelspalter (gegründet 1875) und der Simplicissimus (gegründet 1896). Prominente Zeichner des Kladderadatsch waren Wilhelm Scholz und Gustav Brandt. Für den Simplicissimus arbeiteten unter anderem Thomas Theodor Heine und Olaf Gulbransson.

Bis 1933 gab es in Deutschland eine Vielzahl von Druckerzeugnissen, die mit Cartoons um Leser konkurrierten. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden viele dieser Publikationen verboten oder mussten ihren kritischen Kurs ändern. Künstler wie Thomas Theodor Heine emigrierten. Es gab aber vereinzelt auch weiterhin satirische Cartoons, die nicht direkt politisch beeinflusst waren.
In der Nachkriegszeit wurden Cartoons vor allem in Illustrierten wie Stern, twen und Quick veröffentlicht. Tages- und Wochenzeitungen bevorzugten oft die eher trockene politische Karikatur. Die deutsche Cartoonkunst dieser Zeit war teilweise von biederem Humor geprägt, wie etwa der Igel Mecki in der Programmzeitschrift HÖRZU. Ausnahmen bildeten der ausgefeilte Bildhumor von Loriot und die satirischen Illustrationen von Kurt Halbritter. Auch im Marketing fanden Cartoons Verwendung, beispielsweise in der Heftserie der Gasolin Tips.
In der deutschen Sprache wurde das Wort „Cartoon“ als Bezeichnung für einen intelligenten Bildwitz Ende der 50er Jahre durch den Diogenes Verlag populär gemacht, unter anderem durch den Cartoon Kalender ab 1956.
Eine entscheidende Veränderung in Erscheinung, Technik und Verbreitung dieser Kunstform in Westdeutschland brachten die 1960er und 1970er Jahre mit der sogenannten Neue Frankfurter Schule. Zeichner wie F.W. Bernstein, Robert Gernhardt, Chlodwig Poth und F. K. Waechter prägten mit ihrem anarchischen Humor die Satirezeitschrift pardon (gegründet 1962) und besonders deren Nonsens-Beilage Welt im Spiegel (WimS). Auch Hans Traxler schloss sich dieser Gruppe an. Nachdem WimS 1976 eingestellt wurde, gründeten einige pardon-Mitarbeiter 1979 das Satireheft Titanic, das zu einem wichtigen Forum für Cartoonisten in Westdeutschland wurde.
In der DDR erschienen Cartoons von Zeichnern wie Manfred Bofinger, Henry Büttner und Barbara Henniger vor allem im Eulenspiegel. Diese Cartoons waren jedoch oft darauf bedacht, nicht zu kritisch gegenüber den Regierenden zu sein, manche können aus heutiger Sicht als Propaganda betrachtet werden.
Ab dem Jahr 2000 entwickelte sich im Kölner Raum mit dem Satiremagazin ZYN! ein weiteres Zentrum für neue Comiczeichner und Cartoonisten. Aus dieser Szene gingen bekannte Zeichner wie Joscha Sauer, Gernot Gunga, Michael Holtschulte und Christian Bögle hervor.
Die Generation der Titanic vor 2000 ebnete den Weg für die Cartoonisten der Gegenwart. Einige, wie etwa Uli Stein, konnten auch finanziellen Erfolg erzielen und ihre Werke ins Ausland exportieren. Heute sind Cartoons in fast allen großen deutschen Tages- und Wochenzeitungen prominent platziert und tragen teilweise auch zu den Verkaufszahlen bei. Auf dem deutschen Buchmarkt für Cartoon-Sammelbände haben einheimische Zeichner inzwischen einen erheblichen Anteil, im Gegensatz zu früher, als amerikanische, französische und belgische Zeichner dominierten.

Mit dem Aufkommen des Internets gewannen sogenannte Flash-Cartoons an Popularität. Heute gibt es zahlreiche digitale Clips mit oft satirischem Inhalt, die online verbreitet werden.
Vergleich der Formen
Um die Unterschiede zwischen Cartoon, Karikatur und Comic zu verdeutlichen, kann man einige Merkmale gegenüberstellen:
| Merkmal | Cartoon | Karikatur | Comic |
|---|---|---|---|
| Format | Meist ein einzelnes Bild | Meist ein einzelnes Bild | Mehrere Panels/Bilder |
| Zweck | Komisch und/oder satirisch, Unterhaltung im Vordergrund | Ernsthaft, kritisch, oft politisch oder gesellschaftlich | Längere Bildgeschichte, Erzählung |
| Fokus | Situationen, gesellschaftliche Themen, Alltag, Wortspiele | Tagesgeschehen, Personen (oft mit kritischer Absicht) | Erzählung über Zeit und Sequenz |
| Text | Oft kurz, in Sprechblasen oder unter dem Bild | Oft kurz, meist unter dem Bild | Sprechblasen, Gedankenblasen, Erzählertext |
| Ursprung | Geprägt durch Punch (1841) im modernen Sinne | Historisch lange Tradition, teils bis Antike | Entwicklung im 19./20. Jahrhundert |
Häufig gestellte Fragen zum Cartoon
Was ist der Hauptzweck eines Cartoons?
Der Hauptzweck ist es, eine komische oder satirische Geschichte oder Beobachtung in einem Bild darzustellen, oft mit einer Pointe, um den Leser zu unterhalten und/oder zum Nachdenken anzuregen.
Woher stammt der moderne Begriff „Cartoon“?
Der moderne Begriff wurde 1841 von der britischen Zeitschrift Punch geprägt.
Wie unterscheidet sich ein Cartoon von einem Comic?
Ein Cartoon besteht typischerweise aus einem einzigen Bild, während ein Comic eine Geschichte über mehrere Panels oder Bilder erzählt.
Was versteht man unter der „Neue Frankfurter Schule“ im Zusammenhang mit Cartoons?
Die „Neue Frankfurter Schule“ war eine Gruppe von Satirikern und Cartoonisten in den 1960er und 1970er Jahren in Westdeutschland, die für ihren anarchischen Humor bekannt war und Publikationen wie pardon und Titanic prägte.
Können Cartoons auch ernste oder wissenschaftliche Themen behandeln?
Ja, Cartoons können neben Humor und Satire auch ernste Themen aufgreifen, sie kritisch beleuchten oder sogar wissenschaftliche Sachverhalte auf humorvolle Weise darstellen, wie es beispielsweise Sidney Harris tat.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Cartoon eine vielseitige und lebendige Kunstform ist. Er nutzt die Kraft des einzelnen Bildes, um zu unterhalten, zu kritisieren und zum Nachdenken anzuregen. Von seinen Anfängen in satirischen Magazinen bis zu seiner Präsenz in modernen Zeitungen und im Internet hat der Cartoon eine bemerkenswerte Entwicklung durchlaufen und bleibt ein wichtiger Bestandteil der visuellen Kultur.
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