25/12/2021
Nach turbulenten Zeiten und mehreren Insolvenzverfahren gibt es endlich Klarheit über die Zukunft von Galeria Karstadt Kaufhof. Die insolvente Kaufhauskette hat neue Eigentümer gefunden, was einen wichtigen Schritt für den Fortbestand des Unternehmens darstellt. Diese Entwicklung markiert das Ende einer Phase der Unsicherheit und leitet einen Neuanfang für den bekannten Warenhauskonzern ein.

Der Bieterprozess zur Übernahme von Galeria Karstadt Kaufhof wurde erfolgreich abgeschlossen. Laut Informationen von Galeria-Chef Olivier Van den Bossche und Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus fiel die Entscheidung am Dienstag. Diese Nachricht wurde mit Spannung erwartet, da die Suche nach einem Investor dringend notwendig war, um das Unternehmen vor dem endgültigen Aus zu bewahren.
- Wer hat Galeria Karstadt Kaufhof gekauft?
- Die Hintergründe: Insolvenzen und die Signa-Gruppe
- Die Geschichte der Fusion: Karstadt und Kaufhof
- Der Neustart: Was passiert jetzt mit Galeria?
- Die neuen Eigentümer und ihre Pläne
- Auswirkungen auf Filialen und Mitarbeiter
- Der weitere Zeitplan
- Häufig gestellte Fragen
- Fazit
Wer hat Galeria Karstadt Kaufhof gekauft?
Die Übernahme erfolgt durch das Family Office NDRC, das dem US-Unternehmer Richard Baker gehört. Richard Baker ist in der Welt der Warenhäuser und insbesondere bei Galeria kein Unbekannter. Bereits vor der Fusion von Karstadt und Kaufhof im Jahr 2019 war Baker über die kanadische Hudson's Bay Company (HBC) Eigentümer von Galeria Kaufhof. Dies bedeutet, dass ein erfahrener Akteur im Einzelhandel und jemand, der die Strukturen und Herausforderungen von Galeria bereits kennt, nun wieder das Ruder übernimmt.
Der Kaufpreis, der für die Übernahme gezahlt wurde, ist nicht öffentlich bekannt gegeben worden. Über diesen Aspekt wurde zwischen den beteiligten Parteien Stillschweigen vereinbart. Wichtiger als der genaue Preis ist jedoch die Tatsache, dass eine Einigung erzielt werden konnte, die den Weg für die Sanierung und den Weiterbetrieb eines Großteils der Filialen ebnet.
Die Hintergründe: Insolvenzen und die Signa-Gruppe
Galeria Karstadt Kaufhof musste im Januar dieses Jahres bereits zum dritten Mal innerhalb von knapp drei Jahren Insolvenz anmelden. Diese wiederholten Schwierigkeiten zeigen die enormen Herausforderungen, mit denen der traditionelle stationäre Handel konfrontiert ist, aber auch spezifische Probleme innerhalb des Konzerns und seiner Eigentümerstruktur.
Zuletzt gehörte die Kaufhauskette zur Signa-Gruppe von René Benko. Die Signa-Gruppe selbst geriet in massive finanzielle Schwierigkeiten, was letztendlich auch Galeria mit in den Abgrund zog. Die Insolvenz der Signa-Holding war der direkte Auslöser für die erneute Insolvenz von Galeria. Die Signa-Gruppe ist hoch verschuldet und schuldet ihren Gläubigern beträchtliche Summen, was die Dringlichkeit des Verkaufs von Galeria unterstreicht.
Die Geschichte der Fusion: Karstadt und Kaufhof
Die heutige Galeria Karstadt Kaufhof entstand aus dem Zusammenschluss zweier einstiger Rivalen: Karstadt und Kaufhof. Ende 2018 einigten sich Signa und HBC (unter Richard Baker) auf diese Fusion. Zunächst hielt Signa die Mehrheit mit 50,01 Prozent der Anteile, während HBC den Rest besaß. Dieser Zusammenschluss schuf den damals zweitgrößten Warenhauskonzern Europas, nur übertroffen von El Corte Inglés in Spanien.
Im Juni 2019 übernahm Signa dann die verbliebenen Anteile von HBC für rund eine Milliarde Euro und wurde damit Alleineigentümer von Galeria Karstadt Kaufhof. Diese Phase unter alleiniger Signa-Ägide war jedoch von wiederholten finanziellen Problemen und Insolvenzen geprägt, die nun zur erneuten Übernahme durch ein Konsortium unter Beteiligung von Richard Baker führen.
Der Neustart: Was passiert jetzt mit Galeria?
Mit der Übernahme und dem Abschluss des Insolvenzverfahrens am 1. August 2024 beginnt für das Unternehmen eine neue Ära. Das Insolvenzverfahren, das im Januar begonnen hatte, wurde vom Amtsgericht Essen aufgehoben. Dies ermöglicht dem angeschlagenen Unternehmen den dringend benötigten Neustart auf soliderer Basis.
