17/11/2012
Must de Cartier ist weit mehr als nur eine Produktlinie; es ist ein bedeutendes Kapitel in der Geschichte des berühmten französischen Hauses. Entstanden in einer Zeit großer Herausforderungen, repräsentiert Must de Cartier eine kreative und strategische Antwort, die nicht nur zur Rettung, sondern auch zur Neuausrichtung der Marke beitrug. Dieses Konzept umfasste verschiedene Luxusgüter, wobei insbesondere die Uhren und der Duft eine ikonische Stellung erlangten.

Die Geschichte von Must de Cartier beginnt in den 1970er Jahren, einer Periode, die von der sogenannten Quarzkrise geprägt war. Die Einführung präziser und kostengünstiger Quarzuhren aus Japan stellte die traditionelle europäische Uhrenindustrie, die sich auf mechanische Werke konzentrierte, vor immense Probleme. Auch Cartier, bekannt für seine edlen Uhren aus Edelmetall, spürte den Druck auf dem Markt. In dieser kritischen Phase erwarb Robert Hocq im Jahr 1972 Cartier Paris. Gemeinsam mit Alain-Dominique Perrin, dem damaligen Generaldirektor, entwickelte er das Konzept von "Les Must de Cartier".
Was bedeutet "Les Must de Cartier"?
Der Name "Les Must de Cartier" leitet sich von einer Anekdote ab: Einem Mitarbeiter soll angesichts der begehrenswerten Produkte von Cartier entfahren sein: "Cartier, c'est un must!" – zu Deutsch: "Cartier, das ist ein Muss!". Hocq und Perrin griffen diese Idee auf und kreierten eine Untermarke für Produkte, die als "Must-haves" positioniert wurden. Die zentrale Idee war, den luxuriösen Stil und das Design von Cartier einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Es ging um Zugänglichkeit, ohne jedoch die Identität und das Prestige der Marke vollständig zu kompromittieren. Dieses Konzept umfasste nicht nur Uhren, sondern auch andere Accessoires wie Brieftaschen, Feuerzeuge und eben auch Düfte.
Warum waren Must de Cartier Uhren günstiger?
Die Strategie hinter den Must de Cartier Uhren war revolutionär für das Haus. Während Cartier traditionell für Uhren in Edelmetallen wie Gold oder Platin bekannt war, setzte die Must-Linie auf kostengünstigere Materialien und Produktionsmethoden. Ein Schlüsselelement war die Verwendung von vergoldetem 925er Silber anstelle von massivem Gold für die Gehäuse. Zudem wurden häufig Quarzwerke oder kostengünstigere ETA-Kaliber anstelle der teureren Manufakturwerke oder Premium-Kaliber (wie sie Cartier später in den 80er Jahren einsetzte) verwendet. Dieses Vorgehen ermöglichte es, ikonische Cartier-Designs wie die Tank oder die Vendôme zu deutlich niedrigeren Preisen anzubieten. Eine Must de Cartier Tank mit lackiertem Zifferblatt kostete beispielsweise Mitte der 1970er Jahre nur einen Bruchteil einer vergleichbaren Uhr aus massivem Gold. Dieses Modell ähnelte in Form und Größe der Tank Louis Cartier der damaligen Zeit, unterschied sich jedoch eben durch das Gehäusematerial und das Werk. Die Strategie war ein durchschlagender Erfolg. Cartier steigerte den jährlichen Uhrenabsatz von rund 3.000 Stück auf beeindruckende 160.000 Stück Ende der 1970er Jahre. Selbst prominente Persönlichkeiten trugen die erschwinglicheren Must de Cartier Modelle.
Das Design der Must de Cartier Uhren erlaubte zudem mehr Experimentierfreude. Während die Gehäuseformen den Klassikern treu blieben, spielten die Zifferblätter mit Farben und Mustern, die in der Hauptkollektion seltener zu finden waren. Diese farbenfrohen und manchmal verspielten Designs trugen ebenfalls zur Popularität der Linie bei.
Das Auslaufen der Linie und das moderne Erbe
Anfang der 2000er Jahre wurde das Branding "Les Must de Cartier" schrittweise eingestellt. Cartier, mittlerweile Teil des Luxuskonzerns Richemont, hatte seine Position im Markt gefestigt und benötigte die zugänglichere Untermarke nicht mehr in der Form. Man entschied, dass die separate Marke das Exklusivitätsgefühl der Kernmarke beeinträchtigen könnte. Doch das Erbe von Must de Cartier lebt weiter.

