17/07/2024
Der Shinkansen, Japans legendäres Hochgeschwindigkeitszugsystem, ist weltweit bekannt für seine Pünktlichkeit, Sicherheit und beeindruckende Geschwindigkeit. Seit der Eröffnung der ersten Strecke im Jahr 1964 hat sich das Netz kontinuierlich weiterentwickelt und neue Maßstäbe im Schienenverkehr gesetzt. Die neueste Generation, der N700S, verspricht noch mehr Leistung, Sicherheit und Komfort. Doch was macht diesen Zug so besonders, und welche Technologien stecken wirklich in ihm? Eine häufig gestellte Frage ist dabei, ob Züge wie der N700S tatsächlich über eigene Batterien verfügen.

Der Begriff 'Shinkansen' bedeutet wörtlich 'neue Stammstrecke' und bezieht sich ursprünglich auf das Netz der Schnellfahrstrecken, die in Normalspur (1435 mm) gebaut wurden, im Gegensatz zum traditionellen japanischen Netz in Kapspur (1067 mm). Diese Trennung ermöglichte deutlich höhere Geschwindigkeiten. Obwohl der Begriff technisch das Netz bezeichnet, wird er im allgemeinen Sprachgebrauch synonym für die Züge selbst verwendet. Die Einführung des Shinkansen war ein Meilenstein, der die Reisezeiten zwischen wichtigen Städten drastisch verkürzte und einen enormen volkswirtschaftlichen Nutzen mit sich brachte. Die erste Strecke, die Tōkaidō-Shinkansen zwischen Tokio und Osaka, ist bis heute eine der meistbefahrenen Hochgeschwindigkeitsstrecken der Welt.
- Der legendäre Shinkansen – Ein Rückblick
- Fokus auf Sicherheit und Zuverlässigkeit
- Die neueste Generation: Der N700S "Supreme"
- Haben Shinkansen Batterien? Die innovative Stromversorgung des N700S
- Komfort und Technologie für Passagiere
- Reisen mit dem N700S – Was Sie wissen sollten
- Die Entwicklung des Shinkansen-Netzes im Überblick
- Häufig gestellte Fragen zum Shinkansen
Der legendäre Shinkansen – Ein Rückblick
Die Geschichte des Shinkansen ist eng mit der wirtschaftlichen Entwicklung Japans nach dem Zweiten Weltkrieg verbunden. Die bestehenden Strecken waren überlastet, und eine Lösung musste gefunden werden, um den wachsenden Transportbedarf zu decken. Die Idee einer komplett neuen, auf hohe Geschwindigkeiten ausgelegten Strecke in Normalspur war revolutionär. Trotz anfänglicher Skepsis und finanzieller Herausforderungen wurde das Projekt unter der Führung visionärer Ingenieure und Manager wie Shima Hideo und Sogō Shinji vorangetrieben. Die Eröffnung pünktlich zu den Olympischen Spielen 1964 in Tokio war ein voller Erfolg und demonstrierte der Welt Japans technologischen Fortschritt.
Die Wahl der Normalspur war entscheidend, da sie höhere Geschwindigkeiten und eine stabilere Fahrt ermöglichte. Durch den Bau zahlreicher Tunnel und Brücken wurde ein möglichst gerader Streckenverlauf mit wenigen engen Kurven realisiert, was für den Hochgeschwindigkeitsbetrieb unerlässlich ist. Dieses vom Nah- und Güterverkehr getrennte Netz trug maßgeblich zur sprichwörtlichen Pünktlichkeit des Shinkansen bei, die international ihresgleichen sucht.
Die Entwicklung ging über die Jahre weiter, mit der Einführung neuer Baureihen, die Geschwindigkeiten und Komfort verbesserten, sowie der Erweiterung des Streckennetzes nach Westen (San'yō), Norden (Tōhoku, Jōetsu) und später auch auf die Inseln Kyūshū und Hokkaidō. Nach der Privatisierung der Japanischen Staatsbahn (JNR) im Jahr 1987 übernahmen verschiedene regionale JR-Unternehmen den Betrieb und die Weiterentwicklung der Strecken, was zu einer weiteren Diversifizierung und Verbesserung führte.
