17/07/2024
Der Name Strauss ist in verschiedenen Regionen der Welt bekannt, steht aber für sehr unterschiedliche Unternehmen. Während in Israel die Strauss Group ein führender Akteur in der Lebensmittelbranche ist, hat sich Engelbert Strauss in Deutschland und Europa als Spezialist für Arbeitskleidung etabliert. Dieser Artikel beleuchtet die Geschichte und Struktur dieser beiden separaten Entitäten.

Die Geschichte der israelischen Strauss Group beginnt im Jahr 1936, als Richard und Hilda Strauss aus Deutschland nach Palästina emigrierten. Nach ihrer Ankunft in Jaffa ließen sie sich nieder und begannen zunächst mit dem Anbau von Gemüse und der Haltung von Milchkühen. Ein entscheidender Schritt war die Entscheidung von Hilda Strauss im Jahr 1938, aus überschüssiger Milch Schlagrahm herzustellen und diesen zusammen mit gepflückten Erdbeeren zu verkaufen. Schnell erkannten sie das Potenzial und erweiterten ihr Angebot um Käse. Ihr autodidaktisch erworbenes Wissen aus Fachzeitschriften und Büchern bildete die Grundlage für ihre Produkte, die im Norden Israels Absatz fanden. Ihre Qualität wurde bereits 1938 anerkannt, als die Familie Strauss vom britischen Hochkommissar den ersten Preis für ihre Milchprodukte erhielt. Im Jahr 1939 verkauften sie ihren Kuhstall und gründeten die Strauss-Nahariya-Molkerei. Das anfängliche Logo ihrer Produkte zeigte einen Strauß.
Während des Kriegs um Israels Unabhängigkeit setzten sie die Produktion unter schwierigen Bedingungen fort. 1949 begann Hilda Strauss mit der privaten Herstellung von Eiscreme, und das Logo wechselte zum Bild eines Wasserturms. Nach 1952 profitierte das Unternehmen von deutschen Wiedergutmachungszahlungen, die es ihnen ermöglichten, dringend benötigte technische Anlagen zu erwerben.
Ein Wendepunkt war der Eintritt von Michael Strauss, dem Sohn von Hilda und Richard, im Jahr 1956. Nach Studien in der Schweiz und Deutschland übernahm er gemeinsam mit seinem Vater die Unternehmensleitung und trieb die Erweiterung des Sortiments voran. Trotz finanzieller Schwierigkeiten im Jahr 1959 konnte Strauss mit Hilfe eines staatlichen Darlehens die Krise überwinden. Mit nunmehr 120 Mitarbeitern begann die systematische Produktion von Speiseeis. Die Eisfabrik in Akko wurde 1962 fertiggestellt, und Strauss führte die hörnchenförmige Eiswaffel unter dem Namen Tilon in Israel ein.
Ebenfalls 1962 begann Strauss mit der Produktion von Frischkäse nach einer Rezeptur, die Michael Strauss aus der Schweiz mitgebracht hatte. Dies führte zunächst zu einer Klage des französischen Herstellers Gervais, die jedoch durch Richard Strauss beigelegt werden konnte und in einer Lizenzvereinbarung mündete. Fünf Jahre später, im Jahr 1969, schloss Strauss einen bedeutenden Vertrag mit Danone, der Strauss den Zugang zu Danones Know-how im Milchbereich ermöglichte, während Strauss im Gegenzug Danone-Produkte in Israel vermarktete. Das Unternehmen expandierte weiter und eröffnete 1972 eine neue Fabrik für Süßwaren.
Nach dem Tod von Richard Strauss im Jahr 1975 übernahm Michael Strauss die alleinige Führung. Durch die Übernahme des Eiscremeherstellers Whitman festigte Strauss seine Marktposition als zweitgrößter Anbieter in dieser Kategorie. Eine strategische Entscheidung des Vorstands war es, den Tochterunternehmen mehr Verantwortung für die Vermarktung ihrer Produkte zu übertragen.
