31/08/2023
Die Stadt Marl steht vor erheblichen finanziellen Herausforderungen. Die Haushaltskrise hat sich in den letzten Jahren verschärft, und die Stadt ist, wie es im Rahmen der Vorstellung des Haushalts für 2025 durch Bürgermeister Werner Arndt und Kämmerer Daniel Greb deutlich wurde, hochverschuldet. Diese Situation führt dazu, dass die Kommunalaufsicht zunehmend Einfluss nimmt, was Bürgermeister Arndt zu der Aussage veranlasst, man sei "nicht mehr Herr im eigenen Haus". Selbst wichtige Projekte, wie beispielsweise im Schulbereich, geraten unter diesem finanziellen Druck in Gefahr. Doch Marl ist mehr als nur seine Schulden. Die Stadt verfügt über eine ausgeprägte Infrastruktur in den Bereichen Sicherheit und Bildung, die einen genaueren Blick wert sind.

Die angespannte Haushaltslage: Ein Blick auf die Finanzen
Die finanzielle Situation Marls ist, gelinde gesagt, prekär. Die Präsentation des Haushaltsentwurfs für das Jahr 2025 zeichnete ein düsteres Bild. Die Stadt kämpft mit einer hohen Verschuldung, die den Handlungsspielraum der Verwaltung und der politischen Gremien stark einschränkt. Die Verschärfung der Haushaltskrise hat direkte Konsequenzen für das tägliche Leben und die zukünftige Entwicklung der Stadt. Eines der deutlichsten Zeichen für die Schwere der Lage ist die wachsende Macht der Kommunalaufsicht. Diese externe Instanz muss Entscheidungen der Stadtverwaltung genehmigen und kann Auflagen machen, um die Finanzen wieder in Ordnung zu bringen. Dies führt zu dem Gefühl des Kontrollverlusts, das Bürgermeister Arndt mit der Formulierung "nicht mehr Herr im eigenen Haus" beschreibt. Die Auswirkungen dieser finanziellen Engpässe sind weitreichend. Sie betreffen nicht nur die Möglichkeit, neue Projekte zu starten oder bestehende Dienstleistungen auszubauen, sondern gefährden sogar die Umsetzung bereits geplanter Vorhaben, wie beispielsweise notwendige Investitionen in Schulen. Die Situation in Marl ist dabei offenbar kein Einzelfall, sondern spiegelt eine allgemeine Tendenz in vielen Kreisstädten wider, wo die finanzielle Lage ebenfalls als düster beschrieben wird.
Sicherheit und Gefahrenabwehr: Eine starke Säule Marls
Trotz der finanziellen Schwierigkeiten kann Marl auf eine solide Struktur im Bereich der öffentlichen Sicherheit und Gefahrenabwehr bauen. Diese umfasst verschiedene Organisationen, die Hand in Hand arbeiten, um die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger zu gewährleisten.
Die Polizei in Marl
Die Polizeiarbeit in Marl ist Teil des Polizeipräsidiums Recklinghausen. Die zentrale Polizeiwache in Marl, die 24 Stunden besetzt ist, befindet sich an der Rappaportstraße 1. Sie ist nicht nur für das Stadtgebiet von Marl zuständig, sondern auch für die Nachbarstadt Haltern am See, wo sie für die Einsatzbewältigung verantwortlich ist. Innerhalb der Wache sind spezialisierte Einheiten untergebracht. Dazu gehört das Kriminalkommissariat 42, das für die Aufklärung von Straftaten im örtlichen Bereich zuständig ist. Ebenfalls an der Rappaportstraße angesiedelt ist das Verkehrskommissariat 3, dessen Zuständigkeit über Marl hinausgeht und behördenweit komplexe Verkehrsunfälle aufnimmt. Zusätzlich zur Hauptwache gibt es eine Nebenwache an der Victoriastraße im Stadtteil Hüls. Diese dient als Stützpunkt für einen Teil des Bezirks- und Schwerpunktdienstes. Die Polizeiwache hat in der Vergangenheit ihren Standort gewechselt; sie befand sich jahrzehntelang im alten Rathaus in Alt-Marl, bevor das heutige Gebäude 1992 fertiggestellt wurde.
