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Waldsiedlung Zehlendorf und West-Berlin

27/01/2024

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Der Südwesten Berlins ist reich an Geschichte und architektonischen Besonderheiten. Ein herausragendes Beispiel dafür ist die Waldsiedlung Zehlendorf, vielen besser bekannt unter dem Namen "Onkel Toms Hütte". Sie entstand in den späten 1920er und frühen 1930er Jahren und zählt zu den bedeutendsten Zeugnissen der Berliner Moderne. Gleichzeitig war Zehlendorf, als Teil von West-Berlin, Schauplatz und Spiegelbild des einzigartigen Lebensgefühls einer geteilten Stadt.

Wie viele Leute leben in Zehlendorf?
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Die Waldsiedlung Zehlendorf, offiziell als solche bezeichnet, erstreckt sich beidseits der Argentinischen Allee im heutigen Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Ihr volkstümlicher Name "Onkel Toms Hütte" stammt von einem nahegelegenen Ausflugslokal und dem bis heute existierenden U-Bahnhof. Die Siedlung wurde zwischen 1926 und 1932 im Auftrag der Gemeinnützigen Heimstätten-, Spar- und Bau-Aktiengesellschaft (GEHAG) realisiert. Chefarchitekt der GEHAG war Bruno Taut, eine zentrale Figur der Berliner Moderne, der zuvor bereits die berühmte Hufeisensiedlung entworfen hatte. Für die Waldsiedlung stand ihm auf dem weitläufigen, unbebauten Gelände mehr kreativer Spielraum zur Verfügung als bei anderen Projekten der Zeit.

Tauts Entwürfe für die Waldsiedlung Zehlendorf wurden stark vom Baumbestand und der Topographie des Areals inspiriert. Ideen der Gartenstadt-Bewegung, die eine enge Verbindung zur Natur suchte, flossen ebenso ein wie städtebauliche Konzepte des gemeinnützigen Wohnungsbaus. Neben Taut arbeiteten auch Hugo Häring, der an der Großsiedlung Siemensstadt beteiligt war, und Otto Rudolf Salvisberg, Mitwirkender an der "Weißen Stadt", an diesem Projekt. Alle drei Architekten prägten die Berliner Moderne, und ihre damaligen Wohnsiedlungen zählen heute zum UNESCO-Welterbe.

Mit über 1.900 Wohneinheiten, darunter etwa 1.100 Geschosswohnungen und 800 Einfamilienhäuser, bot "Onkel Toms Hütte" Platz für bis zu 15.000 Menschen. Dies war ein wichtiger Beitrag im Kampf gegen den Wohnraummangel im wachsenden Berlin der 1920er Jahre. Die Einfamilienhäuser waren für damalige Verhältnisse großzügig geschnitten: 562 Häuser maßen 85 Quadratmeter, 247 Häuser hatten je 104 Quadratmeter. Alle verfügten über einen eigenen Mietergarten, was die Wohnqualität erheblich steigerte und bis heute hoch bleibt.

Ein charakteristisches Merkmal von Tauts Entwürfen, insbesondere bei den zweigeschossigen Wohnblöcken im Norden der Siedlung, war der Einsatz von Farbe. Taut, der dieses Mittel bereits in der Gartenstadt Falkenberg angewendet hatte, nutzte unterschiedliche Farbflächen an den Fassaden, um das Straßenbild zu beleben. Diese Gestaltung war kostengünstig, effektiv und sollte Lebensfreude vermitteln. Die Waldsiedlung wurde zu seinem farbenprächtigsten Entwurf seit 1913, mit intensiven Grün-, Gelb- und Blautönen. Diese bunte Erscheinung brachte der Siedlung schnell den Spitznamen "Papageiensiedlung" ein, was nicht immer positiv gemeint war.

Hugo Häring und Otto Rudolf Salvisberg konzipierten die Reihenhäuser im südlichen Teil. Obwohl sie eigene ästhetische Ansätze verfolgten, passten sie ihre Entwürfe stark an die Vorgaben des GEHAG-Chefarchitekten Taut an. Dennoch fügten sie ihren Bauten individuelle Details hinzu. Salvisberg markierte die Grenze zwischen zwei Reihenhäusern mit einer Ziegelschicht, während Häring bei seinen lindgrün gestrichenen Häusern rote Dachüberstände als Farbakzente setzte.

Noch während der Bauarbeiten entwarf Bruno Taut 1930 eine lange Hauszeile entlang der Argentinischen Allee. Dieser Block mit 31 Einheiten und einer Ausdehnung von 400 Metern ging aufgrund seiner Dimension als "Peitschenknall" in die Architekturgeschichte ein. Seine Biegung folgt dem Straßenverlauf und erinnert an zeitgleich entstandene Entwürfe für die Großsiedlung Siemensstadt und die "Weiße Stadt".

Die Architekten achteten darauf, den vorhandenen Baumbestand, vor allem Kiefern, in ihre Planungen zu integrieren. Häuserreihen wurden immer wieder geöffnet, um den Blick auf die Bäume in den Mietergärten freizugeben. Die Farbgebung der Fassaden schuf dabei interessante Kontraste zum Grün der Umgebung. Die Gestaltung der Außenbereiche übernahmen die Landschaftsarchitekten Leberecht Migge und Martha Willings-Göhre.