Die Partnerschaft mit Danone wurde 1982 aufgrund des arabischen Boykotts beendet, obwohl Strauss den Namen Danone in hebräischer Schrift weiterhin verwenden durfte. Hilda Strauss verstarb 1985 in Deutschland, und ihr Haus in Israel wurde in eine Gedenkstätte umgewandelt.
In den folgenden Jahren diversifizierte sich Strauss weiter. 1991 wurde das Unternehmen Mi Vami übernommen, wodurch Strauss in den Hummus-Markt einstieg. Eine wichtige Partnerschaft im Eiscreme-Bereich wurde 1995 mit Unilever, dem damaligen Weltmarktführer, eingegangen. Unilever erwarb zunächst 50 % der Anteile an Strauss Ice Cream, erhöhte seinen Anteil schrittweise und übernahm Strauss Ice Cream schließlich 2014 vollständig. Unilever darf jedoch weiterhin den Markennamen und das Logo von Strauss verwenden. Dies bedeutet, dass Strauss Ice Cream heute mehrheitlich (51 %) Unilever gehört, während 49 % im Besitz der Familie Strauss verblieben sind – es ist eine separate Einheit von der heutigen Strauss Group.
1996 erneuerte Danone die Partnerschaft mit Strauss. Mit dem Ziel, auch den Milchmarkt stärker zu kontrollieren, ging Strauss eine Partnerschaft mit Jotvata ein und erwarb 50 % der Anteile an der Jotvata-Molkerei.
Im Jahr 2000 nahm eine moderne Molkerei in Achihud den Betrieb auf. Der nächste Führungswechsel erfolgte 2001, als Ofra Strauss, die Tochter von Michael Strauss, die Führung übernahm. Erez Vigodman wurde gleichzeitig zum CEO ernannt.
Die Fusion mit Elite im Jahr 2004 war ein Meilenstein. Elite war ein traditionsreiches israelisches Unternehmen, das 1933 als Schokoladen- und Konfektfabrik gegründet worden war. Elite hatte sein Geschäft über die Jahre diversifiziert und war in den Bereichen Konserven, Sesamprodukte, Instant-Kaffee, Süßwaren und Snacks aktiv. Nach der Übernahme verschiedener Unternehmen (Priman, C.D. Süßwarenfabrik, Lieber) und dem Einstieg in den Kaffee-Markt (seit 1958 sehr beliebt) war Elite zu einem Marktführer in Israel aufgestiegen. Elite war auch international aktiv geworden, insbesondere im Kaffee-Sektor in Osteuropa, Russland und Brasilien. Die Übernahme von Elite durch die Strauss-Familie erfolgte schrittweise, beginnend mit einer Vereinbarung im Jahr 1996 und der Übernahme der Mehrheit der Anteile von David Federman im Jahr 1997 nach Auseinandersetzungen über die Unternehmensführung. Die formelle Zusammenführung von Elite und Strauss wurde 2004 unter der Leitung von Ofra Strauss und Erez Vigodman vollzogen. Das fusionierte Unternehmen hieß zunächst Strauss-Elite und ab 2007 nur noch Strauss Group. Es wurde zum zweitgrößten Lebensmittelhersteller Israels.
Nach der Fusion setzte die Strauss Group ihre internationale Expansion fort. 2005 wurde sie im nordamerikanischen Lebensmittelmarkt aktiv, indem sie eine Mehrheitsbeteiligung (51 %) am amerikanischen Salathersteller Sabra erwarb. Ebenfalls 2005 wurde durch die Übernahme von MK Poland, dem fünftgrößten Kaffeehersteller Polens, ein bedeutender Marktanteil im polnischen Kaffee-Markt (ca. 18 %) erreicht, wodurch Strauss der zweitgrößte Kaffeehersteller in Polen wurde. Auch in Brasilien wurde Strauss durch eine 50/50-Partnerschaft mit Santa Clara zum zweitgrößten Kaffeehersteller des Landes.