Der neue Name: Nur noch „Galeria“
Eine der sichtbarsten Änderungen ist die Anpassung des Firmennamens. Die Bezeichnungen Kaufhof und Karstadt, die über viele Jahrzehnte hinweg Synonyme für Warenhäuser in Deutschland waren, verschwinden aus dem Firmennamen. Ab sofort heißt das Unternehmen offiziell nur noch Galeria. Damit endet ein Stück deutscher Unternehmensgeschichte, da die Namen Karstadt und Kaufhof auf eine lange und reiche Vergangenheit zurückblicken können.
Die Firma hatte seit März 2019, nach der Fusion, Galeria Karstadt Kaufhof geheißen. Nun besinnt man sich auf den Namensteil „Galeria“, der bereits seit 2008 im Namen von Kaufhof (als Galeria Kaufhof GmbH) verankert war.
Ein Blick in die Geschichte der Warenhaus-Giganten
Um die Bedeutung der Namensänderung zu verstehen, lohnt sich ein kurzer Blick auf die Ursprünge der beiden Traditionsunternehmen:
- Karstadt: Rudolph Karstadt eröffnete sein erstes Geschäft am 14. Mai 1881 in Wismar. Drei Jahre später folgte das zweite Haus in Lübeck. In den folgenden Jahrzehnten expandierte das Unternehmen stark und war Anfang 2009 mit 90 Filialen in Deutschland präsent.
- Kaufhof: Die Wurzeln von Kaufhof reichen sogar noch weiter zurück, bis ins Jahr 1879 nach Stralsund, als Leonhard Tietz die Leonhard Tietz AG gründete. Nach starker Expansion und mehreren Namensänderungen (Westdeutsche Kaufhof AG, Kaufhof Warenhaus AG) hieß das Unternehmen ab 2008 Galeria Kaufhof GmbH. Vor der Fusion mit Karstadt betrieb Galeria Kaufhof 96 Filialen.
Das Verschwinden der Namen Karstadt und Kaufhof aus dem offiziellen Firmennamen markiert also das Ende von weit über 100 Jahren eigenständiger Geschichte dieser Marken, die das Stadtbild vieler deutscher Städte prägten.
Die neuen Eigentümer und ihre Pläne
Mit Wirkung zum 1. August 2024 gehört das Unternehmen einem Konsortium, das vom Mannheimer Unternehmer Bernd Beetz und dem US-Investor Richard Baker getragen wird. Bernd Beetz, der das Konsortium mit anführt, hat bereits erste Einblicke in die angestrebte Ausrichtung des Unternehmens gegeben. Er verspricht eine „neue Unternehmenskultur“ bei Galeria.
Die erklärten Ziele der neuen Eigentümer sind klar formuliert:
- Die Filialen sollen attraktiver gestaltet werden.
- Leistung soll stärker belohnt werden.
- Die Zufriedenheit der Kunden soll gesteigert werden.
Diese Punkte deuten auf Investitionen in die Modernisierung der bestehenden Standorte sowie auf eine strategische Neuausrichtung hin, die das Einkaufserlebnis in den Mittelpunkt stellt. Es wird darauf gesetzt, die Kernkompetenz als Warenhaus zu stärken und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. So hat sich das Unternehmen beispielsweise bereits von den Galeria-Reisebüros getrennt.
Die verbliebenen Filialen sollen modernisiert werden, um eine attraktive Einkaufsatmosphäre und ein ideales Einkaufserlebnis zu bieten. Dies ist entscheidend, um im Wettbewerb mit Online-Händlern und anderen stationären Formaten bestehen zu können.
Auswirkungen auf Filialen und Mitarbeiter
Zum Zeitpunkt der Übernahme gab es noch 92 Filialen der Galeria Karstadt Kaufhof in Deutschland mit rund 12.800 Mitarbeitern. Die Übernahme durch das Konsortium bedeutet leider nicht, dass alle Standorte erhalten bleiben können. Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus gab an, dass wohl etwa 70 Filialen von dem Investor übernommen werden sollen.
Die finale Entscheidung über die genaue Anzahl der zu schließenden Filialen sollte ursprünglich Ende April fallen. Mit dem Abschluss des Verfahrens und der Übernahme steht nun fest, dass die Zahl der Filialen bis Anfang September auf 83 sinken soll. Dies bedeutet, dass 9 weitere Filialen zusätzlich zu den bereits zuvor bekannt gewordenen Schließungen betroffen sein werden. Zum Zeitpunkt der Insolvenzeröffnung standen 16 Filialen auf der ursprünglichen Streichliste. Die finale Zahl von 83 Filialen bedeutet im Vergleich zu den 171 Filialen im Jahr 2020 eine Halbierung des Filialnetzes innerhalb von nur vier Jahren.
