Der Zwickel: Mehr als nur ein Stück Stoff

15/01/2016

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Der Begriff „Zwickel“ mag auf den ersten Blick unscheinbar wirken, doch in der Welt der Textilien und Bekleidung spielt dieses kleine Detail eine überraschend wichtige Rolle. Weit mehr als nur ein zusätzliches Stoffstück, ist der Zwickel oft entscheidend für den Tragekomfort, die Passform und sogar die Hygiene eines Kleidungsstücks.

Was ist ein Zwickel auf Bayrisch?
Zwickel (Münze), in Süddeutschland und Österreich volkstümlich eine Münze mit der aufgeprägten Einheit „2“
Übersicht

Was genau ist ein Zwickel?

Ein Zwickel ist im Grunde ein Stoffstück, das meist eine keil- oder rautenförmige Gestalt hat. Es wird gezielt in eine Naht eines Schnittteils eingesetzt. Die Hauptzwecke dafür sind vielfältig: Es kann dazu dienen, ein Kleidungsstück zu erweitern, um beispielsweise mehr Bewegungsfreiheit zu schaffen, oder um ein Schnittteil besser einzuhalten und so eine optimale Passform zu gewährleisten. Gelegentlich werden Zwickel auch aus rein dekorativen Gründen verwendet.

Man findet Zwickel in den unterschiedlichsten Bereichen von Bekleidung. Klassische Beispiele sind der Schulter- und Unterarmbereich bei Kleidern und Hemden, der Rückenteil von Jacken, aber auch bei Unterwäsche und Strumpfhosen spielen sie eine zentrale Rolle. Selbst bei gestrickten Strümpfen wird der dreieckige Einsatz am Knöchel als Zwickel bezeichnet.

Warum werden Zwickel in Kleidung eingesetzt? Die vielfältigen Funktionen

Die Verwendung von Zwickeln ist kein Zufall, sondern erfüllt spezifische, oft sehr praktische Funktionen. Sie tragen maßgeblich zur Funktionalität und Langlebigkeit eines Kleidungsstücks bei:

  • Verbesserung der Passform und Bewegungsfreiheit: Indem ein Zwickel an strategischen Stellen eingesetzt wird, kann das Kleidungsstück besser an die Körperform angepasst werden. Dies ist besonders wichtig an Gelenken oder Stellen, die viel Dehnung erfahren, wie im Schritt oder unter den Armen.
  • Erhöhung des Tragekomforts: Ein gut platzierter Zwickel reduziert Reibung und Druckstellen und macht das Kleidungsstück angenehmer zu tragen, selbst bei langen Aktivitätsphasen.
  • Verstärkung und Haltbarkeit: An stark beanspruchten Nähten kann ein Zwickel zusätzliche Stabilität bieten und so die Lebensdauer des Kleidungsstücks verlängern.
  • Hygiene: Besonders in Unterwäsche haben Zwickel eine wichtige hygienische Funktion.

Diese Funktionen machen den Zwickel zu einem unverzichtbaren Bestandteil vieler Kleidungsstücke.

Der Zwickel in spezifischen Kleidungsstücken

Je nach Art des Kleidungsstücks und seinem Verwendungszweck nimmt der Zwickel unterschiedliche Formen an und erfüllt spezifische Aufgaben.

Wie sieht ein Zwickel aus?
Der Einnäher – auch Zwickel genannt – sieht aus wie ein kleines Täschchen, besteht meist aus Baumwolle und befindet sich in jedem Slip im Schritt. In vielen Foren wird über seinen Nutzen diskutiert: Ist der Einnäher ein Geheimfach um Geldscheine, Schlüssel oder Münzen zu lagern?

Unterwäsche – Der Hygienezwickel oder Schrittfutter

In der Innenseite von Unterwäsche, insbesondere bei Damenhöschen, ist eine zusätzliche Stofflage im Schrittbereich Standard. Dieser sogenannte „Hygienezwickel“, auch „Schrittfutter“, „Beleg“ oder „Wäschezwickel“ genannt, ist vielen Frauen als der kleine „Einnäher“ oder das „Täschchen“ bekannt. Entgegen mancher Vermutung dient er nicht als Geheimfach für kleine Gegenstände, sondern hat essenzielle Funktionen für Hygiene und Komfort.