In jüngerer Zeit hat Cartier die Bedeutung und den Einfluss der Must de Cartier Ära subtil anerkannt, insbesondere mit der Einführung der modernen "Tank Must" Modelle. Diese Modelle greifen das Konzept der Zugänglichkeit wieder auf, indem sie beispielsweise Tank-Uhren in Edelstahl anbieten, die als Einstiegspunkte in die Welt der Cartier Uhren dienen. Auch die Experimente mit Farbe und Design, die einst die Must-Linie prägten, finden sich in modernen Tank Must Modellen wieder, wie zum Beispiel bei der "RGB Trinity" Kollektion von 2021 mit farbigen Zifferblättern. Selbst innovative Ansätze wie die Solarbeat-Technologie (solarbetriebene Werke) wurden in der Tank Must Linie eingeführt, um eine jüngere und umweltbewusstere Zielgruppe anzusprechen. Während einige Traditionalisten die ursprüngliche Must de Cartier Linie kritisch sahen, erkennen viele Uhrenliebhaber heute an, dass sie nicht nur zur Rettung von Cartier in schwierigen Zeiten beitrug, sondern auch den Weg für eine offenere und farbenfrohere Designsprache ebnete, die heute noch relevant ist.
Der Duft "Must de Cartier"
Neben den Uhren ist der Duft "Must de Cartier" ein weiterer Eckpfeiler der Must-Linie, der bis heute Kultstatus genießt. Er scheint bei vielen Liebhabern sehr beliebt zu sein und findet sich oft in Listen der besten Damendüfte. Der Duft wird oft als orientalisch oder würzig beschrieben und zeichnet sich durch eine komplexe Komposition aus.
Die Kopfnote eröffnet oft mit grünen und zitrischen Noten, die schnell in ein reiches, warmes Herz übergehen. In der Herznote finden sich opulente Blumen wie Jasmin und Rose, oft kombiniert mit würzigen Elementen. Die Basis ist tief und sinnlich, dominiert von Noten wie Vanille, Harzen (wie Galbanum), Ambra und Moschus. Der in einem der Texte erwähnte Eindruck einer leicht rauchigen, cremigen Süße durch Vanille und Galbanum ist charakteristisch. Auch florale Noten wie Neroli und Jasmin sowie eine unterschwellige, fast schokoladige Nuance können wahrgenommen werden. Die Narzisse bringt eine blumig-herbe Facette ein.
Ein oft diskutiertes Element des Duftes ist eine gewisse animalische Note, die besonders im Herzen des Parfums präsent sein kann. Diese Note wird von manchen als intensiv oder ungewöhnlich wahrgenommen, von anderen aber als das, was dem Duft seine besondere Tiefe und Sinnlichkeit verleiht. Es scheint, dass diese animalische Facette nicht jedermanns Geschmack trifft und je nach Hautchemie und Wahrnehmung unterschiedlich stark hervortritt. Sie kann dem Duft eine gewisse Vintage-Qualität oder einen anspruchsvollen, erwachsenen Charakter verleihen.
Die Sillage des Must de Cartier Parfums wird oft als stark und präsent beschrieben. Der Duft hinterlässt eine deutliche Spur und wird von anderen wahrgenommen. Auch die Haltbarkeit ist beeindruckend; viele Träger berichten von einer Tragedauer von zehn Stunden und mehr. Diese Intensität macht ihn zu einem idealen Duft für den Abend oder besondere Anlässe, insbesondere in kühleren Jahreszeiten wie Herbst und Winter. Aufgrund seiner Tiefe und seines klassischen Anklangs wird er manchmal eher einem reiferen Publikum zugeordnet.

Der Flakon des Must de Cartier Parfums ist ebenfalls ikonisch. Meist rechteckig mit abgerundeten Kanten, zeichnet er sich oft durch eine geriffelte Oberfläche aus. Der Verschluss ist typischerweise vergoldet und ebenfalls geriffelt. Die Duftflüssigkeit selbst kann eine dunkle, bernsteinfarbene oder rötliche Tönung haben, was seine Wärme und Opulenz unterstreicht. Der Name des Duftes ist oft elegant in den Flakon oder den Verschluss eingraviert.
Wird Must de Cartier (Uhren und Duft) noch produziert?
Diese Frage lässt sich nicht pauschal mit Ja oder Nein beantworten, da sie sowohl die Uhren als auch den Duft betrifft und sich das Konzept über die Zeit gewandelt hat.