Fokus auf Sicherheit und Zuverlässigkeit
Eines der beeindruckendsten Merkmale des Shinkansen ist seine beispiellose Sicherheitsbilanz. Seit der Betriebsaufnahme 1964 gab es keinen einzigen tödlichen Unfall im Fahrgastbetrieb. Dies ist das Ergebnis einer Kombination aus fortschrittlicher Technologie, strengen Wartungsprotokollen und einem robusten Sicherheitsmanagement. Systeme wie das Automatische Zugkontrollsystem (ATC) überwachen kontinuierlich die Geschwindigkeit und den Abstand zu vorausfahrenden Zügen und können im Notfall automatisch eingreifen.
Besonders wichtig in Japan, einem erdbebengefährdeten Land, sind die Maßnahmen zur Erdbebensicherheit. Das Shinkansen-System verfügt über Frühwarnsysteme, die Erdbeben erkennen und die Züge automatisch abbremsen oder zum Stehen bringen können, bevor die stärksten Erschütterungen die Strecke erreichen. Diese Systeme haben sich in der Praxis bewährt und tragen entscheidend zur Sicherheit der Fahrgäste bei.
Die neueste Generation: Der N700S "Supreme"
Der N700S, auch bekannt als N700S „Supreme“, repräsentiert die Spitze der aktuellen Shinkansen-Technologie. Er wurde von JR Central entwickelt und verkehrt hauptsächlich auf den wichtigen Tōkaidō- und San'yō-Shinkansen-Linien. Dieser Zug wurde mit dem Ziel konzipiert, die Leistung, Sicherheit, Zuverlässigkeit und den Fahrgastkomfort weiter zu verbessern.
Zu den Neuerungen des N700S gehören eine leicht erhöhte Höchstgeschwindigkeit im Testbetrieb (wobei die Betriebsgeschwindigkeit auf den bestehenden Strecken durch Infrastrukturbeschränkungen begrenzt ist), ein verbessertes ATC-System und ein optimiertes Bremssystem. Das Design ist aerodynamischer gestaltet, was nicht nur zur Geschwindigkeit, sondern auch zur Reduzierung von Lärm und Energieverbrauch beiträgt. Doch die vielleicht bemerkenswerteste technologische Neuerung, die direkt auf die Frage nach der Stromversorgung abzielt, ist die Integration von bordeigenen Energiespeichern.
Haben Shinkansen Batterien? Die innovative Stromversorgung des N700S
Ja, um die Frage direkt zu beantworten: Der N700S Shinkansen ist tatsächlich mit Batterien ausgestattet. Dies ist eine der bedeutendsten technologischen Fortschritte im Vergleich zu früheren Baureihen und löst ein potenzielles Problem, das bei elektrisch betriebenen Zügen auftreten kann.
Shinkansen-Züge beziehen ihren Strom normalerweise über einen Stromabnehmer von der Oberleitung. Fällt die Stromversorgung aus, beispielsweise aufgrund eines Erdbebens, eines Sturms oder eines technischen Defekts an der Infrastruktur, blieben frühere Züge dort stehen, wo sie sich gerade befanden. Dies konnte zu langen Wartezeiten und schwierigen Evakuierungssituationen führen, insbesondere wenn der Zug in einem Tunnel oder auf einer Brücke zum Stehen kam.
Der N700S begegnet diesem Problem mit einem innovativen System von Lithium-Ionen-Akkus. Diese Batterien dienen nicht dem regulären Fahrbetrieb, sondern als Notstromversorgung. Im Falle einer Unterbrechung der Oberleitungsspannung kann der Zug mithilfe dieser Batterien eine kurze Strecke aus eigener Kraft weiterfahren. Das Ziel ist dabei nicht, die Fahrt fortzusetzen, sondern den Zug zu einem sichereren Ort zu bewegen, wie beispielsweise zum nächsten Bahnhof. Dies ermöglicht eine geordnetere und sicherere Evakuierung der Passagiere und erleichtert die Arbeit der Rettungskräfte. Diese Fähigkeit zur „Autonomen Fahrt bei Stromausfall“ (Autonomous Driving on Battery Power) ist ein entscheidender Sicherheits- und Zuverlässigkeitsvorteil des N700S und ein herausragendes Merkmal seiner modernen Technologie.
Komfort und Technologie für Passagiere
Neben den technischen Systemen für Betrieb und Sicherheit bietet der N700S auch erhebliche Verbesserungen beim Fahrgastkomfort. Jüngere Shinkansen-Baureihen legen großen Wert auf das Erlebnis der Reisenden.