Die Feuerwehr Marl
Die Feuerwehr Marl ist für die nichtpolizeiliche Gefahrenabwehr innerhalb des Stadtgebiets zuständig. Es handelt sich bei der Feuerwehr Marl nicht um eine Berufsfeuerwehr im klassischen Sinne, sondern um eine Freiwillige Feuerwehr mit hauptamtlichen Kräften. Das bedeutet, dass ein Teil des Personals hauptamtlich angestellt ist und ständig einsatzbereit ist, während ein großer Teil der Einsatzkräfte ehrenamtlich tätig ist. Neben dem hauptamtlichen Löschzug verfügt die Feuerwehr Marl über fünf weitere, ausschließlich ehrenamtlich besetzte Löschzüge, die in verschiedenen Stadtteilen stationiert sind: Löschzug 2 in Alt-Marl, Löschzug 3 in Lenkerbeck, Löschzug 4 in Sinsen, Löschzug 5 in Hamm und Löschzug 6 in Polsum. Diese Struktur gewährleistet eine flächendeckende Abdeckung des Stadtgebiets im Einsatzfall. Die Feuerwehr Marl spielt auch eine zentrale Rolle im Rettungsdienst. Sie besetzt die Notfallrettung mit Rettungswagen und Notarztwagen. Der Krankentransport wurde jedoch zum 1. Mai 2012 vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) Marl übernommen, welches damit den Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) Marl in dieser Aufgabe ablöste. Die zuvor von der Feuerwehr besetzten Krankentransportwagen wurden ebenfalls durch das DRK ersetzt. Im Gegenzug übernahm die Feuerwehr einen weiteren Rettungswagen im Tagesdienst, der zuvor vom ASB gestellt wurde. Notrufe für Feuerwehr und Rettungsdienst werden von der Kreisleitstelle des Kreises Recklinghausen angenommen. Diese alarmiert im Bedarfsfall das zeitlich nächstgelegene Rettungsmittel, unabhängig davon, ob es sich innerhalb oder außerhalb Marls befindet. Eine wichtige Ergänzung im Rettungswesen ist der Einsatz eines Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeugs (HLF) von der hauptamtlichen Wache als First Responder. Wenn kein Rettungsdienstfahrzeug schnell genug verfügbar ist, rückt das HLF aus, um die Wartezeit auf professionelle medizinische Hilfe zu verkürzen und die Überlebenschancen zu erhöhen. Dieses Fahrzeug ist speziell mit medizinischen Materialien, einschließlich eines Automatisch-Externen-Defibrillators (AED), ausgestattet. Alle Besatzungsmitglieder des HLF sind ausgebildete Rettungssanitäter oder Rettungsassistenten. Eine weitere spezialisierte Einheit der Feuerwehr Marl ist die Höhenrettungsgruppe, die seit 1999 existiert. Diese Gruppe ist darauf spezialisiert, Menschenrettungen und -bergungen an hohen Objekten durchzuführen und kann jeden Punkt an einem hohen Bauwerk zu jeder Zeit erreichen.

Die Werkfeuerwehr im Chemiepark Marl und TUIS
Eine besondere Rolle im Bereich der Gefahrenabwehr in Marl spielt die Werkfeuerwehr (WF) im Chemiepark Marl. Als gesetzlich vorgeschriebene Werkfeuerwehr ist sie für die rettungsdienstliche und feuerwehrtechnische Gefahrenabwehr innerhalb der Betriebe des weitläufigen Chemieparks zuständig. Sie gehört zur Evonik Technology & Infrastructure GmbH. Die Marler Werkfeuerwehr ist zudem Teil des Transport-Unfall-Informations- und Hilfeleistungssystems (TUIS). Dieses System bietet bundesweit und im nahen Ausland Unterstützung bei Unfällen mit Gefahrgütern. Die WF Chemiepark Marl stellt im Rahmen von TUIS eine kostenlose Beratung zur Verfügung. Wenn diese Beratung nicht ausreicht und spezialisierte Geräte oder Fachleute vor Ort benötigt werden, entsenden die Spezialisten der Werkfeuerwehr ein spezielles TUIS-Fahrzeug zum Unfallort. Sowohl TUIS als auch die gesamte WF Chemiepark Marl stehen rund um die Uhr zur Verfügung und stellen eine wichtige Ressource für die Region und darüber hinaus dar.