Was die Uhren betrifft: Die spezifische Produktlinie und das Branding "Les Must de Cartier" wurden, wie erwähnt, in den frühen 2000er Jahren eingestellt. Uhren mit dem expliziten "Must de Cartier" Schriftzug auf dem Zifferblatt (insbesondere die vergoldeten Silbermodelle aus den 70ern bis 90ern) werden heute nicht mehr neu produziert. Allerdings lebt das Konzept der zugänglicheren, aber dennoch stilvollen Uhr im Geiste weiter. Cartier produziert heute die "Tank Must" Linie, die als moderne Interpretation und Hommage an die ursprüngliche Idee gesehen werden kann. Diese Modelle gehören zur aktuellen Kollektion von Cartier und werden aktiv hergestellt und verkauft.
Was den Duft betrifft: Das Parfum "Must de Cartier" ist nach wie vor weit verbreitet im Handel erhältlich, sowohl in Parfümerien als auch online. Die ständige Verfügbarkeit und die Tatsache, dass es in den Kollektionen großer Einzelhändler geführt wird, deuten sehr stark darauf hin, dass der Duft noch produziert wird. Es wird wahrscheinlich unter der Hauptmarke "Cartier Parfums" geführt, auch wenn das spezifische "Les Must" Branding auf den aktuellen Flakons oder Verpackungen möglicherweise weniger prominent oder ganz entfallen ist. Es ist ein etablierter Klassiker im Portfolio von Cartier Parfums.
Fazit
Must de Cartier repräsentiert eine faszinierende Phase in der Geschichte von Cartier, die durch Innovation, strategische Anpassung und den Wunsch, Luxus zugänglicher zu machen, gekennzeichnet war. Sowohl die Uhren als auch der Duft haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Während die ursprüngliche Linie unter dem spezifischen "Les Must" Branding eingestellt wurde, lebt ihr Geist in modernen Uhrenkollektionen und im fortbestehenden, beliebten Duft "Must de Cartier" weiter. Diese Produkte sind Zeugnisse der Fähigkeit von Cartier, sich neu zu erfinden, ohne seine Wurzeln und seinen unverwechselbaren Stil zu verlieren.

Für Interessenten lohnt es sich, den Duft zu testen, um seine komplexe und charaktervolle Komposition selbst zu erleben. Bei den Uhren bieten sowohl Vintage "Must de Cartier" Modelle (als erschwinglicher Einstieg in die Welt der Vintage-Cartier-Uhren) als auch die modernen "Tank Must" Modelle spannende Möglichkeiten, ein Stück Cartier-Geschichte am Handgelenk zu tragen.
Häufig gestellte Fragen zu Must de Cartier
Wird Must de Cartier noch hergestellt?
Die ursprüngliche Uhrenlinie "Les Must de Cartier" wird unter diesem spezifischen Branding nicht mehr produziert. Moderne "Tank Must" Uhren, die das Konzept aufgreifen, sind jedoch Teil der aktuellen Cartier Kollektion und werden hergestellt. Das Parfum "Must de Cartier" ist weiterhin weit verbreitet erhältlich und wird wahrscheinlich noch produziert.
Warum war Must de Cartier günstiger?
Die Must de Cartier Uhren wurden in den 1970er und 80er Jahren eingeführt, um in der Quarzkrise wettbewerbsfähig zu bleiben. Sie waren günstiger, weil sie Materialien wie vergoldetes Silber statt massivem Gold und kostengünstigere Quarz- oder ETA-Uhrwerke statt teurerer Manufakturwerke verwendeten. Die Strategie zielte darauf ab, den Cartier-Stil einem breiteren Markt zugänglich zu machen.
Was bedeutet "Le Must de Cartier"?
Der Ausdruck "Les Must de Cartier" bedeutet wörtlich "Die Must-haves von Cartier". Der Name stammt von einem Ausruf ("Cartier, c'est un must!") und wurde für eine Produktlinie verwendet, die luxuriöse Cartier-Artikel zu erschwinglicheren Preisen anbot, um sie für eine breitere Kundschaft unverzichtbar zu machen.
Wie riecht Must de Cartier?
Must de Cartier (Parfum) ist ein komplexer, oft als orientalisch-würzig beschriebener Duft. Er beginnt mit süßlichen, cremigen (Vanille, Galbanum) und floralen (Neroli, Jasmin, Narzisse) Noten, oft mit einer leicht rauchigen oder sogar unterschwellig schokoladigen Facette. Im Herzen entwickelt er oft eine ausgeprägte, manchmal als animalisch empfundene Note, bevor er in einer warmen, puderigen Basis aus Vanille, Harzen und Ambra ausklingt. Er ist bekannt für seine starke Sillage und lange Haltbarkeit.
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