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Mühlhausen/Thüringen: Geschichte & Charme

29/08/2021

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Mühlhausen/Thüringen ist eine Stadt mit einer tief verwurzelten Geschichte, die Jahrhunderte zurückreicht. Gelegen an der Unstrut, entwickelte sich der Ort aus einer frühen Siedlung am Übergang alter Fernwege. Eine Wassermühle gab der Ansiedlung im 8./9. Jahrhundert ihren Namen, der bis heute Bestand hat. Doch Mühlhausen ist weit mehr als nur der Name; es ist ein lebendiges Zeugnis deutscher Geschichte, von königlicher Bedeutung über wirtschaftliche Blüte bis hin zu turbulenten Zeiten und der bewussten Pflege seines reichen Erbes.

Für was ist Mühlhausen bekannt?
Bekannt ist Mühlhausen auch für sein reichhaltiges historisches Erbe, so war es Wirkungsstätte von Johann Sebastian Bach und Thomas Müntzer sowie bis 1802 Reichsstadt. Von der einstigen Bedeutung zeugen heute noch zahlreiche historische Bauwerke wie die Stadtmauer oder die Marienkirche.
Übersicht

Die Anfänge als Königspfalz und der Weg zur Reichsstadt

Die erste schriftliche Erwähnung Mühlhausens als Königspfalz stammt aus dem Jahr 967 unter Kaiser Otto II. Dies unterstreicht die frühe strategische und politische Bedeutung des Ortes im Reich. Ein herausragendes historisches Ereignis war die Königswahl Philipps von Schwaben im Jahr 1198, die hier stattfand. Bereits Jahrzehnte zuvor war Mühlhausen zu einer Stadt herangewachsen, in der die Königspfalz integriert wurde. Die heutige Kernstadt gliedert sich historisch in die ältere Unterstadt rund um die Kirche St. Blasius (später Divi-Blasii) und die jüngere Oberstadt bei St. Marien.

Ein beeindruckendes Zeugnis der mittelalterlichen Stadtentwicklung ist die fast 3 km lange Stadtmauer, die ab dem frühen 13. Jahrhundert beide Stadtquartiere umschloss und noch heute weitgehend erhalten ist. Diese Mauer mit ihren Toren und Türmen ist nicht nur ein bauliches Highlight, sondern auch ein Symbol für die frühe Wehrhaftigkeit und den Stolz der Bürgerschaft.

Von großer rechtlicher Bedeutung ist das Mühlhäuser Rechtsbuch aus dem 2. Viertel des 13. Jahrhunderts. Es gilt als das älteste Stadtrechtsbuch in deutscher Sprache und dokumentiert die frühe städtische Ordnung Mühlhausens als „dis richis ſtat“ (des Reiches Stadt). Ein tiefgreifender Wandel in der Stadtverfassung begann 1251. Anstelle königlicher Dienstleute übernahm ein Rat, der die Bürgerschaft vertrat, die Stadtregierung. Dieser Übergang machte Mühlhausen zu einer echten Reichsstadt mit eigener innerer Ordnung und weitgehender äußerer Souveränität unter königlicher Oberherrschaft. Diesen Status konnte die Stadt bis 1802 bewahren und gehörte am Ende des Alten Reichs zu den verbliebenen Reichsstädten.

Die Mitgliedschaft in der Hanse ab 1286 unterstreicht die wirtschaftliche Bedeutung der Stadt im Mittelalter. Mühlhausen erwarb im Laufe der Zeit 60 umliegende Dörfer und baute seine Position im hessisch-thüringischen Grenzland aus. Die Stadt verteidigte ihre Rechte auch gegen Territorialmächte wie die Landgrafen von Thüringen und Hessen sowie das Erzbistum Mainz.