Flugplatz Marl-Loemühle
Auch der Flugplatz Marl-Loemühle verfügt über eine spezielle Einrichtung zur Gefahrenabwehr. Eigens für den Flugplatz gibt es einen zum Pulverlöschfahrzeug ausgebauten Mercedes-Benz Unimog. Dieses Fahrzeug ist jedoch im Besitz des Flugplatzes selbst und wird nicht von der Feuerwehr Marl, sondern vom Flugplatzpersonal geführt. Es wird ausschließlich für mögliche Luftverkehrsunfälle im Umfeld des Flugplatzes vorgehalten.
Weitere Hilfsorganisationen
Neben Polizei und Feuerwehr sind in Marl weitere wichtige Hilfsorganisationen aktiv. Der Technische Zug des THW-Ortsverbandes Marl besteht aus zwei Bergungsgruppen und den Fachgruppen Sprengen und Ortung (Typ B), die bei verschiedenen technischen Einsätzen zum Einsatz kommen. Der ASB in Marl verfügt über eine Sanitätsgruppe, eine Betreuungsgruppe sowie eine Gruppe für Technik und Sicherheit. Obwohl in Marl stationiert, fährt die Einsatzeinheit des ASB für die Stadt Bottrop. Die DLRG Marl hält einen Bootstrupp für den Katastrophenschutz vor, der insbesondere bei Einsätzen am Wasser oder bei Hochwasserlagen relevant ist. Das bereits erwähnte DRK ist seit Mai 2012 für den Krankentransport in Marl zuständig. Darüber hinaus nimmt das DRK Sanitätswachdienste bei Veranstaltungen wahr und unterhält eine Rettungshundestaffel, die bei der Suche nach vermissten Personen eingesetzt wird.
Bildung in Marl: Vielfalt und Tradition
Marl legt großen Wert auf Bildung und verfügt über eine vielfältige Schullandschaft sowie weitere Bildungseinrichtungen. Bereits im Jahr 1963 pries der Schriftsteller Walter Vollmer die Schönheit und Eleganz der Marler Schulen, die aus damaliger Sicht sehr modern waren und, wie er bemerkte, "weiß Gott, sie ähneln bald alle Privatsanatorien!" Diese Tradition moderner und gut ausgestatteter Schulen hat sich fortgesetzt, auch wenn die aktuelle Haushaltslage Herausforderungen mit sich bringt.

Weiterführende Schulen
Das Angebot an weiterführenden Schulen in Marl ist breit gefächert. Es gibt zwei Gymnasien: das Albert-Schweitzer-/Geschwister-Scholl-Gymnasium (ASGSG) in der Stadtmitte und das Gymnasium im Loekamp (GiL) im Stadtteil Hüls. Beide bieten das Abitur als höchsten Schulabschluss an. Für Schülerinnen und Schüler, die einen mittleren Bildungsabschluss anstreben, gibt es die Ernst-Immel-Realschule, ebenfalls in Hüls gelegen. Im Ortsteil Hamm befindet sich die Katholische Hauptschule, die zum Hauptschulabschluss führt. Ergänzt wird das Angebot durch zwei Gesamtschulen, die verschiedene Bildungsabschlüsse ermöglichen: die Willy-Brandt-Gesamtschule in der Innenstadt und die Martin-Luther-King-Schule in Hüls. Marl berücksichtigt auch Schüler mit besonderem Förderbedarf. Im Stadtteil Alt-Marl liegt die Heinrich-Kielhorn-Schule für Schüler mit allgemeinem Förderbedarf. Im Stadtteil Brassert befindet sich die Glück-auf-Schule, die speziell auf Schüler mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung ausgerichtet ist.
