Wie viel Gewicht hält ein Karabinerhaken?

Karabiner: Arten, Aufbau und Sicherheit

03/04/2015

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Karabinerhaken sind weit mehr als nur einfache Metallhaken. Sie sind unverzichtbare Werkzeuge in unzähligen Anwendungen, von sicherheitskritischen Systemen in der Höhe bis hin zu praktischen Helfern im Alltag. Ihre primäre Funktion – das schnelle und sichere Verbinden von Gegenständen mit Ösen oder Schlaufen – macht sie zu einem universell einsetzbaren Element. Doch nicht jeder Karabiner ist gleich, und die Wahl des richtigen Typs kann über Sicherheit und Effizienz entscheiden.

Welche Arten von Karabiner gibt es?
INHALTSVERZEICHNIS4.1 Normalkarabiner.4.2 HMS-Karabiner.4.3 Feuerwehrkarabiner.4.4 Rohrhaken.4.5 Klettersteigkarabiner.4.6 Karabinermesser.4.7 Bolzenkarabiner.4.8 Wirbelkarabiner.

Die Geschichte des Karabinerhakens reicht weit zurück. Schon im 17. Jahrhundert wurden vergleichbare Vorrichtungen in militärischen Kontexten erwähnt, beispielsweise 1616 in Johann Jakob von Wallhausens Werk über die Kriegskunst zu Pferd, wo ein „Häcklein“ mit Feder beschrieben wird, um ein Rohr zu sichern. Eine detailliertere Beschreibung findet sich bereits 1785 in der Oeconomischen Encyclopädie, die den Aufbau mit einem länglich gebogenen Ring, einer Öffnung und einer elastischen Feder erläutert. Im späten 18. Jahrhundert florierte die Herstellung, wie Berichte über die Produktion von Karabinerhaken in Wolverhampton zeigen. Giuseppe Bonaiti begann 1830 in Italien mit der Herstellung für die Schifffahrt. Im Bergsport wurden Karabinerhaken erst um 1900 eingeführt. Der oft genannte Mythos, der deutsche Kletterer Otto „Rambo“ Herzog hätte sie erfunden, ist widerlegt, auch wenn er sie für anspruchsvolle Touren nutzte.

Übersicht

Aufbau und Funktion

Ein Karabiner besteht im Wesentlichen aus einem Haken, dem sogenannten Körper oder Bogen, der die Hauptlast aufnimmt, und einem beweglichen Schnapper. Dieser Schnapper wird meist durch eine Feder geschlossen gehalten. Die Nase am Ende des Schnappers greift dabei formschlüssig in den Körper des Karabiners, um eine geschlossene Einheit zu bilden. Die Belastung sollte immer in Längsrichtung des Karabiners, also entlang des Bogens, erfolgen. Wird ein Karabiner quer oder mit offenem Schnapper belastet, reduzieren sich seine Bruchlastwerte drastisch, was lebensgefährlich sein kann.

Schnapper: Massiv, Draht und Gebogen

Es gibt verschiedene Konstruktionen des Schnappers. Massive Vollschnapper sind robust, während Drahtschnapper leichter sind und keine zusätzliche Feder benötigen. Beim Klettern ist das geringere Gewicht von Drahtschnappern vorteilhaft, nicht nur beim Tragen, sondern vor allem wegen des sogenannten Whiplash-Effekts. Wenn der Karabiner bei einem Sturz oder Schlag gegen Fels oder andere Strukturen prallt, kann die Trägheit des Schnappers dazu führen, dass er sich für einen winzigen Moment öffnet. Bei einer Belastung genau in diesem Moment ist die Bruchlast stark reduziert. Ein leichterer Drahtschnapper hat eine geringere Trägheit, öffnet sich weniger und reduziert so das Risiko einer gefährlichen Offenbelastung.

Schnapper gibt es auch in gerader oder gebogener Form. Ein gebogener Schnapper erleichtert das Einhängen von Seilen oder anderen Gegenständen. Bei Expresssets, die beim Sportklettern verwendet werden, hat der seilseitige Karabiner oft einen gebogenen Drahtschnapper.

