11/04/2024
Neuss-Reuschenberg ist ein facettenreicher Stadtteil von Neuss, der sich über die Jahrzehnte von einem landwirtschaftlich geprägten Gebiet zu einem lebendigen Wohnort entwickelt hat. Seine Geschichte, die vielfältigen Freizeitmöglichkeiten und seine Anbindung machen ihn zu einem interessanten Bestandteil des Stadtgefüges.

Herkunft des Namens Reuschenberg
Der Name „Reuschenberg“ leitet sich direkt vom nahegelegenen Schloss Reuschenberg ab. Dieses historische Schloss liegt etwa zwei Kilometer von der heutigen Ortschaft entfernt und war einst der Sitz des Adelsgeschlechts von Reuschenberg. Interessanterweise war dieses Adelsgeschlecht in Selikum ansässig, einem heutigen Nachbarort von Reuschenberg. Es ist bemerkenswert, dass sich bei der Namensgebung des später entstandenen Stadtteils das vergleichsweise kleinere Schloss Reuschenberg gegenüber dem damals an Besitz und Einfluss überlegeneren Niederhof durchsetzen konnte. Bis in die späten 1950er Jahre hinein wurde Reuschenberg in Stadtplänen oft noch mit dem Zusatz „Gartenvorstadt“ geführt, was auf seine ursprüngliche Konzeption und Entwicklung hinweist.
Historische Entwicklung des Stadtteils
Das Gebiet, das heute Reuschenberg bildet, wurde bis in die 1920er Jahre hinein hauptsächlich landwirtschaftlich genutzt. Ein einzelnes Gebäude prägte bis dahin die Gegend: die Zollstation „Barriere“. Diese Station befand sich in etwa im Mittelpunkt des heutigen Reuschenbergs, wurde aber in den 1930er Jahren abgerissen.
Ein entscheidender Schritt in der Entwicklung Reuschenbergs erfolgte im Jahr 1931. Der Rat der Stadt Neuss legte einen Plan vor, der die Einrichtung von 23 Siedlerstellen vorsah. Diese Stellen, mit Größen zwischen 600 und 6000 Quadratmetern, sollten entlang der Bergheimer Straße entstehen. Ziel war es, Erwerbslosen durch den Anbau von Lebensmitteln ihren Lebensunterhalt zu erleichtern. Die Errichtung der Häuser auf diesen Parzellen sollte dabei unter aktiver Mithilfe der zukünftigen Eigentümer erfolgen. Mit der Entstehung der Siedlung Schlagbaum wurden die ersten Wohnhäuser in Reuschenberg gebaut.
In den darauffolgenden Jahren wurde der Ausbau Reuschenbergs, nun als Gartenvorstadt bezeichnet, stetig vorangetrieben. Die ursprüngliche Planung sah vor, 350 Häuser für Arbeiter der Neusser Industrie und des Neusser Handwerks zu schaffen. Bis zum Jahr 1938 entwickelte sich die anfangs kleine Siedlung für Bedürftige zu einem Ort mit einer eigenen, wenn auch kleinen, Ladenzeile. Diese diente dazu, die Anwohner mit dem Nötigsten zu versorgen. Der in dieser Zeit vielerorts beliebte Baustil des Neoklassizismus fand auch in Reuschenberg Anwendung. Vergleiche von Bildern Reuschenbergs mit denen anderer zur gleichen Zeit erbauter Siedlungen zeigen deutliche Ähnlichkeiten im Baustil.
Während des Zweiten Weltkrieges blieb Reuschenberg im Gegensatz zur Kernstadt Neuss weitestgehend von größeren Zerstörungen verschont. Es fielen lediglich einzelne Brandbomben auf die Siedlung. Dennoch wurden vorsorglich Bunker für die Bevölkerung errichtet, da man sich der Gefahr durch zivile Luftangriffe der englischen und amerikanischen Streitkräfte bewusst war. Auf dem Gelände des jetzigen Rasenplatzes befand sich während des Krieges eine deutsche Flakstellung. Vor einigen Jahren, um das Jahr 2000, musste auf diesem Sportplatz eine zwei Zentner schwere Fliegerbombe entschärft werden, die bei Neubauarbeiten gefunden wurde. Zudem wurde ein großer Teil der Bürger evakuiert und in weniger vom Krieg betroffene Gebiete Deutschlands gebracht.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde im Nordosten Reuschenbergs Wohnraum für Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten geschaffen. In den 1960er und 1970er Jahren wurden weitere Mehrparteienhäuser, insbesondere entlang der Bergheimer Straße, errichtet. In dieser Zeit stiegen auch die Einwohnerzahlen weiter an. Aufgrund des zunehmenden Pendlerverkehrs nach Neuss in den 1970er Jahren wurde die Bundesstraße 477 innerorts entsprechend vierspurig ausgebaut, um den Verkehrsfluss zu verbessern.
