17/03/2025
Die Stadt, die wir heute als Wuppertal kennen, ist ein vergleichsweise junges Gebilde, entstanden am 1. August 1929. Ihre Wurzeln reichen jedoch tief in die Vergangenheit zurück, denn sie ist das Ergebnis der Zusammenlegung mehrerer historisch bedeutender und unabhängiger Gemeinden. Die prominentesten unter ihnen waren die beiden Großstädte Barmen und Elberfeld, deren individuelle Geschichten Jahrhunderte vor der gemeinsamen Stadtgründung begannen.

Die Vereinigung im Jahr 1929 war Teil eines umfassenderen Gesetzes zur kommunalen Neugliederung des rheinisch-westfälischen Industriegebiets. Neben Barmen und Elberfeld schlossen sich auch die Gemeinden Cronenberg, Ronsdorf, Vohwinkel sowie der Ortsteil Beyenburg der damaligen Gemeinde Lüttringhausen zu dieser neuen Stadt zusammen. Zunächst trug die vereinigte Stadt noch keinen Namen, der ihre Identität widerspiegelte. Erst ein Jahr später, nach einer Bürgerbefragung, erhielt sie den Namen „Wuppertal“, der ihre prägnante Lage im Tal des Flusses Wupper unterstreicht.
- Die historischen Wurzeln: Barmen und Elberfeld vor 1929
- Wirtschaftliches Rückgrat: Von der Garnnahrung zur vielfältigen Industrie
- Das Wahrzeichen: Die Wuppertaler Schwebebahn
- Prägende Ereignisse des 20. Jahrhunderts
- Wiederaufbau und Moderne Stadtentwicklung
- Ein Blick auf den Stadtbezirk Barmen heute
- Wichtige Orte und Sehenswürdigkeiten in Wuppertal
- Zahlen und Fakten zu Wuppertal
- Vergleich: Barmen und Elberfeld vor der Vereinigung
- Häufig gestellte Fragen zur Geschichte Wuppertals
Die historischen Wurzeln: Barmen und Elberfeld vor 1929
Um die Bedeutung der Vereinigung von Barmen und Elberfeld zu verstehen, muss man ihre eigenständigen Entwicklungen betrachten. Beide Orte blicken auf eine lange Geschichte zurück, die durch Dokumente im Stadtarchiv bis ins 14. Jahrhundert verfolgt werden kann.
Elberfelds Weg zur Stadt
Elberfeld wird erstmals im Jahr 1161 urkundlich erwähnt. Zu dieser Zeit war der Ort ein sogenanntes Tafelgut, also ein Gutshof, dessen Erträge direkt dem Unterhalt des Kölner Erzbischofs dienten. Als erste Befestigung wurde vor Mitte des 14. Jahrhunderts die Burg Elberfeld erbaut, die strategisch wichtig im Wuppertal lag. Im Jahr 1430 wurde Elberfeld dem Herzogtum Berg zugeordnet, einem wichtigen Territorium im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Ein entscheidender Schritt in der Entwicklung war die Verleihung des Stadtrechts im Jahr 1610. Dies verlieh Elberfeld mehr Autonomie und Möglichkeiten zur wirtschaftlichen Entfaltung. Ein schwerer Rückschlag ereignete sich 1678, als ein Brand die Stadt fast vollständig zerstörte und rund 350 Wohnhäuser den Flammen zum Opfer fielen. Trotzdem erholte sich die Stadt und setzte ihren Wachstumskurs fort.
Barmens Entwicklung vom Hof zur Industriemetropole
Auch Barmen hat eine lange Geschichte, die noch weiter zurückreicht als die von Elberfeld. Um das Jahr 1070 wird der Hof „barmon“ erstmals urkundlich erwähnt und gehörte dem bedeutenden Kloster Werden. Bis Ende des 17. Jahrhunderts war Barmen im Wesentlichen ein Dorf. Im 14. Jahrhundert, als Besitz des Grafen von Berg, wurde Barmen dem Amt Beyenburg zugeteilt. Ähnlich wie Elberfeld strebte auch Barmen nach mehr Selbstständigkeit und wirtschaftlicher Freiheit. Das Stadtrecht wurde Barmen im Jahr 1808 verliehen, deutlich später als Elberfeld, aber zu einem Zeitpunkt, als die Region bereits am Vorabend der industriellen Revolution stand.