Wirtschaftlicher Aufschwung und ingenieurtechnische Meisterleistungen

Bis ins ausgehende Mittelalter erlebte Mühlhausen eine lange Phase enormen Wachstums. Die ausgedehnte Kernstadt, die schon im 14. Jahrhundert angelegten Vorstädte, zahlreiche gotische Kirchen, Klöster, Hospitäler, das historische Rathaus und weitere öffentliche Bauten zeugen von wirtschaftlicher Prosperität und wachsendem Bürgerstolz. Die Lage an der Unstrut und den Bächen begünstigte die Mühlenwirtschaft, die dem Ort seinen Namen gab und um 1800 noch mit 19 Wassermühlen im engeren Stadtgebiet dokumentiert ist. Frischwasser war auch essentiell für die Woll-, Tuch- und Lederverarbeitung. Mühlhäuser Tuche waren überregional bekannt, und die Stadt wurde zu einem Zentrum des Waidanbaus und -handels.

Wie hieß Mühlhausen früher?
Die mittelalterliche Reichsstadt Mühlhausen. Am Übergang alter Fernwege über die Unstrut entstand im 8./9. Jahrhundert eine erste Siedlung, deren Wassermühle namengebend für den Ort wurde.

Ein bemerkenswertes Beispiel mittelalterlicher Ingenieurskunst ist die Breitsülze. Im Jahr 1292 wurde dieser an der Stadt entlang fließende Bach in einem künstlichen Lauf von 5350 Metern Länge und einem minimalen Gefälle von nur 0,33 mm pro Meter in die Oberstadt geleitet, um die Wasserversorgung zu sichern.

Reformation, Kriege und kulturelles Erbe

Die Reformationszeit brachte Mühlhausen in den Fokus radikaler Kirchenreformer wie Heinrich Pfeiffer und Thomas Müntzer. Zwischen 1523 und 1525 war die Stadt ein Zentrum gewaltsamer Auseinandersetzungen. Die Niederlage im Deutschen Bauernkrieg 1525, an der auch Mühlhäuser Bürger teilnahmen, führte zum Verlust reichsstädtischer Freiheitsrechte und schweren Strafzahlungen. Erst ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts begann eine erneute Blütezeit, die jedoch im Dreißigjährigen Krieg endete. Obwohl die Stadt äußerlich unversehrt blieb, wurde sie durch Bevölkerungsverluste und hohe Zahlungen an die Kriegsparteien nahezu ruiniert.

Das Stadtbild wurde in der Folgezeit oft durch Neubauten nach Stadtbränden verändert. Eine solche Katastrophe ereignete sich kurz bevor Johann Sebastian Bach 1707 als Organist nach Mühlhausen berufen wurde. Bach blieb nur ein Jahr, hinterließ aber tiefe musikalische Spuren, unter anderem mit der Kantate BWV 71 „Gott ist mein König“, die er zum Ratswechsel 1708 komponierte. Vom 16. bis 18. Jahrhundert erlebte Mühlhausen ohnehin eine Blüte der Kirchenmusik.

Von der Preußischen Zeit bis zur Industrialisierung

Die lange Epoche der Reichsfreiheit endete am 5. April 1802 mit der Besetzung durch preußische Truppen. Mühlhausen wurde Teil des Königreichs Preußen, kurzzeitig auch des Königreichs Westphalen (1807-1815), bevor es 1815 endgültig wieder zu Preußen kam. Die Eingliederung in ein größeres Territorium eröffnete neue wirtschaftliche Möglichkeiten. Im 19. Jahrhundert erlebte Mühlhausen einen enormen Aufschwung durch die Industrialisierung, insbesondere in der Textil-, Metallverarbeitungs- und Tabakindustrie. Mittelalterliche Vorstädte wurden dicht besiedelt, neue Quartiere entstanden. Infrastruktur wurde ausgebaut: Telegrafie (1861), Eisenbahn (1870), Telefon (1887), Wasserwerk (1895), Elektrizitätswerk und Straßenbahn (1898). 1892 wurde Mühlhausen ein eigener Stadtkreis.

Bemerkenswert ist die Verbindung zu Johann August Röbling, einem gebürtigen Mühlhäuser, der in die USA auswanderte und die Pläne für die berühmte Brooklyn Bridge in New York entwarf.

Ist Mühlhausen eine Reise wert?
Mühlhausen/Thüringen, Unstrut-Hainich-Kreis ist definitiv eine Reise wert - ein Travel Guide für alle, die Natur, Kultur und Kulinarik gleichermaßen schätzen.