Verschlussmechanismen für Sicherheit

Für sicherheitskritische Anwendungen, insbesondere in der Absturzsicherung, sind Karabiner mit einem Verschlussmechanismus versehen, der ein unbeabsichtigtes Öffnen des Schnappers verhindert. Diese Verschlüsse sind oft selbstverriegelnd, d.h. sie schließen automatisch, nachdem der Karabiner eingehängt wurde.

Schraubverschluss

Beim Schraubkarabiner wird eine Hülse auf einem Gewinde über den Schnapper geschoben. Zum Öffnen muss die Hülse manuell mehrere Umdrehungen (oft mindestens 3, normgerecht) zurückgeschraubt werden. Dies macht sie relativ sicher gegen versehentliches Öffnen durch leichten Kontakt, birgt aber das Risiko menschlichen Versagens, wenn die Hülse nicht korrekt verschlossen wird.

Twist-Lock

Der Twist-Lock-Karabiner hat eine Verschlusshülse, die über der Verbindungsstelle liegt. Zum Öffnen muss die Hülse gedreht (oft um 90°) und dann der Schnapper gedrückt werden. Die Hülse wird durch eine Feder automatisch zurück in die Verriegelungsposition gedreht. Dieser Mechanismus ist schneller zu bedienen als ein Schraubverschluss, kann sich aber unter Umständen an Kleidung oder Ausrüstung verfangen und unbeabsichtigt öffnen.

Tri-Lock

Tri-Lock-Karabiner, auch 3-Wege-Verschlüsse genannt, erfordern drei unabhängige Bewegungen zum Öffnen: Die Hülse muss entlang der Achse nach oben geschoben, dann gedreht und schließlich der Schnapper gedrückt werden. Dies bietet eine sehr hohe Sicherheit gegen unbeabsichtigtes Öffnen und hat sich insbesondere im gewerblichen Bereich etabliert, wo Twist-Lock-Karabiner aufgrund des Verhakungsrisikos als weniger sicher gelten.

Warum heißt es Karabinerhaken?
Herkunft: Diese Art von Haken wurde ursprünglich von Kavalleristen genutzt, die ihn am Brust- oder Kartuschbandelier befestigten und daran ihre Waffe vom Typ Karabiner aufhängten. Synonyme: [1] umgangssprachlich: Karabiner.

Sicherheitskarabiner (Safetyhooks)

Mitte der 1990er Jahre entwickelt, erfordern diese Karabiner das Drücken eines zusätzlichen Sicherheitsbügels, bevor der Schnapper geöffnet werden kann. Sie benötigen also zwei unabhängige Bewegungen. Sie werden oft bei Klettersteigsets oder professionellen Absturzsicherungen eingesetzt, können sich aber an engen Kanten ebenfalls unbeabsichtigt öffnen.

Anwendungen in der Praxis

Karabiner finden in einer Vielzahl von Bereichen Anwendung:

  • Absturzsicherung und Bergsport: Hier sind sie ein zentrales Element. Beim Klettern werden aus Gewichtsgründen meist Aluminiumkarabiner verwendet. Expresssets, bestehend aus zwei Karabinern und einer Schlinge, dienen zum schnellen Einhängen des Seils in Fixpunkte.
  • Gleitschirm- und Hängegleiten: Hier werden Karabiner als Verbindung zwischen Gurtzeug und Fluggerät eingesetzt. Sie bestehen oft aus Stahl und haben gerade Kanten, um Gurtbänder gleichmäßig zu belasten.
  • Tauchen: Taucher nutzen korrosionsbeständige Wirbelkarabiner (Bolt Snaps) aus Edelstahl, die sich schwerer versehentlich öffnen und ein Verfangen von Leinen verhindern.
  • Alltag und Hobby: Von der Befestigung kleiner Gegenstände am Rucksack bis hin zu Hundeleinen, die oft Scherenkarabiner für schnelles Öffnen verwenden.
  • Schmuck: Hier dienen kleine, filigrane Schmuckkarabiner als Verschlüsse für Ketten und Armbänder.