Die anderen Gründungsstadtteile
Neben den beiden großen Zentren Barmen und Elberfeld trugen auch die anderen eingemeindeten Orte ihre eigene Geschichte und Identität bei. Vohwinkel, dessen Stadtrecht aus dem Jahr 1921 stammt, war und ist bis heute ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Cronenberg, erstmals um 1050 erwähnt, entwickelte sich zu einem Zentrum der deutschen Werkzeugindustrie, wo auch heute noch traditionsreiche Unternehmen wie Stahlwille und Knipex ansässig sind. Ronsdorf war bekannt für seine vielfältige Industrie und als Zentrum verschiedener religiöser Strömungen. Beyenburg, 1303 erstmals urkundlich erwähnt, beherbergt heute viele denkmalgeschützte Gebäude, insbesondere rund um die Ende des 15. Jahrhunderts erbaute Klosterkirche, die den historischen Ortsteil prägt.
Wirtschaftliches Rückgrat: Von der Garnnahrung zur vielfältigen Industrie
Die wirtschaftliche Entwicklung der Region an der Wupper wurde maßgeblich durch die Textilindustrie geprägt, deren Anfänge eng mit der sogenannten Garnnahrung verbunden sind. Im Jahr 1527 erhielten Barmen und Elberfeld im Herzogtum Berg das Privileg der Garnnahrung. Dieses Monopol erlaubte es ihnen exklusiv, Garne zu bleichen und zu verkaufen. Die Garnbleicherei am Flussufer war der entscheidende Ausgangspunkt für die spätere Entwicklung der Textil- und Bekleidungsindustrie, die das Wuppertal über Jahrhunderte prägte.
Die Region profitierte intensiv von der Industrialisierung im 18. und 19. Jahrhundert. Bereits 1784 errichtete Johann Gottfried Brügelmann in Ratingen die erste Baumwollspinnerei auf dem europäischen Kontinent, was die Vorreiterrolle der Region in der Textilproduktion unterstrich. Barmen und Elberfeld entwickelten sich zu einem innovativen Zentrum des 19. Jahrhunderts und wurden aufgrund ihrer industriellen Bedeutung und Ähnlichkeit zu den englischen Industriestädten oft als „Deutsches Manchester“ bezeichnet. Als wachsende Wirtschaftszentren wurden sie früh an das entstehende Eisenbahnnetz angeschlossen, was den Transport von Rohstoffen und Fertigprodukten sowie die Mobilität der Arbeitskräfte erleichterte. In kürzester Zeit wuchs die Einwohnerzahl beider Städte drastisch an, angezogen von den Arbeitsmöglichkeiten in den Fabriken.
Obwohl die Textilindustrie lange dominierte, diversifizierte sich die Wirtschaft im Wuppertal im Laufe der Zeit. Es entstanden bedeutende Unternehmen in anderen Branchen, wie zum Beispiel Bayer im Bereich der Chemie. Heute bilden Eisen- und Metall verarbeitende Industrie, Branchen der Chemie- und Elektroindustrie sowie Maschinenbau und Automobilzubehör die Hauptschwerpunkte der Wuppertaler Wirtschaft. Diese breite Basis zeugt von der Anpassungsfähigkeit und Innovationskraft der Region.

Die schnelle Industrialisierung brachte jedoch nicht nur Wohlstand, sondern auch erhebliche soziale und ökologische Herausforderungen mit sich. Armut und Umweltverschmutzung, insbesondere durch die Färbereien an der Wupper, waren zentrale Themen in den dicht besiedelten Städten. Gleichzeitig war das heutige Stadtgebiet ein Schmelztiegel verschiedenster Religionen, politischer Strömungen und sozialer Schichten, was zu einer lebendigen, aber auch komplexen Stadtgesellschaft führte.
Das Wahrzeichen: Die Wuppertaler Schwebebahn
Ein Symbol für den Fortschritt und die Ingenieurskunst der Zeit ist die weltberühmte und einzigartige Schwebebahn. Sie wurde von dem Kaiserpaar Wilhelm II. und Auguste Viktoria eingeweiht und nahm ihren Betrieb als öffentliches Verkehrsmittel im Jahr 1901 auf. Seitdem hat sich die Schwebebahn als unverzichtbares und beliebtes Transportmittel etabliert. Tag für Tag nutzen Zehntausende von Fahrgästen die Bahn, die hoch über der Wupper und den Straßen quer durch die Stadt fährt. Seit über 100 Jahren ist die einzigartige „alte Dame“ in Betrieb und hat auf ihrem Lebensweg bereits weit über 1,5 Milliarden Menschen befördert. Sie ist nicht nur ein Verkehrsmittel, sondern auch das unbestrittene Wahrzeichen Wuppertals und zieht Besucher aus aller Welt an.