Das 20. Jahrhundert und die Nachkriegszeit

Der Erste Weltkrieg forderte über 1300 Opfer aus Mühlhausen. Die Weimarer Republik war von wirtschaftlichen Schwierigkeiten (Hyperinflation, Arbeitslosigkeit) und sozialen Spannungen geprägt. Mit der Machtübernahme der NSDAP 1933 begann die Zeit politischer Unterdrückung und Verfolgung. Die Synagoge wurde während der Novemberpogrome 1938 verwüstet, jüdische Bürger verfolgt und deportiert. Das Gedenkbuch verzeichnet 63 jüdische Opfer des Holocaust aus Mühlhausen. Auch Patienten der Landesheil- und Pflegeanstalt Pfafferode wurden Opfer der NS-Euthanasieprogramme (Aktion T4, Aktion Brandt). Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurden in Mühlhausen Außenlager des KZ Buchenwald eingerichtet, deren Häftlinge zur Zwangsarbeit in Rüstungsbetrieben gezwungen wurden. Mühlhausen erlebte auch Bombenangriffe, entging aber der völligen Zerstörung.

Nach dem Krieg gehörte Mühlhausen zur Sowjetischen Besatzungszone und ab 1952 zum Bezirk Erfurt in der DDR. Am 17. Juni 1953 kam es zu einer Demonstration auf dem Marktplatz. In der DDR-Zeit prägten Volkseigene Betriebe (VEBs) wie Mülana, Cottana oder das Röhrenwerk (später VEB Mikroelektronik, bekannt für den Schulrechner SR1 und die Heimcomputer KC 85/2-4) die Wirtschaft. 1975 erhielt die Stadt den Beinamen „Thomas-Müntzer-Stadt“, der bis 1991 geführt wurde. Trotz staatlicher Investitionen, z.B. in die Denkmalpflege im Zusammenhang mit Thomas Müntzer, blieb der Erhalt der historischen Bausubstanz eine Herausforderung, und Abrisspläne bestanden.

Wende, Wiedervereinigung und die Stadt heute

Die Friedliche Revolution von 1989 und die Deutsche Wiedervereinigung brachten den politischen Umbruch und neue Möglichkeiten für die Altstadtsanierung. Abrissarbeiten wurden gestoppt, und die Sanierung des historischen Stadtraums begann, unterstützt auch durch Partnerschaften (z.B. mit Eschwege und Münster). 1991 legte die Stadt den Beinamen „Thomas-Müntzer-Stadt“ ab und heißt seither offiziell Mühlhausen/Thüringen. Trotz demografischer und wirtschaftlicher Herausforderungen nach der Wende (Deindustrialisierung, Abwanderung) hat sich Mühlhausen als Versorgungs- und Dienstleistungszentrum etabliert.

Heute präsentiert sich Mühlhausen als großartiges Ensemble historischer Bauten. Die Altstadt ist eine der besterhaltenen mittelalterlichen Städte Deutschlands und lädt zur Entdeckungsreise ein. Die Stadt pflegt ihr Erbe, was sich auch in der Restaurierung der Synagoge (1998) und der Ehrung als „Sprachwahrer des Jahres“ (2005) durch den Verein Deutsche Sprache zeigt.

Mühlhausen als Reiseziel

Mühlhausen/Thüringen ist definitiv eine Reise wert für alle, die an Geschichte, Architektur und Kultur interessiert sind. Ein Spaziergang durch die engen Gassen führt vorbei an prächtigen Fachwerkhäusern, historischen Kirchen wie Divi-Blasii und St. Marien sowie Teilen der Stadtmauer mit ihren Toren. Das historische Rathaus und das Museum Kloster Zella sind weitere Anziehungspunkte. Kulturelle Höhepunkte sind das Theater und das jährliche Bach-Festival.

Welche Sprache spricht man in Mühlhausen?
Seit dem 17. Februar 2014 ist die Stadt Mülhausen zweisprachig im Sinne der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen mit Französisch als Amtssprache sowie Deutsch als Regionalsprache in Form von Elsässisch und Hochdeutsch.

Die Stadt ist auch für die größte Stadtkirmes Deutschlands bekannt, die jährlich mit 27 Kirmesgemeinden gefeiert wird und eine lange Tradition hat. Kulinarisch bietet die Region Thüringer Spezialitäten wie Rostbratwurst, Kartoffelsuppe oder Sauerfleisch.

