21/04/2026
Das Freiburger Quartier Vauban gilt seit nunmehr 25 Jahren als ein herausragendes Beispiel für nachhaltige Stadtentwicklung und Wohnkonzepte. Auf einem ehemaligen Kasernengelände entstanden, hat es sich zu einem lebendigen und oft zitierten Modell für umweltbewusstes Leben und bürgerschaftliches Engagement entwickelt.

Die Geschichte des Areals reicht zurück bis ins Jahr 1937, als die Kasernen in der damals unbesiedelten Feuchtaue des Dorfbaches errichtet wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg, ab 1945, nutzte die französische Armee das militärische Gelände. Erst 1992 zogen die französischen Truppen ab und hinterließen 28 große Kasernengebäude sowie zahlreiche Nebengebäude. Aus dieser Epoche der französischen Präsenz stammt auch der Name des Stadtteils: „Vauban“, benannt nach dem berühmten französischen Militärbaumeister unter König Ludwig XIV.
Vom Kasernengelände zum Modellstadtteil: Bürger gestalten mit
Nach dem Abzug der Armee standen die umfangreichen Gebäude leer. Erste städtische Planungen sahen vor, alle Kasernengebäude abzureißen. Gegen diese Idee formierte sich jedoch eine starke Bürgerbewegung. Aus diesem Kreis heraus wurden alternative Nutzungskonzepte entwickelt, die auf Erhalt und Umbau setzten. Schon relativ früh fiel die Entscheidung, sechs der Kasernen zu erhalten und für eine Studentensiedlung umzubauen. Eine weitere Initiative, S.U.S.I., übernahm vier Kasernen und wandelte sie in kostengünstigen Wohnraum um. Auch für das Kasernengebäude 037, das heute noch am Marktplatz steht und eigentlich zum Abriss vorgesehen war, setzten sich Bürger und das Forum Vauban e.V. engagiert für den Erhalt ein. Ihr Ziel war die Einrichtung eines Stadtteilzentrums, was nach intensiven Bemühungen auch gelang. Insgesamt sind heute noch zwölf Kasernengebäude erhalten, darunter auch das Dienstleistungszentrum Vauban (DIVA) im Gebäude 050. Bedauerlicherweise konnten nicht alle erhaltenswerten Gebäude gerettet werden. So wurde das bereits sanierte Verwaltungsgebäude 049 trotz seiner Eignung für Wohnzwecke abgerissen, wo heute ein Kindergarten steht. Auch die Bemühungen der Initiative 'drei5viertel', vier weitere Gebäude für ein Wohnprojekt zu übernehmen, scheiterten am Widerstand von Verwaltung und Politik. Die friedlich besetzten Gebäude wurden geräumt und anschließend abgerissen, ein Vorgehen, das bei den Bewohnern auf Befremden stieß und den konstruktiven Dialog zwischen Stadt und Bürgern beeinträchtigte.
Das starke Bürgerengagement war jedoch insgesamt ein entscheidender Faktor für die Entwicklung des Vauban. Die Bewohnerinnen und Bewohner wurden intensiv in die Planungen eingebunden. Statt starre Vorgaben zu machen, wurde die Gestaltung der Häuser und des Viertels gemeinsam mit den zukünftigen Nutzern besprochen. Dieses partizipative Vorgehen führte zu einer vielfältigen Architektur, die den besonderen Charme des Vauban ausmacht.
Ein Labor für Nachhaltigkeit
Das Vauban wurde von Anfang an als Modell für Nachhaltigkeit konzipiert. Ein zentrales Element ist das verkehrsreduzierte Konzept. Ein großer Teil der Straßen ist autofrei oder autoarm gestaltet. Private Fahrzeuge müssen hauptsächlich in den beiden Quartiersgaragen am Rand des Viertels abgestellt werden. Seit 2006 ist das Gebiet durch die Stadtbahn erschlossen, was die Nutzung des Öffentlichen Nahverkehrs attraktiv macht. Fahrräder prägen das Bild des Viertels, insbesondere nach Schulschluss, wenn die Straßen voller radelnder Kinder sind – eine Szene, die an frühere Zeiten erinnert, als es noch weniger Autos gab. Viele Bewohner verzichten bewusst auf ein eigenes Auto.

Auch im Bereich Energie setzte das Vauban Maßstäbe. Niedrigenergiebauweise war verpflichtend, und viele Gebäude wurden als Passiv- oder sogar Plusenergiehäuser realisiert. Der Einsatz von Solartechnik ist weit verbreitet. Diese hohen Energiestandards sorgen auch heute noch für vergleichsweise niedrige Nebenkosten und machten das Viertel während der Energiekrise weniger anfällig. Ein Bewohner der ersten Stunde berichtet, dass ihr Energieverbrauch 20 Prozent unter dem eines normalen Hauses liegt. Die Plus-Energie-Häuser der Solarsiedlung und die vielen Passivhäuser gelten weiterhin als vorbildlich.
Grünflächen spielen eine wichtige Rolle für das Klima und die Lebensqualität. Der alte Baumbestand wurde weitestgehend erhalten. Grünstreifen zwischen den Häusern bieten Platz zum Spielen für Kinder. Üppige Vorgärten und begrünte Fassaden tragen zum grünen Charakter bei. Begrünte Flachdächer speichern Regenwasser, das gesammelt und zur Versickerung gebracht wird.
Parallel zur Entstehung der Wohnhäuser wurde die Infrastruktur aufgebaut. Eine Schule, Kindergärten, Jugendeinrichtungen, eine bürgerliche Begegnungsstätte und ein Marktplatz entstanden, ebenso wie vielfältige Freizeit- und Spielflächen. Dies trägt zur Attraktivität des Quartiers bei, insbesondere für Familien.
Herausforderungen eines reifenden Modells
Trotz seines Rufs als Öko-Idyll steht das Vauban heute auch vor Herausforderungen. Nach 25 Jahren ist das Quartier „in die Jahre gekommen“. Das Durchschnittsalter der Bewohner ist deutlich gestiegen, von knapp 30 Jahren in den Anfangsjahren auf heute rund 38 Jahre.