Auch die Zahl der Mitarbeiter wird sich reduzieren. Das Unternehmen wird bundesweit rund 12.000 Beschäftigte haben. Dies ist eine Reduzierung im Vergleich zur Mitarbeiterzahl zum Zeitpunkt der Übernahme, aber es sichert immerhin die Arbeitsplätze für einen Großteil der Belegschaft.
Zusätzlich zu den Filialen wird auch die Unternehmenszentrale verkleinert und von Essen nach Düsseldorf umziehen. Diese Maßnahmen sind Teil der Bestrebungen, die Kostenstruktur des Unternehmens auf ein angemessenes Niveau zu reduzieren, wie Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus bestätigte. Er äußerte sich zuversichtlich, dass die wirtschaftliche Ausgangslage nach der Sanierung gut sei.
Der weitere Zeitplan
Der Vertrag mit NDRC wurde bereits unterschrieben und notariell beurkundet. Ein wichtiger formaler Schritt war die Entscheidung der Gläubigerversammlung über den Vertrag, die nach einer Prüfung durch das Amtsgericht Essen am 28. Mai stattfand und dem Plan zustimmte. Dies war die notwendige Freigabe, um die Sanierung und Rettung des Unternehmens zu ermöglichen.
Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus wird voraussichtlich bis Ende Juli die Kontrolle über den Konzern behalten. Mit dem Abschluss des Insolvenzverfahrens am 1. August geht die Kontrolle dann offiziell auf die neuen Eigentümer über. Dies ermöglicht Galeria, nach sieben Monaten im Insolvenzverfahren, wieder auf eigenen Beinen zu stehen und den geplanten Neustart umzusetzen.
Häufig gestellte Fragen
Hier beantworten wir einige häufige Fragen rund um die Zukunft von Galeria:
Wer hat Galeria Karstadt Kaufhof gekauft?
Galeria Karstadt Kaufhof wurde von einem Konsortium übernommen, das vom Mannheimer Unternehmer Bernd Beetz und dem US-Investor Richard Baker angeführt wird. Bakers Family Office NDRC ist der Hauptkäufer.
Wie heißt das Unternehmen jetzt?
Das Unternehmen heißt ab dem 1. August 2024 nur noch Galeria. Die Namen Karstadt und Kaufhof entfallen.
Wie viele Filialen wird es zukünftig geben?
Zum Zeitpunkt der Übernahme gab es 92 Filialen. Die Zahl soll bis Anfang September auf 83 reduziert werden. Ursprünglich sollten wohl etwa 70 Filialen übernommen werden, die finale Zahl ist nun aber höher angesetzt.
Was passiert mit den Mitarbeitern?
Von den rund 12.800 Mitarbeitern zum Zeitpunkt der Übernahme werden nach den geplanten Schließungen und Umstrukturierungen bundesweit rund 12.000 Beschäftige bei Galeria tätig sein. Ein Großteil der Arbeitsplätze konnte somit gerettet werden.
Wann übernehmen die neuen Eigentümer offiziell?
Nachdem die Gläubigerversammlung zugestimmt hat und das Insolvenzverfahren am 1. August 2024 aufgehoben wurde, geht die Kontrolle an diesem Datum offiziell auf die neuen Eigentümer über.
Warum musste Galeria erneut Insolvenz anmelden?
Die erneute Insolvenz war eine direkte Folge der finanziellen Schwierigkeiten und der Insolvenz der bisherigen Eigentümerin, der Signa-Gruppe von René Benko.
Was sind die Pläne der neuen Eigentümer?
Die neuen Eigentümer planen, die verbliebenen Filialen zu modernisieren, das Einkaufserlebnis zu verbessern, die Kostenstruktur anzupassen (u.a. durch Verkleinerung der Zentrale und Umzug) und sich auf die Kernkompetenz als Warenhauskonzern zu konzentrieren.
Fazit
Die Übernahme von Galeria Karstadt Kaufhof durch das Konsortium um Bernd Beetz und Richard Baker ist ein Wendepunkt für das Unternehmen. Nach turbulenten Jahren und wiederholten Insolvenzen besteht nun die Chance auf einen echten Neustart. Die Reduzierung des Filialnetzes und der Belegschaft sind schmerzliche, aber notwendige Schritte, um das Unternehmen wirtschaftlich stabil aufzustellen. Die Fokussierung auf die Modernisierung der verbliebenen Standorte und die Verbesserung des Kundenerlebnisses sind entscheidend für den Erfolg in der Zukunft. Mit dem Abschied von den Namen Karstadt und Kaufhof und der Konzentration auf die Marke Galeria beginnt eine neue Ära für Deutschlands letzten großen Warenhauskonzern. Die kommenden Monate werden zeigen, wie gut die geplanten Maßnahmen greifen und ob Galeria es schafft, sich erfolgreich im sich wandelnden Einzelhandelsmarkt zu behaupten.
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