Vielfalt der Karabinerarten

Basierend auf Form, Funktion und Anwendungsbereich gibt es spezialisierte Karabinerarten:

Normalkarabiner

Karabiner ohne Verschlusssicherung werden oft als Normalkarabiner bezeichnet. Sie eignen sich für Anwendungen, bei denen keine sicherheitskritische Bedeutung vorliegt (z. B. als Materialkarabiner) oder wo die schnelle Bedienung Priorität hat, wie bei Expresssets im Klettersport. Um einen Verschlusskarabiner zu ersetzen, können zwei Normalkarabiner gegenläufig verwendet werden. Sie sind mit massivem Schnapper oder dem leichten und Whiplash-reduzierenden Drahtschnapper erhältlich.

HMS-Karabiner

Diese Karabiner sind speziell für die Sicherung mit dem Halbmastwurf (HMS) konzipiert. Ihre birnenähnliche Form mit breitem Kopf ermöglicht es dem Knoten, beim Sichern oder Abseilen leicht von einer Seite zur anderen zu springen. Das schmalere Ende hilft, ein Verdrehen des Karabiners im Sicherungsgerät zu verhindern. HMS-Karabiner sind heutzutage meist Verschlusskarabiner.

Feuerwehrkarabiner und Rohrhaken

Historisch wurden bei Feuerwehren einfache Schraubkarabiner eingesetzt. Heute verwendet die Höhenrettung und Absturzsicherung der Feuerwehr (nach AGBF) überwiegend Schraub- oder selbstverriegelnde Karabiner (Tri-Lock). Gelegentlich wird auch der Begriff „Feuerwehrkarabiner“ für Rohrhaken verwendet.

Rohrhaken

Rohrhaken sind sehr stabile Karabiner, oft als „Firehook“ bezeichnet, mit einem großen Maul (Öffnungsweiten von 60 mm bis über 120 mm). Sie verfügen über einen Sicherheitsbügel, der zum Öffnen gedrückt werden muss. Ein besonderes Merkmal ist die Möglichkeit, den Haken ohne Entriegelung um eine Struktur zu schlagen. Die Entriegelung ist nur durch eine bewusste Betätigung möglich.

Klettersteigkarabiner

Diese Karabiner sind Teil von Klettersteigsets und speziell für die hohen Belastungen bei Stürzen an Klettersteigen ausgelegt, mit einer Bruchlastwerte von mindestens 25 kN. Sie sind größer als normale Kletterkarabiner und haben eine größere Öffnung. Sie verfügen über leicht zu bedienende Verschlussmechanismen wie Twist-Lock oder Handballensicherungen, da sie auf Klettersteigen häufig umgehängt werden müssen.

Spezialkarabiner

  • Karabinermesser: Diese kombinieren einen Karabiner mit einem kleinen Messer, nützlich zum Durchtrennen von Seilen in Notfällen. Es ist wichtig, die Belastbarkeit zu prüfen, da sie oft nicht für das Klettern oder Sichern geeignet sind.
  • Bolzenkarabiner: Verfügen über einen kleinen, federbelasteten Bolzen zum automatischen Schließen.
  • Wirbelkarabiner: Besitzen ein drehbares Auge (Wirbel), um ein Verdrehen des daran befestigten Seils zu verhindern.

Schmuckkarabiner

Kleine, filigrane Karabiner, die als Verschluss für Ketten und Armbänder dienen. Sie sind in verschiedenen Materialien (Gold, Silber) und Formen erhältlich, aber nicht für sicherheitsrelevante Anwendungen wie das Klettern zugelassen.

Sicherheit und Normen: Was hält ein Karabiner aus?

Die Belastbarkeit eines Karabiners ist entscheidend, insbesondere bei Anwendungen wie der Absturzsicherung. Die Festigkeit wird in kN (Kilonewton) angegeben, einer Einheit für Kraft, nicht Gewicht. Etwa 1 kN entspricht der Gewichtskraft von 100 kg, aber dynamische Kräfte bei einem Sturz können ein Vielfaches davon erreichen.

Welche Arten von Karabiner gibt es?
INHALTSVERZEICHNIS4.1 Normalkarabiner.4.2 HMS-Karabiner.4.3 Feuerwehrkarabiner.4.4 Rohrhaken.4.5 Klettersteigkarabiner.4.6 Karabinermesser.4.7 Bolzenkarabiner.4.8 Wirbelkarabiner.