Ein wichtiges Detail für moderne Reisende sind die Steckdosen. Im N700S gibt es an jedem Sitzplatz eine eigene Steckdose, was das Aufladen von Mobiltelefonen, Laptops und anderen elektronischen Geräten während der Fahrt ermöglicht. Dies ist besonders für Geschäftsreisende, die die Fahrzeit zum Arbeiten nutzen möchten, ein großer Vorteil.

Die Sitze im N700S wurden ebenfalls überarbeitet. Insbesondere in der Green Class (erste Klasse) gibt es neue, besonders komfortable Sitze mit mehr Beinfreiheit und verbesserter Neigungsfunktion. Auch in der Standardklasse wurde der Sitzkomfort optimiert. Die Beleuchtung in den Wagen passt sich der Tageszeit an, um eine angenehmere Atmosphäre zu schaffen.
Für ein ruhigeres Fahrgefühl, insbesondere in der Green Class, wurde eine vollaktive Federung (Full Active Suspension) implementiert. Dieses System minimiert Vibrationen und Bewegungen, die durch die Fahrt auf den Schienen entstehen, und lässt die Fahrt noch ruhiger erscheinen, fast so, als würde der Zug schweben.
Auch an das Gepäck wurde gedacht. Es gibt zusätzlichen Stauraum für größeres Gepäck, der mit Schlössern für zusätzliche Sicherheit ausgestattet ist. Dies kommt insbesondere internationalen Reisenden zugute, die oft mit größeren Koffern unterwegs sind.
| Merkmal | N700S Shinkansen | Typische frühere Baureihen |
|---|---|---|
| Höchstgeschwindigkeit (Test) | Bis zu 362 km/h | Bis zu 300 km/h (im Betrieb) |
| Notstromversorgung (Batterie) | Ja (für autonome Weiterfahrt zur nächsten Station) | Nein |
| Steckdosen am Sitz | An jedem Sitzplatz | Oft nur an bestimmten Sitzen (z.B. Fenster, erste Reihe) |
| Federung (Green Class) | Vollaktiv | Passiv oder semi-aktiv |
| Sitzkomfort | Verbessert, mehr Beinfreiheit (Green Car) | Standard |
| Erdbebensystem | Verbessertes ATC & Bremssystem | ATC & Bremssystem |
Reisen mit dem N700S – Was Sie wissen sollten
Der N700S wird auf den wichtigen Strecken der Tokaido- und Sanyo-Shinkansen eingesetzt. Dies bedeutet, dass er Verbindungen zwischen großen Städten wie Tokio, Nagoya, Kyoto, Osaka, Hiroshima und Hakata bedient. Der N700S kommt bei verschiedenen Zugtypen zum Einsatz, darunter die schnellsten 'Nozomi'-Verbindungen sowie die langsameren 'Hikari' und 'Kodama'.
Für Reisende mit einem Japan Rail Pass ist es wichtig zu wissen, dass der Pass auf den 'Hikari' und 'Kodama' Verbindungen auf den Tokaido- und Sanyo-Linien gültig ist, nicht jedoch auf den schnellsten 'Nozomi' Zügen, die eine zusätzliche Gebühr erfordern. Wenn Sie sicherstellen möchten, mit einem N700S zu fahren, können Sie beim Ticketkauf am Schalter nachfragen, welcher Zugtyp für Ihre gewünschte Verbindung eingesetzt wird. Da der N700S die älteren Modelle schrittweise ersetzt, wird er auf diesen Strecken immer häufiger anzutreffen sein.
Zusätzliche Tipps für Ihre Shinkansen-Reise:
- Blick auf den Fuji: Wenn Sie von Tokio in Richtung Osaka fahren, befindet sich der berühmte Berg Fuji auf der rechten Seite des Zuges. Reservieren Sie einen Fensterplatz auf dieser Seite (oft mit D in der Green Class oder E in der Standardklasse gekennzeichnet), um die beste Aussicht zu haben.
- Ekiben: Probieren Sie unbedingt ein 'Ekiben', ein spezielles Bahnhofs-Bento (Lunchpaket), das oft regionale Spezialitäten enthält. Es gibt sogar Ekiben, die dem Design des Shinkansen nachempfunden sind! Sie sind an den Bahnhöfen und manchmal auch im Zug erhältlich.