Für Naturfreunde liegt Mühlhausen günstig nahe dem Nationalpark Hainich, einem der größten zusammenhängenden Laubwaldgebiete Deutschlands mit zahlreichen Wander- und Radwegen sowie einem Baumkronenpfad. In der Umgebung finden sich zudem reizvolle Burgen und Schlösser wie die Wartburg oder Schloss Friedenstein.

Wirtschaft im Wandel

Die Wirtschaft Mühlhausens war historisch stark von der Mühlenwirtschaft, der Textil- und Lederverarbeitung geprägt. Im 19. Jahrhundert etablierten sich bedeutende Industriebetriebe. In der DDR-Zeit waren es die VEBs, die das Bild bestimmten, von Textilien über Fahrzeugteile bis zur Mikroelektronik. Nach 1990 erfolgte ein starker Strukturwandel. Heute liegt der Fokus auf Dienstleistungen und dem Einzelhandel.

Bevölkerungsentwicklung

Die Einwohnerentwicklung von Mühlhausen/Thüringen zeigt die wechselvolle Geschichte der Stadt, von mittelalterlicher Blüte über die Einbrüche durch Kriege und Krisen bis hin zu Wachstum im Industriezeitalter und den Herausforderungen der jüngeren Vergangenheit.

JahrEinwohnerJahrEinwohnerJahrEinwohnerJahrEinwohner
13603.000196145.200200437.855201936.090
14199.075197046.135200537.285202035.799
182512.650198143.348200636.874202135.797
185013.706198543.286200736.560202236.226
188023.478198842.949200836.210202337.146²
188525.141199440.544200936.100
189027.538199539.573201035.978
189530.115199639.154201133.395
190033.428199738.900201233.235
191035.091199839.030201333.077
192536.755199939.186201433.207
193339.367200038.695201534.552
193941.493200138.360201633.214
194648.013200237.661201733.127
194951.744200337.895201833.135
² Durch Eingemeindung des Ortsteils Eigenrieden (ehemals Rodeberg).

Häufig gestellte Fragen zu Mühlhausen/Thüringen

Um die wichtigsten Fragen aufzugreifen, die sich Besucher oder Interessierte an Mühlhausen stellen könnten, haben wir einige Informationen zusammengefasst:

  • Wie hieß Mühlhausen früher?
    Die früheste schriftliche Erwähnung aus dem Jahr 967 nennt den Ort „mulinhuson“. Später wurde der latinisierte Name „Mulhusinus“ verwendet. Der Name leitet sich von einer Wassermühle ab, die namensgebend für die erste Siedlung im 8./9. Jahrhundert war.
  • Für was ist Mühlhausen bekannt?
    Mühlhausen ist für seine gut erhaltene mittelalterliche Altstadt, seine Geschichte als Reichsstadt, seine zahlreichen gotischen Kirchen (darunter Divi-Blasii und St. Marien), die fast vollständig erhaltene Stadtmauer und das historische Rathaus bekannt. Kulturell ist die Stadt mit Johann Sebastian Bach verbunden, der hier als Organist wirkte. Wirtschaftlich war sie früher ein Zentrum für Tuch- und Waidhandel. Heute ist Mühlhausen auch überregional für die größte Stadtkirmes Deutschlands bekannt und liegt nahe dem Nationalpark Hainich.
  • Ist Mühlhausen eine Reise wert?
    Ja, Mühlhausen ist definitiv eine Reise wert. Die Stadt bietet eine einzigartige Kombination aus reicher Geschichte, beeindruckender mittelalterlicher Architektur, kulturellen Angeboten (Bach-Festival, Theater) und regionaler Kulinarik. Zudem ist die Nähe zum Nationalpark Hainich und zu historischen Stätten wie der Wartburg attraktiv für Outdoor-Aktivitäten und Ausflüge. Die gut erhaltene Altstadt lädt zum Verweilen und Entdecken ein.

Mühlhausen/Thüringen bietet somit eine faszinierende Mischung aus Geschichte, Kultur und Natur, die Besucher in ihren Bann zieht und die reiche Vergangenheit der Stadt lebendig werden lässt.

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