Freizeitmöglichkeiten in Reuschenberg
Reuschenberg bietet seinen Bewohnern und Besuchern vielfältige Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung.
WELLNEUSS und das ehemalige Südbad
Bis zum Jahr 2005 gab es in Reuschenberg ein Freibad, das an das Hallenbad angeschlossen war. Dieses Freibad verfügte über ein 50-Meter-Becken, einen 10-Meter-Sprungturm und ein Nichtschwimmerbecken mit einer 60-Meter-Rutsche. Der Bereich des Nichtschwimmerbeckens wurde später abgerissen, um Platz für eine neue Bade- und Saunalandschaft zu schaffen, die heute unter dem Namen WELLNEUSS bekannt ist. Das Bauprojekt stieß auf Widerstand einiger Anwohner, die versuchten, es durch einstweilige Verfügungen zu stoppen, was jedoch nicht gelang. Das heutige Bad verfügt über einen kleineren Außenbereich. Das Hallenbad zeichnet sich durch ein Cabriodach aus, das im Sommer geöffnet werden kann.
Eislauf-Mehrzweckhalle
Die Eislaufhalle in Reuschenberg ist ein wichtiger Treffpunkt, insbesondere im Winter. Sie bietet Platz für bis zu 4000 Personen und ist die Heimat des Neusser Eishockey Vereins (NEV) sowie des Neusser Schlittschuh Klub e. V. Großer Beliebtheit erfreut sich auch die regelmäßig stattfindende Eislauf-Disko. Außerhalb der Eissaison wird die Halle vielseitig genutzt und dient als Veranstaltungsort für verschiedenste Events.
Saunalandschaft „WellNeuss“
Die Saunalandschaft „WellNeuss“ liegt attraktiv zwischen dem Südpark, der Eishalle und dem Reuschenberger See. Sie wird von der Neusser Bäder und Eissporthallen GmbH betrieben und ergänzt das Angebot des Hallenbads um umfangreiche Wellness-Möglichkeiten.
Sportvereine
In Reuschenberg sind verschiedene Sportvereine aktiv. Dazu gehört unter anderem der Schieß-Sportverein Neuss-Reuschenberg 1956 e. V. Auf der vereinseigenen Schießsportanlage wird regelmäßig in diversen Disziplinen trainiert, darunter Bogen, Luftpistole, Luftgewehr (auch aufgelegt), Armbrust 10 m, Zimmerstutzen, KK 50 m aufgelegt, KK Sportgewehr, KK 60 Schuss liegend sowie Sportpistole im Kaliber .22 und Großkaliber. Weitere Sportvereine in Reuschenberg sind der TuS Reuschenberg und die Tanzgarde Grün-Weiß Reuschenberg e. V.
Angrenzend an das Gebiet der Saunalandschaft und am Südpark gelegen, befindet sich zudem ein kleiner See mit einem angrenzenden Waldgebiet, das zu Spaziergängen und Erholung in der Natur einlädt.
Freizeitanlage Südpark
Der Südpark ist eine großzügige Freizeitanlage, die sich über 25 Hektar erstreckt. Hier finden sich zahlreiche Möglichkeiten für sportliche Aktivitäten und Erholung im Freien. Der Park beherbergt Tennisanlagen, eine Skateranlage sowie weitläufige Parkflächen mit speziellen Bereichen für Sport, Spiel und Grillen.
Das Schützenwesen in Reuschenberg
Wie in vielen Stadtteilen und Vororten von Neuss spielt auch in Reuschenberg das Schützenwesen eine wichtige Rolle und ist tief im Gemeinschaftsleben verwurzelt. Die Anfänge des organisierten Schützenwesens in Reuschenberg lassen sich auf das Jahr 1952 zurückführen.
In der Jahreshauptversammlung der Siedlergemeinschaft im Jahr 1952 stellte Willi Wirths offiziell den Antrag, ein eigenes Schützenfest für Reuschenberg vorzubereiten. Dieser Vorschlag fand bei den anwesenden Mitgliedern großen Zuspruch und wurde nachdrücklich unterstützt. Bereits zu Beginn des Jahres 1953 war die Bildung des Schützenregimentes so weit fortgeschritten, dass alle beteiligten Korps mit den Vorbereitungen für das erste eigene Schützenfest beginnen konnten.
Das historische erste Reuschenberger Schützenfest fand vom 11. bis 14. Juli 1953 statt. Es wurde unter der Führung des damaligen Präsidenten Dr. med. Karl Orth erfolgreich durchgeführt. Nach diesem gelungenen Auftakt arbeiteten die Mitglieder mit vereinten Kräften an der Weiterentwicklung des Vereins und des Regimentes.

Bereits im Gründungsjahr 1953 erfuhr das Regiment eine bedeutende Verstärkung durch die Gründung des St. Hubertuskorps. Dieses neue Korps entstand unter der Führung von Major Hubert Kluth. Weiteren Zuwachs erhielt das Regiment im Jahr 1955 mit der Gründung eines eigenen Fanfarenkorps, das fortan die Umzüge musikalisch begleitete.
