08/10/2025
Die Geschichte des Verlagswesens in Deutschland ist eng verknüpft mit traditionsreichen Namen, und einer der prominentesten ist zweifellos Cotta. Was 1659 in Tübingen als Buchhandlung und Verlag begann, entwickelte sich über Jahrhunderte zu einem zentralen Akteur im deutschen Literaturbetrieb und ist heute als Klett-Cotta Verlag weiterhin eine bedeutende Institution.

- Die Anfänge in Tübingen
- Wachstum und die Ära der Klassik
- Umzug, Expansion und Inhaberwechsel
- Kriegsjahre und Archivrettung
- Das Schicksal des Archivs und der Übergang zu Klett
- Klett-Cotta heute: Ein Verlag mit vielfältigem Programm
- Wichtige Stationen in der Geschichte
- Häufig gestellte Fragen zur Cotta'schen Buchhandlung und Klett-Cotta
Die Anfänge in Tübingen
Die Wurzeln der Cotta’schen Verlagsbuchhandlung reichen bis ins Jahr 1596 zurück, als Erhard Cellius in Tübingen eine Buchhandlung gründete. 1658 wurde Johann Georg Cotta als Geschäftsführer dieser Buchhandlung eingesetzt, die zu dieser Zeit Euphrosina Brunn gehörte, der Witwe des vorherigen Inhabers. Am 22. November 1659 heiratete Johann Georg Cotta Euphrosina Brunn, und dieses Datum gilt offiziell als Gründungstag der Cotta’schen Verlagsbuchhandlung. Parallel zur Buchhandlung baute Cotta einen Verlag auf, der eng mit der Universität Tübingen verbunden war. In dieser frühen Phase konzentrierte sich der Verlag auf Publikationen aus den Bereichen Jura, Philosophie und Theologie.
Nach Johann Georg Cotta I. führte sein Stiefsohn Philibert Brunn III. ab 1681 die ursprüngliche Buchhandlung weiter, aus der später die Osiandersche Buchhandlung hervorging. Der von Johann Georg Cotta gegründete Verlag wurde jedoch als eigenständiges Unternehmen unter dem Namen „Cotta’sche Verlagsbuchhandlung“ fortgeführt.
Wachstum und die Ära der Klassik
Ein wichtiger Schritt in der Entwicklung des Verlages war die Erweiterung durch eine Druckerei im Jahr 1722 unter Johann Georg III. Cotta. Wenige Jahre später, 1730, erhielt er vom Herzog von Württemberg das Privileg für die Hof- und Kanzleibuchdruckereien, was die Position des Verlages weiter stärkte.
Die entscheidende Phase, die die Cotta’sche Verlagsbuchhandlung zu einem der wichtigsten Literaturverlage ihrer Zeit machte, begann 1787 mit der Übernahme durch Johann Friedrich Cotta. Die Firma befand sich zu diesem Zeitpunkt in wirtschaftlichen Schwierigkeiten, doch Johann Friedrich Cotta gelang es, das Blatt zu wenden. Sein größter Coup war die Zusammenarbeit mit dem bereits berühmten Friedrich Schiller, den er 1793 kennenlernte. Schiller vermittelte den Kontakt zu den Weimarer Klassikern, allen voran zu Johann Wolfgang von Goethe. Diese Beziehungen waren von unschätzbarem Wert.
Von 1795 bis 1797 publizierte Cotta Schillers literarische Programmzeitschrift „Die Horen“. Auch Schillers „Musen-Almanach“ und Goethes Kunstzeitschrift „Propyläen“ erschienen bei Cotta, wenngleich diese Publikationen nur kurzlebig waren. Viel wichtiger waren die daraus resultierenden langfristigen verlegerischen Bindungen zu den führenden Autoren der Zeit. Neben den Werken von Schiller und Goethe veröffentlichten auch Größen wie Herder, Fichte, Hölderlin, Kleist, Jean Paul, Hegel, Schelling und Alexander von Humboldt im Cotta-Verlag.
Ein weiteres bedeutendes Projekt dieser Ära war die Gründung der „Allgemeinen Zeitung“ im Jahr 1798. Diese Tageszeitung entwickelte sich zur führenden deutschen Tageszeitung des 19. Jahrhunderts und trug maßgeblich zum Renommee des Verlages bei.
Unter Johann Friedrich Cotta erschienen bedeutende Sammelausgaben, wie die erste Gesamtausgabe der Werke Goethes ab 1806. Es folgten Kulturzeitungen wie das „Morgenblatt für gebildete Stände“ (1807-1865) und allgemeinwissenschaftliche Publikationen wie die „Deutsche Vierteljahrsschrift“ (1838-1870).