Prägende Ereignisse des 20. Jahrhunderts
Das frühe 20. Jahrhundert war für die Wuppertaler Region, wie für ganz Deutschland, eine Zeit großer Umwälzungen. Der Erste Weltkrieg bedeutete eine einschneidende Periode. Durch die französische Besetzung des Ruhrgebietes nach dem Krieg wandelte sich das Tal der Wupper zu einer Grenzregion, was zusätzliche Belastungen mit sich brachte. Erst Ende der 1920er Jahre, nach dem Abzug der französischen Besatzung, erfolgte die Neugliederung des Rheinlandes, die schließlich zur Gründung der gemeinsamen Stadt an der Wupper im Jahr 1929 führte.
Die Zeit des Nationalsozialismus hinterließ auch in Wuppertal tiefe Spuren. Schon vor der Machtergreifung fanden die Nationalsozialisten viel Unterstützung in der Stadt; Adolf Hitler besuchte Elberfeld erstmals bereits 1922. 1929, im selben Jahr wie die Stadtgründung, saß die NSDAP bereits im Stadtrat. In der frühen Zeit des NS-Regimes wurde das KZ Kemna durch die SA errichtet, das bis 1934 bestand. Es war das einzige Konzentrationslager im Regierungsbezirk Düsseldorf und ein frühes Beispiel der nationalsozialistischen Verfolgung.
Doch in Wuppertal formierte sich auch Widerstand gegen das NS-Regime. Ein bedeutendes Zeugnis davon ist die sogenannte Barmer Erklärung, die 1934 verabschiedet wurde und eine theologische Grundlage für den Widerstand der Bekennenden Kirche gegen die Gleichschaltung der Evangelischen Kirche durch die Nationalsozialisten bildete.
Der Zweite Weltkrieg traf Wuppertal schwer. Mehrere schwere Luftangriffe zerstörten weite Teile der Stadt, insbesondere die historischen Zentren von Barmen und Elberfeld wurden schwer getroffen. Viele historische Gebäude, die das Stadtbild über Jahrhunderte geprägt hatten, fielen den Bomben zum Opfer.
Wiederaufbau und Moderne Stadtentwicklung
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs begann der mühsame Wiederaufbau Wuppertals. Die Stadt erholte sich langsam von den Zerstörungen und entwickelte sich zu der bergischen Großstadt, die wir heute kennen. Unternehmen wie Glanzstoff und Elba spielten eine Rolle bei der wirtschaftlichen Erholung und Weiterentwicklung.
Ein entscheidender Schritt für die langfristige Entwicklung und das Profil der Stadt war die Gründung der Universität im Jahr 1972, zunächst als Gesamthochschule. Diese Einrichtung hat die Stadt nachhaltig geprägt und zu einem wichtigen Wissenschaftsstandort gemacht. Seit 2003 trägt sie offiziell den Namen Bergische Universität Wuppertal. Mit über 22.000 Studierenden im Wintersemester 2019/2020 ist Wuppertal nun fest auch eine Universitätsstadt, was das Stadtleben und die demografische Struktur beeinflusst.

Ein Blick auf den Stadtbezirk Barmen heute
Es ist wichtig zu wissen, dass der heutige Stadtbezirk Barmen, der eine statistische und administrative Einheit darstellt, nur einen Teil der ehemaligen Großstadt Barmen ausmacht. Geografisch umfasst er den alten westlichen Ortskern Barmens, die sogenannte „Gemarke“ (heute das Quartier „Barmen-Mitte“), sowie die westliche Vorstadt, bekannt als „Unterbarmen“. Das Quartier auf dem Sedansberg entstand weitgehend zu Beginn des 20. Jahrhunderts als nördliche Arbeiter-Vorstadt. Im Süden reicht das Gebiet bis auf den Lichtscheid, der mit 350 Metern die höchste Erhebung Wuppertals ist und vor 1929 noch zu Ronsdorf gehörte.
Der Stadtbezirk Barmen ist in mehrere Quartiere unterteilt, darunter Barmen-Mitte, Friedrich-Engels-Allee, Loh, Clausen, Rott, Sedansberg, Hatzfeld, Kothen, Hesselnberg und Lichtenplatz. Die detaillierte Geschichte des Stadtbezirks und seiner Quartiere ist vielschichtig und eng mit der Entwicklung der gesamten Stadt verbunden. Auch wenn der Stadtbezirk nur ein Teil des historischen Barmens ist, finden sich hier zahlreiche Sehenswürdigkeiten und wichtige Verkehrsachsen, die seine Bedeutung innerhalb des heutigen Wuppertals unterstreichen.
Wichtige Orte und Sehenswürdigkeiten in Wuppertal
Neben der Schwebebahn bietet Wuppertal eine Vielzahl kultureller und historischer Attraktionen. Das Von-der-Heydt-Museum, dessen Sammlung maßgeblich aus privaten Schenkungen der Wuppertaler Industrie des 19. und 20. Jahrhunderts hervorging, beherbergt eine exzellente Sammlung, insbesondere mit Kunst des frühen 20. Jahrhunderts.