Der Reuschenberger Bürger-Schützen-Verein wurde formell im Jahr 1952 gegründet und ist seither ein zentraler Pfeiler des gesellschaftlichen Lebens. Das Schützenfest wird traditionell so terminiert, dass der Schützenfest Sonntag immer auf den zweiten Sonntag im Juli eines jeden Jahres fällt. Das Fest selbst zieht zahlreiche Teilnehmer und Besucher an und ist ein Höhepunkt im Jahreskalender des Stadtteils.
Verkehrsanbindung
Reuschenberg ist gut an das Verkehrsnetz angebunden. Mit dem Auto ist der Stadtteil über die Autobahn A 57 zu erreichen. Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) wird durch mehrere Buslinien der Stadtwerke Neuss sichergestellt, die Reuschenberg durchfahren und so eine Anbindung an das Busnetz der Stadt gewährleisten.
Eine eigene Bahnanbindung mit einem Bahnhof direkt in Reuschenberg existiert nicht. Die nächstgelegenen Bahnhöfe sind Neuss-Holzheim oder die S-Bahn-Haltestelle Neuss Süd. Beide Stationen befinden sich etwa zwei Kilometer vom Ortszentrum von Reuschenberg entfernt und sind somit fußläufig oder mit dem Bus erreichbar. Historisch interessant ist die Lage des Ortes an der alten Römerstraße, die einst Trier und Neuss verband.
Sonstiges Wissenswertes
Neben den bereits genannten Aspekten gibt es weitere wichtige Einrichtungen in Reuschenberg, die zum Leben im Stadtteil beitragen.
Im kirchlichen Bereich gibt es in Reuschenberg zwei katholische Pfarrgemeinden: St. Elisabeth und St. Hubertus. Für die evangelischen Christen gibt es die Erlöserkirche. Diese Gemeinden bilden wichtige Anlaufstellen für die Gläubigen im Stadtteil.
Für die jüngsten Bewohner gibt es in Reuschenberg drei Kindergärten. Darüber hinaus verfügt der Stadtteil über zwei Grundschulen: die Albert-Schweitzer-Grundschule und die St.-Hubertus-Grundschule. Diese Bildungseinrichtungen stellen die schulische Versorgung der Kinder vor Ort sicher.
Des Weiteren ist in Reuschenberg eine von insgesamt drei Neusser Rettungswachen stationiert. Diese Rettungswache wird durch das Deutsche Rote Kreuz (DRK) betrieben und gewährleistet die schnelle medizinische Notfallversorgung im Stadtteil und den umliegenden Gebieten. Die beiden anderen Rettungswachen in Neuss befinden sich auf der Neusserfurth (betrieben vom Malteser Hilfsdienst) sowie am Hammfeld (betrieben von der Johanniter-Unfall-Hilfe).
Häufig gestellte Fragen zu Reuschenberg
Q: Wann findet das Schützenfest in Neuss-Reuschenberg statt?
A: Das Schützenfest des Reuschenberger Bürger-Schützen-Vereins 1952 e.V. findet traditionell so statt, dass der Schützenfest Sonntag auf den 2. Sonntag im Juli fällt. Für das Jahr, auf das sich die vorliegenden Informationen beziehen, fand es vom 12. Juli bis 16. Juli statt.
Q: Welche größeren Freizeiteinrichtungen gibt es in Reuschenberg?
A: Zu den größeren Freizeiteinrichtungen zählen die Bade- und Saunalandschaft WELLNEUSS, die Eislauf-Mehrzweckhalle und die weitläufige Freizeitanlage Südpark mit Tennis-, Skater-, Sport-, Spiel- und Grillplätzen.
Q: Wie ist Reuschenberg an den Verkehr angebunden?
A: Reuschenberg ist über die Autobahn A 57 erreichbar und wird von mehreren Buslinien der Stadtwerke Neuss bedient. Eine eigene Bahnanbindung gibt es nicht, die nächstgelegenen Bahnhöfe (Neuss-Holzheim, Neuss Süd) sind ca. 2 km entfernt.
Q: Woher stammt der Name Reuschenberg?
A: Der Name leitet sich vom Schloss Reuschenberg ab, dem ehemaligen Sitz des Adelsgeschlechts von Reuschenberg.
Q: Gab es in Reuschenberg eine Zollstation?
A: Ja, bis in die 1930er Jahre gab es im ungefähren Mittelpunkt des heutigen Reuschenbergs die Zollstation „Barriere“, die später abgerissen wurde.
Q: Welche Schulen gibt es in Reuschenberg?
A: In Reuschenberg gibt es die Albert-Schweitzer-Grundschule und die St.-Hubertus-Grundschule.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Reuschenberg ein Stadtteil mit einer interessanten Entwicklung und einer guten Infrastruktur im Hinblick auf Freizeit, Bildung und Versorgung ist.
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