Volkshochschule und Berufsbildung
Über die klassischen Schulformen hinaus bietet Marl weitere bedeutende Bildungseinrichtungen. Die Volkshochschule (VHS) "die insel" wurde bereits 1946 gegründet. Sie hat eine besondere Geschichte, da für sie im Jahr 1955 das erste eigene Gebäude für eine Volkshochschule in ganz Deutschland eingerichtet wurde. Heute befindet sich die VHS in den Gebäuden der ehemaligen Hauptschule an der Wiesenstraße und bietet ein breites Spektrum an Kursen für Erwachsene. Ein weiteres wichtiges Bildungszentrum ist das Hans-Böckler-Berufskolleg Marl/Haltern (HBBK), das am 1. April 2006 sein 100-jähriges Bestehen feierte. Das HBBK hat sich von einer "Bündelschule" zu einem überregional bedeutsamen Bildungszentrum entwickelt. Es beherbergt eine Reihe aktueller Bildungsgänge, unter anderem im zukunftsweisenden Medienbereich. Darüber hinaus ist am HBBK eine private Fachhochschule, die FOM, angesiedelt, an der etwa 300 Studierende eingeschrieben sind. Das Berufskolleg ist in vier Fachbereiche gegliedert: Naturwissenschaft und Technik, Pädagogik und Hauswirtschaft, Wirtschaft und Medien sowie Zahn- und Bädertechnik (letzterer Standort ist Haltern). Innerhalb dieser Fachbereiche bietet das HBBK verschiedene Bildungsgänge an, die bis zur allgemeinen Hochschulreife führen können. Das HBBK hat sich auch im Bereich des elektronisch gestützten und individuellen Lernens profiliert und ist damit modern aufgestellt.
Was Marl auszeichnet: Mehr als nur Zahlen
Marl ist eine Stadt mit verschiedenen Facetten. Während die aktuelle Haushaltslage eine große Herausforderung darstellt und die Stadtverwaltung sowie die Bürgerinnen und Bürger beschäftigt, verfügt Marl über etablierte und leistungsfähige Strukturen in wichtigen Bereichen. Die umfassende Aufstellung im Bereich der Sicherheit, von der Polizei über die Freiwillige Feuerwehr mit hauptamtlichen Kräften, die spezialisierte Werkfeuerwehr im Chemiepark mit ihrer TUIS-Anbindung bis hin zu den vielfältigen weiteren Hilfsorganisationen, zeigt ein hohes Maß an Vorsorge und Einsatzbereitschaft. Parallel dazu bietet die Stadt eine reiche Bildungslandschaft, die von Grundschulen bis zu weiterführenden Schulen aller Art, einer historischen Volkshochschule und einem modernen Berufskolleg mit Fachhochschule reicht. Diese Bereiche bilden wichtige Säulen des städtischen Lebens und tragen maßgeblich zur Lebensqualität bei, auch wenn die finanzielle Situation derzeit Sorgen bereitet. Marl ist auch bekannt für seine Geographie, Geschichte, Politik, Wirtschaft und Infrastruktur, Kultur und Sehenswürdigkeiten sowie die Persönlichkeiten, die aus der Stadt stammen, und die Literatur, die sich mit ihr beschäftigt, auch wenn die vorliegenden Informationen diese Punkte nicht im Detail beleuchten.
Häufig gestellte Fragen zu Marl
Hat die Stadt Marl Schulden?
Ja, die Stadt Marl ist laut den vorliegenden Informationen hochverschuldet. Die Haushaltskrise hat sich verschärft, und die finanzielle Situation wird als angespannt beschrieben, was auch den Einfluss der Kommunalaufsicht erhöht.

Wofür ist Marl bekannt?
Basierend auf den vorliegenden Informationen ist Marl unter anderem für seine umfangreichen Strukturen im Bereich der Sicherheit (Polizei, Freiwillige Feuerwehr mit hauptamtlichen Kräften, Werkfeuerwehr im Chemiepark mit TUIS-Anbindung, verschiedene Hilfsorganisationen) sowie für seine vielfältige Bildungslandschaft bekannt, die alle Schulformen, eine traditionsreiche Volkshochschule und ein modernes Berufskolleg mit Fachhochschule umfasst. Auch der Chemiepark selbst ist ein prägendes Element der Stadt.
Gibt es eine Berufsfeuerwehr in Marl?
Nein, in Marl gibt es keine reine Berufsfeuerwehr. Die Stadt verfügt über eine Freiwillige Feuerwehr, die jedoch durch hauptamtliche Kräfte ergänzt wird, um die ständige Einsatzbereitschaft zu gewährleisten.
Welche Bildungseinrichtungen gibt es in Marl?
Die Bildungslandschaft in Marl ist sehr vielfältig. Es gibt unter anderem Gymnasien, eine Realschule, eine Hauptschule, Gesamtschulen und Förderschulen. Darüber hinaus gibt es die Volkshochschule "die insel" und das Hans-Böckler-Berufskolleg, an dem auch eine Fachhochschule (FOM) angesiedelt ist.
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