Wie viel kostet ein Space Pen?

Der Fisher Space Pen: Schreiben im All

15/03/2012

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Der Fisher Space Pen ist mehr als nur ein einfacher Kugelschreiber. Er ist ein faszinierendes Stück Technologie, das speziell für eine der anspruchsvollsten Umgebungen entwickelt wurde, die der Mensch je betreten hat: den Weltraum. Seine Fähigkeit, unter Bedingungen zu schreiben, die normale Stifte zum Versagen bringen, hat ihm einen legendären Ruf eingebracht.

Übersicht

Warum braucht man einen besonderen Stift im Weltraum?

Im Vakuum und in der Schwerelosigkeit des Weltraums stehen Astronauten vor einzigartigen Herausforderungen – selbst bei so alltäglichen Aufgaben wie dem Schreiben. Normale Kugelschreiber funktionieren in der Schwerelosigkeit nicht, da die Tinte nicht durch die Schwerkraft zur Spitze gezogen wird. Aber auch Bleistifte, die auf den ersten Blick als einfache Alternative erscheinen mögen, bergen erhebliche Gefahren.

Was ist ein Space Pen?
Der Space Pen oder Astronautenstift ist ein Kugelschreiber, welcher von der Firma Fisher Space Pen Co. für Astronautenmissionen entwickelt wurde und deshalb auch im Weltall unter den Bedingungen der Schwerelosigkeit zuverlässig funktioniert; es gibt mittlerweile zahlreiche Modelle.

Bleistiftminen können leicht abbrechen. In einer Umgebung ohne Schwerkraft schweben diese kleinen, abgebrochenen Teile einfach im Raum herum. Dies stellt eine ernsthafte Bedrohung für die Astronauten dar. Solche Partikel können leicht eingeatmet werden, ins Auge gelangen und Verletzungen verursachen. Darüber hinaus besteht die Gefahr von Kurzschlüssen: Graphit, das Material der Bleistiftminen, ist elektrisch leitend. Frei schwebende Graphitpartikel könnten in empfindliche elektronische Geräte gelangen und dort schwere Schäden oder Fehlfunktionen verursachen.

Aus diesen Gründen war klar, dass eine sicherere und zuverlässigere Schreiblösung für Weltraummissionen gefunden werden musste.

Die Entwicklung des Fisher Space Pen

Die Geschichte des Space Pen ist eng mit dem Namen Paul C. Fisher verbunden. Fisher gründete bereits 1948 die Fisher Pen Company. Schon 1953 bewies er sein Geschick für Innovationen, als er eine universelle Kugelschreibermine entwickelte, die in eine Vielzahl von Kugelschreibermodellen passte und sich als sehr erfolgreich auf dem Markt erwies.

Der entscheidende Durchbruch für die Raumfahrt kam jedoch 1966. In diesem Jahr entwickelte und patentierte Paul C. Fisher die spezielle Kugelschreibermine für den ersten echten Space Pen, den Fisher AG-7. Das Akronym AG-7 steht dabei für „anti gravity“, was bereits auf die besondere Eigenschaft des Stiftes hinweist: Er funktioniert unabhängig von der Schwerkraft.

Die Technologie hinter der Mine ist das Geheimnis. Sie verwendet eine spezielle, thixotrope Tintenpaste. Diese Paste ist so konzipiert, dass sie unter Druck steht. Dieser konstante Druck sorgt dafür, dass die Tinte auch in der Schwerelosigkeit oder sogar gegen die Schwerkraft (also mit nach oben gerichteter Spitze) zuverlässig zur Kugel an der Schreibspitze gedrückt wird.

Über die genaue Entstehung der thixotropen Tintenpaste gibt es unterschiedliche Berichte. Laut einem Zeitungsinterview soll Paul C. Fisher das Rezept im Traum von seinem Vater erhalten haben. Andere Angaben deuten darauf hin, dass die Entwicklung des Space Pen in Zusammenarbeit mit dem österreichischen Erfinder Friedrich Schächter stattfand, von dem das Gesamtkonzept für den Weltraumkugelschreiber stammen soll, sowie mit dem Mechaniker Erwin Rath, der bei der technischen Umsetzung half. Unabhängig vom genauen Ursprung der Idee war das Ergebnis eine revolutionäre Schreibtechnologie.

Die Fisher Pen Company zog 1976 von Van Nuys, Kalifornien, nach Boulder City, Nevada, um. Im Jahr 1986 wurde das Pseudonym Fisher Space Pen Co. für die Firma eingetragen, was die Spezialisierung und den Fokus auf dieses einzigartige Produkt unterstrich.

Die einzigartigen Eigenschaften des Space Pen

Was macht den Fisher Space Pen so besonders und widerstandsfähig? Es sind seine Konstruktion und die spezielle Tintenmine.