Die Siedlung sollte nicht nur ländliche Idylle bieten, sondern auch gut an die Stadt angebunden sein. 1929 wurde die U-Bahn-Station Onkel Toms Hütte eröffnet, die eine schnelle Verbindung ins Zentrum Berlins ermöglichte. Der ursprünglich von Alfred Grenander entworfene Bahnhof wurde von 1931 bis 1932 von Otto Rudolf Salvisberg durch markante Ladenpassagen an den Längsseiten erweitert.

Die moderne Architektur der Waldsiedlung mit ihren bunten Farben und flachen Pultdächern stieß bei Traditionalisten auf Ablehnung. Hinzu kamen soziale Spannungen in Zehlendorf, einem Villenvorort, dessen wohlhabende Bewohner dem Zuzug ärmerer Bevölkerungsschichten kritisch gegenüberstanden. Die Gemeinnützige AG für Angestellten-Heimstätten (GAGFAH), die der konservativen Zentrumspartei nahestand, beauftragte Ende der 1920er Jahre am Rande der Siedlung "Onkel Toms Hütte" ein eigenes Projekt: die Versuchssiedlung Am Fischtal. Deren Heimatstil mit traditionellen Satteldächern stand in starkem Kontrast zur Architektur der Waldsiedlung. Diese Gegenüberstellung wurde später als "Zehlendorfer Dächerkrieg" bekannt.

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MerkmalWaldsiedlung ZehlendorfVersuchssiedlung Am Fischtal
BauherrGEHAGGAGFAH
Architektonischer StilBerliner Moderne (Taut, Häring, Salvisberg)Heimatstil
DächerFlache PultdächerTraditionelle Satteldächer
FarbgebungIntensiv, bunt ("Papageiensiedlung")Kontrast zum modernen Stil
KontextGartenstadt-Ideen, gemeinnütziger WohnungsbauKonservativ, Reaktion auf Moderne

Die Siedlung überstand den Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschadet. In den Nachkriegsjahrzehnten kam es zu Umbauten, die das architektonische Gesamtbild veränderten. Ab den 1980er Jahren wurden Sanierungs- und Wiederherstellungsmaßnahmen eingeleitet. Seit 1995 steht "Onkel Toms Hütte" als Flächendenkmal unter Schutz. Bei einem Besuch ist es wichtig, zu berücksichtigen, dass die Siedlung das Zuhause vieler Menschen ist, die hier leben und arbeiten und zur Bewahrung des Denkmals beitragen.

Über die architektonischen Besonderheiten hinaus war Zehlendorf, wie viele andere Bezirke im Westen, geprägt vom Leben im geteilten Berlin. Von 1961 bis 1989 teilte die Mauer die Stadt, und der westliche Teil wurde zu einer Enklave, komplett von der Mauer umgeben. So entstand eine historische Besonderheit mit politischem Sonderstatus.

West-Berlin umfasste die heutigen Stadtteile Tiergarten, Kreuzberg, Charlottenburg, Wilmersdorf, Reinickendorf, Spandau, Steglitz-Zehlendorf, Neukölln, Schöneberg, Tempelhof und Wedding. Obwohl die Stadt seit 1950 vom Senat regiert wurde, lag die politische Macht bis zum Mauerfall gemäß dem Viermächte-Status bei den West-Alliierten (Amerikaner im Süden, Franzosen im Norden, Briten im Westen). Die Präsenz der Alliierten war im Stadtbild sichtbar, etwa durch Straßennamen, Geschäfte und Kinos nur für alliierte Angehörige (wie die Truman Plaza in Zehlendorf) oder jährliche Volksfeste.

Der Sonderstatus zeigte sich auch im Alltag der West-Berliner. Sie besaßen den "Behelfsmäßigen Personalausweis" mit grünem Einband statt des grauen bundesdeutschen Ausweises. Es gab keine Wehrpflicht, was viele Wehrdienstverweigerer anzog, und keine Sperrstunde, was zu einem blühenden Nachtleben führte.

Die Mauer war eine ständige physische Präsenz. Sie durchschnitt Straßen und Plätze, verlief entlang von Häuserreihen oder trennte Gebiete wie das Sperrgebiet um das Brandenburger Tor. Gewässer wie die Spree waren gefährliche Zonen, da sie zum DDR-Gebiet gehörten. Tragischerweise ertranken dort Kinder, die von westlicher Seite nicht gerettet werden konnten, bis Sondernotrufsäulen installiert wurden. Mit der Zeit wurde die Mauer, oft bunt mit Graffiti bemalt, Teil des Stadtbildes und des Alltags.

Das Leben in West-Berlin war auch geprägt von der Erinnerung an die Blockade von 1948, als sowjetische Truppen die Zufahrtswege sperrten. Die Luftbrücke der Amerikaner und Briten sicherte das Überleben, indem sie Lebensmittel und Kohle einflogen. Die Flugzeuge, die Süßigkeiten für Kinder abwarfen, wurden als "Rosinenbomber" legendär.