Auch die anfänglich sehr niedrige Pkw-Dichte hat zugenommen. Sie liegt mittlerweile bei etwa 270 Autos pro 1.000 Einwohner, was immer noch deutlich unter dem städtischen Durchschnitt liegen dürfte, aber das Dreifache der Anfangsjahre darstellt. Dies zeigt, dass das Ideal des weitgehend autofreien Lebens nicht von allen neuen Bewohnern gleichermaßen gelebt wird.
Eine der größten Sorgen ist jedoch die Entwicklung der Wohnkosten. Die Lebensqualität und der besondere Charakter des Viertels haben dazu geführt, dass Wohnen im Vauban „extrem teuer geworden“ ist. Bewohner der ersten Stunde und der frühere Stadtplaner Wulf Daseking bedauern, dass man heute „ohne dicken Geldbeutel“ kaum noch hier wohnen könne. Das Vauban droht, sich zu einem Luxusviertel zu entwickeln. Verstärkt wird dieser Trend durch das Schwinden städtisch geförderten Wohnraums. Von anfänglich rund 400 Sozialwohnungen sind laut Stadtverwaltung nur noch 290 übrig, und weitere werden in den nächsten Jahren aus der Bindung fallen. Ein Lichtblick sind die vielen Wohnungen in der Hand von Baugruppen und Genossenschaften. Der Stadtteilverein berichtet, dass diese sich oft um faire Mieten bemühen, teilweise sogar Mietsenkungen beschließen konnten, wenn Kredite abbezahlt sind. Nur ein kleiner Teil der Wohnungen gehört kommerziellen Vermietern und wird zu Höchstpreisen auf dem freien Markt gehandelt.
| Merkmal | Anfangsjahre | Heute |
|---|---|---|
| Durchschnittsalter | ca. 30 Jahre | ca. 38 Jahre |
| Pkw-Dichte pro 1.000 Einwohner | ca. 90 | ca. 270 |
| Erhaltene Kasernengebäude | 12 | 12 |
Vauban heute: Immer noch ein Vorbild?
Trotz der angesprochenen Herausforderungen wird das Vauban immer noch als Vorbild für nachhaltige Stadtentwicklung betrachtet. Der frühere Stadtplaner Wulf Daseking betont, dass die grundlegende Idee eines verkehrsreduzierten Stadtteils mit dichter Bebauung, viel Grün, Solaranlagen und Regenwasserbewirtschaftung bis heute kaum irgendwo so konsequent umgesetzt wurde wie hier. Es sei „fast traurig“, dass nicht mehr Projekte das Vauban überholt hätten. Die Energieversorgung und das Wohnkonzept setzen nach wie vor Maßstäbe. Die Tatsache, dass Stadtplaner und Schulklassen aus aller Welt weiterhin nach Freiburg pilgern, um das Vauban zu besichtigen, unterstreicht seine anhaltende Bedeutung als Modellprojekt.
Das Quartier Vauban erstreckt sich auf einer Fläche von insgesamt ca. 41 Hektar, entwickelt auf einem ehemaligen, 38 Hektar großen Kasernengelände. Es beherbergt heute zwischen 5.300 und 5.500 Einwohner.

Häufig gestellte Fragen zum Quartier Vauban
Woher kommt der Name Vauban?
Der Name des Freiburger Stadtteils Vauban geht auf den französischen Militärbaumeister unter König Ludwig XIV. zurück. Er wurde während der Nutzung des ehemaligen Kasernengeländes durch die französische Armee von 1945 bis 1992 eingeführt.
Ist das Quartier Vauban nachhaltig?
Ja, das Vauban gilt seit 25 Jahren als Musterbeispiel für nachhaltiges Wohnen. Sein Konzept umfasst Verkehrsreduzierung (autoarm/autofrei, ÖPNV, Fahrrad), hohe Energiestandards (Niedrigenergie-, Passiv-, Plusenergiehäuser), viele Grünflächen und eine integrierte Infrastruktur. Obwohl es Herausforderungen gibt (z.B. steigende Autodichte, hohe Wohnkosten), gelten die Kernideen weiterhin als wegweisend.
Wie groß ist das Quartier Vauban?
Das Quartier Vauban wurde auf einem ehemaligen 38 Hektar großen Kasernengelände entwickelt und umfasst eine Gesamtfläche von ca. 41 Hektar. Es bietet Wohnraum für derzeit zwischen 5.300 und 5.500 Einwohner.
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