- Für Bahn-Fans: JR Central öffnet an bestimmten Tagen im Jahr Depots für die Öffentlichkeit. Dies kann eine tolle Gelegenheit sein, mehr über die Züge zu erfahren und sogar Führerstände zu besichtigen.
Die Entwicklung des Shinkansen-Netzes im Überblick
Seit der Eröffnung der ersten Strecke hat sich das Shinkansen-Netzwerk erheblich ausgedehnt. Die wichtigsten Phasen der Entwicklung umfassen:
- Die Anfänge (1964-1970er): Fokus auf die Tōkaidō-Shinkansen und deren Verlängerung nach Westen als San'yō-Shinkansen.
- Expansion nach Norden (1980er): Bau der Tōhoku- und Jōetsu-Shinkansen, trotz Herausforderungen bei Grundstückserwerb und Finanzierung.
- Privatisierung und Konsolidierung (1987 onwards): Aufteilung der JNR in regionale JR-Gesellschaften. Jede Gesellschaft übernahm die Verantwortung für ihre Strecken. Einführung von 'Mini-Shinkansen' auf umgebauten Altstrecken (Yamagata, Akita) und Geschwindigkeitssteigerungen (Baureihen 500, 700).
- Erneute Expansion (2000er-Heute): Weitere Verlängerungen der Tōhoku- und Hokuriku-Shinkansen, Bau neuer Strecken wie der Kyūshū- und Hokkaidō-Shinkansen. Entwicklung neuer, noch schnellerer und komfortablerer Züge wie der Baureihen N700, E5/H5, E6 und E7/W7. Planungen für zukünftige Projekte wie die Chūō-Shinkansen Magnetschwebebahn.
Diese kontinuierliche Entwicklung zeigt das Engagement Japans, sein Hochgeschwindigkeitsnetz immer weiter zu verbessern und an die Bedürfnisse der Reisenden anzupassen. Der N700S mit seinen fortschrittlichen Features, einschließlich der Batterien für die Notstromversorgung, ist ein leuchtendes Beispiel für diese Innovationskraft.
Häufig gestellte Fragen zum Shinkansen
Was bedeutet Shinkansen?
Shinkansen bedeutet wörtlich „neue Stammstrecke“ und bezeichnet das Hochgeschwindigkeits-Schienennetz Japans. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird der Begriff aber auch für die Züge selbst verwendet.
Wie schnell fährt der N700S Shinkansen?
Der N700S hat im Testbetrieb eine Höchstgeschwindigkeit von 362 km/h erreicht. Die Betriebsgeschwindigkeit auf den regulären Strecken liegt je nach Abschnitt und Zugtyp typischerweise bei bis zu 285 km/h auf der Tōkaidō-Linie und bis zu 300 km/h auf der San'yō-Linie.
Ist der N700S Shinkansen erdbebensicher?
Der N700S verfügt über verbesserte automatische Zugkontroll- und Bremssysteme, die im Falle eines Erdbebens oder anderer Notfälle eine schnelle und sichere Reaktion ermöglichen. Dies macht ihn besonders sicher in erdbebengefährdeten Gebieten.
Warum hat der N700S Batterien?
Die Batterien dienen als Notstromversorgung, falls die externe Stromversorgung über die Oberleitung unterbrochen wird. Sie ermöglichen dem Zug, aus eigener Kraft zu einer sichereren Position, wie dem nächsten Bahnhof, zu fahren, um eine Evakuierung zu erleichtern.
Kann ich den N700S mit dem Japan Rail Pass nutzen?
Ja, Sie können den N700S nutzen, wenn er auf den 'Hikari' oder 'Kodama' Verbindungen eingesetzt wird, die auf den Tokaido- und Sanyo-Linien verkehren und vom Japan Rail Pass abgedeckt sind. Der Pass ist nicht für die schnellsten 'Nozomi'-Züge gültig.
Gibt es Steckdosen im N700S?
Ja, im N700S gibt es an jedem Sitzplatz eine eigene Steckdose zum Aufladen elektronischer Geräte.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der N700S Shinkansen nicht nur ein Symbol für Geschwindigkeit und Pünktlichkeit ist, sondern auch eine beeindruckende Demonstration moderner Bahntechnologie. Die Integration von Batterien zur Erhöhung der Ausfallsicherheit bei Stromunterbrechungen ist nur ein Beispiel für die kontinuierlichen Innovationen, die Japans Hochgeschwindigkeitszüge zu den sichersten und zuverlässigsten der Welt machen.
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