Hergestellt wird dieser Zwickel häufig aus hautfreundlichen und saugfähigen Materialien wie Baumwolle, seltener aus Seide, Satin oder Microfaser. Manchmal sind diese Stoffe sogar mit antibakteriellen Eigenschaften versehen.

Die Hauptaufgaben des Hygienezwickels sind:

  • Schutz vor Reibung: Er verhindert direkten Kontakt der empfindlichen Haut im Intimbereich mit raueren Außenstoffen wie Jeans oder Spitze, was Hautirritationen und Wundscheuern vorbeugt.
  • Aufnahme von Feuchtigkeit: Der saugfähige Stoff nimmt Ausfluss und Schweiß auf.
  • Schaffung eines trockeneren Klimas: Indem Feuchtigkeit aufgenommen wird, hilft der Zwickel, ein feuchtes, für Bakterien günstiges Klima zu vermeiden. Dies soll das Risiko von Pilz- und Harnwegs-Infektionen reduzieren.
  • Halt für Slipeinlagen: Die leicht raue Oberfläche, oft aus Baumwolle, bietet Slipeinlagen besseren Halt.

Die Dicke dieses Zwickels kann variieren, von zwei Stofflagen bis hin zu einer Netzstruktur.

Strumpfhosen – Der Zwickel für Passform und Dehnung

Bei Strumpfhosen ist der Zwickel im Schrittbereich unverzichtbar. Er dient primär dem Dehnungsausgleich und der Verbesserung der Passform zwischen den beiden Beinteilen. Meist besteht er aus demselben Material wie das Höschenteil der Strumpfhose.

Was versteht man unter einem Zwickel?
Ein Zwickel ist ein meist keil- oder rautenförmiges Stoffstück, das zum Zwecke des Erweiterns oder Einhaltens eines Schnittteils, manchmal auch zur Verzierung, in eine Naht eingesetzt wird. Auch der dreieckige Einsatz am Knöchel von gestrickten Strümpfen wird Zwickel genannt.

Es gibt verschiedene Formen von Zwickeln bei Strumpfhosen, die jeweils spezifische Vorteile bieten:

  • Spitzzwickel: Durch ihre Form besonders materialsparend in der Herstellung.
  • Oval oder Kreis: Eine weitere gängige Form.
  • Drachen- oder Sattelzwickel: Ist im Po-Bereich größer geschnitten und bietet dort mehr Raum.
  • Komfortzwickel: Oft für größere Größen verwendet. Er verläuft in einer V-Form vom Schritt bis zum hinteren Taillenbündchen und wird auch Keil- oder Körperformzwickel genannt.
  • Doppel-Komfortzwickel: Eine durchgehende Zwickelvariante, die zwischen der Mittelnaht bis zum Taillenbündchen verläuft und ebenfalls für größere Größen gedacht ist.
  • Zwickel bei Männerstrumpfhosen: Hier ist der Zwickel oft nach vorne gearbeitet, um mehr Platz für die Genitalien zu bieten. Manchmal ist zusätzlich ein Eingriff eingearbeitet.

Zusätzliche Zwickel können auch an der Oberschenkelinnenseite eingenäht sein, um reinen Dehnungsausgleich zu ermöglichen.

Bademode – Bedeckung und schnelle Trocknung

Auch in Badebekleidung findet sich der Zwickel. In Deutschland schrieb der historische „Zwickelerlass“ von 1932 vor, dass Badeanzüge für Damen und Herren mit einem Zwickel versehen sein mussten, um eine vollständige Bedeckung der Genitalien zu gewährleisten. Heute dient diese innere Stofflage immer noch der Bedeckung und dem Komfort. Bevorzugt werden hier schnell trocknende und feuchtigkeitsabweisende synthetische Materialien gegenüber Baumwolle.