Die Kugelschreibermine selbst ist, abgesehen von der Tinte, komplett aus Metall gefertigt. Diese robuste Bauweise ermöglicht es der Mine, extremen Temperaturschwankungen standzuhalten. Sie funktioniert problemlos bei Temperaturen von beeindruckenden −45 °C bis zu +120 °C, ohne Schaden zu nehmen oder ihre Funktion einzubüßen. Dies ist entscheidend für den Einsatz im Weltraum, wo die Temperaturen stark variieren können, je nachdem, ob sich der Stift im Schatten oder in direktem Sonnenlicht befindet.

Wie bereits erwähnt, ist die Mine eine unter Druck stehende Gaspatrone. Im Inneren dieser Patrone befindet sich ein kleiner Metallzylinder, der konstant Druck auf die Spezialtinte ausübt. Dieser Druckmechanismus ist der Schlüssel dazu, dass der Stift unter Bedingungen schreiben kann, unter denen normale Kugelschreiber versagen würden.

Dank dieser Technologie ist der Space Pen in der Lage, unter einer Vielzahl von ungewöhnlichen und herausfordernden Bedingungen zu schreiben:

  • Mit nach oben gerichteter Schreibspitze (gegen die Schwerkraft oder in Schwerelosigkeit).
  • Auf fettigen Oberflächen, auf denen normale Tinte nicht haften würde.
  • Auf sehr glatten Oberflächen wie Kunststoffen oder Glas.
  • Sogar unter Wasser! Der Druck in der Mine ist ausreichend, um die Tinte auch gegen den Wasserdruck auszugeben.

Diese Vielseitigkeit macht den Space Pen nicht nur für die Raumfahrt interessant, sondern auch für Anwendungen auf der Erde, bei denen extreme Bedingungen herrschen oder spezielle Oberflächen beschrieben werden müssen.

Der Space Pen bei NASA und Sowjetunion

Obwohl die Gefahren von Bleistiften bekannt waren, verwendete die NASA auf ihren ersten Missionen tatsächlich Bleistifte. Dies führte zu einer bemerkenswerten Episode. Im Jahr 1965 schloss die NASA mit der Firma Tycam Engineering Manufacturing, Inc. einen Festpreis-Vertrag für die Lieferung von 34 mechanischen Bleistiften für das Gemini-Programm ab. Der Gesamtpreis betrug 4382,50 US-Dollar, was einem Stückpreis von 128,89 US-Dollar pro Bleistift entsprach. Dieser hohe Preis löste in der Öffentlichkeit erhebliche Kritik aus und wurde von vielen als überzogen empfunden.

Als direkte Konsequenz dieser Kritik machte die NASA den Vertrag rückgängig und suchte nach einer preiswerteren und sichereren Alternative. Genau zu diesem Zeitpunkt, im selben Jahr 1965, bot Paul C. Fisher der NASA seinen neu entwickelten Space Pen an.

Die NASA zögerte zunächst, den Stift sofort zu übernehmen. Dies lag nicht zuletzt an der vorangegangenen Kritik am teuren Bleistift-Vertrag. Man wollte sicherstellen, dass der neue Stift wirklich allen Anforderungen genügte und keine neuen Probleme verursachte. Erst nach ausgiebigen und sorgfältigen Tests entschied sich die NASA im Jahr 1967, den Fisher Space Pen für ihre Apollo-Missionen einzusetzen. Die erste Bestellung umfasste 400 Stifte zu einem deutlich günstigeren Stückpreis von sechs US-Dollar.

Interessanterweise erkannte auch die Sowjetunion die Vorteile des Space Pen. Nachdem sie zuvor Fettstifte für ihre Raumflüge verwendet hatten, kaufte die Sowjetunion im Februar 1969 ebenfalls Fisher Space Pens. Ihre Bestellung umfasste 100 Stifte und 1000 Tintenpatronen für ihre Sojus-Raumschiffe.

Seit 1968 setzt die NASA den Fisher Space Pen bei jeder bemannten Mission in den Weltraum ein. Er hat sich als zuverlässiges und sicheres Schreibwerkzeug erwiesen. Aufgrund seiner besonderen Geschichte und seiner Verbindung zur Raumfahrt ist der Space Pen auch ein beliebtes Souvenir und wird gerne in den Souvenir-Shops der NASA erworben.

Der populäre Mythos um den Space Pen

Rund um den Fisher Space Pen hat sich eine moderne Sage oder ein Mythos entwickelt, der hartnäckig kursiert. Dieser Mythos besagt, dass die NASA Millionen von Dollar für die Entwicklung eines speziellen Stiftes ausgegeben habe, während die sowjetischen Kosmonauten in pragmatischer Einfachheit einfach einen Bleistift benutzten. Diese Geschichte wird oft als Beispiel für übermäßigen US-amerikanischen Aufwand im Gegensatz zu sowjetischer Pragmatik dargestellt.