Weitere internationale Schritte folgten. 2008 ging Strauss eine 50/50-Partnerschaft mit PepsiCo für die Entwicklung und Vermarktung von gekühlten Dips in Nordamerika ein, insbesondere für Hummus und Auberginendips. Im selben Jahr kaufte Strauss Kaffeemarken in den GUS-Staaten auf und ging eine Partnerschaft für Investitionen in den Kaffee-Markt Albaniens und der ehemaligen jugoslawischen Länder ein. 2008 beteiligte sich auch das Investmentunternehmen Texas Pacific Group mit 25,1 % an Strauss.
Die Expansion in Nordamerika wurde fortgesetzt, unter anderem mit der Eröffnung einer großen Hummusfabrik in Virginia im Jahr 2010. Im Bereich Wasser schloss die Tochterfirma Strauss Water 2011 ein Bündnis mit dem chinesischen Haushaltsgerätehersteller Haier für den Verkauf von Wasser in China (Haier Strauss Water) und eine Partnerschaft mit der Virgin Group für den Vertrieb in Großbritannien.
Die Zusammenarbeit mit PepsiCo wurde 2011 erweitert, indem eine gemeinsame Firma (50/50) für die Herstellung von Chips und Dips gegründet wurde. Unter der Marke Obela expandierte Strauss ab 2013 nach Mexiko und Australien. Im selben Jahr eröffnete Strauss auch seine erste Kaffeeverarbeitungsanlage in Deutschland.

Die Engelbert Strauss GmbH & Co. KG hingegen ist ein deutsches Unternehmen, das sich auf Arbeitskleidung, Sicherheitsschuhe und Arbeitsschutz spezialisiert hat. Seine Geschichte reicht ebenfalls in die Tradition zurück. August Strauss und seine Söhne, darunter Engelbert, handelten ursprünglich in Besen und Bürsten, die in Biebergemünd hergestellt wurden. Der Ortsteil wird noch heute Besenkassel genannt, aufgrund des früheren Schwerpunkts auf der Besenherstellung.
Nach dem Zweiten Weltkrieg, im Jahr 1948, setzte Engelbert Strauss diese Handelstradition fort und gründete das nach ihm benannte Unternehmen. Er erweiterte das Sortiment um Arbeitsschutzbekleidung, beginnend mit Handschuhen, die bis heute eine zentrale Rolle spielen. In den 1960er Jahren stellte das Unternehmen auf den Versandhandel um und begann 1973 mit dem Kataloggeschäft. Das Produktsortiment wurde schrittweise um Bekleidung und Schuhe erweitert.
Heute wird das Familienunternehmen gemeinsam von der dritten und vierten Generation geführt: Norbert Strauss und seine Söhne Steffen und Henning Strauss sind die Geschäftsführer. Das Unternehmen beschäftigt rund 1500 Mitarbeiter.
Seit Anfang der 1990er Jahre hat Engelbert Strauss seinen Hauptsitz in Biebergemünd. 1994 wurde auf dem Firmengelände in Biebergemünd ein neues, 40.000 Quadratmeter großes Gebäude mit einem Logistikzentrum errichtet. Die internationale Expansion begann 1996 mit der ersten Tochtergesellschaft in Österreich. Nach der Gründung einer zweiten Tochtergesellschaft in England im Jahr 2002 folgten weitere in den Niederlanden, Belgien, der Schweiz, Tschechien, Schweden und Dänemark.
Im Jahr 2020 eröffnete Engelbert Strauss die CI Factory, ein weiteres Logistik- und Versandzentrum mit eigenen Produktionsanlagen in unmittelbarer Nähe des Hauptsitzes. Am Standort Schlüchtern gibt es eine eigene Schuhfabrik sowie Möglichkeiten zur Individualisierung von Arbeitskleidung. Im Jahr 2022 wurde die Strauss CI Factory Chattogram in Bangladesch als weiterer Unternehmensstandort hinzugefügt. Dieses Zentrum dient als Workwear Academy und Entwicklungszentrum mit eigener Kleinserienproduktion und bildet ein Produktionstandem mit der deutschen CI Factory.