Prominente Besuche unterstrichen die besondere Lage. 1963 hielt US-Präsident Kennedy vor dem Schöneberger Rathaus seine berühmte Rede mit den Worten "Ich bin ein Berliner". Diese Worte waren ein Trost für viele, die sich von den Alliierten und der Bundesregierung alleingelassen fühlten. Jahre später, 1987, forderte Ronald Reagan am Brandenburger Tor Gorbatschow auf: "Tear down this Wall".

Das prägende Lebensgefühl vieler West-Berliner war die "Inselmentalität". West-Berlin wurde als Insel im "roten Meer" des Kommunismus und als letzte Bastion westlicher Werte gesehen. Dieses trotzige Durchhalte-Bewusstsein fand Ausdruck im Lied "Der Insulaner verliert die Ruhe nicht" des RIAS. Dazu gehörte auch die Ablehnung von Angeboten der DDR-Regierung, etwa Einkäufe in Ost-Berlin oder die Nutzung der S-Bahn, die unter deren Kontrolle stand.

Die späten 60er und 70er Jahre waren eine Zeit der Unruhe. West-Berlin war eine Hochburg der Studentenbewegung, die sich gegen erstarrte gesellschaftliche Strukturen wandte. Die Haltung gegenüber Amerika, dem Schutzmacht, war gespalten: Ältere sahen Freunde, viele Studenten kritisierten die US-Politik, besonders den Vietnamkrieg. Neue Lebensformen wurden ausprobiert (Kommune 1). Hausbesetzungen in Bezirken wie Kreuzberg wehrten sich gegen Abrisspläne und führten zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Später wurden viele Besetzer Eigentümer und renovierten die Häuser. West-Berlin erlangte aber auch traurige Berühmtheit als Drogenmetropole, dargestellt im Buch "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo".

Warum heißt Reinickendorf Reinickendorf?
1230 gründete der niedersächsische Bauer Reinhardt ein Dorf, welches damals Reinhardts Dorf – plattdeutsch Renekentorp – genannt wurde. Später entstand daraus Reinickendorf. Irrtümlich wird heute noch angenommen, dass der Name Reinickendorf aufgrund des „Reineke Fuchs“ im Bezirkswappen entstand.

Die Stadt zog Künstler und Lebenskünstler an. Friedenau war als Literaturmeile bekannt (Günther Grass, Uwe Johnson). Theater wie die Schaubühne experimentierten. Viele kamen nach West-Berlin, um alternative Lebensentwürfe zu verwirklichen, die anderswo in West-Deutschland undenkbar waren. Die ufaFabrik in Tempelhof ist ein Beispiel für alternative Kulturprojekte.

West-Berlin war auch bekannt für seine Originale und Prominente wie Harald Juhnke, Edith Hancke, Brigitte Mira, Hans Rosenthal oder Rolf Eden, die das Stadtbild prägten, ebenso wie Straßenfiguren wie die "Tüten-Paula".

Besonders lebendig war die Musikszene und Subkultur, begünstigt durch die fehlende Sperrstunde. Clubs wie der Dschungel, Risiko oder das SO 36 waren legendär. Die Hansa-Studios waren international bekannt; hier nahmen David Bowie und Iggy Pop ihre berühmten "Berlin-Alben" auf. Auch Depeche Mode nahm hier 1984 ein Album auf.

Der wohl bekannteste Stadtteil war Kreuzberg, oft als Inbegriff West-Berlins gesehen. Direkt vom Mauerverlauf betroffen, war er ein ehemaliges Arbeiterviertel mit vielen Altbauten, das Künstler, Studenten und viele Migranten, vor allem aus der Türkei, anzog und den Spitznamen "Klein-Istanbul" erhielt.

Mit dem Fall der Mauer verschwand das alte West-Berlin. Das Nachtleben verlagerte sich in den 90ern und frühen 2000ern gen Osten. Heute erlebt die City-West eine Renaissance, mit renovierten Orten wie BIKINI Berlin, Zoo Palast und dem Kurfürstendamm, die neuen Glanz versprühen.

Häufig gestellte Fragen

Wie viele Leute leben in Zehlendorf?

Der vorliegende Text gibt keine genaue Bevölkerungszahl für ganz Zehlendorf an. Er erwähnt lediglich, dass die Waldsiedlung Zehlendorf ("Onkel Toms Hütte") mit über 1.900 Wohneinheiten Platz für bis zu 15.000 Menschen bot.

Wie hieß Zehlendorf früher?

Der vorliegende Text beantwortet diese Frage nicht. Er bezieht sich auf den heutigen Namen Zehlendorf und den Beinamen "Onkel Toms Hütte" für die Waldsiedlung.

War Berlin Zehlendorf Ost oder West?

Laut dem vorliegenden Text gehörte Zehlendorf zu West-Berlin. Es war Teil des Bezirks Steglitz-Zehlendorf, der zu den West-Sektoren gehörte.

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