Für Ausrüstung im Klettersport müssen Karabiner mindestens der Norm DIN EN 12275 entsprechen. Diese schreibt Mindestbruchlasten vor:

  • Geschlossen in Längsrichtung: mindestens 20 kN
  • Querbelastung: mindestens 7 kN
  • Offener Schnapper: typabhängig 6–7 kN

Klettersteigkarabiner müssen aufgrund höherer Sturzbelastungen mindestens 25 kN halten. Die UIAA (Union Internationale des Associations d’Alpinisme) hat ebenfalls Normen, die oft strenger sind, aber nicht zwingend für die Verkehrsfähigkeit sind.

Für den gewerblichen Einsatz als Persönliche Schutzausrüstung (PSA) müssen Karabiner der Norm DIN EN 362 entsprechen. Diese normierten Karabiner müssen zudem jährlich prüfen lassen werden, typischerweise von einem Sachkundigen. Schadhafte Karabiner sind lebensgefährlich, daher ist eine regelmäßige Prüfung auch im Freizeitbereich dringend empfohlen.

Es ist wichtig, die Nennbruchlastwerte, die auf dem Karabiner gekennzeichnet sein müssen (für geschlossen, geöffnet und quer), zu beachten. Die Bruchlastwerte bei Querbelastung oder offenem Schnapper sind signifikant niedriger als in Längsrichtung. Der bereits erwähnte Whiplash-Effekt kann dazu führen, dass ein Karabiner im Sturz kurzzeitig offen ist und dann nur die reduzierte Bruchlast des offenen Zustands tragen muss.

Im Gegensatz dazu wird bei nicht-sicherheitskritischen Anwendungen, wie dem Aufhängen einer Schaukel mit einem Edelstahlkarabiner, oft eine sichere Arbeitslast in Kilogramm angegeben. Ein Beispiel aus dem Text nennt eine sichere Arbeitslast von 125 kg für einen 80 mm langen Edelstahlkarabiner mit 8 mm Stärke. Diese Angabe bezieht sich auf statische oder gering dynamische Lasten und ist nicht mit den Bruchlasten in kN für Fallschutzsysteme zu verwechseln.

Häufig gestellte Fragen

Worin liegt der Unterschied zwischen kN und kg bei der Belastung?

kN (Kilonewton) ist eine Einheit für Kraft und wird für die Bruchlast von Karabinern in sicherheitskritischen Anwendungen (wie Klettern oder Absturzsicherung) verwendet, da hier dynamische Kräfte bei einem Sturz auftreten. Kg wird oft für die sichere Arbeitslast bei statischen oder gering dynamischen Lasten in nicht-sicherheitskritischen Anwendungen (z. B. Aufhängen von Objekten) angegeben.

Warum haben Drahtschnapper Vorteile beim Klettern?

Drahtschnapper sind leichter als massive Vollschnapper. Dies reduziert den sogenannten Whiplash-Effekt, bei dem der Schnapper durch Trägheit bei einem Aufprall kurzzeitig öffnen kann. Ein leichterer Drahtschnapper minimiert dieses Risiko und damit die Gefahr einer Belastung des Karabiners im geöffneten Zustand, bei der die Bruchlast stark reduziert ist.

Sind alle Karabiner für das Klettern geeignet?

Nein. Nur Karabiner, die speziell für den Bergsport oder die Absturzsicherung nach relevanten Normen (wie DIN EN 12275 oder DIN EN 362) geprüft und gekennzeichnet sind, dürfen für sicherheitskritische Anwendungen wie das Klettern verwendet werden. Schmuckkarabiner oder einfache Normalkarabiner ohne entsprechende Normung sind dafür nicht geeignet und lebensgefährlich.

Muss ich meine Karabiner prüfen lassen?

Karabiner, die als Persönliche Schutzausrüstung (PSA) im gewerblichen Bereich eingesetzt werden (z. B. nach DIN EN 362), müssen jährlich prüfen lassen werden durch einen Sachkundigen. Für Karabiner im Freizeitbereich (z. B. beim Klettern nach DIN EN 12275) ist eine solche jährliche Prüfung nicht zwingend vorgeschrieben, aber aufgrund der potenziellen Lebensgefahr bei Materialermüdung oder Beschädigung dringend empfohlen.

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