Tatsächlich ist dieser Mythos, so unterhaltsam er auch sein mag, unwahr. Wie die Entwicklungsgeschichte zeigt, geschah die Entwicklung des Fisher Space Pen nicht im Auftrag und auch ohne finanzielle Unterstützung der NASA. Paul C. Fisher entwickelte den Stift auf eigenes Risiko und bot ihn dann der NASA an. Die NASA kaufte die fertigen Stifte zu einem Stückpreis von sechs Dollar, was weit von einer Millionenentwicklung entfernt ist.

Zudem, und das ist ein wichtiger Punkt, stellen Bleistifte aus den bereits genannten Sicherheitsgründen (abbrechende Minen, schwebender Graphit, Kurzschlussgefahr) in der Schwerelosigkeit tatsächlich eine Gefahr dar. Die sowjetische Raumfahrt setzte, wie erwähnt, zunächst Fettstifte ein und stieg dann ebenfalls auf den Fisher Space Pen um, gerade weil er eine sicherere Alternative bot.

Die Verbreitung dieses Mythos in Deutschland wurde unter anderem durch die Berichterstattung der ARD zur Mondlandung befördert, als einer der Moderatoren die Geschichte im Studio erzählte. Auch ein Werbespot der Zeitung Handelsblatt nach 2006 trug zur erneuten Verbreitung der Sage bei. Unabhängig von der Legende bleibt der Fisher Space Pen ein beeindruckendes Beispiel für Innovation im Bereich der Schreibgeräte, geboren aus der Notwendigkeit, die Herausforderungen des Weltraums zu meistern.

Space Pen im Vergleich

Um die Besonderheit des Fisher Space Pen zu verdeutlichen, lohnt sich ein kurzer Vergleich mit herkömmlichen Schreibgeräten:

EigenschaftFisher Space PenNormaler KugelschreiberBleistift
Schreiben in SchwerelosigkeitJa (Druckmine)Nein (Schwerkraft benötigt)Ja, aber gefährlich (abbrechende Mine, Graphit)
Schreiben unter WasserJaNeinNein
Schreiben auf fettigen/glatten OberflächenJaSchwierig/NeinSchwierig/Nein
Temperaturbereich-45°C bis +120°CNormal (funktioniert schlecht bei Extremtemperaturen)Normal (Mine kann brechen bei Kälte, Wachs schmilzt bei Hitze)
Sicherheit im WeltraumHochGering (Tinte kann schweben bei Leckage)Sehr gering (abbrechende Mine, leitender Graphit)

Häufig gestellte Fragen zum Space Pen

Was ist das Besondere am Fisher Space Pen?

Das Besondere ist seine Fähigkeit, unter extremen Bedingungen zu schreiben, wo normale Stifte versagen würden. Dazu gehören Schwerelosigkeit, extreme Temperaturen (-45°C bis +120°C), das Schreiben mit der Spitze nach oben, auf fettigen oder glatten Oberflächen und sogar unter Wasser. Dies wird durch eine spezielle, unter Druck stehende Tintenmine ermöglicht.

Warum brauchte die NASA einen besonderen Stift für den Weltraum?

Normale Kugelschreiber funktionieren in Schwerelosigkeit nicht. Bleistifte sind im Weltraum gefährlich, da ihre Minen leicht abbrechen und die schwebenden Graphitpartikel von Astronauten eingeatmet werden, ins Auge gelangen oder Kurzschlüsse in der Elektronik verursachen können.

Wer hat den Space Pen erfunden?

Die spezielle Mine für den Fisher Space Pen wurde von Paul C. Fisher entwickelt und 1966 patentiert. Es gibt Hinweise auf eine mögliche Zusammenarbeit mit Friedrich Schächter und Erwin Rath bei der Entwicklung des Gesamtkonzepts.

Nutzt die NASA den Fisher Space Pen heute noch?

Ja, die NASA setzt den Fisher Space Pen seit 1968 auf jeder bemannten Mission in den Weltraum ein. Auch die sowjetische (heute russische) Raumfahrt nutzt ihn.

Stimmt die Geschichte, dass die NASA Millionen für den Space Pen ausgegeben hat, während die Sowjets Bleistifte nutzten?

Nein, das ist ein populärer Mythos. Paul C. Fisher entwickelte den Stift privat und ohne finanzielle Unterstützung der NASA. Die NASA kaufte die fertigen Stifte zu einem Stückpreis von sechs Dollar. Bleistifte sind zudem im Weltraum aus Sicherheitsgründen problematisch, und die Sowjetunion stieg ebenfalls auf den Fisher Space Pen um.

Der Fisher Space Pen ist somit nicht nur ein Schreibgerät, sondern ein Stück Geschichte der Raumfahrt und ein Beweis dafür, wie Innovationen aus spezifischen Herausforderungen entstehen können.

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