Umzug, Expansion und Inhaberwechsel
Nachdem es bereits von 1798 bis 1803 eine Filiale in Stuttgart gab, wurde der Verlagssitz 1810 endgültig dorthin verlegt. Das Geschäft in Tübingen wurde 1816 verkauft. Zwischen 1806 und 1867 besaß der Cotta-Verlag als einziger das Recht, die Werke von F. Schiller und J. W. von Goethe zu veröffentlichen – ein Hinweis auf seine herausragende Stellung.
Nach dem Tod von Johann Friedrich Cotta im Jahr 1832 übernahmen seine Erben das Unternehmen. Sie bauten den Verlag weiter aus. 1839 erwarben sie die G. J. Göschen’sche Verlagsbuchhandlung in Leipzig, und 1845 gründeten sie eine Bibelanstalt.
Der Übergang zur Familie Kröner begann schrittweise. 1868 erwarb Ferdinand Weibert, ein langjähriger Cotta-Mitarbeiter, den Göschen-Verlag und verlegte dessen Sitz ebenfalls nach Stuttgart. 1877 übernahm Carl von Cotta die alleinige Geschäftsführung. Er verpachtete die verlagseigene Druckerei an Adolf von Kröner und verkaufte sie schließlich 1882 an ihn. 1889 erwarben Adolf und Paul Kröner auch den Verlag selbst und führten ihn unter dem Namen „J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger“ weiter. 1892 trat Adolfs Sohn Alfred Kröner als Teilhaber ein.
Der Verlag wurde 1899 in eine GmbH umgewandelt und 1901 eine Filiale in Berlin eröffnet. Nach einigen Veränderungen im Bestand wurde die GmbH 1904 wieder aufgelöst, und Adolf Kröner wurde Alleinbesitzer. Nach seinem Tod 1911 ging der Verlag in den Besitz seines jüngeren Sohnes Robert Kröner über, der bereits seit 1899 Geschäftsführer war.
Kriegsjahre und Archivrettung
Während des Zweiten Weltkriegs begann der Verlag frühzeitig, wertvolle Bestände zum Schutz vor Zerstörung in Sicherheit zu bringen. Salzbergwerke bei Bad Friedrichshall sowie Orte wie Bad Urach und Kirchheim unter Teck dienten als Lagerstätten.
Bis 1943 war der Schriftsteller Hans Leip, bekannt unter anderem als Autor des Gedichts „Lili Marleen“, Mitarbeiter des Cotta-Archivs.
Im Juli 1943 bemühte sich Kläre Buchmann, die Chef-Lektorin und stellvertretende Verlags-Geschäftsführerin, erfolgreich darum, einen Teil wichtiger Buchbestände und die literarische Abteilung nach Überlingen am Bodensee auszulagern. Das kostbare Archiv mit seltenen Handschriften der Verlags-Klassiker wurde in den Überlinger Gallerturm gebracht.
Diese Vorsichtsmaßnahme erwies sich als lebensrettend, denn am 8. Oktober 1943 wurde das Cotta-Verlagsgebäude in Stuttgart bei einem Bombenangriff zerstört.
Ebenfalls 1943 trat Liselotte Jünger, geb. Bäuerle, als Archivarin in die Verlagsbuchhandlung ein.
Das Schicksal des Archivs und der Übergang zu Klett
Nach dem Krieg, im Jahr 1952, kaufte der Verleger der Stuttgarter Zeitung (SZ), Josef Eberle, zusammen mit Mitstreitern die beeindruckende Cotta’sche Handschriftensammlung, die mehr als 25.000 Briefe und Manuskripte umfasste. Zwei Jahre später erwarb er auch die Cotta’sche Archivbibliothek mit Tausenden von Bänden.
Eberle übergab diese Sammlungen dem Schiller-Nationalmuseum in Marbach am Neckar. Sie bildeten den Grundstock für das 1955 in Marbach gegründete Deutsche Literaturarchiv. Liselotte Bäuerle war von 1952 bis 1962 dort tätig und baute unter dem Dach des Archivs das Cotta-Archiv mit der von der SZ gestifteten Sammlung auf. Sie verfasste zudem eine Verlagsgeschichte und ein Bestandsarchiv.
Die Familie Kröner verkaufte den Verlag schließlich 1956 an eine Gruppe von Stuttgarter Verlegern und Buchhändlern.