Das Unternehmen produziert weltweit in 28 Ländern: 14 % in Europa, 85 % in Asien und 1 % in Afrika. Ein Teil der asiatischen Produktionsstätten fertigt exklusiv für Engelbert Strauss. Die größten Fertigungspartner befinden sich laut eigenen Angaben in Laos (12 %), Vietnam (15 %) und Bangladesch (36 %).
Derzeit baut Engelbert Strauss einen weiteren Standort in der Nähe des Hauptsitzes, das Resort Alea Park in Bad Orb, und ist an einem Projekt zur Neugestaltung des Kurparks beteiligt.
Zwei Welten unter einem Namen: Ein Vergleich
Obwohl beide Unternehmen den Namen Strauss tragen und eine lange Geschichte haben, sind sie in völlig unterschiedlichen Branchen tätig und haben sich unabhängig voneinander entwickelt. Die Strauss Group ist ein diversifizierter Lebensmittelkonzern mit Wurzeln in Israel, der von Molkereiprodukten über Kaffee und Snacks bis hin zu Hummus und Wasser aktiv ist. Engelbert Strauss ist ein deutsches Familienunternehmen, das sich auf Arbeitskleidung und Arbeitsschutz spezialisiert hat und hauptsächlich über den Versandhandel vertreibt.
| Merkmal | Strauss Group (Israel) | Engelbert Strauss (Deutschland) |
|---|---|---|
| Branche | Lebensmittel (Molkerei, Süßwaren, Kaffee, Snacks, etc.) | Arbeitskleidung, Persönliche Schutzausrüstung (PSA) |
| Gründungsjahr | 1936 | 1948 |
| Ursprung | Molkerei in Palästina/Israel | Handel mit Besen/Bürsten in Deutschland |
| Hauptsitz | Israel | Deutschland (Biebergemünd) |
| Eigentum | Komplex (resultierend aus Fusion, Beteiligung von Familie, Investoren; Strauss Ice Cream gehört mehrheitlich Unilever) | Familiengeführt (3. und 4. Generation) |
| Fokus | Produktion und Vertrieb von Lebensmitteln, internationale Expansion | Entwicklung, Vertrieb (Versandhandel) und Logistik von Arbeitskleidung |
Häufig gestellte Fragen
Sind die Strauss Group und Engelbert Strauss dasselbe Unternehmen?
Nein, es handelt sich um zwei völlig unabhängige Unternehmen mit unterschiedlicher Geschichte, Branche und geografischem Schwerpunkt. Die Strauss Group ist ein israelischer Lebensmittelkonzern, während Engelbert Strauss ein deutsches Unternehmen für Arbeitskleidung ist.
Wem gehört die Strauss Group?
Die Strauss Group entstand aus der Fusion der ursprünglichen Strauss-Molkerei und dem Unternehmen Elite. Die Strauss-Familie spielt weiterhin eine wichtige Rolle und hält Anteile (u.a. über eine Familien-Investmentgesellschaft), aber das Unternehmen ist komplex strukturiert mit weiteren Investoren (z.B. Texas Pacific Group war beteiligt) und Partnerschaften. Der Bereich Strauss Ice Cream gehört mehrheitlich (51 %) zu Unilever.
Wem gehört Engelbert Strauss?
Engelbert Strauss ist ein deutsches Familienunternehmen, das sich seit seiner Gründung in Familienbesitz befindet und derzeit von der dritten und vierten Generation der Familie Strauss geführt wird.
Was stellt die Strauss Group her?
Die Strauss Group ist in vielen Bereichen der Lebensmittelindustrie tätig, darunter Molkereiprodukte, Eiscreme, Süßwaren, Kaffee, Salatsaucen und Dips (wie Hummus), Snacks, Wasser und mehr.
Was stellt Engelbert Strauss her?
Engelbert Strauss ist bekannt für seine Arbeitskleidung, Sicherheitsschuhe, Arbeitshandschuhe und andere Produkte im Bereich der persönlichen Schutzausrüstung (PSA).
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