Weitere Anwendungsbereiche des Zwickels

Neben den bereits genannten Kleidungsstücken findet man Zwickel auch in:

  • Laufhosen: Für Männer und Frauen, um den Tragekomfort zu erhöhen.
  • Stoffwindeln: Oft als herausnehmbarer Zwickel zum leichteren Waschen.
  • Jacken: Insbesondere bei dicken oder schweren Jacken im Rückenteil, um zu verhindern, dass die Ärmel beim Bewegen nach oben rutschen.
  • Gestrickten Strümpfen: Der Einsatz über den Knöcheln dient der Passform und wurde früher auch zur Verzierung genutzt.
  • Handschuhen: Speziell bei Sporthandschuhen wie Torwarthandschuhen kann ein Zwickel enthalten sein.
  • Kimonos und Raglanärmel-Oberteilen: Hier können Zwickel unter den Armen eingesetzt sein, um die Bewegungsfreiheit zu verbessern.
  • Historischer Kleidung: Im Mittelalter und bis ins 19. Jahrhundert waren Zwickel weit verbreitet, um wenig elastische Textilien an die Körperform anzupassen, sowohl bei Oberbekleidung als auch bei Kopfbedeckungen.

Materialien, die für Zwickel verwendet werden

Die Wahl des Materials für einen Zwickel hängt stark vom Verwendungszweck und dem Kleidungsstück ab:

KleidungsstückTypischer ZwickelBevorzugte MaterialienHauptfunktion
UnterwäscheHygienezwickel / SchrittfutterBaumwolle, Seide, Satin, Microfaser (oft mit antibakterieller Wirkung)Hygiene, Reibungsschutz, Komfort
StrumpfhosenPassform-Zwickel (verschiedene Formen)Meist dasselbe Material wie das Höschenteil (oft Polyamid/Elastan)Dehnungsausgleich, Passform
BademodeInnere BedeckungSchnell trocknende SynthetikBedeckung, Hygiene
Jacken, Kimonos etc.Bewegungs-ZwickelOft dasselbe Material wie das HauptkleidungsstückBewegungsfreiheit, Passform
Gestrickte StrümpfeKnöchel-ZwickelGarn des StrumpfesPassform, Verzierung

Häufig gestellte Fragen zum Zwickel

Warum haben Damenslips diesen kleinen Einnäher im Schritt?

Dieser Einnäher, der Hygienezwickel, dient primär der Hygiene und dem Komfort. Er schützt die Haut vor Reibung, nimmt Feuchtigkeit auf, hilft, ein gesundes Klima im Intimbereich zu erhalten, und bietet Halt für Slipeinlagen. Er ist kein Geheimfach.

Ist der Zwickel im Slip ein Geheimfach?

Nein, das ist ein weit verbreiteter Irrtum. Der Zwickel in Unterwäsche hat wichtige hygienische und komfortbezogene Funktionen. Er ist nicht dafür gedacht, Gegenstände darin zu verstauen.

Was ist ein Zwickel auf Bayrisch?
Zwickel (Münze), in Süddeutschland und Österreich volkstümlich eine Münze mit der aufgeprägten Einheit „2“

Wozu dienen Zwickel in Strumpfhosen?

In Strumpfhosen sorgen Zwickel für den notwendigen Dehnungsausgleich, insbesondere im Schrittbereich, und verbessern so die Passform und Haltbarkeit des Kleidungsstücks.

Sind Zwickel nur bei Frauenkleidung zu finden?

Absolut nicht. Obwohl der Hygienezwickel in Damenunterwäsche sehr bekannt ist, werden Zwickel auch in Männerkleidung (z. B. Laufhosen, spezielle Strumpfhosen, Jacken) und Unisex-Kleidung (z. B. Badebekleidung, Sportbekleidung) eingesetzt, um Passform, Komfort und Bewegungsfreiheit zu optimieren.

Fazit

Der Zwickel ist ein kleines, oft übersehenes, aber funktional sehr wichtiges Detail in der Bekleidungsherstellung. Er trägt maßgeblich dazu bei, dass unsere Kleidung bequem sitzt, langlebig ist und in bestimmten Fällen wichtige hygienische Funktionen erfüllt. Ob in der Unterwäsche, bei Strumpfhosen oder in Sportkleidung – der Zwickel ist ein cleveres Stück Stoff mit großer Wirkung für unseren täglichen Komfort und die optimale Passform.

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