Der letzte große Übergang fand 1977 statt, als der Ernst Klett Verlag die Cotta’sche Buchhandlung erwarb. Der Ernst Klett Verlag verschmolz die Cotta’sche Buchhandlung mit seinen eigenen belletristisch-wissenschaftlichen Anteilen zur „Ernst Klett-J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachf. GmbH“, die unter dem Kurznamen Klett-Cotta bekannt wurde. Der Ernst Klett Verlag konzentrierte sich fortan als reiner Schulbuchverlag.

Klett-Cotta heute: Ein Verlag mit vielfältigem Programm
Der Klett-Cotta Verlag ist heute eine Verlagsgemeinschaft innerhalb der Klett Gruppe. Seit 1995 sind beide Verlage Teil dieser Gruppe.
Im November 2007 übernahmen Michael Zöllner und Tom Kraushaar, die Verleger des unabhängigen Tropen Verlags, die verlegerische Geschäftsführung bei Klett-Cotta und erhielten eine Beteiligung. Der Tropen Verlag wird seit Januar 2008 als Imprint von Klett-Cotta geführt. 2018 verließ Michael Zöllner den Verlag, und Andreas Falkinger wurde kaufmännischer Geschäftsführer. Seit 2019 ist der Tropen Verlag wieder von Berlin aus tätig, bleibt aber ein Imprint.
Klett-Cotta veröffentlicht ein sehr breit gefächertes Programm an Büchern und Zeitschriften. Dieses umfasst:
- Literaturklassiker (z.B. Gottfried Benn, Stefan George, Ernst Jünger, Rudolf Borchardt)
- Gegenwartsliteratur (deutsche und internationale Autoren, z.B. Iris Wolff, Raphaela Edelbauer, Michael Wildenhain, Jonathan Lethem, Tom Drury, Mark Z. Danielewski)
- Sachbücher (Geschichte, Politik, Psychologie, Psychotherapie, Psychoanalyse, Erziehung, Gesellschaftskritik - z.B. David Graeber, Marina Weisband)
- Genreliteratur (Fantasy, Kriminalromane, Thriller)
Besonders hervorzuheben sind einige Imprints und Reihen:
Hobbit Presse
Unter dem Namen Hobbit Presse erscheint Fantasy-Literatur. Hier werden insbesondere die Werke berühmter internationaler Autoren veröffentlicht, wie J. R. R. Tolkien, Tad Williams, Patrick Rothfuss oder Kevin Hearne. Gelegentlich erscheinen hier auch Originalausgaben deutschsprachiger Fantasy-Autoren.
Tropen
Das Imprint Tropen konzentriert sich vorrangig auf Kriminalromane und Thriller. Es veröffentlicht aber auch Romane und Sachbücher, oft zu aktuellen Themen, die außerhalb des literarischen oder gesellschaftlichen Mainstreams liegen.
Schattauer
Seit 2018 ist der Schattauer Verlag mit seinem Programm in den Bereichen Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik ein Imprint des Klett-Cotta Verlages.
Fachbuch und Zeitschriften
Im Fachbuchprogramm werden Titel aus Psychotherapie, Psychoanalyse und Psychologie publiziert. Darüber hinaus gibt Klett-Cotta mehrere Zeitschriften heraus, darunter den renommierten „Merkur“ (Zeitschrift für europäisches Denken) und die Fachzeitschrift „Psyche“.
Ein Kernstück des geschichtswissenschaftlichen Programms ist der „Gebhardt“, ein traditionsreiches Handbuch der deutschen Geschichte, das seit 2001 in der 10. Auflage von bekannten Historikern herausgegeben wird.
Die Entwicklung von der kleinen Tübinger Buchhandlung zur bedeutenden Institution der Weimarer Klassik und schließlich zum modernen, breit aufgestellten Verlag Klett-Cotta zeigt eine beeindruckende Kontinuität und Anpassungsfähigkeit über mehr als 360 Jahre Verlagsgeschichte.