Der Wuppertaler Zoo gilt als einer der landschaftlich reizvollsten Zoos Deutschlands mit altem Baumbestand. Er ist bekannt für sein europaweit einzigartiges Tapir-Haus mit Unterwasser-Beobachtungsmöglichkeit.
Das Bergische Straßenbahnmuseum bewahrt die Erinnerung an die Zeit, als Straßenbahnen das Tal der Wupper durchfuhren, bis dieser Betrieb 1987 eingestellt wurde. Hier können historische Fahrzeuge besichtigt werden.
Die Historische Stadthalle am Johannisberg in Wuppertal-Elberfeld wird oft als Schmuckstück der Stadt bezeichnet. Sie ist ein prachtvoller Veranstaltungsort für Konzerte, Messen und Kongresse.
Auch das Tanztheater Pina Bausch hat Wuppertal international bekannt gemacht. Es gilt neben Ensembles in Hamburg und Stuttgart als eines der bedeutendsten Tanztheater in Deutschland.
Zahlen und Fakten zu Wuppertal
Das heutige Wuppertal ist eine „Großstadt im Grünen“ mit rund 360.000 Einwohnern und zählt zu den siebzehntgrößten Städten Deutschlands. Es liegt verkehrsgünstig im Zentrum von Nordrhein-Westfalen und ist das Industrie-, Wirtschafts-, Bildungs- und Kulturzentrum des Bergischen Landes, dessen Oberzentrum es darstellt.

Wirtschaftlich ist die Stadt, wie bereits erwähnt, heute breit aufgestellt mit Schwerpunkten in Chemie, Maschinenbau und Elektrotechnik. Auch Banken und Versicherungen haben hier ihren Sitz. Eine Besonderheit Wuppertals ist seine hohe religiöse Vielfalt; die Stadt gilt als eine der Städte Deutschlands mit den meisten unterschiedlichen Religionen und Gemeinden.
Vergleich: Barmen und Elberfeld vor der Vereinigung
Die unterschiedlichen Entstehungsgeschichten und Entwicklungen von Barmen und Elberfeld vor ihrer Vereinigung im Jahr 1929 lassen sich anhand einiger Eckdaten verdeutlichen:
| Merkmal | Barmen | Elberfeld |
|---|---|---|
| Ersterwähnung | ca. 1070 (als Hof 'barmon') | 1161 |
| Ursprünglicher Status | Hof, später Dorf | Tafelgut des Kölner Erzbischofs |
| Zuordnung Amt/Herzogtum | 14. Jh. (Amt Beyenburg, Graf/Herzog von Berg) | 1430 (Herzogtum Berg) |
| Verleihung Stadtrecht | 1808 | 1610 |
Diese Tabelle zeigt, dass Elberfeld eine längere Geschichte als Stadt im rechtlichen Sinne hat, während Barmen eine frühere urkundliche Erwähnung als Siedlung aufweist. Beide entwickelten sich jedoch zu bedeutenden Zentren der Garnnahrung und später der Industrie.
Häufig gestellte Fragen zur Geschichte Wuppertals
Wann wurden Barmen und Elberfeld zu Wuppertal zusammengelegt?
Die Städte Barmen und Elberfeld wurden zusammen mit Cronenberg, Ronsdorf, Vohwinkel und Beyenburg am 1. August 1929 zur neuen Stadt an der Wupper vereinigt, die ein Jahr später den Namen Wuppertal erhielt.
Was war der ursprüngliche Name der Stadt Wuppertal?
Unmittelbar nach der Gründung 1929 trug die Stadt noch keinen Namen. Erst 1930 wurde nach einer Bürgerbefragung der Name „Wuppertal“ eingeführt.
Warum heißt die Stadt Wuppertal?
Der Name Wuppertal wurde gewählt, um die geografische Lage der Stadt im Tal des Flusses Wupper zum Ausdruck zu bringen.
Was ist das bekannteste Wahrzeichen der Stadt?
Das wohl bekannteste und weltweit einzigartige Wahrzeichen Wuppertals ist die Schwebebahn, die seit 1901 in Betrieb ist.
Welche Industriezweige waren und sind in Wuppertal wichtig?
Historisch war die Garnnahrung und die daraus hervorgehende Textilindustrie prägend. Heute sind es vor allem Chemie, Maschinenbau, Elektrotechnik, Eisen- und Metallverarbeitung sowie Automobilzubehör.
Wann wurde die Universität Wuppertal gegründet?
Die Universität wurde 1972 als Gesamthochschule gegründet und ist heute ein wichtiger Faktor im Stadtleben.
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