Wichtige Stationen in der Geschichte
Um die lange und wechselvolle Geschichte besser zu überblicken, hier einige wichtige Daten:
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1659 | Gründung der Cotta’schen Verlagsbuchhandlung in Tübingen durch Johann Georg Cotta. |
| 1722 | Erweiterung um eine Druckerei unter Johann Georg III. Cotta. |
| 1787 | Übernahme durch Johann Friedrich Cotta. Beginn der Zusammenarbeit mit Schiller und Goethe. |
| 1798 | Gründung der „Allgemeinen Zeitung“. |
| 1810 | Verlegung des Verlagssitzes nach Stuttgart. |
| 1832 | Erben von Johann Friedrich Cotta übernehmen das Unternehmen. |
| 1889 | Adolf und Paul Kröner erwerben den Verlag (J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger). |
| 1943 | Auslagerung von Beständen nach Überlingen. Zerstörung des Verlagsgebäudes in Stuttgart. |
| 1952-1954 | Verkauf der Handschriftensammlung und Archivbibliothek an Josef Eberle (Stuttgarter Zeitung), Schenkung an das Schiller-Nationalmuseum. |
| 1956 | Verkauf des Verlags durch die Familie Kröner. |
| 1977 | Ernst Klett Verlag erwirbt Cotta und gründet Klett-Cotta. |
| 2008 | Tropen Verlag wird Imprint von Klett-Cotta. |
| 2018 | Schattauer Verlag wird Imprint von Klett-Cotta. |
Häufig gestellte Fragen zur Cotta'schen Buchhandlung und Klett-Cotta
Leser interessieren sich oft für die Ursprünge und die heutige Struktur des Verlages. Hier sind Antworten auf einige häufige Fragen:
Wann wurde die Cotta'sche Buchhandlung gegründet?
Die offizielle Gründung der Cotta’schen Verlagsbuchhandlung war am 22. November 1659 in Tübingen durch Johann Georg Cotta.
Welche berühmten Autoren publizierten bei Cotta zur Zeit der Klassik?
Unter Johann Friedrich Cotta veröffentlichten viele der bedeutendsten deutschen Autoren ihrer Zeit, darunter Friedrich Schiller, Johann Wolfgang von Goethe, Herder, Fichte, Hölderlin, Kleist, Jean Paul, Hegel, Schelling und Alexander von Humboldt.
Was war die "Allgemeine Zeitung"?
Die „Allgemeine Zeitung“ war eine von Johann Friedrich Cotta 1798 gegründete Tageszeitung, die sich im 19. Jahrhundert zur führenden deutschen Tageszeitung entwickelte.
Wann zog der Verlag von Tübingen nach Stuttgart um?
Der Verlagssitz wurde 1810 endgültig von Tübingen nach Stuttgart verlegt.
Was passierte mit dem Cotta-Archiv während des Zweiten Weltkriegs?
Wertvolle Bestände und das Archiv wurden zum Schutz vor Zerstörung an verschiedene Orte ausgelagert, unter anderem nach Überlingen am Bodensee. Das Verlagsgebäude in Stuttgart wurde 1943 durch Bomben zerstört, aber das ausgelagerte Archiv blieb erhalten.
Wo befindet sich das historische Cotta-Archiv heute?
Die umfangreiche Handschriftensammlung und die Archivbibliothek wurden nach dem Krieg vom Verleger Josef Eberle erworben und dem Schiller-Nationalmuseum in Marbach am Neckar geschenkt. Sie bildeten einen wichtigen Grundstock für das Deutsche Literaturarchiv Marbach.
Wann wurde Klett-Cotta gegründet?
Der Verlag Klett-Cotta entstand 1977, als der Ernst Klett Verlag die Cotta’sche Buchhandlung erwarb und mit eigenen Programmteilen verschmolz.
Wo ist der Klett-Cotta Verlag heute ansässig?
Der Klett-Cotta Verlag ist Teil der Klett Gruppe und hat seinen Sitz in Stuttgart. Das Imprint Tropen arbeitet teilweise von Berlin aus.
Welche Art von Büchern veröffentlicht Klett-Cotta heute?
Klett-Cotta hat ein breites Programm, das Klassiker, Gegenwartsliteratur, Sachbücher (Geschichte, Psychologie, Politik etc.) sowie Genreliteratur wie Fantasy und Kriminalromane umfasst. Sie veröffentlichen auch Fachbücher und Zeitschriften.
Was sind die bekanntesten Imprints oder Reihen von Klett-Cotta?
Bekannte Imprints und Reihen sind die Hobbit Presse für Fantasy-Literatur, Tropen für Kriminalromane, Thriller und Sachbücher, sowie Schattauer für Psychiatrie und Psychotherapie. Auch der „Gebhardt“, das Handbuch der deutschen Geschichte, ist ein wichtiges Werk im Programm.
Die Geschichte der Cotta’schen Buchhandlung und des heutigen Klett-Cotta Verlages ist ein Spiegelbild der deutschen Literatur- und Verlagsgeschichte, geprägt von bedeutenden Persönlichkeiten, literarischen Meisterwerken und der Fähigkeit, sich über Jahrhunderte hinweg immer wieder neu zu erfinden.
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